Coaster GOWERIAN – 1:250 – Eigenbau nach Planvorlage

  • Oha! Wer die Titelzeile gelesen hat, denkt sicher: von dem Schiff gibt es doch einen sehr schönen Bogen von der Kartonwerft! Warum denn alles selber machen? Imogens schöner Bogen bietet doch sogar ein Unterwasserschiff!

    Ja, alles richtig. Ich kann jedoch nichts dafür, dass ich beim Ansehen von Bauplänen ein starkes Jucken in den Fingern spüre und meistens sogleich loslegen möchte. So ging's mir, als ich in einer alten Ausgabe von „das logbuch“ einen Beitrag zu dem schönen kleinen Küstenfrachter nebst den verkleinerten Modellbauplänen gefunden habe. In der Ausgabe 4/1985 stellt Wolfgang Bohlayer das Vorbild und die von ihm gezeichneten Pläne vor. Für ein Modell im Maßstab 1:250 reicht die Qualität allemal, die vielen herausgezeichneten Details und Abwicklungen einzelner Elemente sind ein wahrer Genuss. Also geht der geliebte Modellbau nach Plan als eine harmlose Form der Zwangshandlung los.

     


    Zunächst zum Original: Der englische Küstenfrachter GOWERIAN stellt einen typischen Vertreter der einst vor den britischen Küsten vorkommenden, zahlreichen, dampfbetriebenen Transporter für Kohle, Erz oder Fertigprodukte der Industrien dar. Der Coaster wurde von der Cyril Shipping Co. Ltd. in Cardiff bestellt und im Januar 1921 getauft. GOWERIAN war als Frachter mit langem Quarterdeck, Brücke mittschiffs und Maschine achtern konstruiert. Vor dem Ballastwassertank achtern lag die Maschine und der Kesselraum. Davor erstreckte sich der Kohlenbunker über die volle Schiffsbreite mit einem Fassungsvermögen von 53 Tonnen. Bis zum Backendschott reichte davor der Laderaum, der über zwei Luken bedient werden konnte. Im Brückenaufbau waren der Salon und die Unterkünfte von Kapitän, erstem Offizier und dem Steward (letztere teilten sich eine Doppelkabine!). Darüber lag das Kartenhaus und natürlich die offene Brücke mit Navigationsgeräten.

    Im achteren Deckshaus war das Maschinenpersonal untergebracht. Zwischen Maschine und Kesselschacht befanden sich die Messe und die Kombüse. Die restliche Mannschaft hatte zusammen mit dem zweiten Offizier ihre Unterkünfte unter der Back.

    Die Dreifach-Expansionsmaschine erhielt ihren Dampf von einem Zylinderkessel und setzte den leeren Frachter während der Probefahrt auf 11 Knoten Fahrt. Dampfwinden betrieben die Ladebäume, die je drei Tonnen heben konnten.

    Ein hübsches Schiff, oder? Bei den Schiffsmodellbautagen im Schaudepot des Deutschen Hafenmuseums in Hamburg stellte Herr Bohlayer im letzten Jahr sein nach eigenen Plänen gebautes Modell im Maßstab 1:100 aus. Der Anblick gab mir nochmals Schub, mit dem schon lange geliebäugelten Schiff nun anzufangen. Das sehr tolle Buch „Steam coasters and short sea traders" (C.V. Waine und R.S. Fenton, Waine Research) fand dann auch endlich mal den Weg aus dem Regal auf den Basteltisch.

     


    Ein Wort in eigener Sache: Ein Baubericht ist für mich zunächst ein Zurückgeben für die vielen Berichte und Informationen, die ich hier aus dem Forum bekomme. Als Weiteres dient er auch der Qualitätskontrolle meiner eigenen Arbeit (Makros!) und der Hoffnung auf Feedback eurerseits, welches meine Bautechnik verbessert und neue Informationen über das Vorbild bringt. Momentan komme ich aber selten zum Bauen, sodass es sein kann, dass es auf diesem Kanal mal lange still sein kann.

    Wir werden sehen… :)

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Also geht der geliebte Modellbau nach Plan als eine harmlose Form der Zwangshandlung los.

    Wunderbar formuliert, Klaus!


