Hamburger Hafenfähre 1880 Farbgebung und ander Fragen

  • Moin zusammen,


    für die Konstruktion der Hamburger Hafenfähre "Süd-Hamburg" kenne ich nur ein s/w Foto.

    Die Süd-Hamburg hatte 1880 auf der Reiherstieg-Werft ihren Stapellauf und war das ursprüngliche Schiff

    der heutigen MS Friedrich.


    Kann mir jemand mit der Farbgebung helfen? Woran kann ich mich orientieren?

    Eine Google-Suche nach noch existierenden Personenfähren aus der Zeit hat nichts ergeben.


    Nachstehend das Foto, entnommen aus dem Buch 125 Jahre MS Friedrich von Klaus Auf dem Garten von 2005.

    Dort steht als Text: Wahrscheinlich das einzig bekannte Foto, das mit Sicherheit die "Süd-Hamburg" darstellt;

    hier beim Kohlebunkern. (Sammlung Quast)


    Vielen Dank für eure Mithilfe!


    Gruß

    Klaus

  • Moin, moin Klaus,


    das Farbkleid der vom anderen Klaus eingebrachten MÖNCKBERG der HADAG finde ich sehr realistisch und läßt sich auch so (zumindest ungefähr) mit dem alten Foto abgleichen. Die SÜD-HAMBURG wurde ja ca. 1889 von der Fährreederei Grell an die HADAG verkauft und blieb dort bis 1918. Insofern könnte man m.E. nach das Farbkleid der MÖNCKEBERG auf die SÜD-HAMBURG übertragen........damit kann man glaube ich nichts falsch machen. Ein typischer Anstrich aus der damaligen Zeit.....


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Hallo,

    in Hamburg gibt es doch bestimmt ein Museum für Stadtgeschichte. Möglicherweise kannst du dort fündig werden. Vielleicht hilft auch einen Recherche über alter Postkarten mit Motiven aus Hanmburg

    Ulrich

                                                                                   Artikel 1 GG:

    Die Würde des Menschen ist unantastbar.

    Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt



  • Hallo,

    in Hamburg gibt es doch bestimmt ein Museum für Stadtgeschichte. Möglicherweise kannst du dort fündig werden. Vielleicht hilft auch einen Recherche über alter Postkarten mit Motiven aus Hanmburg

    Ulrich

    Das Museum für hamburgische Geschichte ist leider wegen Umbaus geschlossen. Zur Reederei Grell könnte man mal forschen. Vielleicht bei Tamm?


    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Ich habe beim Bau der Jan Molsen (ehemals Fähre, später Seebäderschiff) gelernt: 20er Jahre grün/creme (schon fast hellgelb) später in grün/weiß umgepöhnt. Kaiserzeit? Habe ich leider keine Idee.


    Leider nur ein halbguter Beitrag


    Beste Grüße aus Hannover, Dirk

    Kun dat nich sien as dat mutt - mutt dat sien as dat kun

  • Danke Klaus und Hajo,


    so ähnlich hatte ich mir das auch schon gedacht.

    Klaus, die Mönckeberg sieht sehr gut aus!

    Die Seite ist aber seit 2008 nicht mehr aktualisiert worden?


    Falls nichts anderes mehr kommt, werde ich die Fähre so konstruieren.

    Mit Glück schaffe ich es vielleicht noch bis zum Frühjahrsbasteln.


    Gruß

    Klaus

    Wir bleiben immer Kinder, und,
    so klug wir auch sein mögen, wir behalten immer die Lust,
    mit scharfen Messern und spitzen Scheren zu spielen.

    Wilhelm Raabe (1831 - 1910)


    Meine Modelle auf ecard: https://ecardmodels.com/vendors/hvc

  • Kaiserzeit? Habe ich leider keine Idee.

    Die JAN MOLSEN wurde 1925 auf der Stülcken-Werft in Hamburg gebaut.......da war nichts mehr mit Kaiserzeit..... ;) ^^ ! Ich denke, mit dem kaiserlichen Farbkleid a la MÖNCKEBERG liegt man so ziemlich richtig.



    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Recherche, Recherche und nochmal Recherche...


    Nachdem Reinhard nach Konstruktionszeichnung(en) gefragt hat und Klaus mir Fotos eines Modells vom IMMH geschickt hat,

    habe ich mir nochmal mein Friedrich-Buch und die Zeichnung angesehen.


