MS WILHELM GUSTLOFF, 1:250, Skutnik, Testbau

  • Bisher sind meine einzelnen Postings zu meinem aktuellen Bau Einzelbeiträge in der Rubrik „…an welchem Modell arbeitest du?“.


    Hier an dieser Stelle sollen sie nun zusammengefasst werden.

    Mal sehen, ob ich das hinkriege…


    Das Modell ist ursprünglich im Maßstab 1:200 konstruiert. Ob es irgendwann erscheinen wird, gegebenenfalls auch in 250, ist noch unklar.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Ich bitte um ein paar wenige Tage Geduld.

    Die Beiträge erstelle ich neu (zum "Verschieben in eine neues Thema" habe ich mich als zu doof erwiesen... ;) )

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Ich bitte um ein paar wenige Tage Geduld.

    Die Beiträge erstelle ich neu (zum "Verschieben in eine neues Thema" habe ich mich als zu doof erwiesen... ;) )


    Das hätte von mir sein können... :D

    Lass Dir Zeit...

    Beste Grüße

    Fiete

    das passt auch zu mir ..... .


    Lass Dir Zeit, oder wie der Kapitän vom Kümo " HENRIETTE " sagte:

    Lass Dir Zeit ist auch ein Walzer .

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut

  • Dann wollen wir mal...


    Zum Original:


    Teil1: Im Dienste der Propaganda


    Die WILHELM GUSTLOFF wurde als Motorschiff durch die Hamburger Werft Blohm&Voss gebaut und am 15. März 1938 in Dienst gestellt. Bereedert hat sie die Reederei Hamburg Süd.


    www.wilhelmgustloffmuseum.com

    Das Foto zeigt die GUSTLOFF kurz nach der Indienststellung


    Eigner war die sogenannte "Deutsche Arbeitsfront", die von den Nationalsozialisten als Organisation für die arbeitende Bevölkerung nach der Zerschlagung der freien Gewerkschaften aufgestellt worden war. Die DAF sollte die demokratische Macht der Gewerkschaften endgültig brechen und die deutsche Arbeiterschaft ausschließlich im Sinne der Nazi-Ideologie zu einem willfährigen "Glied der Volksgemeinschaft" "erziehen".

    Als eine Unterorganisation der DAF hatte man die "NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" formiert, die sich als nationalsozialistisches Propagandainstrument um die Freizeitgestaltung der "gleichzuschaltenden" Deutschen zu kümmern hatte. Zu diesem Zweck betrieb die Deutsche Arbeitsfront eine ganze Reihe von "Kreuzfahrtschiffen"; die modernsten dieser Schiffe waren die GUSTLOFF und die ROBERT LEY (Namensgeber war hier der "Führer" der DAF).

    Ursprünglich sollte die WG den Namen "Adolf Hitler" tragen. Nachdem aber der Statthalter der NSDAP-Auslandsorganisation in der Schweiz, Wilhelm Gustloff, im Februar 1936 erschossen worden war, wurde dieser vom NS-Regime zum "Blutzeugen", also zu einem Märtyrer der "Bewegung" erklärt und beschlossen, das noch im Bau befindliche Schiff auf seinen Namen zu taufen (ähnlich übrigens auch die 1936 erfolgte Namensgebung für das Segelschulschiff "Horst Wessel", die heutige EAGLE der US-Coast Guard).


    Das Schiff war nicht nur, vielleicht auch nicht in erster Linie, als Kreuzfahrtschiff gedacht. Geplant wurden GUSTLOFF und LEY von Anfang an auch zur Verwendung als Lazarettschiffe. Aus diesem Grund waren in alle Kabinen Anschlüsse für die Sauerstoffversorgung eingebaut worden.

    Ausserdem plante man schon vor der Indienststellung, diese Schiffe als Truppentransporter einzusetzen.


    Den Verwendungszwecken entsprechend war die GUSTLOFF ein für die Passagierschiffahrt eher langsames Schiff. Die Back konnte dementsprechend kurz gehalten werden, um so möglichst viel Schiffsraum für Passagiere zu gewinnen. Dies gab GUSTLOFF und LEY eine nach heutigem Geschmack eher etwas "stummelige" vordere Schiffshälfte. Gleichwohl entsprachen sie in der Linienführung dem damaligen Zeitgeschmack und wurden allgemein als sehr "modern" angesehen.