    Gruß
    Roland

  • Moin, moin Klaus,

    tolles Projekt :thumbup: !

    Immo`s Bogen liegt hier schon länger recht weit oben im Stapel und da werde ich bestimmt bei deiner Eigenkonstruktion noch das eine oder andere ergänzenswerte Detail "abgucken" können.......und dann bei dem schönen Modell der Kartonwerft zu gegebener Zeit berücksichtigen......:thumbsup:.

    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat! Es lebe der Zentralfriedhof.......

  • Selbst konstruieren, alle Achtung!

    Wohl dem, der kann... Ich brauche immer jemanden, den ich überreden kann ;)

    Ich wünsche gutes Gelingen und bin gespannt, wie/wann es weiter geht.

    Beste Grüße

    Fiete

  • Sehr schön, eine Fangemeinde hat sich um den kleinen Steamer versammelt. Dann muss ich mir jetzt richtig Mühe geben… ;(

    Ich will nicht spoilern, wie man aktuell so sagt, aber bevor ich mit einem Baubericht starte, baue ich wesentliche Dinge um, um sicherzugehen, dass das Modell auch was wird. Der Rumpf ist also schon fertig und dessen Bau kann ich nur rückwirkend beschreiben.

    Wir haben hier ein Spantengerüst für ein Vollrumpfmodell im Maßstab 1:250 aus Graupappe. Das Original war 44,85 m über alles lang bei einer Breite auf Spant von 7,70 m und einem Tiefgang von 3,45 m. So wird mein Modell also knapp 18 cm lang (17,5 cm) bei einer Höhe von 7,3 cm vom Kiel bis zum Flaggenstock. Schön übersichtlich also.

     

    Die Baupläne aus dem Heft habe ich mir auf meinen Wunschmaßstab vergrößert und die Risse der Halbspanten jeweils gespiegelt. Ich will meinen Modellbau technisch low halten und arbeite seit einiger Zeit wieder mit Transparentpapier und Bleistift. Damit zeichne ich die Spanten abzüglich der späteren Beplankung aus dem Plan heraus, drehe das Pergament um und drücke von der Rückseite die Bleistiftlinien auf mein Baumaterial durch (Frottagetechnik).

    Folgende Entscheidungen musste ich treffen: Es wird ein Vollrumpfmodell. Die Ladeluken zeige ich geschlossen (das Deck und die Spanten in den Bereichen hätten sonst offen sein müssen). Das Modell kommt später auf keinen Sockel (dazu müssten in der Grundplatte unten zwei Aussparungen eingepasst werden).

    Am Spantengerüst zeigt sich schon, wozu GOWERIAN gebaut wurde: um möglichst viel Ladung zu transportieren und nicht um Preise in Eleganz und guter Form zu bekommen. Die Decks haben eine kleine Balkenbucht und Cutter-Einritzungen für die späteren Positionen der Deckshäuser und Ladeluken. Die Bohrung für den Großmast darf nicht vergessen werden.

     

    Die Endschotts von Back und Brücke sowie deren Frontschott sind hier eingebaut und mit Revell-Aqua-Color Ocker angemalt. Das Quarterdeck sowie das Hauptdeck (im „Versaufloch“) haben einen rostroten Revell-Ton bekommen. Die Schanzkleider sind angepasst und unten mit Schlitzen versehen, um später die Rundungen der weiteren Beplankung besser mitmachen zu können. Den Belag der Back habe ich ursprünglich und hier zu sehen aus den Bauplankopien genommen. Das habe ich aber später durch eine im Rechner gesetzte, deutlich sauberere Decksfläche ersetzt (Foto folgt). Das Backdeck glänzt mit einer Öffnung für den Fockmast und dem Fundament für die Ankerwinde. Spant Nr. 18 wurde nach dem Fotoshooting wieder gerade in Position geklebt.