    Die Urenkelin des J.H. Grell schrieb in ihren Erinnerungen, dass die Grell-Dampfer grün waren. Wenn ich mir das Foto nochmal ansehe,

    würde ich die Bordwände grün zeichnen, das Schanzkleid weiß und den Schornstein schwarz. Seht igr das auch so?


    Auf den o.g. Fotos sind Stangen auf dem Deck für eine Persenning angebracht. Die habe ich aber auf keiner Zeichnung gesehen.

    Auf der Konstruktionszeichnung sind aber Persenning-Stangen gezeichnet! Vielleicht waren sie aber auch nur temporär angebracht?

    Grell hat mal erwähnt, das bei Überbelegung (mehr als 50 Passagiere) die Deckshäuser nicht ausreichen und die Fahrgäste unter

    einer Persenning geschützt stehen könnten.


    Auf einer Zeichnung eines nicht benannten Fährschiffs sind Riffelbleche als Decksbelag zu sehen. Weiß jemand, ob das Standard war

    oder doch eher eine Holzbeplankung verlegt wurde?


    Gruß

    Klaus

  • Moin, moin Klaus,


    ich würde eher Holzdeck sagen, wie auch auf der Zeichnung zu sehen.......Riffelblech ist eher "neumodisch" ..... ggf. auf stark begangenen Bereichen beim Ein- und Aussteigen oder so.


    Ansonsten gehe ich auch mit deinem Farbvorschlag in grün konform........das geht ja schon in Richtung HADAG. Vielleicht hatte die Urenkelin auch den HADAG-Anstrich in Erinnerung behalten.


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Anstatt PN:


    Moin Klaus,


    ich komme erst jetzt dazu, zu antworten...


    Zur zweiten Frage: Auf dem Plan in Deinem Posting sehe ich ganz klar Holzbelag an Deck. Eisen- bzw. Stahldeck wurde ansonsten mit gesandeter Farbe trittsicher gemacht. Nach der Einführung der Schweißtechnik vor hundert Jahren wurden Schweißpunkte als Trittsicherung aufgeschweißt (oder wie nennt man das wenn regelmäßige, runde Erhebungen auf die Bleche gebracht wurden?).


    Sonnensegelstützen wurden auf solchen Schiffen losnehmbar gefahren. Oft wurden Fährdampfer als Schlepper oder sogar als Feuerlöschboot genutzt, dann störten die Stangen meist.



    Heute war ich im IMMH. Dort gibt es eine Vitrine mit groben – und wie ich finde nicht besonders schönen oder aussagekräftigen – Modellen von HADAG-Fähren. Immerhin war da ein Modell des gesuchten Dampfers:



    Der grüne Anstrich soll das Schiff als der HADAG zugehörig zeigen. Grün/Weiß mit schwarzen Schornstein. Es wäre interessant zu erfahren, woher die informationen zu dem Modell im IMMH kommen?


    Hummel, Hummel! Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin zusammen,


    ja, Entwurf und Ausführung sind immer zwei Dinge.

    "Praxisorientiertes arbeiten" nannte es unser Tischler. D.h. es wird auf der Baustelle entschieden :D


    Natürlich sehe ich die Beplankung des Decks und ich werde sie auch so konstruieren. Auf dem Foto unten

    seht ihr das Riffelblech. Das ist zwar nicht auf der Süd=Hamburg, dort könnte es aber trotzdem genauso gewesen sein.


    Bei der Recherche nach den Abmessungen finde ich auch unterschiedliche Angaben.

    Der Rumpf wurde wohl nie verändert, von daher sollten die heutigen Maße wohl auch anfangs so gewesen sein.

    heutiges Maß: Länge ü.a. 18,33m - Breite ü.a. 7,15m

    Maß lt. Zeichnung: Länge 16,85m - Breite 6,70m

    Maß laut Werfttext: Länge 55 Fuß - Breite 22 Fuß

    Ein Fuß Hamburger Maß war (laut Wikipedia) 0,286m

    somit wäre die Länge laut Werfttext 15,73m und die Breite 6,292m

    Das Seitenverhälnis sollte 1:2,5 sein.

    Ich werde mich also an das heutige Maß halten.