    Daten:


    Länge 208,5 m, Breite 23,5 m

    Tiefgang max. 7 m

    25500 Bruttoregistertonnen

    4 Zweittaktdieselmotoren MAN, je 2 auf eine Welle, also 2 Propeller, insgesamt 9500 PSe

    Max. Geschwindigkeit 16,5 kn


    424 Personen Besatzung

    1470 Passagiere, die alle in 2er- und 4er-Außenkabinen untergebracht waren.

    WC, Duschen und Badewannen waren Gemeinschaftseinrichtungen; in jeder Kabine befanden sich aber Waschbecken mit Anschlüssen für kaltes und warmes Wasser sowie ein Tisch mit Stühlen und einem Sofa...



    4-Bett Kabine


    Die Einrichtung war also ziemlich einfach (ein "Schiff ohne Klassen" im Sinne der NS-Ideologie).

    Im Schiff befanden sich mehrere große Gemeinschaftsräume und

    außen gab es hinter dem Schornstein ein vergleichsweise riesiges Deck, das durch Lautsprecher beschallt werden konnte und auf dem während der Kreuzfahrten die Passagiere regelmäßig zusammenkamen und mit der Propaganda des "Dritten Reiches" überzogen wurden. Außerdem fand auf diesem Deck "Rudelgymnastik" statt; oftmals gab es dort auch Bordkonzerte.




    Schwimmbad (unter Deck)


    Die Kreuzfahrten ins Mittelmeer und nach Norwegen sind für viele Passagiere die ersten Auslandsreisen ihres Lebens gewesen und die Eindrücke waren für die meisten sicherlich unvergesslich. Davon zeugen auch etliche Fotoalben, die bis heute erhalten geblieben und auf der umfangreichen Seite http://www.wilhelmgustloffmuseum.com eingehend dokumentiert worden sind.


    Gleichwohl darf nie übersehen werden, dass die KdF-Veranstaltungen und damit zuvorderst auch die Kreuzfahrten reine Propagandainstrumente im Dienste des verbrecherischen NS-Regimes gewesen sind!


    Auch die Person W. Gustloff ist in diesem Sinne zu werten. Gustloff war ein gewissenloser Faschist und Antisemit, der schon 1927, also 6 Jahre vor der Zerstörung der Weimarer Demokratie, der NSDAP beigetreten war.


    Wenn ich also hier den Bau meines Modells dokumentiere, so tue ich dies auch mit Abscheu vor dem Regime, das den Bau des Schiffes veranlasst hat. Irgendeine auch nur geringste Sympathie mit der NS-Ideologie empfinde ich (natürlich) nicht!

    Dieses Schiff ist interessant, und nur deswegen baue ich es.

    Überflüssig zu erwähnen ist sicherlich auch, dass wir hier jede Diskussion über die mit dem Schiff verbundene und durch den Schiffsnamen dokumentierte Ideologie nicht wünschen und sie gegebenenfalls sofort unterbinden werden. Zum Nationalsozialismus darf es keine 2 Meinungen geben!

    Man mag in diesem Zusammenhang auch daran denken, dass die zur Durchsetzung der gewaltsamen NS-Außenpolitik und für den von den Nazis von Anfang an geplanten Krieg gebauten Großkampfschiffe Namen trugen, deren Träger alles andere als ausgewiesene Demokraten waren. So gesehen diente die GUSTLOFF sogar eher noch fast einem friedlichen Zweck...


    Ein Hinweis noch:


    Wie zu sehen ist, stammen die Bilder des Originals von der Seite http://www.wilhelmgustloffmuseum.com. Wer mehr über die GUSTLOFF und die LEY wissen und Fotos von den Reisen mit vielen Details von und über die Schiffe sehen möchte, dem sei ein Blick in diese umfangreiche amerikanische Website von Edward Petruskevich ausdrücklich empfohlen!

    Auf dieser virtuellen Museumsseite sind naturgemäß auch NS-Symbole abgebildet, deren Verbreitung nach deutschem Recht natürlich strafbar ist. Insoweit gilt aber auch in Deutschland das "Museumsprivileg" des § 86 IV StGB.


    Herrn Petruskevich danken Ulli, Peter und ich für seine Erlaubnis, Bilder aus seiner Seite hier einzustellen.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin Helmut,

    vielen Dank für den Bericht.