    (Fortsetzung folgt)

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Da lacht das Vollrumpf-Herz, Klaus! :thumbsup:


    Gruß
    Roland

  • Bob Seger, "Like a Rock" :thumbsup:


    Gruß
    Roland

  • Heiter weiter: Das Gerippe habe ich mit Papierstreifen und Holzleim beklebt. Das muss alles nicht sehr sauber sein, Hauptsache die Schiffsform kommt heraus und ist passend auf den Spanten angelegt. Die Papierstreifen laufen dabei diagonal über die Spanten. Erstmals habe ich zur Verstärkung der Konstruktion eine Papierserviette mit dem entsprechenden flüssigen Kleber aufgetragen. Sieht hübsch aus, oder? :D

      


    Wie immer an der folgenden Stelle schreibe ich, dass ich gerne mit Spachtel arbeite, denn der ist später nicht mehr zu sehen. Beulen allerdings schon. Also kam der heißgeliebte Baumarktspachtel zum Zuge und nach dessen Trocknung das Schleifpapier.

    Nach guter Trocknungszeit nahm ich wieder mit Transparentpapier die Bordwände des Überwasserschiffs ab und schnitt aus Entwurfspapier die ermittelten Abwicklungen aus. An die Bullaugen und die Ankerklüsen muss unbedingt gedacht werden.

     

     


    Beim folgenden Aufbau des Unterwasserschiffes musste ich dann schon genauer arbeiten. Aber auch diesen Schritt habe ich wieder mit Spachtel geglättet, um dann final die abliegenden Plattengänge des genieteten Rumpfes aufzuleimen. Probehalber, um Macken zu ermitteln, hat der Rumpf schon seinen ersten Farbanstrich verpasst bekommen.

    (Fortsetzung folgt)

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • ...anregender und mich begeisternder Modellbau, Klaus!

    Das ersetzt den doppelten Espresso und ein Stück Tiramisu am Morgen. ;)


    Gruß
    Roland

  • Moin Roland,

    aus Deiner Feder ließt sich sowas aber sehr angenehm. Vielen Dank dafür!

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin Klaus,

    Hervorragende Vorgehensweise.....jetzt wird Tante Frieda's Kaffeetafel geplündert.

    Was so ein Werft Besitzer doch alles gebrauchen kann, verblüffend.

    Bin gespannt was du noch alles aus dem Hut zauberst.

    Beste Grüße

    Mike

  • Na, mal schauen, was sich im Haushalt oder im Müll noch finden lässt, um es für ein Modell zu verbauen.

     


    Ich habe gemalt und geklebt. Der Rumpf hat seine Farbe bekommen. Sonst habe ich für das Unterwasserschiff gerne Rostrot als Ton genommen. Diesmal wollte ich mein Modell farblich freundlicher halten und habe mich für ein reines Rot entschieden. Die Schiffsnamen habe ich auf einer schwarzen Fläche ausgedruckt und mit dem Pinsel vorsichtig in den Rest des Überwasserschiffes integriert. Der weiße Wasserpass ist ein aufgeklebter Papierstreifen.

    Ich hatte mich gefragt, ob so ein Arbeitspferd wie ein Küstenfrachter so etwas Schickes hatte. Auf Fotos im erwähnten Buch wurde ich fündig. Wolfgang Bohlayers Modell aus #1 zeigt sogar einen weißen Streifen außen, kurz unter dem Schandeckel. Auch sowas fand ich zumindest auf einem Foto im Buch. Den zweiten Streifen habe ich aber weggelassen, ich will ja keine Jacht haben (nein, der Streifen war mir einfach zu kompliziert zum Aufkleben :rolleyes:).

    Apropos Schandeckel: Auf den Fotos ist das noch nicht abgeschnittene Stück auf der Verschanzung des „Versauflochs“ zu sehen. Außerdem habe ich alle Schanzkleidstützen eingeklebt. Ich staune immer wieder, wie diese Stützen positiv zum Gesamtbild eines Schiffsmodells beitragen. Das Schiff hat auch sein Ruder bekommen, und der erwähnte Belag der Back ist durch eine saubere Computergrafi ersetzt (das wird auf kommenden Fotos besser zu sehen sein).


    Soweit der kurze Gruß aus der Küche.

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Danke für die Anerkennung zur Rumpfbeplattung. Darauf gab's ein weiteres Astra zur Feier des Tages :thumbsup:

    Hinter den Kulissen hatte ich via PN einen Austausch zur Beplattung und zur Lage der Platten auf den Spanten der alten, genieteten Schiffe. Das tiefergehende Interesse freut mich.

