Liebe Leute, wie versprochen, geht's weiter mit meiner Obsession "Disney-Schlösser"! Mittlerweile werdet Ihr ja mitbekommen haben, daß die Ludwig-II.-Schlösser nun ins Weltkulturerbe aufgenommen worden sind (*jubel*), und ich finde, daß die Disney-Schlösser letzten Endes demselben Geist entsprechen, wenn sie auch mit weniger Aufwand und zu einem anderen Zweck gebaut wurden. Das Anaheim-Schloß von Robert Nava hat mich derart begeistert, daß ich nächtelang das www duchgeblättert habe, um ein Pendant zu finden, bzw. das Orlando-Schloß, das 16 Jahre später, also 1971 im größeren Disney-World eröffnet wurde. Und genau diese Suche hat mich auf dieses Forum gebracht, denn einer der Kollegen hier hat den 1982er Bausatz bereits vorgestellt.
Ein Problem hatte ich allerdings mit der Sache, denn das - wirklich wunderbare! - Robert-Nava-Schloß hat den Maßstab 1:56 (ungefähr), und das Alan-Rose-Schloß etwas weniger als die Hälfte davon, vermutlich ca. 1:120. Sowas kann ich einfach nicht durchgehen lassen, und so mußte ich einige schlaflose Nächte erleiden in der Überlegung, was nun zu tun sei. Ganz einfach: das Alan-Rose-Schloß muß wachsen, also habe ich mich entschieden, den Original-Bausatz einzuscannen und alle Teile entsprechend zu skalieren. Das nächste Problem: Der Original-Bausatz ist eher, na sagen wir: einfach gemacht. Auf mehr als das Doppelte aufgeblasen würde das ganze dann wirklich sehr grob aussehen. Also werde ich vieles verändern müssen im Sinne von: detaillierter bauen. Auf der anderen Seite möchte ich den eher hingetupften, impressionistischen Stil von Alan Rose nicht verändern. Die Reduzierung auf drei Farben (grau, blau, braun) und die von Hand aquarellierten Oberflächen haben einen ganz eigenen Charme, und sie geben trotz der vermeintlichen Einfachheit tatsächlich alle Details authentisch wieder! Damit stecke ich in der Quadratur des Kreises: Einerseits alles detaillierter machen, andererseits den flüchtigen Charakter des Originals beibehalten.
Fangen wir an:
Der originale Heftbogen, den ich für viel zu viel Geld bei amazon gekauft habe (um hinterher festzustellten, daß es den für'n Appel und'n Ei dutzendfach bei ebay gibt...).
Vorn und hinten je vier Seiten Anleitungen, dazwischen die ganzen Teile.
Sieht ein bißchen aus wie guten alten Schnittmusterbogen von Burda...
Das ist wirklich echter Golddruck!
Den kann ich allerdings - natürlich - nicht einscannen und ausdrucken...
Im Netz findet man eine "originale" Bauzeichnung des Schlosses (die m. E. aber auch eher dekorativen Charakter hat). Wie auch immer: anscheinend hat Alan Rose nach genau dieser Grafik gearbeitet, denn alle Maße stimmen auffällig zwischen dieser Zeichnung und dem Bausatz überein, so daß ich mich - zwecks Überarbeitung - immer an dieser Zeichnung orientieren werde.
Sieht chaotisch aus, aber alle Farbflächen sind für mich Templates, die die Rastermaße für die jeweiligen Partien darstellen. So kann ich immer schnell kontrollieren, ob meine Veränderungen passen bzw. auf welche Maße ich die Einzelteile skalieren oder dehnen/stauchen muß.
"Fun Fact": Alan Rose hat sich den gesamten Sockel des Schlosses gespart! Sein Modell fängt erst ab der Bodenkante des Eingangs an, aber der Sockel, der im Burggraben steht, gehört natürlich zwingend zur Proportionalität des Gesamtbaus und ich werde ich deswegen dazuerfinden - müssen. Insgesamt muß ich den gesamten Bausatz mit 2,113 : 1 skalieren. Es war nicht ganz leicht, die Originalmaße der Schlösser zu recherchieren, da manche Angaben von der Wasser-Oberfläche ausgehen, andere von der Bodenkante, manche die "Antennen" mitzählen, andere nicht... Schlußendlich habe ich aber schlüssige Vergleichsmaße hinbekommen, und dieses Modell wird eine beachtliche Höhe von ziemlich genau 100 cm haben!
Während ich bei dem Anaheim-Schloß den Fokus auf die Fotoätzteile gelegt habe, muß ich hier "umdenken". Ätzteile wären für den bereits angesprochenen, eher impressionistischen Stil viel zu akkurat und zu "fein". Und während ich beim Anaheim-Schloß einfach nur den glatt-weißen Karton verwendet habe, den ich ganz allgemein für Drucksachen nehme, möchte ich bei diesem Projekt das Augenmerk auf das Papier legen. Ich habe mich für den Hersteller Gmund entschieden, der supermatte, edel strukturierte Papiere in wunderbaren Farben anbietet. Ich habe lange geschwankt, zumal die Originalfarben schwer auf den Fotos zu erkennen sind. Mittlerweile ist auch dieses Schloß - wie alle Disney-Schlösser - pink, türkis & gold angepinselt, 1971 hatte es aber einen matten "hellen" Ton, der je nach Fotomaterial und Beleuchtung zwischen altweiß, hellgrau und creme zu changieren scheint. Das gezeigte Gmund-Papier habe ich bei diversen Beleuchtungen auf mich wirken lassen, und es scheint mir dem Farbton "hell" am nächsten zu kommen, ohne, daß man tatsächlich sagen kann, ob und welche "Farbe" es eigentlich hat. Ich benutze dieses Material in 120 und 240 g, je nach Einsatzzweck. Und ein Tip: Wenn man die Großbogen (100 x 70 cm) bestellt, bekommt man (praktisch) die gleiche Materialmenge wie bei A4-Größe, aber für den halben Preis! Und man kann selber entscheiden, ob und wann man A3 schneidet.
Und hier noch ein Sneak Preview: Ich werde erst in Jahren soweit sein, aber ich konnt's einfach nicht lassen auszuprobieren, wie die Bekrönungen aussehen werden! Wie schon gesagt, die originalen Goldpartien kann ich nicht verwenden, und außerdem ist deren Design wirklich hammer-grob! Aus verschiedenen Quellen und mit eigenem grafischen Geschick habe ich nun die Bekrönung so entworfen, daß sie zum "gescribbelten" Design paßt, aber für meinen Maßstab trotzdem detailreich genug ist. Auf Goldpapier gedruckt und ausgeschnitten, doppelseitig zusammengeklebt, fertig. Ich muß sowas immer schon mal ausprobiert haben, um zu wissen, worauf ich hinarbeite!
Ich bin jetzt schon ca. zwei Monate am Bauen, aber stecke noch relativ am Anfang, daher sind schon ein paar Dinge auf den Fotos zu erkennen. Ich sag' Bescheid, wenn "Echtzeit" erreicht ist
Seid Ihr dabei?