    Ich habe gerade angefangen, die Gustloff von JSC für den neuen "Anhang" des SeaWarMuseums zu bauen. Die Zeit drängt ein wenig - Eure Gustloff wäre bestimmt viel besser. Das neue Museum will auf den Wahnsinn des Krieges und gegen das Vergessen der menschlichen Tragödien hinweisen. Dazu dient als Beispiel die Versenkung der Flüchtlingsschiffe in der Ostsee 1945. Schiffsmodelle, Artefakte, Unterwasseraufnahmen usw sollen ausgestellt werden.

    Gruß

    Ralph

  • Moin Ralph, moin Andreas,

    danke für die Stellungnahmen, und allen anderen für die gehobenen Daumen.


    ____________________


    Teil 2: Das schreckliche Ende


    Bis Ende August 1939 hatte die WG insgesamt 60 Reisen absolviert.

    Nach Beginn des deutschen Angriffskriegs auf Polen wurde die GUSTLOFF in kurzer Zeit zu einem Lazarettschiff umgebaut. Nahezu das komplette Mobiliar wurde entfernt und es wurden Behandlungsbetten und OP-Einrichtungen eingebaut. Am Rumpf wurde ein breiter grüner Streifen aufgemalt und die Schornsteinmarken der Deutschen Arbeitsfront mit einem Roten Kreuz abgedeckt. Zusätzlich wurde eine entsprechende Decksmarkierung aufgebracht.



    Danach wurde das Schiff nach Danzig verlegt, wo es zunächst verwundete polnische Soldaten aufnahm. Weitere Einsätze als Lazarettschiff für Verwundete beider Seiten mit Stationen in Oslo, Gotenhafen (Gdinya), Kiel, Swinemünde und Stettin folgten.

    Ab Ende 1940 war die GUSTLOFF als Lehr- und Wohnschiff der 2. Uboot-Lehrdivision in Gotenhafen festgemacht. Nach einer Übergangszeit, in der das Schiff wieder weiß gepönt war, wurde es insbesondere wegen der zunehmenden Luftangriffe "Grau über alles" gestrichen (Frühjahr 1943).


    Spätestens nach Stalingrad zeichnete sich im Grunde die endgültige Niederlage der deutschen Truppen in diesem Krieg ab. Überlegene sowjetische Verbände griffen schließlich von drei Seiten Ostpreußen an und drangen auf Königsberg vor. Die Evakuierung der Bevölkerung begann viel zu spät, immer wieder durch NS-Gauleiter Koch zum Teil mit Gewalt gegen die eigenen Leute hinausgezögert. Schließlich, ab Mitte Januar 1945, versuchten hunderttausende Zivilisten, durch einen noch offenen, schmalen Streifen an der Ostsee nach Westen Richtung Danzig zu fliehen. Insbesondere von Gotenhafen aus liefen Schiffe mit verwundeten Soldaten und Flüchtlingen Richtung Westen ("Operation Hannibal").


    Die GUSTLOFF als Truppentransporter und Wohnschiff der 2. U.L.D in Gotenhafen


    Auch die GUSTLOFF nahm in den letzten Januartagen tausende Zivilisten auf.

    Zusammen mit den Soldaten der U-Lehrdivision und verwundeten Soldaten legte sie am frühen Nachmittag des 30. Januar 1945 Richtung Westen ab. Geschätzt waren mehr als 10.500 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, an Bord.


    Die in Marinegrau gestrichene (und somit nicht als Lazarettschiff gekennzeichnete, sondern zu diesem Zeitpunkt als mit Flak bewaffneter Truppentransporter eingesetzte) WILHELM GUSTLOFF lief mit gesetzten Positionslichtern (man rechnete mit entgegenkommenden Schiffen) nördlich der Stolpebank, als sie gegen 21:15 Uhr von 3 Torpedos eines sowjetischen U-Boots getroffen wurde. Das Schiff sank innerhalb von einer Stunde.


    Nur 1239 Menschen überlebten.


    Die Tragödie des Untergangs der GUSTLOFF wird als größte Katastrophe des Seefahrtsgeschichte angesehen. Vor allem mit diesem Unglück ist der Name WILHELM GUSTLOFF bis heute verbunden. Aber in den Jahren des Kalten Krieges wurden die genauen Fakten um die Torpedierung praktisch kaum erörtert. Die Torpedierung galt als Beweis für die "Unmenschlichkeit der sowjetischen Kriegsführung".

    Erst in den letzten Jahren festigte sich allgemein die Erkenntnis, dass das Schiff im Sinne des Kriegsvölkerrechts als Truppentransporter ein legales Kriegsziel war.