    Anbei noch die auf dem Buchdeckel abgebildeten Reedereiflaggen. Ob die Grell'sche Flagge so war habe ich nicht

    einwandfrei feststellen können. Wenn die Schiffe grün gewesen sein sollten, hätte sich das nicht auch in der

    Flagge wiedergefunden?


    Auf dem Buchdeckel vorn ist auch ein Foto einer Hafenfähre. Laut Innentext zeigt es die Süd=Hamburg.

    Unter dem Bildtext eines anderen Fotos im Innenteil steht jedoch, das dies (im Innenteil) das einzige

    Foto der Süd=Hamburg wäre.


    Süd=Hamburg wurde an der Bugwand mit Doppelstrich geschrieben. Daher habe ich es auch hier im Text so übernommen.


    Gruß

    Klaus

  • Moin Klaus,


    ja, das sieht eindeutig wie Riffelblech aus. Oder es ist eine Vorform. Solche Bleche kenne ich u.a. noch von ganz alten, quadratischen Gullyabdeckungen. Wenn der Rumpf grün war, sollte sich das auch in der Flagge wiederfinden. Das sehe ich nicht nur als Grafiker so :D


    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • fretsche

    Changed the title of the thread from “Hamburger Hafenfähre 1880 Farbgebung” to “Hamburger Hafenfähre 1880 Farbgebung und ander Fragen”.
  • Moin zusammen,


    ich konstruiere so vor mich hin und bin an den Bänken hängengeblieben. Auf dem linken Foto in Beitrag 12 sind

    Bänke außen zu erkennen. So lese ich es auch aus der Werftzeichnung im Beitrag 9.

    Auf dem Modell, das Klaus im IMMH gemacht hat, sind auch Bänke rund um die Behausung. Ich denk aber, daß das son nicht war?

    Die Hafenfähren fuhren zwar am Wochenende auch als Vergnügungs- und Ausflugsdampfer, aber trotzdem halte ich Bänke an der

    Behausung für übertrieben.


    Auf dem mittleren Foto im Beitrag 12 sind vorn zwei Rettungsringe angebracht. Laut Werftzeichnung sehe ich dort aber drei Fenster.

    Ich nehme nicht an, daß die Rettungsringe vor den Fenstern aufgehängt wurden. Also lasse ich sie weg.

    Gab es damals eine Vorgabe, wie viele Rettungsringe vorgeschrieben waren?


    Interessant finde ich auch den ins Vorderhaus eingesetzte Führerstand. Dahinter, zum Schornstein hin, war wohl ein Geländer.

    Gehe ich Recht in der Annahme, daß zum Fahrstand eine Treppe führte? Oder doch eine Leiter?


    Gruß

    Klaus

    Wir bleiben immer Kinder, und,
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    Wilhelm Raabe (1831 - 1910)


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  • Moin, moin Klaus (fretsche),


    das mittlere Foto im Beitrag 12 zeigt einen deutlich veränderten "Rüststand" als die Werftzeichnung in 9. Der achtere Aubau ist in die Breite gezogen und geht beidseitig bis an das Schanzkleid.....ist jetzt also größer. Und ich meine zu erkennen, dass der vordere Aufbau nicht mehr existiert (zugunsten des nun vergrößerten achteren Aufbaus) und die zwei nun gut zu sehenden Rettungsringe direkt an der Holz-Front des Steuerstands hängen.


    Das Foto ist auch jünger und zeigt den Dergel vielleicht nach dem Verkauf an die HADAG. Es ist ja oft so, dass nach einem Neuerwerb das Schiff nun zuerst nach den Vorstellungen des neuen Eigners umgebaut wird.


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Zum letzten Punkt: oder an den Aufbautenseiten waren Tritte angesetzt.

    Die umlaufenden Bänke müsste man auf dem Foto erkennen können. Ich würde sie daher ausschließen.


    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin zusammen,


    so langsam kriege ich das Modell zusammen :cool:


    Noch ein paar Fragen zum Anker:

    Eine Winde habe ich auf dem Vorschiff platziert. Ich nehme an, die Ankerktte lief durch die, vom Bug aus gesehen, erste Klüse?

    Wo lag der Anker? War er irgendwo, irgendwie befestigt? Bei der späteren Friedrich gab es ja einen Ankermast und der Anker

    hängt am Schanzkleid außen.

