N1 Sovietische Mondrakete - N1 Booster
Nach der Fertigstellung meines Lenkwaffenzerstörers LÜTJENS war ich auf der Suche nach einem Modell, dass man nicht so oft sieht und andererseits auch mit vertretbarem Zeitaufwand zu bauen ist. Da mein Herz nun mal für Schiffe schlägt, habe ich mich bei der Raumschifffraktion umgesehen und bin auf ein free download der russischen Mondrakete N1 gestoßen (http://www.currell.net/models/mod_free.htm). Der download ergibt Modelle im Maßstab 1:144 oder 1:96, was allerdings nicht zu meiner restlichen Flotte von Schiffen, die ja alle im Maßstab 1:250 gebaut wurden. Da mich gerade der Größenvergleich zwischen verschiedenen Modellen im gleichen Maßstab reizt, entschloss ich mich kurzerhand die N1 auch in 1:250 zu bauen, d. h. der download wurde auf 58% verkleinert.
Geschichte des schweren N-1-Boosters (Übersetzung aus dem Download der Bauanleitung)
Im Juli 1969 betrat der erste Mensch die Mondoberfläche, und die Vereinigten Staaten hatten das Mondrennen gewonnen. Damals war nur wenigen Menschen klar, wie gering der Vorsprung auf den Sieg war. Trotz enormer Schwierigkeiten war die Sowjetunion bemerkenswert nahe daran, mit einer schweren Trägerrakete namens N-1 einen Kosmonauten zum Mond zu starten. Die Rakete blieb so geheim, dass viele ihre Existenz leugneten. Erst in jüngster Zeit sind Informationen über dieses Projekt dem Rest der Welt zugänglich gemacht worden.
Die N-1 war die Schöpfung des großen Raketenkonstrukteurs und Visionärs Sergei Korolev. Anfang der 1960er Jahre schlug er eine Reihe schwerer Raketenbooster vor, die große Satelliten und Raumstationen in den Orbit bringen, Mondmissionen und sogar bemannte Missionen zum Mars und zur Venus ermöglichen würden. Das Projekt litt allerdings unter mangelnder Finanzierung und geringer Priorität.
Erst 1964 ordnete das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei an, eine bemannte Mondmission noch vor den Vereinigten Staaten zu starten. Das war ein ehrgeiziger Plan, da das US-Mondprogramm bereits drei Jahre zuvor begonnen hatte. Der erste N-1-Flug war für 1966 geplant, die ersten Mondlandungen 1967 oder 1968.
Neben der Unterfinanzierung wurde das N-1-Projekt (und das sowjetische Raumfahrtprogramm im Allgemeinen) durch Konflikte zwischen den Leitern der verschiedenen Konstruktionsbüros behindert. Dennoch machte Koroljows Team Fortschritte bei der Entwicklung der Trägerrakete, des dazugehörigen Raumfahrzeugs und der Mondlandefähre. 1966 starb Sergej Koroljow während einer Operation, und das Projekt geriet in Verzug, sodass der erste Testflug der N-1 auf den 21. Februar 1969 verschoben wurde. Dieser Flug vom Startgelände in Baikonur verlief gut, doch nach dem Start brach ein Triebwerksbrand aus, und der Triebwerkssteuerungscomputer schaltete irrtümlicherweise alle Triebwerke ab, wodurch die unbemannte Rakete abstürzte. Dieser Misserfolg machte deutlich, dass die Sowjets die USA nicht auf dem Mond schlagen konnten. Ein zweiter Start im Juli 1969 war eine noch schlimmere Katastrophe; die Triebwerke wurden kurz nach dem Start abgeschaltet, und die daraus resultierende Explosion beim Rückfall zerstörte die Startrampe. Nachdem die Sowjets das Rennen um die erste Mondlandung verloren hatten, planten sie, mit der N-1 eine permanente Mondbasis zu errichten. Die Arbeiten zur Behebung von Konstruktionsproblemen wurden fortgesetzt. 1971 und 1972 wurden zwei weitere Startversuche unternommen. Beide scheiterten, doch Daten aus den Starts deuteten darauf hin, dass die Probleme überwunden waren und nun zuverlässigere Triebwerke zur Verfügung standen. Die Zuversicht, dass der nächste Flug erfolgreich sein würde, war groß, doch im Mai 1974 wurde das sowjetische Raumfahrtprogramm drastisch umstrukturiert. Das N-1-Projekt wurde abgebrochen und die Arbeiten an der Energia-Rakete und dem Space Shuttle Buran begannen. Die mehreren fertiggestellten und teilweise gebauten N-1 wurden verschrottet.