    Das Mitgefühl für die vielen am 30. Januar 1945 so grauenhaft ums Leben gekommenen Menschen sollte daran erinnern, dass der vom NS-Regime entfesselte 2. Weltkrieg auch Millionen ziviler Tote gefordert hat, in den europäischen Ländern und auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Lieber Helmut,


    es ist für mich schwierig, #8 mit »Gefällt mir« zu markieren. Die Form des Beitrages gefällt mir, der schreckliche Inhalt dessen natürlich nicht. Eine Nachbarin meiner Ex-Schwiegermutter in Aachen ist wahrscheinlich nur noch am Leben geblieben, weil ihre Familie damals die GUSTLOFF verpasst hat und nicht mehr an Bord gekommen ist.


    Mit der WILHELM GUSTLOFF habe ich mich noch nie beschäftigt. Solche, mit schrecklicher Geschichte belasteten Schiffe, sind nichts für mich. Umso schöner dass Du klarstellst, dass es rein um das Schiff selbst geht (denn was kann das Schiff für seine Bestimmung und sein Schicksal?). Ich freue mich jedenfalls, nun einem kompetenten, fundierten und modellbauerisch meisterhaften Bericht folgen zu dürfen. Schon die Vorstellung des Originals in # 5 ist hochinteressant und sehr lesenswert. Danke dafür schon einmal!


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Ich habe zu dem Schiff ein gespaltenes Verhältnis.

    Meine Mutter und ihre kleinere Schwester waren schon auf dem Schiff und sind nur wieder runter gegangen weil mein

    Vater als Seeflieger die Möglichkeit hatte, sie (mit der Mausi - Ju 52 ) aus Danzig ausfliegen zu können.


    Gruß Harald Steinhage

  • Hallo Klaus und Harald,

    danke für Eure Stellungnahmen.


    Zu diesem Schiff kann man nur ein schwieriges Verhältnis haben.

    Aber das gilt, mal mehr und mal weniger, auch für all die anderen Schiffe (und Flugzeuge), die so unmittelbar mit dem Tod von Menschen im Zusammenhang standen.

    Ihr wisst sicher, welche Originale mir da so einfallen...


    ______________


    Die GUSTLOFF war bei ihrer Indienststellung das größte und modernste Kreuzfahrtschiff ihrer Zeit.

    Auch im Modell ist das ein recht großer Brocken - rund 84 cm lang.


    Es ist klassisch mit einem Spantengerüst aufgebaut. Die Seiten sind mit Platten verkleidet; dadurch wird der Rumpf schön glatt und verwindungssteif (Lasersatz).

    Der Bau ist mit und ohne Unterwasserschiff möglich. Ich habe das Unterwasserschiff weggelassen. Dadurch entstand aber das Problem, dass der Rumpf genau mit dem weißen Bereich auf der Wasserlinie abschloss. Dies gefiel mir nicht. So tief tauchte der Rumpf nicht ein. Alle Originalfotos des schwimmenden Schiffs zeigen vielmehr einen schmalen, geschätzt rund 50 cm hohen roten Streifen des Unterwasserschiffs.


    Also habe ich unter die Bodenplatte eine 2 mm starke Platte geklebt und dann den Rumpf gut verschliffen ("gestrakt").



    (Die Fotos sind leider nur in ziemlich geringer Auflösung verfügbar)


    Auf diese Aufdopplung habe ich dann Streifen des Unterwasserschiffs geklebt und dann erst die Rumpfbeplankung aufgebracht:



    Hier waren ein paar Schwierigkeiten zu überwinden.

    Wie schon Ulli und Peter festgestellt hatten, ist die glatte Beplankung des Vorschiffs recht schwierig, weil die vorderen Seitenteile in einem Stück montiert werden sollen. Mit intensivem Vorformen, auch mittels sehr gemäßigtem Anfeuchten auf der Rückseite, habe ich das schließlich einigermaßen hinbekommen.

    In die Bugspitze wird ein Dreieck eingeformt, das gut angepasst werden muss. Wenn das gelungen ist, sieht es klasse aus.

    Das Heck ließ sich sehr gut formen (Beplankung ist nach der "Apfelsinenschalenmethode" abgewickelt).