    Ich habe mal meine (wenigen) Schiffsbogen durchgesehen. Bei dem Möwe Hafenschlepper und der Gret Paluca fehlt der Anker

    ganz. Beim Fahrgastschiff Stör (DSM) gibt es keine Halterung zu bauen. In der Bauanleitung steht: ...und der Anker 72 auf dem

    Vorschiff vervollständigt das Modell.


    Weiß jemand mehr? Den Anker wegzulassen ist für mich eigentlich keine Option. Es sei denn die Hafenfähren hatten keine Anker :D

    Vielen Dank für eure Hilfe.


    Gruß

    Klaus

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  • Danke Klaus!


    Ja, so könnte ich es machen. Ich habe hier mal 2 Bilder von der HADAG Webseite, Register Über uns.

    Dort sind u.a. die MS Amsinck und die Niendorf abgebildet. Bei der Amsinck ist (für mich) ein Anker erkennbar,

    bei der Niendorf ist es so, wie ich es meinte: die Kette (?) läuft durch die Klüse - und dann?

    Wie wurde der Anker geworfen? Den hat man doch sicher nicht per Hand über Bord geworfen, einen Kran

    kann ich nicht erkennen...


    Gruß

    Klaus


    [Blocked Image: https://hadag.de/site/assets/files/1314/hadag_historisch_1913.370x0.webp] MS Amsinck


    [Blocked Image: https://hadag.de/site/assets/files/1503/hadag_historisch_1959_1140x0_neu.370x0.webp] Niendorf

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  • Bei Harry Brauns: Der Hamburger Hafen sieht man auf S. 98 den Schlepper Tiger sehen. Zumindest auf der Backbord seite am Bug sieht man k e i n e n Anker weder binnen- noch außenbords. Das lässt mich grübeln, haben die Schlepper in alter Zeit überhaupt einen Anker gefahren?

    Ulrich

                                                                                   Artikel 1 GG:

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  • Heute jedenfalls ist ein Anker bei allen Schiffen ein vorgeschriebener, notwendiger Bestandteil der Sicherheitsausstattung.

    Zur Zeit im Bau:

    CAP ARCONA, Peter Brandt, HMV

  • Bei Harry Brauns: Der Hamburger Hafen sieht man auf S. 98 den Schlepper Tiger sehen. Zumindest auf der Backbord seite am Bug sieht man k e i n e n Anker weder binnen- noch außenbords. Das lässt mich grübeln, haben die Schlepper in alter Zeit überhaupt einen Anker gefahren?

    Ulrich

    Das stimmt. Im heutigen Museumsbetrieb wird einiges anders gehandhabt als vor über 100 Jahren in der Berufsschiffahrt. Die Ankerwinde war vorhanden, der zugehörige Anker lag dann daneben an Deck. Die Kette lief vom Kettenkasten über die Windentrommel, durch die Klüse ausdenbords und wieder übers Schanzkleid zum Rohring des abgelegten Ankers.


    Im Ak-Beitrag zur MÖNKEBERG in #2 ist auf einem Bild solch eine Ankerlagerung zu sehen. Ich frage demnächst mal ein Mitglied der TIGER-Crew nach dem Ankergewicht. Vermutlich ist die aktuelle Lagerung Sicherheitsbestimmungen geschuldet, von denen um 1910 niemand etwas ahnte.


    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • PS: Es konnte auch sein, dass die Ankerkette erst bei Gebrauch angeschäkelt wurde. Das würde die offenen Klüsen ohne Ketten auf den alten Fotos vom FRIEDRICH erklären.

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Moin zusammen

    In - 100 Jahre HADAG-SCHIFFE 1888-1988 - , A. Kludas, sind die von den Fährpächtern übernommenen 10 Dampfer abgebildet.

    Das gleiche Foto der SÜD=HAMBURG ist hier qualitativ besser als das aus dem FRIEDRICH-Buch gezeigte.

    Rumpf u Schanzkleid wohl grün.

    Die Schanzkleiderhöhung am Bug weiß.

    Aufbauten weiß. Breite wie auf dem Generalplan. Erkennbar an der Position der hinteren Türen. Neben dem vorderen Aufbau sind die Kohlenluken.

    Keine Bänke an den Aufbauten.

    Aus allen Schanzkleidklüsen laufen außenbordsTaue über die Reling aufs Deck runter. Da lagen wahrscheinlich Fender.

