MS WILHELM GUSTLOFF, 1:250, Skutnik, Testbau

  • Bisher sind meine einzelnen Postings zu meinem aktuellen Bau Einzelbeiträge in der Rubrik „…an welchem Modell arbeitest du?“.


    Hier an dieser Stelle sollen sie nun zusammengefasst werden.

    Mal sehen, ob ich das hinkriege…


    Das Modell ist ursprünglich im Maßstab 1:200 konstruiert. Ob es irgendwann erscheinen wird, gegebenenfalls auch in 250, ist noch unklar.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Ich bitte um ein paar wenige Tage Geduld.

    Die Beiträge erstelle ich neu (zum "Verschieben in eine neues Thema" habe ich mich als zu doof erwiesen... ;) )

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Ich bitte um ein paar wenige Tage Geduld.

    Die Beiträge erstelle ich neu (zum "Verschieben in eine neues Thema" habe ich mich als zu doof erwiesen... ;) )


    Das hätte von mir sein können... :D

    Lass Dir Zeit...

    Beste Grüße

    Fiete

    das passt auch zu mir ..... .


    Lass Dir Zeit, oder wie der Kapitän vom Kümo " HENRIETTE " sagte:

    Lass Dir Zeit ist auch ein Walzer .

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut

  • Dann wollen wir mal...


    Zum Original:


    Teil1: Im Dienste der Propaganda


    Die WILHELM GUSTLOFF wurde als Motorschiff durch die Hamburger Werft Blohm&Voss gebaut und am 15. März 1938 in Dienst gestellt. Bereedert hat sie die Reederei Hamburg Süd.


    www.wilhelmgustloffmuseum.com

    Das Foto zeigt die GUSTLOFF kurz nach der Indienststellung


    Eigner war die sogenannte "Deutsche Arbeitsfront", die von den Nationalsozialisten als Organisation für die arbeitende Bevölkerung nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften aufgestellt worden war. Die DAF sollte die demokratische Macht der Gewerkschaften endgültig brechen und die deutsche Arbeiterschaft ausschließlich im Sinne der Nazi-Ideologie zu einem willfährigen "Glied der Volksgemeinschaft" "erziehen".

    Als eine Unterorganisation der DAF hatte man die "NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" formiert, die sich als nationalsozialistisches Propagandainstrument um die Freizeitgestaltung der "gleichzuschaltenden" Deutschen zu kümmern hatte. Zu diesem Zweck betrieb die Deutsche Arbeitsfront eine ganze Reihe von "Kreuzfahrtschiffen"; die modernsten dieser Schiffe waren die GUSTLOFF und die ROBERT LEY (Namensgeber war hier der "Führer" der DAF).

    Ursprünglich sollte die WG den Namen "Adolf Hitler" tragen. Nachdem aber der Statthalter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz, Wilhelm Gustloff, im Februar 1936 erschossen worden war, wurde dieser vom NS-Regime zum "Blutzeugen", also zu einem Märtyrer der "Bewegung" erklärt und beschlossen, das noch im Bau befindliche Schiff auf seinen Namen zu taufen (ähnlich übrigens auch die 1936 erfolgte Namensgebung für das Segelschulschiff "Horst Wessel", die heutige EAGLE der US-Coast Guard).


    Das Schiff war nicht nur, vielleicht auch nicht in erster Linie, als Kreuzfahrtschiff gedacht. Geplant wurden GUSTLOFF und LEY von Anfang an auch zur Verwendung als Lazarettschiffe. Aus diesem Grund waren in alle Kabinen Anschlüsse für die Sauerstoffversorgung eingebaut worden.

    Ausserdem plante man schon vor der Indienststellung, diese Schiffe als Truppentransporter einzusetzen.


    Den Verwendungszwecken entsprechend war die GUSTLOFF ein für die Passagierschiffahrt eher langsames Schiff. Die Back konnte dementsprechend kurz gehalten werden, um so möglichst viel Schiffsraum für Passagiere zu gewinnen. Dies gab GUSTLOFF und LEY eine nach heutigem Geschmack eher etwas "stummelige" vordere Schiffshälfte. Gleichwohl entsprachen sie in der Linienführung dem damaligen Zeitgeschmack und wurden allgemein als sehr "modern" angesehen.