    Beim Aufsetzen des

    mº…–œ√∫∫∫∫∫∫∫∫$$$$$$$$$$$$$$$ (das war die Katze :D)

    achteren Teils des Promenadendecks hatte ich nicht aufgepasst und es zu weit vorn angesetzt. So musste es wieder gelöst und so eingebaut werden, dass der auf das Hauptdeck führende Niedergang an der richtigen Stelle saß.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Vielen Dank für Eure zustimmenden Daumenhebungen!




    Die Bullaugen habe ich alle ausgestochen und mit silbrig glänzendem Geschenkpapier hinterklebt. Ich finde, dass das zum Gesamteindruck des (alt-)weißen Rumpfes ganz gut passt, also der Kontrast nicht zu hart ist:



    Beim Original befand sich hier im Bug der Bereich der Besatzung. Hinter der braunen "Persenning" war ein Aufenthaltsbereich, bei mir wetterbedingt verschlossen.

    Die GUSTLOFF hatte an der Steuerbordseite 2 Buganker - eine ungewöhnliche Lösung, bei der demnach der Reserveanker ebenfalls in einer Klüse hing (damals so gebaut auf Vorschlag von Blohm & Voss).



    Das Untere Promenadendeck ist aufgebracht.

    Hinter den Aufbauwänden befanden sich Gemeinschaftsräume ("Große Halle, Vordere und Hintere Halle, Theatersaal und Musikhalle").

    Das Untere Promenadendeck war rundum mit splittersicheren, an den Seiten teilweise versenkbaren Fensterlementen (insgesamt 301) voll verglast. Vorn waren die Scheiben zum Schutz vor eventuellem Seeschlag gesondert gepanzert und natürlich nicht beweglich.



    Während des Untergangs wurden viele Passagiere, die sich in der geschlossenen Promenade befanden, von den an Bord befindlichen Soldaten nach vorn geschickt, vielleicht um eine Panik zu vermeiden. Dort versuchten sie verzweifelt, die Scheiben einzuschlagen, um nach draußen zu kommen... Dies gelang natürlich nicht.



    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM


  • Das Obere Promenadendeck (auch "Bootsdeck") ist aufgeklebt.

    Man erkennt schon die riesigen Decksflächen vor allem hinter der Schiffsmitte.



    Hinter den Aufbauwänden des Bootsdecks befanden sich ausschließlich Zwei- und Vierbettkabinen, alles Außenkabinen:


    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Sehr schön Helmut. Ich bin froh, dass Du den Bau übernommen hast. Bei mir passte es entgegen meiner ersten Aussage Henryk gegenüber doch nicht so ganz.

    Gruß

    Jochen

  • Die Originalbilder zeigen die vordere Halle , die "Große Halle" und das Untere Promenadendeck:



    Die Räume waren nach heutigem Geschmack sehr dunkel, bieder, ja geradezu spießig eingerichtet, sollten aber dem damaligen "Volksgeschmack" entsprechen.

    _______________


    Aufbauten vorn auf dem Sonnendeck und (darüber) dem Brückendeck:



    Dem "Wintergarten" (den man auch ganz heimelig ( ;) ) "Laube" nannte) habe ich ein paar Vorhänge verpasst.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Zum Abschluss für heute die Brücke:


    Die nautische Ausrüstung der WG entsprach damals dem neuesten technischen Stand.

    Es gab zum Beispiel kein "Steuerrad" mehr, sondern ein Bedienpult mit Knöpfen für die elektrohydraulische Steuerung (8 auf dem nachfolgenden Foto) und eine Selbststeueranlage (8a):



    Aus dem Bogen:



    Danke für Euer Interesse an diesen "Bildern vom Baufortschritt" und für die Daumen!

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin, moin Helmut,

    Die GUSTLOFF hatte an der Steuerbordseite 2 Buganker - eine ungewöhnliche Lösung.

    Das entsprach aber auch den Konstruktionen der damaligen "Dickschiffe" der KM, die zumeist bis zur Einführung des "Atlantikstevens" und den in Teilen erfolgten Umbauten sowie den damit verbundenen Decksklüsen über 2 Buganker.....allerdings auf der Bb.-Seite verfügten, was einer "Tradition" aus der Kaiserlichen Marine heraus folgte. Aber für zivile "Liner" schon etwas ungewöhnlich......aber sicherlich läßt sich hieraus auch schon die bereits bei der Konstruktion vorhandene "Nähe" zur KM ableiten. Sehr schönes Modell :thumbup: !


