Bojenleger „HMS Bryher“ (1:250) von CFP

  • Hallo allerseits,


    ich möchte euch hier das neue Modell von CFP in einem Baubericht vorstellen. Es ist der Bojenleger (Dan Layer) „HMS Bryher“ der Royal Navy von 1944. Diese speziell ausgerüsteten Boote markierten die von Minen geräumten Seewege für nachfolgende Schiffe.


    Wie fast alle CFP Modelle ist das Modell auf grauem Tonpapier in zwei verschiedenen Stärken gedruckt. Spantengerüst, Decks und Teile, die dickeren Karton benötigen, sind auf einem Bogen 300g Fotokarton gedruckt, die restlichen Teile auf zwei Bogen 120g Tonpapier. Insgesamt besteht das Modell also aus drei DIN A4 Bogen mit ca. 550 Teilen. Die Teile sind nach Baugruppen in der Reihenfolge des Baus angeordnet.


    Direkt zur Modellseite geht es hier. Wie bei allen CFP-Modellen ist die Bauanleitung als Download verfügbar.



                                    

  • Zunächst etwas zum Original. Die „HMS Bryher“ war einer von 145 Trawlern der Isles-Klasseund wurde am 24. August 1943 auf der Werft von Cook, Welton & Gemmell in Beverley bei Hull fertiggestellt. Namensgeber ist eine der Scilly-Inseln. Die Isles-Klasse war die zahlenmäßig größte Trawler-Klasse der Royal Navy und wurde auf nahezu allen Schauplätzen eingesetzt. Ursprünglich waren die Boote als U-Bootjäger und Minensucher konzipiert, aber aufgrund des großen Bedarfs gab es auch Umbauten zu Minenlegern und Bojenlegern.


    Bojenleger wie die „HMS Bryher“ hatten keine 12pdr Kanone im Vorschiff, sondern eine aufgeständerte Plattform für zwei Oerlikon-Flugabwehrgeschütze. Dadurch ergab sich mehr Platz für die Bojenkräne vor der Brücke. Außerdem erhielten sie im Mittelschiff ein großes durchgehendes Bojendeck zur Lagerung und Handhabung der Bojen. Darauf stand auch die dritte Oerlikon-Kanone. Weitere Bewaffnung waren zwei Zwillings-Lewis MGs sowie PAC-Raketen auf dem Kompass-Deck. Über eine Winde auf dem Bojendeck konnte man einen Sperrballon zur Abwehr von Tieffliegern bzw. zur Aufklärung in die Luft steigen lassen. Näheres dazu jeweils im Baubericht.


    Grundlage meiner Konstruktion ist ein Plan von John Lambert sowie weitere Literatur, darunter das hervorragende Buch von Steve Dunn.



                                                  

  • Interessant ist, dass die Bojenkräne vor der Brücke waren.

    Man würde ja eigentlich vermuten, dass sie achtern einfacher zu handhaben gewesen wären.

    Dein Baubericht wird das sicher aufklären, nehme ich an.

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Moin Helmut,

    das liegt sicherlich an der Grundstruktur der Fahrzeuge, die ja auf einem Trawler basieren. Und auch Tonnenleger hatten ursprünglich die Krane vorn. Erst als das Arbeitsdeck nach achtern wanderte (NORDERGRÜNDE & Co.), wanderte auch der Kran mit... ;)

    Beste Grüße aus dem halbhohen Norden

    Fiete

  • Die Grundplatte befestige ich mit kleinen Leimtröpfchen auf einer Plexiglas-Platte. Dann kann sie sich nicht verziehen und kann jederzeit mit einem Bindfaden, den man zwischen Plexiglas und Grundplatte durchzieht, gelöst werden. Das Spantengerüst wird aus dem 300g Fotokarton gebaut und ist äußerst stabil. Darauf kommt das Hauptdeck und die Back. Teile von Mittelträger und Spanten ragen über die Decks hinaus und erleichtern die Ausrichtung der Decks und später die Positionierung der Aufbauten. Auf dem Deck verwende ich sogenannte Former, Platten aus Fotokarton, die auf das Deck geklebt werden und über die die Decksaufbauten später „geklipst“ werden können. Anschließend darf alles gut trocknen. Danach wird das Spantengerüst von der Grundplatte gelöst, um die Bordwand anzubringen.



                                                

                        



    Zur genauen Ausrichtung der Bordwand habe ich auf dem Hauptdeck Markierungen angebracht. Die Bordwand sollte nur an Deck und Grundplatte geklebt werden, nicht an die Spanten. Das ergibt einen schönen Verlauf. Anschließend werden die Aufbauten hergestellt und über die Former auf das Deck geklebt. Vom Bug zum Heck sind dies die Kabinen des Kapitäns und des ersten Offiziers, der Boilerraum, der Maschinenraum, die Kombüse und ein Waschraum mit WC und Badewanne.