    Die Lage der Plattengänge bei meinem Modellrumpf habe ich dem erwähnten Buch „Steam Coasters and Short Sea Traders“ entnommen. Der Modellbauplan zeigt die Plattenlagen leider nicht an. In der PN-Diskussion fiel mir das alte Fachbuch vom Beginn des 20. Jahrhunderts, „Ernst Müller: Eisenschiffbau“, wieder ein. Hier werden die alten Arbeitsweisen der Schiffbauer gut beschrieben und es ist sicher für jeden interessierten Schiffsmodellbauer lesenswert. Demnach hing die Lage der Platten auf dem Rumpf von deren Größe ab. Diese wiederum wurde von der Werft oder vom Auftraggeber bestimmt – aus finanziellen oder auch praktischen Gründen. Schmalere- und damit mehr Gänge erhöhten die Festigkeit eines Rumpfes, machten ihn jedoch auch schwerer und teurer.

    Die Schergänge, gegen die innen ein Deck stieß, hatten demnach stets auf den Spanten anzuliegen. Müller schreibt, dass geklinkerte Schiffsböden nur zu Beginn des Eisenschiffbaus praktiziert wurden. In meinem Buch über die britischen Coaster finde ich jedoch Spantenrisse aus späterer Zeit mit geklinkerten Böden.

    Die zum Thema relevanten Seiten sind bei Google Books einsehbar. Aus dieser Quelle habe ich auch die Anhänge generiert:

    Eisenschiffbau
    books.google.de

    Ich finde es interessant, weiter ins Thema einzusteigen. Einheitliche Regeln der Beplattungslagen im Handelsschiffbau sind offenbar nicht auszumachen. Das wurde von Land zu Land, Werft zu Werft, Auftraggeber zu Auftraggeber sicher individuell gelöst.


     

     

     

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin Klaus,

    Deine Arbeit am Vollrumpf hat sich gelohnt. Sieht harmonisch aus und gibt das Aussehen und die Atmosphäre eines alten, aus genieteten Plattengängen gebauten Schiffrumpfes sehr schön wieder. Gefällt mir gut.:thumbsup: :thumbsup:

    Wir haben uns ja schon über PN über die Reihenfolge der Plattengänge ausgetauscht. Wie individuell die Werften handelten ist sehr schön am Hauptspant der PRINZ HEINRICH, 1909, sehen:

    Hier sind Kimm-

    Und Schergang anliegend.

    Herzlichen Dank für deine Recherche und Einstellen der hochinteressanten Seiten aus dem "Müller"Buch. Ich bin gespannt ob und was zu diesem Thema noch beigetragen wird.

    Viele Grüße, Johannes

    und natürlich :thumbsup: Für deinen Coaster

  • „Na? Was liegt an?“ (Bugs Bunny) :cool:

    Die Rechtschreibprüfung sollte mal von Schiffbauern trainiert werden. Aus „Beplattungen" macht sie mir immer wieder „Bepflanzungen", aus „Coaster" wird „Toaster" … ;(

    Vielen Dank, Johannes, dass Du den Blick auf dieses Detail gelenkt hast. Bei meinem Modell habe ich mich ohne zu hinterfragen an der Zeichnung auf Seite 24 in meinem Buch „Steam Coasters and Short Sea Traders" von Waine/Fenton orientiert.

    Im Buch finden sich weitere Risse von Hauptspanten, die diese Anordnung der Beplattung bestätigen, aber auch andere Formen zeigen (offensichtlich wurde auch viel geklinkert). Manchliegen liegen die Schergänge auch ab.

    Beim Morgenspaziergang habe ich mir gerade die RICKMER RICKMERS angesehen. Die Schergänge liegen dort ebenfalls überlappend ab (Bereich unterhalb der Bullaugen. Abliegende Plattengängen in den Schergängen zeigen es übrigens auch Spantenschnitte von PAMIR und PEKING). Ich meine, mein Modell mit der korrekten Darstellung der Plattenlagen versehen zu haben – zumindest folgt es dem Müllerschen Lehrbuch ;)

     

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

    Edited once, last by Klaus: Die automatische Rechtschreibkorrektur! Abliegend, anliegend... man muss höllisch aufpassen! (July 13, 2026 at 10:19 AM).