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Danke HaJo, das war mir neu. Aber ich erinnere mich jetzt an ein Foto der SPEE; hatte die nicht auch 2 Buganker auf einer Seite?

    Gerade nochmal nachgesehen… ja, 2 an BB

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Ich habe übrigens einen Satz Originalkarten mit dem Programm der wohl letzten Norwegenfahrt im Sommer 1939.

    Falle ihr Interesse habt, stelle davon Fotos ein.

    Gruß

    Jochen

  • Hier sind die Karten. Die Fahrt ging von Sonnabend, d. 03. bis Freitag, 09. Juni 1939. Es war die 38. Fahrt. Laut Wikipedia gab es Ende August noch eine weitere Nordlandreise. Was dazwischen noch war, weiß ich nicht. Die Karten und ein kleines Fotoalbum mit offiziellen Fotos habe ich von zwei Großtanten bekommen, die diese Fahrt mitgemacht haben. Dazu habe ich dann noch ein Mützenband vom Linienschiff Hannover und eines vom Kreuzer Leipzig, die sie von ihren Freunden bekommen haben erhalten, bekommen, was mich als Marineinteressierten gefreut hat.

    Ich hoffe, ich habe alle NS Symbole unter Münzen versteckt. Ebenfalls eine Aufforderung, den kranken Verrückten zu heilen, was trotz milliardenfacher Aufforderung niemand geschafft hat.

    Gruß

    Jochen


      


      


      

  • Hallo Jochen,


    hochinteressant. Ebenso wie die meisten Filme, die die UfA im III. Reich gedreht hat, weitgehend ideologiefreies Programm.


    Rauchverbot im Speisesaal direkt fortschrittlich. 25km Marsch an Deck - sehr sonderbar und was hat man sich unter einem Pferderennen auf dem Sportdeck vorzustellen?


    Das Essen für damalige Verhältnisse reichlich (Zwischenmahlzeiten !) und für die (wenigen) Arbeiter, die in den Genuss einer solchen Reise kamen, sicherlich sehr gut.


    Vielen Dank für diesen Einblick in den KdF-Alltag

    Zaphod

  • Das ist ja interessant, Jochen.

    Ich habe von der 10. Reise, 2. August 1938 auch so`n Program, allerdings nur für den Dienstag.

    Da frage ich mich doch, wenn Anfang August 1938 die 10. Fahrt statt fand, wie dann knapp ein Jahr später schon die 38. Fahrt absolviert wurde. Dann ist das Schiff ja fast ununterbrochen unterwegs gewesen, oder ?


    Gruß

    Harald Steinhage


     

  • Moin Zaphod,

    ein "Pferderennen" war eine Art großes "Brettspiel" an Deck.


    Moin Jochen.

    Eine Vielzahl von Speisekarten und Tagesprogrammen findet man auf der von mir schon zitierten Seite "WilhelmGustloffMuseum.com".


    _________________


    Danke für Eure Beifallskundgebungen. :)


    Weiter ging es mit dem markanten Schornstein.

    Für die Größe des Schiffes hatte die GUSTLOFF nur eine vergleichsweise geringe Maschinenleistung. Sie war eben als Kreuzfahrer und Lazarettschiff vorgesehen, und für diese Zwecke war eine hohe Dauergeschwindigkeit, anders als bei den großen Linern der damaligen Zeit, nicht erforderlich.

    4 Achtzylinder-Tauchkolbenreihenmotoren (ein Kolbenmotor mit einer direkt, ohne Kreuzkopf, mit der Kurbelwelle verbundenen Pleuelstange) waren paarweise über ein Untersetzungsgetriebe mit je einem Propeller gekoppelt; die Maschinenleistung betrug 9500 PSe.


    Dementsprechend hatte der Schornstein 2 größere Abgasrohre und weitere kleinere Rohre für die Hilfsaggregate. Über eine Luke war die Schornsteinplattform erreichbar.

    Im Schornstein befanden sich weiter ein Typhoon und eine Dampfpfeife.

    Zu Kreuzfahrtzeiten trug der Schornstein ein schwarz-weiß-rotes Band (das schwarze, obere Band war wesentlich breiter, um wohl Verschmutzungen an der Oberkante zu kaschieren) und an den Seiten das Zeichen der DAF mit 4 stilisierten Propellerschaufeln, die an Sonnenstrahlen erinnern sollten.