  • Die Isles-Class Trawler waren aus Stahl gebaut, hatten aber teilweise beplankte Decks. So hatte das Vorschiff ein Holzdeck, das nun aufgeklebt wird. Seitlich bleibt natürlich genug Platz für einen Wasserpass. Das Deck bekommt nun seine Ausstattung. Vom Bug zum Heck gesehen gibt es zunächst einen Splitterschutzraum für die Crew, Vorratskisten für Fleisch und Gemüse, eine Kiste für Feuerwerksraketen sowie zwei Handwinden. Ein Niedergang führt in die Mannschaftsmesse, die durch das Skylight etwas Licht bekommt. Daneben eine Munitionskiste für die 20mm Oerlikons. Eine Dampfwinde diente zum Betrieb der Bojenkräne und ihrer Ausleger. Etliche Pilzlüfter sorgen für ein wenig Frischluft in den darunter liegenden Räumen. Im vorderen Bereich des Decks sieht man die Markierungen für die Ständer der Geschützplattform.



                                          

  • Als nächstes bekommt auch das Achterdeck seine Beplankung. Am Heck gibt es zwei Plattformen zum Aussetzen der Bojen sowie eine Seilrolle. Auf dem Weg vom Bug zum Heck befinden sich seitlich neben den Aufbauten Kisten für Ersatzteile und Ausstattung der Bojen. Auf der Backbordseite steht eine Downton-Pumpe, die zum Auspumpen der Bilge diente. Auf dem Achterdeck gibt es ähnlich wie auf dem Vordeck eine Dampfwinde und zwei Handwinden zur Bedienung der Kräne, mit denen die Bojen ausgesetzt wurden.




    Die Bojen bestanden aus einem Schwimmkörper, der mittig an einem Stock befestigt war. An einem Ende dieses Stocks befand sich ein Seil oder ein Kette mit einem Betongewicht dem „Sinker“. Dieser hielt die Boje auf dem Meeresgrund. Wenn die Bojen ihren Zweck erfüllt hatten, wurden sie über die Kräne am Vorschiff wieder aus dem Wasser geholt. Die schweren Sinker wurden dann in einem Trog, der hier grau dargestellt ist, wieder nach achtern gerollt, damit man die schweren Gewichte nicht weit tragen musste. Leider verschwindet das alles später unter dem Bojendeck und ist im fertigen Modell kaum zu sehen.


                                                                                                      


  • Das Bojendeck hat mir einiges an Kopfzerbrechen bereitet. Es wird mittig auf die Aufbauten geklebt und grenzt bugseitig an den Boilerraum. Die Schwierigkeit war nun, das Deck so auszurichten, dass es genau mittig auf den Aufbauten sitzt. Das einfach dem Augenmaß des Modellbauers zu überlassen kann im Einzelfall funktionieren, aber nicht immer. Außerdem versuche ich stets meine Modelle so zu konstruieren, dass sie für den Modellbauer auch problemlos baubar sind. Es musste also irgendeine Markierung her, an der das Deck ausgerichtet werden konnte. Ich habe mich dann für die „Scheibenlösung“ entschieden. Dafür wird aus dem Bojendeck eine Scheibe ausgeschnitten und auf dem hinteren Aufbau aufgeklebt. Am Boilerraum habe ich einen Winkel angebracht, auf dem das Deck aufgelegt wird, versehen mit einer Mittelmarkierung zur genauen Ausrichtung. Jetzt kann das fertige Bojendeck über die Scheibe auf den Aufbauten genau positioniert und aufgeklebt werden. Die „Scheibenlösung“ verschwindet später unter der achteren Oerlikon-Kanone.



                                



    Vor dem Aufkleben werden im Bojendeck noch die Öffnungen für die beiden Lüfter, für die Bootsdavits und für den Schornstein ausgeschnitten und die Randleisten werden bündig mit der Oberkante des Decks angeklebt.



  • Das Bojendeck war auf seiner ganzen Länge zum Hauptdeck hin abgestützt. Die Stützen können durch schmale Kartonstreifen dargestellt werden oder, wie in meinem Fall, durch Faden passender Farbe, der mit Kleber versteift wurde. Die Positionen der Stützen sind durch kleine schwarze Punkte auf dem Bojendeck markiert.


    Kommen wir nun zur Ausstattung auf dem Bojendeck, die durchaus interessante Dinge bereit hält. Vom Heck her gesehen haben wir zunächst ein Drahtmessgerät (Taut Wire Measuring Gear). Damit konnte man in Zeiten vor GPS eine zurückgelegte Strecke genau messen. Dazu befestigte man am Ausgangspunkt (Boje etc.) einen Klavierdraht, der während der Fahrt abgespult wurde. Am Messgerät konnte man dann die zurückgelegte Strecke ablesen. Dies war besonders für das Bojenlegen sehr wichtig.