    Im Bug ist leider nur eine größere weiße Struktur zu erkennen, die ich nicht deuten kann.

    Alle hier abgebildeten Fährschiffe, auch spätere, führen außenbords keinen Anker.

    Einige Fotos zeigen aber eine Kette, mal Sb, mal Bb, die übers Schanzkleid läuft.

    Meistens ist auch ein kleiner Krandavit zu sehen.

    Ich würde die SÜD=HAMBURG mit einem einfachen Stockanker am Schanzkleid innen zeigen. Dazu eine Halterung für einen Ankerdavit. Den Davit am Schanzkleid liegend

    befestigen.

    Hinter dem Steuerstand wahrscheinlich kein Geländer. Dahinter ist eher eine Erhöhung oder Oberlicht für den Dampfkessel.

    Trittstufen vom Deck zum Steuerstand Steuerbord, keine Treppe. Evtl re u li der Stufen eine senkrechte Griffstange.

    In den Büchern von Schnake über die URAG und die BUGSIER sind viele kleine Schlepper abgebildet. Besonders das URAG -Buch enthält brauchbare Fotos.

    Die Schlepper fuhren natürlich immer mit Anker. Aber mal außen, mal innen.

    Gleiches gilt auch für die Personenfähren.

    Denn es dürfte um 1880/90 reichlich Maschinen- und auch Steuerungsprobleme gegeben haben.

    Das Personenverkehrchaos im Hamburger Hafen führte 1888 zur Gründung der HADAG.

    Zur gleichen Zeit wurde auch die SeeBG eingerichtet.

    Vorher wird es auch schon örtliche Vorschriften gegeben haben. Aber wer hat sich schon daran gehalten?

    Heutige oder auch frühere Vorschriften sollten nicht berücksichtigt werden.


    Der Beitrag kommt ein bisschen spät.

    Hat gedauert in den Unterlagen und Büchern rumzusuchen


    Viel Erfolg u Grüße

    Johannes

  • Das ist ein ausführlicher Beitrag. Sowas lese ich gerne. Auch wenn ich konkret dieses Schiff nicht baue, freue ich mich über jeden Beitrag in dem ich lese, dass sich der Autor sehr viele Gedanken gemacht hat um zu helfen. So werden Themen richtig interessant und erhalten einen deutlichen Mehrwert :thumbsup:


    Vielen Dank dafür

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Danke Klaus,

    Diese alte Fähre im fast Originalzustand interessiert mich sehr, es fehlt nur die Zeit für intensivere Beschäftigunng.

    An fretsche einen herzlichen Dank, für dein tolles Projekt die heutige FRIEDRICH im früheren Zustand zu konstruieren.

    Die SÜD=HAMBURG wird eines der interessantesten kleinen und urigen Dampfschiffsmodelle werden.


    Bei meiner Bildrecherche fielen mir u. a. an manchen Schiffen die fehlenden Positionslichter auf.

    Lt. Wikipedia gab es dazu erst allgemein verbindliche Vorschriften ab 1897.

    Vielleicht gab es im Hamburger Hafen früher schon eigene Bestimmungen?

    Modellbau kann eben auch bilden :)

    Ich bin gespannt wie das Modell letztendlich wird.


    Beste Grüße in die Runde

    Johannes

  • Moin Johannes,


    nach Seitenlichtern bei alten Hafenfahrzeugen vor 1900 habe ich auch vergeblich gesucht. Eine Reglung für Seeschiffe findet sich im Internet. Wie es bei Schlepper, Fähre und Co. geregelt war müsste ich erfragen. Kennt Ihr das Deutsche Binnenschiffahrtsarchiv in Lauenburg?


    Viele Grüße

    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Danke Johannes,


    dann habe ich wohl fast alles richtig interpretiert.

    Die Luke für den Kohlebunker habe ich allerdings hinten

    verortet. Habe ich der Bauzeichnung so entnommen.

    Kannst du eventuell das genannte Foto einstellen?


    Gruß

    Klaus

    Wir bleiben immer Kinder, und,
    so klug wir auch sein mögen, wir behalten immer die Lust,
    mit scharfen Messern und spitzen Scheren zu spielen.

