Kapellen I (Kapličky I.) / Ondřej Hejl / 1:87

  • Hallo liebe Gemeinde


    Eigentlich hatte ich mir ja von Anfang an fest vorgenommen, immer nur ein Modell gleichzeitig zu bauen. Bei Längeren Projekten ist es aber glaube ich doch keine schlechte Idee, was kleines für zwischendurch zur Hand zu haben, wenn es mal in den Fingern juckt. Ausserdem ist sowas auch praktisch für unterwegs, wenn man Zuhause gerade an etwas unhandlichem baut.


    Also habe ich einen der vielen "Sammelbögen" angeschnitten, die es auf dem Markt so gibt. Dieser Bogen bot sich an, weil ich ein bisschen probieren möchte, wie das mit der Finnpappe und dem verstärken von Teilen so am besten funktioniert. 1:87 lässt erhoffen, dass einige mittelgrosse Wände dabei sind, die sich für Experimente anbieten. Und Ondrej Hejl geht natürlich immer.



    Zum Bogen muss man nicht viel sagen, man kennt es ja. Trotzdem ist es immer wieder schön, diese Bögen durchzublättern. Die Modelle an sich haben im Schnitt so um die 30 Teile, also im Grunde nichts, was sich nicht in ein paar Tagen bauen lässt.


    Der Gedanke war, dass das ein Thread von Kurzbauberichten mit 3-4 Bildern pro Kapelle wird. Gleich die erste Kapelle war dann aber schon erstaunlich aufregend, ich kann also ein bisschen mehr dazu berichten. In welchen Abständen mehr Kapellen folgen, oder ob ich überhaupt alle bauen werde, wird sich zeigen. Ich stelle mir da mal keine Ansprüche.

  • Ich habe einfach mal oben links auf dem Titelbild angefangen. Eine kleine Kapelle in Krchova Lomná, einem kleinen Dorf in Tschechien. Das Dorf hat laut Wikipedia so viele Einwohner, wie das Modell Teile: 27


    Foto: Wikimedia


    Das Foto ist von 2007, auf neueren Bildern und bei Google StreetView sieht man, dass die Kapelle mittlerweile wohl einen neuen Anstrich, sowie ein neues Dach erhalten hat. Dem Modell zum Vorbild gedient hat aber eindeutig die Version auf dem Foto.


    Angefangen habe ich schon vor gut einem Monat, als ich bei Oma zu Besuch war.

    Zum verstärken boten sich hier die "Rücksprünge" in der Wand an, so musste ich mir keine grossen Gedanken über passende Zuschnitte machen. Nur die Kanten mussten weg, damit man es noch zum Sechseck formen kann. Die Arbeitsöffnungen in der Grundplatte habe ich diesmal schon im Voraus gemacht, nachdem das bei meinem letzten Haus für Probleme gesorgt hat.


    Weiter ging es dann vergangenes Wochenende. Diesmal habe ich eine Kopie der Vorderseite auf Finnpappe geklebt, daran die Teile zugeschnitten und dann innen an die Wände geklebt.

    Trotz vermeindlichem Vorausdenken musste ich dann doch einen Teil davon wieder vorsichtig entfernen, damit der "Glockenturm" platz hatte...


    Die Simse sind eine Stolperfalle, die mir schon von meinem letzten Hejl-Modell bekannt waren. Ich habe also hier gleich von Anfang an die 2 Teile verklebt.

    Eigentlich müssten Klebelaschen der Simse von innen an die Wände geklebt werden. Weil da aber schon Finnpappe im Weg war, habe ich die Laschen abgeschnitten. Stumpf auf die Mauer geklebt passte das aber wie Ar*** auf Eimer, das war also gar kein Problem. Ich halte es sogar für die bessere Lösung, weil der Sims so "schwimmend" aufliegen kann und nicht plötzlich zu gross oder zu klein ist und beim verkleben an den Laschen, die Mauern verzieht.

  • Ganz begeistert vom stumpf Kleben habe ich dann bei den 6 Teilen des Daches auch gleich die Klebelaschen entfernt. Ob das so eine gute Idee war, da bin ich nicht so überzeugt. Es hat auf jeden Fall lange gedauert das ganze dann zu verkleben. Das Ergebnis vermutlich nicht besser, als mit Laschen. Aber es hat funktioniert.

    Die Spitzen habe ich gestutzt, damit ich später einen Zahnstocher für das Kreuz einführen kann.


    Damit besagtes Kreuz nicht erst nach einer viertel Stunde verkrampften Antippens von allen Seiten gerade steht, habe ich per CAD ein passendes Sechseck mit Zentrum gemacht und mit Finnpappe verstärkt. Hier dann noch die Kanten der Pappe an die Dachschräge angepasst und da war er schon wieder: der Ar*** auf dem Eimer.


    Das Kreuz wollte ich eigentlich aus Draht machen, wie in der Anleitung beschrieben. Ich habe aber weder Draht, noch Lötkolben, noch passendes Werkzeug Zuhause. Weil ich nicht warten wollte bin ich dann bei Polystyrol und Kunststoffkleber gelandet. Vor etwa 10 Jahren habe ich mich nämlich mal (sehr) Kurz im Plastikmodellbau probiert und war so gar nicht begeistert. Der Kleber und die Farben standen bis jetzt unbenutz rum und sind erstaunlicherweise in der Zwischenzeit nicht eingetrocknet. Die Kugel ist ein Stecknadelkopf.

  • Das Modell hat einen riesen Spass gemacht. Von dem Moment an, wo die Wände gestellt waren, bin ich eigentlich nur von Experiment zu Experiment gestolpert, und irgendwie hat alles auf Anhieb funktioniert. Und das Kreuz war dann die Spitze davon. Nie hätte ich gedacht, dass das so gut klappt. Ich bin auf jeden Fall ganz entzückt von der kleinen Kapelle und würde am liebsten gleich die nächste bauen.


    Liebe Grüsse,

    Lorenz

  • Super gemacht 👍

    Viele Grüße


    „Wenn irgendwer auf meiner Beerdigung ein langes Gesicht zieht rede ich nie wieder mit ihm.“


    Zitat Stanley Laurel

  • Hallo Lorenz!

    Das ist eine schöne Idee die kleinen Kapellen so vorzustellen! das gefällt mir sehr. Sehr sauber gearbeitet!

    Mit besten Grüßen aus Hagen

    Christoph



    "Der Mensch ist nur da in der vollen Bedeutung des Wortes Mensch wo er spielt und er spielt nur da, wo er Mensch ist."
    Friederich Schiller

  • Moin Lorenz,


    erstmal ein großes Lob, die Kapelle ist dir wirklich sehr gut gelungen! (Aber mittlerweile erwarte ich von dir ja auch nichts anderes ;))

    Ganz begeistert vom stumpf Kleben habe ich dann bei den 6 Teilen des Daches auch gleich die Klebelaschen entfernt. Ob das so eine gute Idee war, da bin ich nicht so überzeugt. Es hat auf jeden Fall lange gedauert das ganze dann zu verkleben. Das Ergebnis vermutlich nicht besser, als mit Laschen. Aber es hat funktioniert.

    Es gibt noch einen Mittelweg zwischen „Klebelaschen dranlassen“ und „Klebelaschen abschneiden“. Der bietet sich gerade bei solchen geraden Kanten an:

    Die Klebelasche aus- und abschneiden, in der Dachfarbe einfärben, in der Mitte knicken und von hinten ans Teil ankleben. Damit hast du nicht den hässlichen Versatz den man mit der Klebelasche normalerweise hat, aber gleichzeitig lässt sich das nächste Element dann viel einfacher anbringen. Sozusagen das beste aus beiden Welten. Das einfärben verhindert Blitzer. Alternativ kannst du natürlich auch ein passend zugeschnittenes Stück Restkarton nutzen.


    Falls die Form organischer ist und eine stumpfe Verklebung erfordert (das Problem hat man oft bei Schiffsrümpfen und Flugzeugen) funktioniert der Trick auch sehr gut, hier sollte man dann aber zu möglichst dünnem Papier greifen.


    Mfg

    Johannes

  • Hallo, Trotty, Christoph und Johannes, danke für das Lob :D


    Ich habe tatsächlich einen halbherzigen Versuch mit hinterkleben gemacht, da hatte ich dann aber einen "riesigen" Spalt in der Naht woraufhin ich es doch lieber stumpf geklebt habe. Bei flachen Stössen (wie z.B. Flugzeug- oder Schiffsrumpf) werde ich das auf jeden Fall so probieren. In Winkeln muss aber ja dann die Lasche und deren Kante auch genau an der richtigen Stelle sitzen, sonst habe ich wieder den Versatz. Quasi so, übertrieben dargestellt:



    Das war zumindest mein Ergebnis, vielleicht ist das auch nur Übungssache. Ich bleibe dran! Stumpf kleben fühlt sich nämlich nach einer auf dauer nicht sehr effizienten Lösung an :D


    Liebe Grüsse,

    Lorenz

  • Weil mir bei der Aktuellen Baustelle noch Zutaten fehlten, habe ich mir wieder eine dieser Kapellen vorgenommen. Die Wahl viel auf Skoranov, weil die etwas komplizierter wirkt, als die vorherige, die Teilezahl (25) deutet aber trotzdem auf eine kurze Bauzeit hin.