    Neben dem 20mm Oerlikon Flugabwehrgeschütz befindet sich ein Dreibein-Mast zur Abspannung der Funkdrähte. Daneben steht die Winde für einen Sperrballon (barrage balloon). Von dieser Winde führten Steuerseile über eine Lenkrolle am Dreibein-Mast zum Sperrballon. Dieser diente als Schutz vor Tieffliegern und teilweise auch zur Aufklärung (man konnte unter den Ballon eine Art Korb hängen, in dem sich der Ausguck befand. Sicher kein angenehmer Aufenthaltsort).





    Am bugseitigen Ende des Bojendecks haben wir auf der Backbordseite einen Kelvin-Tiefenmesser (Kelvin sounding machine), eine Erfindung des schottischen Wissenschaftlers William Thomson, später Lord Kelvin (ja, genau der mit der Temperaturskala, ein äußerst vielseitiger Wissenschaftler und Inhaber vieler Patente auch im nautischen Bereich). Damit konnte man die Wassertiefe unter einem schnell fahrenden Schiff bestimmen.

  • Weiter geht es mit dem Brückendeck. Man erkennt die Ausschnitte für die Niedergänge und die Schlitze, an denen das Deck mittels der Verlängerung von Mittelträger und Spanten ausgerichtet werden kann. Um das Steuerhaus zu positionieren wird wieder ein Former aufgeklebt. Das Steuerhaus selbst ist etwas verwinkelt, in der Einkerbung führt die Leiter nach oben auf das Kompassdeck.


                                                                                   



    Anschließend werden die Beiboote und die Handwinden angefertigt und in Position geklebt, danach werden die Bootsdavits durch die Öffnungen gesteckt und auf dem Hauptdeck verklebt. Anschließend können der Schornstein und die beiden großen Lüfter angebracht werden.



                                                              



  • Beim Kompassdeck ergab sich ein ähnliches Problem wie beim Bojendeck, es wird plan auf das Steuerhaus geklebt, was ohne Richthilfe nur schwer möglich ist. Ich habe eine ähnliche Lösung wie beim Bojendeck gewählt, aus dem Kompassdeck wird im Bereich des Radar-Domes ein Rechteck ausgeschnitten und auf das Steuerhaus geklebt. Damit hat man eine Richthilfe beim Aufkleben des Decks. Ausgeschnitten wird ebenfalls die Öffnung für den Niedergang. Das Schanzkleid wird rings um das Deck geklebt und schon kann das Kompassdeck aufgesetzt werden.


                                                                                   



    Das Kompassdeck hat eine Aussparung für den Dreibein-Mast, der jetzt hergestellt und eingeklebt werden kann. Die beiden Stützen werden links und rechts vom Schornstein angebracht. Das Oberflächenradar vom Typ 271 wurde wegen der kompakten Maße hauptsächlich auf Trawlern und kleineren Begleitschiffen eingesetzt. Es konnte ein aufgetauchtes U-Boot in bis zu 5km und ein Sehrohr in bis zu 1km Entfernung orten. Im unteren Teil des Radar-Aufbaus saß der Bediener und drehte die Antenne, die sich im oberen Aufbau aus Plexiglas befand, mit einer Art Lenkrad.


    Die weitere Ausstattung des Kompassdecks bestand aus einem Flaggenschrank, dem Kartentisch und natürlich dem Kompass. An der Bugseite waren die Sprachrohre für die Befehlsübermittlung angebracht sowie beidseits je ein Suchscheinwerfer. In den Brückennocken standen zwei Lewis Zwillings-MGs.


    Außerhalb des Schanzkleids war beidseitig ein PAC-Raketenwerfer angebracht. Die PAC (Parachute and Cable) Rakete wurde zusammen mit einem Kabel in die Luft geschossen. Am Scheitelpunkt entfaltete sich dann ein kleiner Fallschirm, der langsam mit dem Kabel nach unten schwebte. Idealerweise sollte sich ein feindlicher Tiefflieger in dem Kabel verfangen. Die Wirkung dieser Waffe war eher zweifelhaft und nicht ungefährlich für die Besatzung.


    Am Ende noch eine Gesamtansicht des derzeitigen Bauzustands.


                                                                        



  • Die Kräne zum Einholen der Bojen waren vor der Brücke angebracht. Die beiden Kräne sind untereinander verbunden und werden gegen die Brücke abgestützt. Eine geschulte Besatzung konnte bei guten Bedingungen eine Boje pro Minute bergen.



                                                                                  



    Direkt vor der Back steht ein aufgeständerter Geschützstand mit zwei 20mm Oerlikon Geschützen zur Verteidigung gegen Luftangriffe. Zur Feuerkontrolle gibt es eine Sprechverbindung mittels Kabel zur Brücke. Seitlich am Geschützstand befinden sich Halterungen für Schlauchboote.