  • Moin Klaus,

    Mein Morgenspaziergang führte mich durch Wald und blühende Wiese zum Bäcker ;) ,leider an keinem Schiff vorbei :whistling:.

    Ich hab nicht gedacht, dass es so viele Möglichkeiten der Rumpfbeplattung gibt. Die von Dir gewählte Variante passt und: schön, dass Du dieses Detail darstellst und uns daran teilhaben lässt.

    Viele Grüße und weiterhin :thumbsup: :thumbsup:

    Johannes

  • Wie präsentiere ich nun mein Modell? Die Frage verlangt nun nach einer handfesten Antwort.

    Eine Wasserfläche wollte ich nicht anlegen (dann hätte ich kein Vollrumpfmodell gebaut), auf einen Sockel wollte ich es auch nicht wieder stellen (dafür hätte ich Aussparungen im Rumpf einbauen müssen), und in ein Diorama wollte ich es auch nicht setzen (vielleicht dann in ein Dock? Oder trockengefallen dargestellt, um die Ladung zu löschen? Das machten Clyde-Puffer. Ob Steam Toasters auch trockenfallen konnten?). Kurz habe ich überlegt, das Schiff als Werftmodell mit silberfarbenen Relings und Pollern sowie messingfarbenen Lüftern und Winden zu zeigen. Das wäre reizvoll, die Idee hebe ich mir aber für einen stattlicheren Dampfer auf.

    Moment! Werft ist vielleicht doch ganz gut. Nicht detailliert, nicht als Diorama, nur angedeutet. Als Kontrast zum sauberen Schiff kann eine rotte Präsentation reizvoll sein.

    Also habe ich aus einer Kartonschachtel ein Display gebaut und es rostfarben angemalt. Pate stand dabei ein Stück alter Schiffbaustahl.


    Aus Graupappe habe ich Pallen gebaut und diese ebenfalls rostfarben angemalt. Mit einer Schablone kamen die Pallen auf den „Dockboden“, der mittlerweile mit einer Holzleiste eingefasst ist.


    So klebt der Rumpf nun hoch und trocken auf seiner Präsentation. Vielleicht kommen am Ende noch ein Werftarbeiter als Größenvergleich und ein paar Fässer und Kisten dazu?

     

     

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  • Der grobmotorische Rumpfbau ist abgeschlossen. Die vielen Likes dazu freuen mich natürlich.

    Jetzt gehts an Kleingefummel. Zur richtigen Reihenfolge habe ich mir zuerst Bauberichte zu einem Modell aus Imogen KartonWerft angesehen. Ich folge ihrer Reihenfolge und beginne auf dem Quarterdeck, das Schiff auszurüsten.

    Bisher fehlten die Schmutzränder an den Schanzkleidern (dunkelgraue Absätze auf Deckshöhe, die Dreckspritzer kaschieren sollen). Die habe ich jetzt nachgetragen – richtig gut zu sehen sind sie nicht, aber das Weglassen hätte mich gewurmt.

    Bevor das Deckshaus und die Ladeluke an Deck kommen, habe ich die Steuerzüge für Ruder und Pinne aufgebaut. Einen Quadranten gab es offenbar nicht. Damit der Abstand zwischen Steuerstangen und Ketten genau passt, habe ich ein passendes Rechteck aus Graupappe dazwischengelegt.

    Auch die insgesamt sechs Poller sind jetzt an Bord. Den Fummelkram hätte ich also geschafft. Die hintere Ladeluke sitzt im Rohbau schon an ihrem Platz zwischen den Ruderzügen. Das passt! Puh!

     

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin Klaus!

    Ob Steam Toasters auch trockenfallen konnten?

    Klar. Sonst wird der Toast doch gar nicht knusprig! :D:D:D

    Aber lagen Schiffe dieser Größe schon quasi ungesichert auf den Pallen, oder müssten bei Deinem künftigen Größenvergleich vielleicht noch ein paar Stempel und Stützen aufgestellt werden?

    "Ich glaube nicht, dass der Shitstorm die Weiterentwicklung der Demokratie ist." (Wolfgang Schäuble)

    Wer "Remigration" wählt, wird "Endlösung" ernten.

    Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Artikel 1 Grundgesetz)

  • Ach, diese ver... :cursing: Rechtschreibkorrektur! Aus „Coaster“ macht sie „Toaster“, aus „Beplattung“ wird „Bepflanzung“, aus „Kiel“ „Keil“, aus „Poop“ „Pool“. Die ganzen Programme und KIs sollten mehr von Schiffbauern trainiert werden.

    Aber wenigstens hast Du aufmerksam den Text gelesen :thumbup:. Wenn ich „Steam Coaster“ in die Suchmaschine werfe, kommen lauter Achterbahnen. Auch lustig...

    Trotz dem flachen, kiellosen Boden des Coasters sind Pallen nicht genug. Auf Seite 27 meines Buches „Steam Coasters an Short See Traders“ ist so eine Docksituation zu sehen. Da liegen einige Hilfsmittel unter und neben dem Schiff zur Sicherung.

    Mal sehen, ob ich später vielleicht einiges davon zumindest andeute. Reizvoll ist es allemal. Aktuell geht es mir darum, die volle Rumpfform zu zeigen ohne störende Stützen oder Stempel. Das Dock soll lediglich eine Andeutung sein, kein ausgeführtes Diorama mit hoher Wirklichkeitstreue.

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • In vielen englischen Häfen, die tidenabhängig waren und/oder sind, ist das Trockenfallen am Kai durchaus üblich (gewesen). Die Reederei in der meine SChwester arbeitete, hatte in London einmal die Situation, dass sich bei auflaufendem Wasser das Schiff nicht aus dem saugenden Schlick befreien konnte. Der Kapitän hat dann mittels des Ladegeschirrs und schwerem Ladegut eine künstliche Krängung hervorgerufen, Dadurch kam das Schiff schmatzend/schaukelnd wieder ins Schwimmen. Soll eng gewesen sein damals.

    Beste Grüße aus Hannover, Dirk

    Kun dat nich sien as dat mutt - mutt dat sien as dat kun

  • Hallo Dirk,

    Danke für die Information. Das Trockenfallen kenne ich nur von den Clyde Puffern. Betraf das die deutlich größeren Coaster dann wohl auch? Der flache Boden ohne Aussenkiel machte es möglich.

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin Klaus,

    schon länger verfolge ich mit großem Interesse deinen Eigenbau hier und freue mich sehr Einblicke in deine Vorgehensweise zu erlangen. Ähnlich habe ich in der Vergangenheit auch schon Schiffe gebaut. Das wird ein feines Schmuckstück.

    Zum Thema Trockenfallen bei Ebbe. Da braucht man gar nicht aufs andere Ende der Nordsee schauen, auch in unserem Wattenmeer gibt es solche Schiffe. Zum Beispiel die Inselfähren von Frisia, die bei Niedrigwasser jedes mal in der Landgewinnungsanlage namens Juister Hafen auf Grund liegen. Schiffe, die trocken fallen können, tragen ein zusätzliches Klassezeichen "Naabsa", die Abkürzung für ‘Not Always Afloat But Savely Aground (Nicht immer schwimmend aber sicher auf Grund). Da diese Schiffe einen flachen Boden haben, brauchen die keine weiteren Abstützung. Zur Anschauung hier ein Foto eines Sietas Typ 81 in Nordengland: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ship…_April_2006.jpg

    Ein anderes Beispiel, welches erst vor kurzem in Leer gebaut wurde, ist der Tanker "Thun Britain". Diese hat eine Tragfähigkeit von 5 300 t und eine Länge von 80 m.


    Viele Grüße

    Cariño

  • Die zum Thema relevanten Seiten sind bei Google Books einsehbar. Aus dieser Quelle habe ich auch die Anhänge generiert:

    Moinsen Klaus,
    tolles Projekt, was Du hier präsentierst. Meine Frage zu diesem Thema ist, liegen die Urheberrechte dieses Buches, die zuletzt beim Salzwasser Verlag, Paderborn beheimatet waren, jetzt bei Google, die hier bei uns immer nur abgegriffen, aber selten sich um Rechte geschert haben ...:D
    Wäre schön, den Autor des Buches zu nennen, dass hat er verdient. Allein aus Respekt vor seiner Arbeit, die andere jetzt nur abgreifen - und damit meine ich nicht Dich und andere unvoreingenommene Nutzer.