Die Geschichte der N-1, obwohl letztlich ein Misserfolg, bietet einen faszinierenden Einblick in das, was hätte sein können. Trotz eines späten Starts und Unterfinanzierung waren die Sowjets kurz davor, eine erfolgreiche Schwerlastrakete zu entwickeln, die zu den ersten Mondlandungen, einer permanenten Mondbasis und sogar bemannten interplanetaren Missionen hätte führen können.
Der Bau der ersten Stufe
Gemäß Bauanleitung, die sehr instruktiv und übersichtlich ist, habe ich mit dem oberen Teil des Kerosintanks begonnen (Bild 1). Die Passgenauigkeit der einzelnen Kugelabschnitte war allerdings nicht besonders befriedigend. Der Grund hierfür liegt wahrscheinlich daran, dass das verwendete 180 g/m²-Papier durch die Verkleinerung des Baubogens etwas zu dick ist. So zeigten sich an den Übergängen der Kugelabschitte Abweichungen in den Durchmessern, was zur Sichtbarkeit von Kanten führte.
Da selbst das Überstreichen mit Farbe die Sache nicht ansehnlicher machte Bild 2), werde ich das Ganze später nochmal bauen.
Bild 1: Ausschnitt aus der Bauanleitung
Bild 2: Der obere Kugeltank (für Kerosin) der ersten Stufe – die Ausschussversion
Mit den Erfahrungen des ersten Bauabschnittes machte ich weiter mit Bauabschnitt 11 – Bodenteil der Rakete mit ihren 30 (!) Raketenmotoren. Mit etwas Sorgfalt brachte ich die konzentrischen Teile diesmal gut zusammen. Die Stöße waren allerdings durch Farbunterschiede an den Rändern (wahrscheinlich durch den Schneidvorgang mit der schere) noch ein wenig zu hell, so dass ein Nachfärben mit Bleistift notwendig war. Darüber hinaus hat der Originalbogen sehr feine aufgedruckte Linien, die durch die Verkleinerung nahezu verschwinden. Auch hier schaffte ich Abhilfe durch Nachzeichnen mit einem dünnen Bleistift. Die vielen Triebwerke erforderten dann ein wenig „Fließbandarbeit“, wobei die kleinen Abgasrohre der Turbopumpen im Maßstab 1/250 von mir nicht mehr zu rollen waren. Ich habe diese durch dünnen Messingdraht ersetzt, der mit Tamiya Farbe grau angelegt wurde.
Das Bodenstück der Rakete sah dann so aus (Bild 3).
Bild 3: Boden der Rakete mit ihren 30 Triebwerken
Auffällig beim Anblick der N1 von unten ist die prinzipielle Ähnlichkeit mit dem Design des Starship Super Heavy Boosters mit seinen 33 Raptor Triebwerken, die allerdings weit fortschrittlicher sind als die 30 NK-15 der N1.
Als nächstes baute ich den Tragring der Rakete und die Rumpfteile der ersten Stufe (Bilder 4, 5 und 6).
Bild 4: Unterer Teil der N1 mit Tragring
Bild 5: Der Tragring
Bild 6: Die erste Stufe der N1 mit meiner Soyus-Kapsel im Vordergrund (Siehe separater Baubericht)
Fortsetzung folgt!
Heinrich