    Der fast genau in Schiffsmitte platzierte Schornstein gab dem Schiff eine sehr markante Linie, die damals allgemein als "topmodern" empfunden wurde:



    Auf dem Schornsteindeck befanden sich auffällige Lüfterkästen:



    Ihr seht hier übrigens noch die "alten" Schornsteinbänder meines ersten Versuchs, den Schornstein an die Originalfarben anzupassen. Das untere, hier noch schwarze Band habe ich später wieder abgelöst und durch das korrekte schmale rote Band ersetzt. Die Recherchen hierzu sind etwas schwieriger gewesen, weil fast nur Schwarzweißfotos zu finden waren, bis auf eine stark verblichene Farbaufnahme, die das Rot erahnen ließ.


    Horn und Dampfpfeife (beides scratch gebaut; nicht so im Bogen):


    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Unterhalb des Schornsteindecks sieht der Bogen längliche Kästen vor. Vermutlich handelte es sich um Stapelgestelle für die Deckchairs. (Auf Originalfotos ließen sich die nicht belegen, was aber mE nicht zwingend gegen deren damalige Existenz spricht).



    Die Peildeckausstattung bestand im Wesentlichen aus den auffälligen Lüftern, dem Mast mit seinem voluminösen Scheinwerfer und den am Mast (scratch ergänzten) Scheinwerfern zum Anleuchten der Flaggen:




    Das Backdeck, ohne viele Worte:



    Zu den Kränen haben Peter und Ulli sehr viele Originalfotos "gewälzt"; hieraus haben sich einige Verbesserungen im Vergleich zur Bogenversion ergeben:



    Die Kräne ( 2 vorn, 2 achtern) konnte nur vertikal bewegt werden und erreichten dadurch sowohl den Kai als auch genau die Ladeluken.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Großes Kompliment für die filigranen Recherchen und Ergänzungen!


    Und da hier ja auch der "menschliche Aspekt" dieses Schiffes schon Thema war: ich habe letztens eine alte Dame beerdigt, die auf der Flucht knapp die "Gustloff" auf ihrer letzten (für viele tödlichen) Fahrt "verpasst" hat. Damals war die Verzweiflung groß, hinter dem (scheinbar) rettenden Schiff hinterherzusehen ...

  • Und mit den nächsten Bildern bin ich beim aktuellen Zustand angekommen.


    Der Achtermast steht (Haupt- und Achtermast noch ohne Rahen).

    Man erkennt die markanten Lüfter auf dem Achterdeck (die bislang im Bogen fehlen und von Peter gezeichnet wurden).


    Und eine Vielzahl von Bänken hat ihren Platz gefunden.

    Die Bänke sind gelasert. Es gibt sie zwar auch als Kartonteile, aber so sehen sie unvergleichlich besser aus.



    Und hier ein Ausblick auf die Davits für die Boote:



    Ein Blick aus der Möwenperspektive:



    Vielen Dank für Euer Interesse an diesem Modell und für die schon jetzt wieder gereckten Daumen!! :)


    Bis demnächst, wenn es mit den Davits etwas weiter voran gegangen ist.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Großes Kompliment für die filigranen Recherchen und Ergänzungen!

    Danke, Ulrich.


    Die WG verkörperte Anfang 1945 in Gotenhafen (Gdynia) bei den verzweifelten Flüchtlingen die Hoffnung auf Rettung, schon allein aufgrund ihrer Größe. Außerdem hatte sie durch die Propaganda während der Vorkriegszeit wohl einen gewissen Mythos erhalten und war damals das bekannteste Schiff im Hafen.

    Umso größer muss die Verzweiflung der Zurückgewiesenen gewesen sein.

    Viele Flüchtlinge sind in den Tagen nach dem Untergang der WG noch auf anderen Schiffen in den Westen gebracht worden.

    Aber Tausende mussten noch auf Schiffen in der Ostsee für den verheerenden Krieg ihr Leben lassen ( https://www.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/ostsee/schiffe.htm)

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin Helmut,


    ein in Wort und Bild sehr interessanter und gut zu verfolgender Baubericht :thumbup:. Bezügl. deiner Bauqualität sprechen die Bider für sich, da kann ich mir meine Worte sparen.

    Über deinen Schornstein

    Der fast genau in Schiffsmitte platzierte Schornstein gab dem Schiff eine sehr markante Linie,

    habe ich mich besonders gefreut und kann deiner Feststellung nur beipflichten. Für mich ist der oder sind die Schornsteine ein wesentliches Charakteristikum eines Schiffes, hier sehr gut ausgeprägt.