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  • Moin Klaus

    Die 4 runden Kohlenluken, 2 auf jeder Seite sind in der Deckaufsicht neben dem Schornstein und die andere davor neben der Aufbaukante eingezeichnet. Der 4eckige Rahmen müsste eine Stirnholzeinfassung sein, um die Decksbeplankung vor eindringender Feuchtigkeit zu schützen.

    Die eisernen Lukendeckel sind rund.

    Die Kohlenbunker sind hier seitlich und die Heizer können die Kohle direkt ins Feuerloch schippen. Die Kohle braucht dann nicht getrimmt zu werden.

    Zwischen hinterem Deckshaus und Ruderquadrant ist eine kleine sülllose Ladeluke, ebenfalls vor dem vorderen Deckshaus.

    Mehr später, Gruß Johannes

  • In den Ladeluken wurden u. a. die Schläuche zum Deckwaschen , Persenninge und die vielen Gerätschaften die im Schiffsbetrieb benötigt werden verstaut.

    Ob die Ankerwinde um 1890 wirklich noch so aussah wie auf dem Generalplan?

    Wahrscheinlich war sie schon viel höher. Vielleicht so, wie auf dem IMMH - Modell zu sehen.

    Das Modell zeigt vor dem Schornstein 2 Lüfter. Auf dem Generalplan ist ein Lüfter auf der Bbseite schräg hinter dem Schornstein eingezeichnet. So ist es auch auf dem einzigen Foto der S=H zu sehen.

    Zu dem "Rohr", mittig am hinteren Deckshaus, fällt mir nichts ein ?(


    Durch die Kohlenluken wurde auch die Asche aus dem Maschinenraum nach oben befördert.


    Ich kann mir auch vorstellen, dass die Lampenbretter mit den Positionslaternen nur bei Bedarf aufs Kajütdach montiert wurden.


    Die HADAG hat lt. der Schiffsliste im Kludas - Buch 27 Fährdampfer von den vorherigen Fährdampferbetreibern übernommen.

    10 davon sind im Buch abgebildet.


    Beste Grüße, gutes Gelingen :thumbsup:

    Johannes

  • Zur Ergänzung, um die gute Diskussion anzufächern: Lüfter konnten auch abgezogen werden (bspw. auf Kriegsschiffen, um freies Schussfeld zu haben). Grosse Lüfter kenne ich auch mit innen installierten Aufzug für Asche (bspw. wird das auf der STETTIN gemacht).


    Klaus

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Dieser Fotofund zeigt den Schleppdampfer FLIEGE 1890 mit Seitenlicht. Wie oben erwähnt sind im fraglichen Zeitraum Fotobelege für Positionslichter selten zu finden. Ob die Lichter schon Pflicht waren, weiß ich nicht. Quelle: Das Logbuch, Heft 3 2003, Seite 129. Dinge wie Lichter oder Rettungsringe wurden auf Bauplänen oft ausgelassen da für den Schiffbau irrelevant und als bekannt vorausgesetzt.

    So, lieber Namensvetter. Wie wirst du nun weiter vorgehen? :)


    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Wie wirst du nun weiter vorgehen? :)

    Mmh, ja ...


    Eigentlich will ich ja noch einen Baubericht verfassen.

    Aber, weil ihr es seid, hier mal vorab der derzeitige Bauzustand.




    Ich danke euch für eure Anmerkungen und freue mich auf weitere.


    Gruß

    Klaus

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    Wilhelm Raabe (1831 - 1910)


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  • Soweit sieht das doch vertretbar und schlüssig aus :thumbsup: .

    Vergleiche den Fall, die Höhe und den Durchmesser des Schonsteins mit dem Plan. Zumindest der Fall sieht auf den Fotos deutlich zu stark aus.

    Was meinen die anderen?

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

  • Ich würde von einem Fall von rund 5 Grad ausgehen.

    Und vielleicht den Schornstein etwas schlanker machen.

    Zur Zeit im Bau:

    CAP ARCONA, Peter Brandt, HMV

  • Guten Abend Klaus,

    Was für ein verrückter Kahn, uriger geht's kaum :D .

    Ein richtiges Zeitdokument:

    Ein großer Fährkahn mit ganz wenig Comfort transportiert ganz viele Malocher zur schweren Werftarbeit.

    Und damit muss auch noch eine Rendite erzielt werden.

    Etwas pathetisch zwar, aber m. M. n. sollten diese Schiffe im historischen Zusammenhang gesehen werden.

