Schiffbau vor 1000 Jahren

  • Ich war heute mit meiner Frau im Schiffsmuseum Roskilde und habe viele interessante Fakten über den Bootsbau vor über 1000 Jahren erfahren.

    In einer seichten Bucht vor Roskilde wurden in den 50er Jahren 5 dort versenkte Schiffswraks gefunden.


    Zur eigentlichen Bergung wurden Spundwände (nicht Soundwände) eingerammt, das Areal leer gepumpt und die Archäologen haben über 100.000 Holzteile und Nägel geborgen.


    Es waren 5 verschiedene Schiffstypen. 2 Lastsegler mit breitem und tiefen Rumpf, 2 verschieden große Langboote und ein Fscherboot.


    Alle Boote wurden über die Jahre rekonstruiert und fahren in der Bucht vor dem Museum von Roskilde.


    Das große Langboot hatte platz für ca. 80 Krieger(ca28m lang), das kleinere für ca 30 Krieger(ca 15m lang)


    Das Holz war hauptsächlich Eiche. Es wurde aber auch Birke, Esche und Hainbuche verbaut. Die Boote wurden überlappend beplankt (Klinkertechnik)

    Um die Holzplabken mit dem Rumpf zu verbinden benutze man ca. 25-30mm durchmessende Holznägel. Um die Planken miteinender zu verbinden wurden Nägel und 4-eckige Plättchen mit einem Loch in der Mitte geschmiedet. Danach wurde der Nagel vom innen durch die Planke und die 4eckige "Unterlegscheibe" gesteckt und kalt vernietet, bzw der herausstehende Nagel mit einem eisernen Hammer halbrund geschlagen. (wie ein Niet)


    Letztes Bild Nachbau "Neubau" eines Langbootes


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    Viele Grüße


    Wolfgang

    Edited once, last by O-Brian (August 19, 2026 at 6:16 PM).

  • Zur eigentlichen Bergung wurden Soundwände eingerammt

    Da wäre ich gerne dabei gewesen, was wurde denn damit abgespielt? Nichts für ungut, bei dieser Vorlage konnte ich nicht widerstehen...;):D Also nichts für ungut - ansonsten interessanter Bericht, bin mal gespannt, was Du noch alles berichtest!

  • ......Wolfgang, das ist doch ein positives Zeichen, das dein Beitrag sehr aufmerksam gelesen wurde.....

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    Viele Grüße Andreas

  • Beim Bau der Boote wurde der gesamte Baum verwendet, kein Holz verschwendet und die Bootsbaumeister haben das Holz "gelesen" In welcher wuchsrichtung das Holz gewachsen ist. Zum Beispiel wurden Astgabeln für die schmalen Teile im Bug un Heckbereich benutzt. Gebogene starke Äste wurden im Kielbereich verwendet oder für die Seitlichen Spanten, wenn sie bereits die richtige Krümmung hatten.

    Auf der Grafik kann man gut erkennen welcher Baumteil in welchem Bootsteil Verwendung fand.


    Das Holz wurde entlang der Faserrichtung mit Holzkeilen aufgespalten.

    Hier sieht man die Bootsbauer beim Holzspalten eines Eichenstückes in der Museumswerft.

    Dadurch das die Faserrichtung nicht durch Schnitte unterbrochen wird, sondern möglichst immer mit der Faserrichtung gearbeitet wird, behält das Holz seine belastbarkeit und elastizität.

    Es wurden sehr viele Holznägel bei den Ausgrabungen gefunden, die teilweise keinem der Fundschiffe zugeordnet werden konnten. Hier kann man gut sehen, das der erste Holnagel im Bild geschlitzt ist und auf der innen- oder aussenseiten des Rumpfes bzw. Spants ein kleiner Keil eingeschlagen wurde um das Holz etwas aufzuspreizen. (Das kriegste net mehr auseinander...)


    Das Wasser erledigt dann den Rest. Diese Holzverbindungen sitzen bombenfest wenn das Holz etwas aufgequollen ist.


    Um den Rumpf wasserdicht zu bekomen hat man Birkenteer verwendet, den man aus dem Saft der Birken gewonnen hat. Bitumen gab es ja noch nicht.


    Viele Grüße


    Wolfgang