    Foto: Wikimedia

    Der Blickwinkel des Fotos lässt die Kapelle grösser erscheinen, als sie eigentlich ist.


    Wieder wurde viel mit Pappe verstärkt, wieder musste ich zwei kleine Ecken davon entfernen, weil sie sonst im Weg gewesen wären.

    Der obere Anbau wäre eigentlich ein separates Teil, ich habe trotzdem alles schon vorher verklebt, damit kein vertikaler Versatz entsteht (wie beim vorherigen Modell).

    Zumindest in diesem Fall hat so alles gut funktioniert.


    Der Hinterteil ging genau so gut von der Hand. Das Gesimse wurde, wie bei der vorherigen Kapelle, Stumpf auf die Wand geklebt. Ich halte das nach wie vor für die beste Lösung.


    Dann nur noch Dächer und Kreuz drauf und fertig. Das Kreuz wurde gleich hergestellt, wie bei der ersten Kapelle, nur farblich habe ich mich diesmal etwas mehr ausgetobt.

    Für die Form bin ich der Schablone im Bogen gefolgt, beim Vergleich mit dem Vorbild merkt man aber, dass die Proportionen etwas... übertrieben sind. Trotzem wirkt es optisch nicht daneben, finde ich.




    Zum Kantenfärben der gelben Kanten habe ich jetzt zum ersten Mal zum Aquarellkasten gegriffen, statt zu "Filzstiften". Auf den Fotos wirkt das Gelb vielleicht eine Note zu dunkel, ich behaupte aber, dass das in echt nicht so auffällt. So oder so, allemal um ein Vielfaches schöner, als als mit meinen üblichen Stiften eine ganze Oktave daneben zu liegen :D

    Wird auf jeden Fall auch in Zukunft so gemacht.

    Fazit ist auch hier wieder: Modell macht unheimlich Spass und geht gut von der Hand. Perfekt für zwischendurch.


    Liebe Grüsse,

    Lorenz

  • Hallo Lorenz,


    mir gefällt, wie viel Sorgfalt du auch diesen kleinen Modellen angedeihen lässt.

    Die fertigen Modelle sprechen für deine saubere Bauweise :thumbup:


    Viele Grüße

    Dieter

  • Hallo


    Harald und Dieter, danke auch noch für das Lob :)

    Das schöne ist, dass die Motivation eigentlich gar keine Durchhänger erleiden kann, wenn das Ende schon vor Baubeginn absehbar ist. Das macht natürlich auch durchgehndes Mühe geben einfacher. Langsam hab ich aber doch wieder Lust auf etwas aufwändigeres.


    Eine Kapelle Lag aber noch drin, diesmal: Mirovice

    Foto: Wikimedia

    Von der Teileanzahl (37) immer noch sehr übersichtlich, die Bauzeit war hier aber im Verhältnis länger, weil die Vorbereitung der Teile etwas aufwändiger ist.


    Die Vertiefungen der Fassade sind durch Verdoppelungen schön plastisch dargestellt. Hier habe ich besonders aufs Kantenfärben geachtet, damit auch wirklich nichts weiss aufblitzt.

    Das ganze wird wie üblich mit Finnpappe "gefüllt", was die Kapellen schön solide in der Handhabung macht.


    Auch die Übrigen Teile werden vorbereitet. Den Zwischenboden unter den Giebeln hatte ich zuerst vermeintlich exakt passend zugeschnitten, er muss durch die Verstärkung ja kleiner als im Bogen sein. Mit Kleber und kleinsten Ungenauigkeiten hat er dann aber die Giebel trotzdem deutlich auseinandergedrückt. Also wieder rausoperiert und um ein paar Zehntel mm verkleinert.

    Den Dachrand habe ich zuerst um den kleinen Aufbau geklebt, dann die ganze Gruppe aufgesetzt. Das passte dann wieder so wunderbar exakt, wie ich es von diesen Modellen gewohnt bin.


    Dann noch Dach und Kreuz verbaut und fertig.

    Unscheinbar, aber trotzdem schön zu bauen.


    Liebe Grüsse,

    Lorenz