    Die S=H hast Du gut getroffen. :thumbsup:

    Das einige Details wg Unterlagenmangel schwer nachzubauen sind oder fehlen fällt in diesem Maßstab, 1:160 ?, eher ins Auge als in 1:250.

    Die spartanische Atmosphäre hast Du gut wiedergegeben. Die Heckkajüte betont diese noch.


    Ich schließe mich Klaus u Helmut an: ein runder, schlankerer Schornstein mit ganz wenig Fall würde deinem Modell sehr gut tun.

    Dann wäre auch Platz für einen Lüfter.

    Und dünnere Persenningstützen auch, vielleicht 1mm breit aus verdreifachtem Karton?

    Und die Treppe zum Steuerstand durch Trittbleche ersetzen, wie Klaus vorgeschlagen hat.

    Ich glaub, diese Änderungen würden dem Modell sehr gut stehen und sind überschaubar ;) .

    Dein Fährprojekt ist eine tolle Sache und eine wunderbare Ergänzung zur FRIEDRICH.


    Ich hoffe, dieser alte Dampfer ist irgendwann auch im GAG - Atelier zu bekommen. Allerdings kopier ihn dann auf 1:250.


    Beste Grüße

    Johannes

  • Moin zusammen,


    Ich danke euch für die Unterstützung!

    Stephan / blackbox hat mir die Rißzeichnung bearbeitet und das halbe Deck der Draufsicht dann gedoppelt.

    Hatte ich zwar auch schon gemacht, aber Stephans Ausführung ist von den Konturen her noch besser bearbeitet.


    Demnach war beim vorderen Deckshaus bugwärts auch eine Doppeltür. Aufgrund von Fotos hatte ich die Tür aber

    backbords gezeichnet. Und um die Lüfter zu zeichnen brauche ich Fotos oder Zeichnungen. Johannes, darf ich dich nochmal

    um das genannte Foto aus dem Kludas Buch btten? Evtl. auch als PN?


    Die Luke, die ich als Luke für den Kohlebunker interpretiert habe, würde ich jetzt als Einstieg für Ruderarbeiten sehen?

    Beim Schlot habt ihr recht, ich habe das in der Zeichnung auch korrigiert, aber nicht am Modell.

    Die Persenningstützen habe ich doppelt konstruiert, sie sind inzwischen auch ausgeschnitten.

    Das sollte stabil genug sein, hat bei der Friedrich auch geklappt. Da waren sie allerdings als Stützen des Oberdecks.

    Nach deren Anbringung will ich die Bänke an die Bordwand stellen und dann die Persenning aufziehen.


    Ich freue mich über euer Interesse und hoffe auf das Foto.


    Gruß

    Klaus

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  • So, ich habe mir nun eine Liste der zu ändernden Dinge gemacht.

    Johannes, die Tür Steuerbords am vorderen Deckshaus ist für die

    „Kapitänskajüte“. Keine Ahnung, wie groß die war.


    Weiß jemand, mit wieviel Mann Besatzung diese Fähren unterwegs waren?

    Für die gab es jedenfalls keine eigene Bude.


    Gruß

    Klaus

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    Wilhelm Raabe (1831 - 1910)


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  • Hmmm... einen Schiffsführer, einen Maschinisten, einen Heizer, zwei Decksleute? Die Crew konnte sich im Vorunter, dem Raum vorn im Schiff unter Deck, aufhalten. Vielleicht hat ab und zu mal jemand auf dem Schiff übernachtet. Lange Fahrten, bei denen eine Unterbringung der ganzen Crew nötig gewesen wäre, wurden nicht gemacht. Höchstens die Überführung nach Bremen. Die fand aber bestimmt ohne Passagiere statt so dass der Raum in deren Kabine (oder Kajüte?) nutzbar war.

    »Gib jedem Schiffsmodell die Chance, das schönste deines Lebens zu werden!»

    Edited once, last by Klaus ().

  • seh ich auch so.


    Klaus, ist schon über 40 Jahre her, dass ich im Elbschifffahrtmusueum in Lauenburg war.

    Hab in der SM-9/25 gelesen, die Bibliothek/Archiv ist 2x im Monat zugänglich.

    Steht auf der Besuchliste.

    Du warst schon?

    Grüße, Johannes