    Ich bin gespannt auf die folgenden Beiträge.


    Viele Grüße

    Gustav

  • Danke, Gustav,

    und allen, die ihren Daumen gehoben haben!

    ____________


    Es geht im Moment sehr langsam weiter, aber immerhin... :)



    Ein Boot durfte probeliegen:




    Weitere Davits und 2 Stapel mit Rettungsflößen:



    Dieser Gummibär hat seinen vorwitzigen Besuch an Bord mit dem Leben bezahlt:


    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Servus Helmut.


    Ein wunderschönes Modell!

    Wäre eine feine Sache, wenn es in den Handel käme.

    Ich würde es mir sofort zulegen.


    Liebe Grüße


    Wiwo

    "Es gibt viel zu viele Lautsprecher und viel zuwenig Kopfhörer!"

    Fritz Grünbaum, 1934

  • Ein wunderschönes Modell!

    Wäre eine feine Sache, wenn es in den Handel käme.

    Ich würde es mir sofort zulegen.

    Ja, das sehe ich auch so wie Du.


    Vielleicht aber eher im 200er Maßstab.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Kleine Fortschritte sind zu vermelden...



    Die Gangways fehlen bisher im Bogen.

    Um diese vorbildgerecht ergänzen zu können, musste ich die Davits verändern. Die Gangways lagen nämlich vor den Davitstützen; diese waren dort etwas nach innen eingezogen:



    Das Foto zeigt die achtere Gangway an Steuerbord. Man erkennt deutlich die gekrümmten Davitstützen, um Raum für die davor liegende Gangway zu schaffen.



    Hier meine Veränderung der 4 Stützen, scratch gebaut - mangels Zeichenprogramm und nur dinoentsprechenden Fähigkeiten vorher mit dem Bleistift gezeichnet...




    Da die Gangway mittels Kränen in Position gebracht wurde, musste ich diese im Bogen fehlenden Kräne auch ergänzen und takeln. Glücklicherweise ist die GUSTLOFF ziemlich oft fotografiert worden, so dass relativ aussagefähige Fotos vorliegen (siehe die Seite "Gustloff-Museum", auf die ich schon mehrfach hingewiesen habe).


    Außerdem habe ich dort die Reling montiert, weil es jetzt noch relativ einfach ist. Später dürfte es ein echtes Gefummel werden.


    Vielen Dank allen, die diesen Baubericht begleiten und durch Daumenheben oder eine schriftliche Stellungnahme kommentieren. ^^

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin Helmut,

    schöne Details, die du wieder entdeckt und berücksichtigt hast, gefällt mir sehr gut. :thumbup:


    Viele Grüße

    Klaus-Dieter

  • Hallo Helmut,


    Da hast Du Dir mit der Wilhelm Gustloff ja ein höchst bemerkenswertes Schiff auf die Schneidmatte gelegt.

    Was das modellbauerische angeht, so bist Du dabei wieder einen richtigen Augenschmaus zu fertigen. Die Präzision und Sauberkeit sucht echt seinesgleichen. :thumbup:


    Darüber hinaus finde ich aber auch die politische Einordnung, die Du an mehreren Stellen gemacht hast, absolut richtig, wichtig und angemessen.

    Gerade aufgrund der Symbolkraft dieses Schiffes während der „Tausend Jahre“ und seines Schicksals und der Masse an Todesopfern im Januar 1945.

    Danke dafür.


    Dir weiterhin viel Spaß und Erfolg beim Weiterbau!


    Liebe Grüße

    Peter

  • Moin zusammen,


    da stellt sich die Frage, ob die WG identisch mit dem Schwesterschiff RL ist.


    Gruß

    Hadu

    Vielleicht kommt der Tag, an dem mehr Leute checken, dass Idiotie nicht links oder rechts ist, sondern in erster Linie daher rührt, dass jemand ein Idiot ist! (M. Tegge)




    www.modell-und-geschichte.jimdo.com


    Mitglied der Luft'46-Gang

  • WG und RL waren sehr ähnlich aufgrund der damaligen baulichen Vorgaben, aber keine Schwesterschiffe in dem Sinne. Sind ja auch auf verschiedenen Werften entstanden. WG bei Blohm&Voss, RL bei Howaldt. WG wurde von der Hamburg-Süd bereedert, RL von der HAPAG.


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!