Oha! Wer die Titelzeile gelesen hat, denkt sicher: von dem Schiff gibt es doch einen sehr schönen Bogen von der Kartonwerft! Warum denn alles selber machen? Imogens schöner Bogen bietet doch sogar ein Unterwasserschiff!
Ja, alles richtig. Ich kann jedoch nichts dafür, dass ich beim Ansehen von Bauplänen ein starkes Jucken in den Fingern spüre und meistens sogleich loslegen möchte. So ging's mir, als ich in einer alten Ausgabe von „das logbuch“ einen Beitrag zu dem schönen kleinen Küstenfrachter nebst den verkleinerten Modellbauplänen gefunden habe. In der Ausgabe 4/1985 stellt Wolfgang Bohlayer das Vorbild und die von ihm gezeichneten Pläne vor. Für ein Modell im Maßstab 1:250 reicht die Qualität allemal, die vielen herausgezeichneten Details und Abwicklungen einzelner Elemente sind ein wahrer Genuss. Also geht der geliebte Modellbau nach Plan als eine harmlose Form der Zwangshandlung los.
Zunächst zum Original: Der englische Küstenfrachter GOWERIAN stellt einen typischen Vertreter der einst vor den britischen Küsten vorkommenden, zahlreichen, dampfbetriebenen Transporter für Kohle, Erz oder Fertigprodukte der Industrien dar. Der Coaster wurde von der Cyril Shipping Co. Ltd. in Cardiff bestellt und im Januar 1921 getauft. GOWERIAN war als Frachter mit langem Quarterdeck, Brücke mittschiffs und Maschine achtern konstruiert. Vor dem Ballastwassertank achtern lag die Maschine und der Kesselraum. Davor erstreckte sich der Kohlenbunker über die volle Schiffsbreite mit einem Fassungsvermögen von 53 Tonnen. Bis zum Backendschott reichte davor der Laderaum, der über zwei Luken bedient werden konnte. Im Brückenaufbau waren der Salon und die Unterkünfte von Kapitän, erstem Offizier und dem Steward (letztere teilten sich eine Doppelkabine!). Darüber lag das Kartenhaus und natürlich die offene Brücke mit Navigationsgeräten.
Im achteren Deckshaus war das Maschinenpersonal untergebracht. Zwischen Maschine und Kesselschacht befanden sich die Messe und die Kombüse. Die restliche Mannschaft hatte zusammen mit dem zweiten Offizier ihre Unterkünfte unter der Back.
Die Dreifach-Expansionsmaschine erhielt ihren Dampf von einem Zylinderkessel und setzte den leeren Frachter während der Probefahrt auf 11 Knoten Fahrt. Dampfwinden betrieben die Ladebäume, die je drei Tonnen heben konnten.
Ein hübsches Schiff, oder? Bei den Schiffsmodellbautagen im Schaudepot des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg stellte Herr Bohlayer im letzten Jahr sein nach eigenen Plänen gebautes Modell im Maßstab 1:100 aus. Der Anblick gab mir nochmals Schub, mit dem schon lange geliebäugelten Schiff nun anzufangen. Das sehr tolle Buch „Steam coasters and short sea traders" (C.V. Waine und R.S. Fenton, Waine Research) fand dann auch endlich mal den Weg aus dem Regal auf den Basteltisch.
Ein Wort in eigener Sache: Ein Baubericht ist für mich zunächst ein Zurückgeben für die vielen Berichte und Informationen, die ich hier aus dem Forum bekomme. Als Weiteres dient er auch der Qualitätskontrolle meiner eigenen Arbeit (Makros!) und der Hoffnung auf Feedback eurerseits, welches meine Bautechnik verbessert und neue Informationen über das Vorbild bringt. Momentan komme ich aber selten zum Bauen, sodass es sein kann, dass es auf diesem Kanal mal lange still sein kann.
Wir werden sehen… ![]()