    Daten:


    Länge 208,5 m, Breite 23,5 m

    Tiefgang max. 7 m

    25500 Bruttoregistertonnen

    4 Zweittaktdieselmotoren MAN, je 2 auf eine Welle, also 2 Propeller, insgesamt 9500 PSe

    Max. Geschwindigkeit 16,5 kn


    424 Personen Besatzung

    1470 Passagiere, die alle in 2er- und 4er-Außenkabinen untergebracht waren.

    WC, Duschen und Badewannen waren Gemeinschaftseinrichtungen; in jeder Kabine befanden sich aber Waschbecken mit Anschlüssen für kaltes und warmes Wasser sowie ein Tisch mit Stühlen und einem Sofa...



    4-Bett Kabine


    Die Einrichtung war also ziemlich einfach (ein "Schiff ohne Klassen" im Sinne der NS-Ideologie).

    Im Schiff befanden sich mehrere große Gemeinschaftsräume und

    außen gab es hinter dem Schornstein ein vergleichsweise riesiges Deck, das durch Lautsprecher beschallt werden konnte und auf dem während der Kreuzfahrten die Passagiere regelmäßig zusammenkamen und mit der Propaganda des "Dritten Reiches" überzogen wurden. Außerdem fand auf diesem Deck "Rudelgymnastik" statt; oftmals gab es dort auch Bordkonzerte.




    Schwimmbad (unter Deck)


    Die Kreuzfahrten ins Mittelmeer und nach Norwegen sind für viele Passagiere die ersten Auslandsreisen ihres Lebens gewesen und die Eindrücke waren für die meisten sicherlich unvergesslich. Davon zeugen auch etliche Fotoalben, die bis heute erhalten geblieben und auf der umfangreichen Seite http://www.wilhelmgustloffmuseum.com eingehend dokumentiert worden sind.


    Gleichwohl darf nie übersehen werden, dass die KdF-Veranstaltungen und damit zuvorderst auch die Kreuzfahrten reine Propagandainstrumente im Dienste des verbrecherischen NS-Regimes gewesen sind!


    Auch die Person W. Gustloff ist in diesem Sinne zu werten. Gustloff war ein gewissenloser Faschist und Antisemit, der schon 1927, also 6 Jahre vor der Zerstörung der Weimarer Demokratie, der NSDAP beigetreten war.


    Wenn ich also hier den Bau meines Modells dokumentiere, so tue ich dies auch mit Abscheu vor dem Regime, das den Bau des Schiffes veranlasst hat. Irgendeine auch nur geringste Sympathie mit der NS-Ideologie empfinde ich (natürlich) nicht!

    Dieses Schiff ist interessant, und nur deswegen baue ich es.

    Überflüssig zu erwähnen ist sicherlich auch, dass wir hier jede Diskussion über die mit dem Schiff verbundene und durch den Schiffsnamen dokumentierte Ideologie nicht wünschen und sie gegebenenfalls sofort unterbinden werden. Zum Nationalsozialismus darf es keine 2 Meinungen geben!

    Man mag in diesem Zusammenhang auch daran denken, dass die zur Durchsetzung der gewaltsamen NS-Außenpolitik und für den von den Nazis von Anfang an geplanten Krieg gebauten Großkampfschiffe Namen trugen, deren Träger alles andere als ausgewiesene Demokraten waren. So gesehen diente die GUSTLOFF sogar eher noch fast einem friedlichen Zweck...


    Ein Hinweis noch:


    Wie zu sehen ist, stammen die Bilder des Originals von der Seite http://www.wilhelmgustloffmuseum.com. Wer mehr über die GUSTLOFF und die LEY wissen und Fotos von den Reisen mit vielen Details von und über die Schiffe sehen möchte, dem sei ein Blick in diese umfangreiche amerikanische Website von Edward Petruskevich ausdrücklich empfohlen!

    Auf dieser virtuellen Museumsseite sind naturgemäß auch NS-Symbole abgebildet, deren Verbreitung nach deutschem Recht natürlich strafbar ist. Insoweit gilt aber auch in Deutschland das "Museumsprivileg" des § 86 IV StGB.


    Herrn Petruskevich danken Ulli, Peter und ich für seine Erlaubnis, Bilder aus seiner Seite hier einzustellen.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin Helmut,

    vielen Dank für den Bericht.

    Ich habe gerade angefangen, die Gustloff von JSC für den neuen "Anhang" des SeaWarMuseums zu bauen. Die Zeit drängt ein wenig - Eure Gustloff wäre bestimmt viel besser. Das neue Museum will auf den Wahnsinn des Krieges und gegen das Vergessen der menschlichen Tragödien hinweisen. Dazu dient als Beispiel die Versenkung der Flüchtlingsschiffe in der Ostsee 1945. Schiffsmodelle, Artefakte, Unterwasseraufnahmen usw sollen ausgestellt werden.