    Mit respektvollen Gruss
    kartonskipper

    MAGA: Make America Go Away :thumbup:

    Und die Geschichte meines Fletchers ist hier zu lesen: D170 alias Z1

  • Moin Cariño,

    das ist ein interessanter Input. Das so große Containerschiffe trocken fallen, wusste ich nicht. Solche Informationen gefallen mir, das weitet den Blick und bindet das Modellbauthema ins Große und Ganze Spektrum der Seefahrt ein.

    Moin Wilfried,

    dass Du mein Werk toll findest, freut mich.

    Den Autor Ernst Müller sowie den Buchtitel Eisenschiffbau und die öffentlich einsehbare Quelle habe ich in meinem Beitrag genannt. Mehr kann und möchte ich eigentlich auch gar nicht tun. Wo die Nutzungsrechte des Buches heute liegen, weiß ich nicht. Google Books stellt jedenfalls nur einen Teil der Seiten zur Ansicht bereit; ich bin daher davon ausgegangen, dass diese Vorschau rechtmäßig öffentlich zugänglich ist. Deshalb habe ich lediglich auf diese Quelle verwiesen.

    Viele Grüße
    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

    Edited once, last by Klaus: Rechtschreibfehler (July 28, 2026 at 6:23 PM).

  • Nachtrag: Den Bau der Seeschlagklappen wollte ich euch nicht vorenthalten. Bei 1:1-Schiffen öffnen sich die Klappen über ein Gelenk nur nach außen: An Deck gelaufenes Wasser drückt sie auf und kann ablaufen, während von außen anschlagendes Seewasser sie zudrückt und so am Eindringen gehindert wird. Am Modell habe ich außen ein Stück Papier aufgeklebt und innen das Gelenk mit Besenborsten imitiert. Dazu habe ich mir eine kleine Lehre gebaut, um die Stücke gleichmäßig anzufertigen.

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Oh, die Seeschlagklappen kamen gut bei euch an. Danke dafür :thumbsup:

    –––

    Finde den Fehler:

    Bei Bau des hinteren Deckshauses habe ich durch meine Transparentpapier-Abpauserei die Seitenwände spiegelverkehrt gebaut. Nicht schlimm? Merkt keiner? Zumal am Ende noch Davits und Barrings mit Beibooten beidseits die Sicht versperren? Nee, sowas ärgert mich. Die Aufteilung der Räume würde in dieser Form auch nicht mit der Aufteilung des folgenden Daches passen. Also alles nochmal neu bitte.

    Der finale Aufbau mit den geöffneten Türen sieht dann so aus.

     

    Der Wechsel zwischen Stahldeck und Holzbelag deckt sich nun mit den Türen und Bullaugen. Mittig, wo die zweigeteilte „Klöndör" ist, war die Kombüse. Das Deck darüber war vermutlich – wie auch weiter hinten über den Räumen des Maschinenpersonals und ihrer Messe – aus isolierenden Gründen mit Holz belegt. So ein Stahlaufbau kann im Sommer verdammt warm werden!

    Vorn auf dem Dach liegt die Bunkerluke für die Kohle als Maschinenbrennstoff.

    Einen Haufen Ausrüstungsteile galt es nun für das Dach anzufertigen: eine Seilwinde, einen Sanitärtank (liegt oberhalb der Maschinistenräume), einen Wassertank (ungewöhnlicherweise kofferförmig), den Kombüsenschornstein, eine Pumpe (wofür?), Maschinen- und Kombüsenoberlicht, zwei Deckslüfter, eine Gräting und eine Leiter (mit Serafilgarn in einer einfachen Schablone geklebt).

    Ich muss jetzt überlegen, wann ich zuletzt so viel Ausstattung für ein Aufbaudach hingefummelt habe.

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  • Mein Rohbau des Lukensülls für Luke 2 war dann doch zu breit, um zwischen die Züge des Rudergestänges zu passen ;(. Also folgten auch hier Nachfolger in der richtigen Größe.

    Luke 1 möchte ich verschalkt darstellen, Luke 2 teilweise geöffnet zeigen (eine Idee, die vor mir schon einige hatten).

     


    „Verschalken“ nennt der Seemann das seefeste Verschließen. Nach dem mühsamen Einlegen der Holzdeckel wurden mindestens drei Lagen Persenning über die Luken gezogen. Das erste Tuch wurde dabei von der Mitte aus mit vier Mann in alle Ecken ausgezogen. Die drei Lagen wurden anschließend mit Holzkeilen in die rings um das Süll angesetzten Schalkklampen geschlagen. Am Ende wurden alle vier Seiten mit je einer eisernen Schalklatte nochmal gesichert. Ganz zum Schluss kamen je Lukendeckelbahn noch eiserne Verschlusslatten querschiffs über die Luke (die fehlen auf den Modellfotos noch). Die Verschlusslatten drückten die Lukendeckel fest und dienten als Diebstahlsicherung und als Zollverschluss. Anstatt eiserner Latten gab es auch mit Segeltuch umnähte Stahldrähte für dieselbe Aufgabe. Auf Fahrt oblag die Sicherung der verschalkten Luken dem Schiffszimmermann, der stets neue Keile griffbereit in der Nähe der Sülle bereithalten musste.

    Beim Modell habe ich die Persenning mit einer Lage Papiertaschentuch dargestellt (Zweites Foto, rechts). Mit verdünntem Weißleim entstanden Falten wie beim echten Tuch. Auf die Darstellung der Keile und Schalklatten habe ich verzichtet – im Maßstab 1:250 sicher vertretbar, das würde sonst alles zu überladen aussehen.

    Die später teilweise geöffnet gezeigte Luke 2 soll den Blick auf eine Kohlen- oder Erzladung freigeben. Dazu habe ich ein Stück Papier in der Größe der Luke mit Acrylgel betupft, schwarz bemalt und in das Süll eingelegt. Mit dem Bleistift erzeugte ich dann einen leichten Glanz.

    Die Imitation wäre auch mit Mohn, Sand oder Kaffeepulver machbar – natürlich auch hier wieder mit Farbauftrag.

    Zwei Scherstöcke und die Lukendeckel als komplettes Teil liegen zur Weiterverarbeitung auf dem Foto bereit.


    Keine Luke ohne Winde! Die zwei Ladewinden seht ihr hier im Rohbau. Am Ende ist jede mit genau 40 Bauteilen fertig geworden.

    40 Bauteile für eine Winde? Wenn ich das vor mir in einem Bogen sehen würde, würde ich überlegen, ob ich das mache. So aber, beim Eigenbau, ergibt es sich Stück für Stück – und beim finalen Nachzählen wundert man sich dann selbst :)

    Die fertigen Winden, das montierte Deckshaus und die aufgesetzten Luken folgen im kommenden Beitrag. Geduld bitte :)

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    Edited once, last by Klaus (August 9, 2026 at 8:02 PM).

  • Et voilà! So ist der aktuelle Stand der Dinge am Montagmorgen.


     

    Die Luke 2 ist mittig geöffnet, die Lukendeckel liegen beidseits und geben den Blick auf die Kohle- oder Erzladung frei. Davor steht die Winde, hinter dem Lukensüll quetscht sich planmäßig ein Drucklüfter an Steuerbord zur Belüftung des Laderaums. Das Dach des achteren Aufbaus ist mit den gebauten Dingen gefüllt. Hinzugekommen ist noch das Hecklicht. Hinter dem Aufbau ist die Gräting über dem Ruderkoker mit dem Verholspill eingefügt.

     

    Das „Versaufloch" zwischen Brücke und Back ist komplett ausgerüstet. Die beidseitigen Niedergänge sichern eine gute Erreichbarkeit der höher liegenden Decks. Auch hier kam ein Laderaumlüfter – diesmal an Backbord – an seinen Standort.

     

    Ich glaube, jetzt kann man gaaaaanz langsam schon erkennen, was das mal werden soll … :love:

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Vielen Dank, Wolfgang. Das Modell macht auch wirklich Spaß. Es hat einiges an Details, ist aber kein Teilemonster. Es ist ein übersichtliches Arbeitstier der Seefahrt welches mir gut gefällt.

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»