    Gruß

    Ralph

  • Moin Ralph, moin Andreas,

    danke für die Stellungnahmen, und allen anderen für die gehobenen Daumen.


    ____________________


    Teil 2: Das schreckliche Ende


    Bis Ende August 1939 hatte die WG insgesamt 60 Reisen absolviert.

    Nach Beginn des deutschen Angriffskriegs auf Polen wurde die GUSTLOFF in kurzer Zeit zu einem Lazarettschiff umgebaut. Nahezu das komplette Mobiliar wurde entfernt und es wurden Behandlungsbetten und OP-Einrichtungen eingebaut. Am Rumpf wurde ein breiter grüner Streifen aufgemalt und die Schornsteinmarken der Deutschen Arbeitsfront mit einem Roten Kreuz abgedeckt. Zusätzlich wurde eine entsprechende Decksmarkierung aufgebracht.



    Danach wurde das Schiff nach Danzig verlegt, wo es zunächst verwundete polnische Soldaten aufnahm. Weitere Einsätze als Lazarettschiff für Verwundete beider Seiten mit Stationen in Oslo, Gotenhafen (Gdinya), Kiel, Swinemünde und Stettin folgten.

    Ab Ende 1940 war die GUSTLOFF als Lehr- und Wohnschiff der 2. Uboot-Lehrdivision in Gotenhafen festgemacht. Nach einer Übergangszeit, in der das Schiff wieder weiß gepönt war, wurde es insbesondere wegen der zunehmenden Luftangriffe "Grau über alles" gestrichen (Frühjahr 1943).


    Spätestens nach Stalingrad zeichnete sich im Grunde die endgültige Niederlage der deutschen Truppen in diesem Krieg ab. Überlegene sowjetische Verbände griffen schließlich von drei Seiten Ostpreußen an und drangen auf Königsberg vor. Die Evakuierung der Bevölkerung begann viel zu spät, immer wieder durch NS-Gauleiter Koch zum Teil mit Gewalt gegen die eigenen Leute hinausgezögert. Schließlich, ab Mitte Januar 1945, versuchten hunderttausende Zivilisten, durch einen noch offenen, schmalen Streifen an der Ostsee nach Westen Richtung Danzig zu fliehen. Insbesondere von Gotenhafen aus liefen Schiffe mit verwundeten Soldaten und Flüchtlingen Richtung Westen ("Operation Hannibal").


    Die GUSTLOFF als Truppentransporter und Wohnschiff der 2. U.L.D in Gotenhafen


    Auch die GUSTLOFF nahm in den letzten Januartagen tausende Zivilisten auf.

    Zusammen mit den Soldaten der U-Lehrdivision und verwundeten Soldaten legte sie am frühen Nachmittag des 30. Januar 1945 Richtung Westen ab. Geschätzt waren mehr als 10.500 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, an Bord.


    Die in Marinegrau gestrichene (und somit nicht als Lazarettschiff gekennzeichnete, sondern zu diesem Zeitpunkt als mit Flak bewaffneter Truppentransporter eingesetzte) WILHELM GUSTLOFF lief mit gesetzten Positionslichtern (man rechnete mit entgegenkommenden Schiffen) nördlich der Stolpebank, als sie gegen 21:15 Uhr von 3 Torpedos eines sowjetischen U-Boots getroffen wurde. Das Schiff sank innerhalb von einer Stunde.


    Nur 1239 Menschen überlebten.


    Die Tragödie des Untergangs der GUSTLOFF wird als größte Katastrophe des Seefahrtsgeschichte angesehen. Vor allem mit diesem Unglück ist der Name WILHELM GUSTLOFF bis heute verbunden. Aber in den Jahren des Kalten Krieges wurden die genauen Fakten um die Torpedierung praktisch kaum erörtert. Die Torpedierung galt als Beweis für die "Unmenschlichkeit der sowjetischen Kriegsführung".

    Erst in den letzten Jahren festigte sich allgemein die Erkenntnis, dass das Schiff im Sinne des Kriegsvölkerrechts als Truppentransporter ein legales Kriegsziel war.


    Das Mitgefühl für die vielen am 30. Januar 1945 so grauenhaft ums Leben gekommenen Menschen sollte daran erinnern, dass der vom NS-Regime entfesselte 2. Weltkrieg auch Millionen ziviler Tote gefordert hat, in den europäischen Ländern und auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Lieber Helmut,


    es ist für mich schwierig, #8 mit »Gefällt mir« zu markieren. Die Form des Beitrages gefällt mir, der schreckliche Inhalt dessen natürlich nicht. Eine Nachbarin meiner Ex-Schwiegermutter in Aachen ist wahrscheinlich nur noch am Leben geblieben, weil ihre Familie damals die GUSTLOFF verpasst hat und nicht mehr an Bord gekommen ist.


    Mit der WILHELM GUSTLOFF habe ich mich noch nie beschäftigt. Solche, mit schrecklicher Geschichte belasteten Schiffe, sind nichts für mich. Umso schöner dass Du klarstellst, dass es rein um das Schiff selbst geht (denn was kann das Schiff für seine Bestimmung und sein Schicksal?). Ich freue mich jedenfalls, nun einem kompetenten, fundierten und modellbauerisch meisterhaften Bericht folgen zu dürfen. Schon die Vorstellung des Originals in # 5 ist hochinteressant und sehr lesenswert. Danke dafür schon einmal!


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Ich habe zu dem Schiff ein gespaltenes Verhältnis.

    Meine Mutter und ihre kleinere Schwester waren schon auf dem Schiff und sind nur wieder runter gegangen weil mein

    Vater als Seeflieger die Möglichkeit hatte, sie (mit der Mausi - Ju 52 ) aus Danzig ausfliegen zu können.


    Gruß Harald Steinhage

  • Hallo Klaus und Harald,

    danke für Eure Stellungnahmen.


    Zu diesem Schiff kann man nur ein schwieriges Verhältnis haben.

    Aber das gilt, mal mehr und mal weniger, auch für all die anderen Schiffe (und Flugzeuge), die so unmittelbar mit dem Tod von Menschen im Zusammenhang standen.

    Ihr wisst sicher, welche Originale mir da so einfallen...


    ______________


    Die GUSTLOFF war bei ihrer Indienststellung das größte und modernste Kreuzfahrtschiff ihrer Zeit.

    Auch im Modell ist das ein recht großer Brocken - rund 84 cm lang.


    Es ist klassisch mit einem Spantengerüst aufgebaut. Die Seiten sind mit Platten verkleidet; dadurch wird der Rumpf schön glatt und verwindungssteif (Lasersatz).

    Der Bau ist mit und ohne Unterwasserschiff möglich. Ich habe das Unterwasserschiff weggelassen. Dadurch entstand aber das Problem, dass der Rumpf genau mit dem weißen Bereich auf der Wasserlinie abschloss. Dies gefiel mir nicht. So tief tauchte der Rumpf nicht ein. Alle Originalfotos des schwimmenden Schiffs zeigen vielmehr einen schmalen, geschätzt rund 50 cm hohen roten Streifen des Unterwasserschiffs.


    Also habe ich unter die Bodenplatte eine 2 mm starke Platte geklebt und dann den Rumpf gut verschliffen ("gestrakt").



    (Die Fotos sind leider nur in ziemlich geringer Auflösung verfügbar)


    Auf diese Aufdopplung habe ich dann Streifen des Unterwasserschiffs geklebt und dann erst die Rumpfbeplankung aufgebracht:



    Hier waren ein paar Schwierigkeiten zu überwinden.

    Wie schon Ulli und Peter festgestellt hatten, ist die glatte Beplankung des Vorschiffs recht schwierig, weil die vorderen Seitenteile in einem Stück montiert werden sollen. Mit intensivem Vorformen, auch mittels sehr gemäßigtem Anfeuchten auf der Rückseite, habe ich das schließlich einigermaßen hinbekommen.

    In die Bugspitze wird ein Dreieck eingeformt, das gut angepasst werden muss. Wenn das gelungen ist, sieht es klasse aus.

    Das Heck ließ sich sehr gut formen (Beplankung ist nach der "Apfelsinenschalenmethode" abgewickelt).



    Beim Aufsetzen des

    mº…–œ√∫∫∫∫∫∫∫∫$$$$$$$$$$$$$$$ (das war die Katze :D)

    achteren Teils des Promenadendecks hatte ich nicht aufgepasst und es zu weit vorn angesetzt. So musste es wieder gelöst und so eingebaut werden, dass der auf das Hauptdeck führende Niedergang an der richtigen Stelle saß.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM