Passat 1/250 Baubericht

  • Bericht über den Bau der Passat vom Passat-Verlag mit der Bausatznummer 148:


    1. Vorgeschichte


    Den Modellbaubogen habe ich bereits in 1996 (soweit ich mich recht erinnere) gekauft. Ich hatte damals gerade meine Schleswig Holstein fertiggestellt und war vom Kartonmodellbau geradezu begeistert. Aber wie das so ist - nach dem Bau des Rumpfes der Passat mußte die Vollendung des schönen Modells erst einmal anderen Interessen, wie Familie, Beruf und auch dem RC-Modellbau Platz machen. Aber - das halb fertige Modell hat die Jahre gut in einer extra dafür hergestellten Staub-dichten Vitrine überstanden.


    Nun als Rentner und nach der Fertigstellung eines historischen Zweideckers aus Holz ist die Leidenschaft wieder erwacht. Da ich ein Fan von Segelschiffen bin und selbst schon auf Windjammern gefahren und auch Wachen gegangen bin, fasziniert mich insbesondere die Funktionalität der Takelage dieser Schiffe. Mein Ziel ist es deshalb, die Takelung der Viermastbark so realistisch wie möglich nachbauen, d. h. deren Funktion sollte am Modell einigermassen nachvollziehbar sein. Mal sehen, wie weit mir das gelingen wird :S .

    Ein erster Kompromiss, den ich eingehen werde, ist der Verzicht auf Segel. Die Vielzahl der Gordinge, Geitaue, Schoten, usw. lässt sich an einem Modell dieses Massstabes einfach nicht realisieren.

    Das laufende Gut der Rahen wird schon anspruchsvoll genug.


    Anbei ein paar Bilder, die den aktuellen Bauzustand dokumentieren:

    Den Rumpf habe ich bereits fertig gestellt.


    Wie man auf den folgenden Nahaufnahmen sieht, habe ich die Kartonreling durch eine Eigenbaureling, die aus Kupfer und Messingdraht besteht, ersetzt.

    Dazu habe ich die Kartonreling kopiert und die Relingstützen sowie die Durchzüge aus Draht mit Überstand auf der Kopie positioniert und die überstehenden Enden mit Sekundenkleber fixiert. Die Kreuzungspunkte der Stützen und Durchzüge wurden dann verlötet. Trennt man die überstehenden Enden nun mit der Schere ab, hat man eine genau zum Modell passende Reling aus Draht.




    Weitere Details, die ich abweichend vom Modellbaubogen herstellte, sind die beiden Steuerräder. Bei diesen habe ich nur die Ringe aus Karton ausgeschnitten, die Speichen sind dagegen aus Kupferdraht. Das Ganze wurde dann braun gestichen.


    Da ich meine Modelle so weit möglich an die Wirklichkeit anpassen möchte, habe ich auch die Schiffsglocke sowie die Kompasshauben nicht aus Karton gefertigt sondern aus Messing auf meiner kleinen Drehbank gedreht. Hoffentlich verträgt sich das noch mit Kartonbau :S ?


    Zum Rollen der kleinen Zylinder für die Poller habe ich mit "verlorenen Werkzeugen" gearbeitet, d. h. das ausgeschnittene Kartonteil wurde mit der Längskante an einen Draht mit entsprechendem Kerndurchmesser mit Sekundenkleber angeheftet. Nach der Trocknung wurde noch ein wenig Sekundenkleber auf den Draht gegeben und dann das Kartonstückchen beherzt um den Draht gerollt.

    Das ergibt schöne gleichmäßige Zylinderchen, wobei das obere Ende noch plan geschliffen und mit dem Kartonscheibchen abzudecken ist. Da unten herausragende Drahtende der Zylinder habe ich einfach durch Bohrungen in der Grundplatte der Poller gesteckt, verklebt und unter der Grundplatte wieder plan geschliffen - fertig.


    2. Nagelbänke - Mastgarten

    Ein ähnliches Verfahren habe ich bei der Herstellung der Nagelbänke an den Masten (Mastgärten) angewendet.

    Wie man auf dem Original sehen kann, sind die Stützen unten quadratisch und weiter oben rund gedrechselt mit absesetzten Wulsten.

    Das wollte ich irgenwie näherungsweise realisieren.

    Die hierzu nötigen Fertigungsschritte sieht man auf den folgenden Bildern.


    Die Wulste an den Stützen bestehen auch hier aus Ringen, die aus 0,25 mm Kupferdraht gefertigt wurden.


    Über die Herstellung der Anker berichte ich im nächsten Abschnitt

    Bis dahin ...


    3. Herstellung der Anker


    Da ich die beiden Anker etwas plastischer gestalten wollte, als im Modellbaubogen vorgesehen, habe ich wieder Kopien gezogen und diese so oft mit Karton verstärkt, bis ich auf eine Dicke von 1,5 mm kam. das entspricht 375 mm im Original, was in etwa passen sollte.

    Aber - wie schneidet man die filigranen Ankerchen aus derart dickem Schichtkarton, der auch noch mit Sekundenkleber zusammengehalten wird, aus?

    Schere oder Skalpell kann man da sofort vergessen und einen Laser habe ich nocht nicht, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ein Hobby-Laser derart dicken Karton schneiden kann.

    Für eine praktikable Lösung des Problems konnte ich auf meine Erfahrung als "Holzschiff-Bauer" zurückgreifen.

    Ich nahm meine gute alte Laubsäge, spannte das dünnste Metallsägeblatt (Nr. 0) ein und startete eine Versuch.

    Der Karton liess sich überraschend gut und ohne auszufransen schneiden.

    Als nächstes wurden die Arme und der Schaft jeden Ankers zum Ende hin mit einer kleinen Schleifmaschine verjüngt und danach die Flunken aus einfachem Karton, sowie die Decksklammern und jeweils ein Ankerstock - auch aus Karton - angeklebt.

    Hier sieht man die beiden Anker im Rohbau.



    Danach wurde noch schwarz angemalt und die Anker auf der Back montiert.




    Der Backbord-Anker ist an einer Kette angesteckt.

    Die Kette des Steuerbord-Ankers soll später an einer Boje festgemacht werden, da ja die Passat ohne Segel dargestellt wird und in diesem Zustand vielleicht auf Ladung wartet.


    Im nächsten Abschitt gehe ich auf den Bugspriet ein.


    Herzliche Grüße

    Heinrich

    Edited 3 times, last by Heinrich Bein: Gliederung und Nummerierung der Überschriften eingefügt ().

  • Moin Heinrich,


    das ist eine Ouvertüre zu einem tollen Baubericht! Allein bei der Ausstattung der beiden offenen Boote sieht man, dass ein alter Fahrensmann mit Fachkenntnis am Werke war. Wenn sich Modellbau und Recherche treffen, schaue ich sehr gerne zu. Das bisher gebaute gefällt mir, ich freue mich auf weitere Bauschritte mit weiteren Hintergrundinformationen. Das Modell zeigt die PASST im Zustand der späten 1920er Jahre? Nach dem Umbau mit der verlängerten Poop zur Unterbringung von Schiffsjungen?


    Viele Grüße aus Hamburg,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Moin Klaus,


    ja, das Modell zeigt den Zustand nach dem Umbau zum Schulschiff Mitte der 20er Jahre.

    Da ich aus dieser Zeit vom Original und dessen Takelung nur wenige Bilder habe, orientiere ich mich mit der Takelung an "Die großen Segelschiffe" von Walter Laas und "Viermastbark Passat, eine Baudokumentation" von Thomas Böttcher. Anhand dieser beiden Quellen, kann man schon erkennen, das es durchaus Variationen bei der Führung des laufenden Gutes bei den zeitgenössischen Viermastbarken gab. Ich hoffe nur, dass sich das Rigg der Passat über die Jahre in den wesentlichen Teilen nicht geändert hat.



    Herzliche Grüße

    Heinrich

  • Moin Heinrich,


    sowohl Modell als auch Baubericht scheinen erstklassig zu werden.
    Drücke Dir die Daumen, dass alles nach Deinen Vorstellungen gelingt!

    Beste Grüße,


    Manfred

    Es muss nicht alles perfekt sein, was gut tut.

  • (...)

    Anhand dieser beiden Quellen, kann man schon erkennen, das es durchaus Variationen bei der Führung des laufenden Gutes bei den zeitgenössischen Viermastbarken gab. Ich hoffe nur, dass sich das Rigg der Passat über die Jahre in den wesentlichen Teilen nicht geändert hat.

    Hallo Heinrich,


    meinst Du denn Unterschiede bei den Viermastbarken um 1930 generell oder tatsächlich Unterschiede zwischen den »acht Schwestern«? Das wird aber sehr interessant und ich freue mich auf die nächten Bau- und Rechercheschritte :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Moin Heinrich,

    ich bin ja sehr sparsam mit Superlativen, aber auch für mich ist daß eine hammermäßige Vorstellung - respektheischend für ein handgezeichnetes Modell aus dem Passat-Verlag. Es kommt eben auch immer noch darauf an, was man daraus macht. In letzter Zeit hatte ich den Eindruck, es müsse sich - weil technisch aufwendig produziert - von allein schon bauen :D

    Heinrich, ich würde mich freuen, wenn Dein Einstieg in einen zu folgenden Baubericht münden würde?!

    mit einem lieben Gruß

    kartonskipper

    Die Kuh muß vom Hof - als man sich für ein saftiges Steak noch nicht schämen mußte! hier

  • Moin, moin Heinrich,


    es gibt ja soviel zu gucken an und auf deiner PASSAT....eine wirklich umfassende Arbeit bis insDetail :thumbup: ! Allein die beiden achteren offenen Rettungsboote habe ich sofort "in mein Herz geschlossen"......die find ich wirklich gelungen......um nur mal ein Detail herauszuheben. Wie Wilfried schon anregte.....ein Baubericht würde uns hier beglücken :) .


    Gruß

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Hallo Heinrich,


    meine Hochachtung vor dem was du uns hier mit deiner Passat zeigst. Natürlich könnte man alle Details auf deiner Passat hervorheben, aber ich möchte mich nur auf die Anker begrenzen. Einfach Klasse :thumbsup: :thumbsup: , und das in diesem Maßstab. Ich freue mich schon jetzt darauf, was du uns noch alles zeigen wirst.


    LG Ernst

    "Das Recht auf Dummheit wird von der Verfassung geschützt. Es gehört zur Garantie der freien Persönlichkeitsentfaltung"
    (Mark Twain)

  • Das fasse ich ja glatt als Kompliment auf, wenn ein so versierter Modellbauer wie Heinrich den von mir 1992 (hand)gezeichneten Modellbaubogen als Grundlage für sein Modell heranzieht. Ulli, du bist nicht allein !


    weiterhin viel Spaß und Erfolg !

    Henning

  • Hallo an Alle!


    Soviel Lob tut sehr gut und wirkt ungemein motivierend :) .

    Herzlichen Dank dafür.

    Zur Frage nach dem Baubericht: Der ist ja bereits in Arbeit und ich dachte, ich habe ihn richtig plaziert :S - oder habe ich da etwas übersehen?

    Als Neuling bin ich für jedwede Hilfe offen.


    Nun zur Frage nach der Takelung:

    Beim Bau des Besan-Mastes (der ist immer noch in Arbeit und wird natürlich im Baubericht erwähnt) ist mir beim Studium der Literatur aufgefallen,

    dass bei "Laas-die großen Segelschiffe" die Unter- und Obergaffel der Viermastbark jeweils einen Hanger haben, wobei der Hanger der Obergaffel noch über einen Hahnepoot mit der Gaffel verbunden ist. Auch der Besanbaum hat noch einen Hanger (oder Baumdirk) in diesem Segelriß.

    Bei dem auf Seite 160 in "Gondesen - Die letzten Flying P-Liner" gezeigten Segelriß der Passat haben nur noch Unter- und Obergaffel jeweils einen Hanger, der zur Mitte der Gaffeln führt. Der Hahnepoot ist verschwunden, oder war bei der Passat nie da. Alle Gaffeln sind zusammen mit dem Basanbaum über eine Art Dirk verbunden, die zum Top des Mastes führt.

    Bei der Passat, wie Sie heute in Travemünde zu sehen ist, fehlt nun auch der Hanger an der Untergaffel! Das war1957 nach "Böttcher - Viermastbark PASSAT,..." auch schon so.

    Die Frage ist nun - wie war die Takelung in den 20er Jahren?

    Ich tendiere dazu, die Takelung von 1957 auch als repräsentativ für die 20er Jahre anzusehen. Das ist beim Besanmast die einfachste vorstellbare Art, die Gaffeln in Position zu halten.


    Oder hat jemand mehr Informationen über diese Zeit der Passat?


    Jedwede Hilfe ist sehr wilkommen :)


    Viele Grüße

    Heinrich

  • Moin Johannes,


    wie und wo platziere ich denn nun Fortsetzungen meines Bauberichtes?

    Neues Thema erstellen?

    Mann kann ja jeweils nur eine begrenzte Anzahl von Anhägen hochladen.


    Herzliche Grüße

    Heinrich

  • Also - alten Beitrag nicht durch Editieren verlängern - sondern einfach, wie ich es jetzt mache, neuen Text eingeben.

    Sorry - bin halt noch ein greenhorn ?(

    Grüße und vielen Dank für die schnelle Antwort

    Heinrich

  • Das fasse ich ja glatt als Kompliment auf, wenn ein so versierter Modellbauer wie Heinrich den von mir 1992 (hand)gezeichneten Modellbaubogen als Grundlage für sein Modell heranzieht. Ulli, du bist nicht allein !


    weiterhin viel Spaß und Erfolg !

    Henning

    Hallo Henning,

    wer hätte das gedacht, zwei Berichte, zwei verschiedene Schiffe aus deinem Bogen, zusammen bei uns in Forum :)


    Heinrich,

    Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht.

    Viele Grüße

    Ulli

  • 4. Bugspriet oder Klüverbaum:


    Nach der Fertigstellung des Rumpfes mit seinen zahlreichen Ausrüstungsgegenständen steht nun die Errichtung der Takellage an.

    Da ich keine 6-eckigen Masten, Rahen, usw. mag, habe ich mich entschieden, alle Spieren, Stengen, Masten und Rahen aus Holz oder Messing zu fertigen.

    Das ist zwar kein echter Kartonmodellbau, wie ich denke, aber diesen Kompromis gehe ich ein, damit diese Teile schön rund sind - wie beim Original :) .

    So habe ich auch den Klüverbaum aus Buchenrundstab hergestellt, wobei hier der ausgezeichnete Modellbaubogen von Henning wertvolle Dienste leistet, indem hiervon sehr einfach alle Maße entnommen werden können :) .


    Ein Problem ist ja immer beim Bau von Modellsegelschiffen die Formgebung der Spieren, wie Rahen, Masten, usw. Man muß hierzu sehr schlanke und lange Konen herstellen. Drechseln oder Drehen geht meistens nicht wegen unzureichender Biegesteifigkeit der Hölzchen. Ich wende dazu das folgende Verfahren an:


    Die beiden Enden der zu fertigenden Spiere werden ein kurzes Stück auf den jeweils gewünschten Durchmesser abgedreht. Das funktioniert, da man hierzu

    sehr kurz einspannen kann. Danach spanne ich das Rundholz der Länge nach ganz vorsichtig zur Hälfte in einen Schraubstock ein - so dass ca. das halbe Hölzchen oben aus den Backen heraussteht und feile vom einen zum anderen Ende bis auf den jeweiligen Durchmesser flach ab. Danach wird um 90 Grad gedreht, wieder eingespannt und abgefeilt. Nach vier Durchgängen hat man einen "konischen Vierkant", dessen Seitenlängen den beiden Enddurchmessern entsprechen. Nun wird das ganze um 45 Grad gedreht und die ganze Prozedur beginnt von vorn, so dass man schließlich einen achtkantigen Stab erhält. Diesen kann man nun wieder in die Drechselmaschine oder Drehbank einspannen und dann freihand mit Schleifpapier zwischen Daumen und Zeigefinger rund schleifen - aber bitte ganz vorsichtig und auf das Einspannfutter achten sonst kommt es sehr leicht zu Verletzungen! ;(

    Auf die beschriebene Weise habe ich den Klüverbaum hergestellt und dann noch mit zahlreichen 0,5 mm Bohrungen versehen um die zahlreichen Backstage befestigen zu können.


    Der Klüverbaum im Rohzustand ist im folgenden Bild gezeigt:


    Die beiden Jackstage entlang das Baums wurden einfach durch Aufkleben von 0,25 mm Kupferdraht hergestellt. Daran befestigt sind ja Steuerbord und Backbord jeweils ein Fußpferd. Diese habe ich aus dem Fotoätzteilesatz der "Preussen" entnommen, den es ja auch im Passat-Verlag gibt.

    Man sieht auch schon die Backstage - jeweils vier an jeder Seite. Die oben herausstehenden Drahtstückchen werden später zu den Umlenkblöcken für die Votstagbefestigung "zusammengerollt".


    Den montierten Klüverbaum sieht man hier:



    Den Wasserstag habe ich wieder gelötet. Das Klüverbaumnetz werde ich erst anbringen, wenn alle Vorstage gesetzt sind. Auch hier kommt möglicherweise das Fotoätz-Netz der "Preussen" zum Einsatz.

    Auf diesem Bild sieht man auch die Kette des Backbordankers.


    Fortsetzung folgt mit dem Bau des Besanmastes.

    :)

  • 5. Besanmast

    Beim Bau meines vorletzten Schiffsmodells hat sich gezeigt, dass es sinnvoll ist, ein Segelschiffsmodell von achtern her aufzutakeln. M. M. nach kommt man so am besten an alle Belegstellen heran. Nach dem Klüverbaum, der eher als mein "Übungsobjekt" angesehen werden kann, geht es nun also mit dem Besanmast ins Eingemachte.

    Wie beim Klüverbaum kommt Buchenrundstab zum Einsatz. Nach dem bereits beschriebenen Verfahren bereitete die Herstellung des schlanken konischen Hölzchens keine Probleme. Da die beiden Gaffeln sowie der Ladebaum nicht konisch sind, habe ich diese aus 1,5 mm Messingrohr gefertigt. So erspart man sich das stirnseitige Anbohren mit dem 0,5 mm Bohrer zur Aufnahme der Messingdrähte, mit der die Spieren am Mast befestigt werden.

    Die Marssaling habe ich aus dem Modellbaubogen entnommen und mit einer Reling aus gelötetem Messingdraht versehen.

    Im Rohbau sieht das ganze nun so aus:

    Das Anbringen der seitlichen Bohrungen an den Messingröhrchen waren Dank meiner kleinen PROXXON-Fräse kein Problem. Mit diesem Maschinchen kann der Bohrer auf 5/100 mm justiert werden :) !

    Danach wurde schon mal probiert, wie das Ganze auf der "Passat" aussieht:

    Da alles passte, konnte angestichen und die Pardunen sowie die Blöcke für die Brassen des Kreuzmastes (12 Stück - gerollt aus 0,15 mm Messingdraht) schon mal eingezogen werden.

    Das sah dann so aus:

    Nach dem Befestigen der Oberwanten aus dem Fotoätzsatz der "Passat" wurde der Besanmast endgültig gesetzt und das erste Pardunenpaar an der Seite der Poop befestigt. Und nun kam ich zum ersten Mal an meine modellbauerischen Grenzen :huh:. Bei jedem Großsegler sind ab einer gewissen Höhe die Webleinen der Oberwanten bis zur nächsten Pardune durchgezogen. Wer einmal in ein solches Rigg aufgeentert ist, der nimmt dankbar wahr, dass, wenn die Füße kaum noch zwischen die immer enger zusammenlaufenden Wanten passen, plötzlich wieder Platz ist, da die Webleinen bis zur nächsten Pardune reichen. Dieses wichtige Detail wollte ich aufgrund eigener Erfahrungen unbedingt realisieren.

    Versuche mit angeklebten Ätzteilwanten misslangen kläglich und ich war hinterher glücklich, dass der Rückbau gelang, ohne Spuren zu hinterlassen :rolleyes: .

    Einmal darüber geschlafen, begannen sich Ideen zu entwickeln.

    Es mussten Arbeitsposition und Material verändert werden. Das sah dann so aus:

    Wie man sieht, ist die "Passat" in einer Art "Hebebühne" (mein Schraubstock) auf die Seite gelegt worden. In dieser Position konnte ich ganz gut dünnes Garn mit Sekundenkleber zunächst auf den Oberwanden befestigen. Danach wurden die Fäden auf die Oberseite der Pardune geführt und auch angeklebt. Hinterher wurde auf Länge geschnitten - mit einer Schere. Damit war ich ganz zufrieden :) .

    Im Anschluß wurden die Unterwanten befestigt und mit den Eisenschienen (Papierstreifen) versehen, die ein Verdrehen der Wanten und Pardunen verhindern sollen.

    Mit Hilfe der kleinen "Hebebühne" war es auch kein Problem die unteren Webleinen der Unterwanten bis an die achtere Wand zu führen. Hierzu wurden wieder kleine Drahtstückchen aufgeklebt. Darüber sind die Webleinen ja nur noch an drei Wanten befestigt. Bei der knapp bemessenen Besatzung einer Viermastbark reichte das wohl aus.

    Auf den folgenden Bildern sieht man auch, dass mittlerweile die achtere Abspannung der Bootsdavids über je einen Block an der achteren Unterwand zu ihrer Belegstelle an beiden Seiten der Nagelbänke des Poopdecks geführt wurden.


    Im folgenden Bild ist zu sehen, dass nun auch mit der Montage der Püttingswanten begonnen wurde:


    Fortsetzung folgt :) !

  • Moin Heinrich,


    das sieht super aus! Ich bekomme Lust, auch mal wieder ein Segelschiff zu bauen...


    Ich erlaube mir mal, einen klienen Tipp zu geben: Um die Takelage schön straff zu bekommen, habe ich mir eine Lötpistole geholt. Wenn ich die heiße Spitze im guten Abstand und mit viel Abstand unter die Fäden halte, ziehen sie sich schön zusammen. Überstände bei Klebestellen und bei den Webleinen lassen sich damit auch vorsichtig kürzen. Was sich auf längere Strecken bewährt hat, ist ein glühendes Räucherstäbchen. Wie geschrieben muss man äusserst vorsichtig sein denn das feine Garn brennet sehr schnell durch. Beim Räuscherstäbchen ist Einsamkeit und eine offenes Fenster nützlich :D


    Laufen die Unterwanten des Besanmastes auf der Nagelbank auf? Oder wie ist das beim modell?


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Moin Klaus,


    sehr gut beobachtet! Ja, die Unterwanten habe ich wirklich der Einfachheit halber an den Kanten der Nagelbänke festgeklebt. Vielleicht verlängere ich diese noch bis zum Deck mit Kupferdraht, was nicht so einfach ist. Aussenbords der Reling werden ja an dieser Stelle noch die Strechertaljen der Kreuzmastbrassen angebracht, so dass man da unten kaum noch sieht, wo die Unterwanten hinlaufen. Aber mal sehen... :S .


    Velen Dank für den Tipp mit der Lötlampe! Dieser kommt bestimmt noch zur Anwendung.

    Bei meinen Pardunen funktioniert das allerdings nicht, da sie aus Kupferdraht bestehen.

    Mit Kupferdraht arbeite ich sehr gerne, da er sich relativ leicht befestigen lässt. Wenn der Draht allerdings nicht ganz straff ist, wie es beim stehenden Gut sein sollte, kann man nicht mehr nacharbeiten.


    Welches "Takelgarn" benutzt Du?


    Herzliche grüße

    Heinrich

  • Moin Heinrich,


    ich verwende synthetische Garne die auf Wärme reagieren. Serafilgarn ist bei meinen Schiffen in Gebrauch. Das habe ich vor Jahren in einem Laden für Nähbeadrf gekauft. Es ist in vielen Farben erhältlich und vor dem Gebrauch ziehe ich es entweder durch Leim oder durch flüssigen Kunststoffkleber um es zu versteifen und passende Stücke abschneiden zu können. Für die ganz feinen Anwendeungen, wie z.B. Webleinen, nutze ich Fliegenbindengarn aus dem Angelbedarf.


    Zu meinem Tipp: Ich arbeite mit einer Lötpistole. Sie hat eine relativ feine Spitze um punktuell arbeiten zu können.


    Die fehlenden Wantenspanner am Besanmast würde ich aus verdrillten und bemalten Draht in passenden Stücken unter die Nagelbänke setzten. Die Reparatur wird kaum jemand bemerken... :whistling:


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Hallo Klaus,


    vielen Dank :) .

    Kannst Du mir bitte mal die Stärken des Serafilgarns und des Fliegenbindendrahtes mitteilen.

    Was passt denn zum Massstab 1/250?

    Grüße

    Heinrich

  • Moin,


    Es gibt übrigens auch noch Serafil fine, das ist nochmal ne Nummer dünner als das normale Serafil:


    Der ideale Näh- & Stickfaden für alles Feine: Serafil: Amann


    Das dünnste ist dann die Nummer 420 bzw 300/2. Da habe Ich mir mal 2 Rollen (Schwarz/Weiß) von besorgt und Ich bin damit sehr zufrieden. Ich habe das zB für meine ASTARTE benutzt:


    (mir ist gerade aufgefallen, das Ich Euch scheinbar noch ein paar schöne Galeriebilder von der schuldig bin...)


    Einziger Nachteil: Das ist nur in 10km Rollen erhältlich :wacko:

    Wobei ~16€/Rolle auch nicht wirklich teuer waren, wenn Ich bedenke das Ich wohl NIE wieder Garn nachkaufen muss :D


    Kaufen kannst du es zB hier:

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    mfg

    Johannes

  • Vielen Dank!

    Das ist halt das schöne an diesem Forum - man ist nicht allein auf der Welt :) :) .

    Für die "Passat" kommt das alles noch rechtzeitig - bin ja erst am Anfang der Takellage.

    Die ASTARDE ist ein sehr schönes Schiffsmodell - Haikutter - oder?


    Herzliche Grüße

    Heinrich


    PS: Die Backbord Unterwanten gehen nun schon bis zum Deck :)

  • Moin Heinrich,


    Die ASTARTE wurde als Hochseefischkutter gebaut, was genau die dann gefangen haben weiß Ich nicht.


    Das Modell ist übrigens auch vom Passat-Verlag und Ich kann es dir wärmstens empfehlen, wenn du nach der PASSAT vielleicht mal einen kleineren Segler bauen willst ;) :


    HF 124 Finkenwerder Kutter ASTARTE
    Ihre Segeleigenschaften waren genauso Legende wie die Fähigkeiten ihrer Besatzung: Finkenwerder Kutter durchkreuzten bis Anfang des 20. Jahrhunderts die…
    passat-verlag.de


    mfg

    Johannes

  • Ja, genau solche Serafil-Rollen wie Johannes sie zeigt habe ich auch! Ich wusste nicht, dass es verschiedene Güten der Garne gibt. Ich habe meine Rollen um 2005 herum gekauft (in Hamburg-Altona, in Bahnhofsnähe). Ich habe noch einiges der 10 Kilometer auf der Spule. Ich glaube, das Garn wird die nächsten Jahrzehnte noch mein Begleiter bleiben :thumbsup:

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Hallo Heinrich,


    ich verwende für meine Peking "Ariadna Tytan 250" Ist ein Overlockgarn genauso wie Serafil nur billiger und in vielen verschiedenen Farben erhältlich.

    Für das stehende Gut verwende ich schwarzes, für das laufende Gut beige hell und dunkel.


    Das beige Garn ist so fein, dass ich es fast nicht erkennen kann beim Takeln.



    viele Grüße

    Ulli

  • Vielen Dank an alle für die hilfreichen Tipps bezüglich des Garns!

    Schwarzes Serafil Garn habe ich mir schon besorgt. Daraus sind mittlerweile der Besanstag und der Besanstengestag gemacht. Bilder hiervon folgen später.


    Johannes,

    ich meinte ja, dass die ASTARDE ein Fischkutter ist. Ein alter Bekannter aus Hamburg hat mir mal erzählt, dass diese Kutter sehr schnell waren - besonders, wenn sie mit Maschine nachgerüstet wurden - und deshalb die Fanggründe immer zuerst erreichten. Die Besatzungen langsamerer Schiffe sagten dann immer: "Die Haie waren schon da, hier gibt es keinen Fisch mehr". Daher der Name "Haikutter".


    Aber zurück zum Takelgarn:

    Für die Taljen des laufenden Gutes werde ich weiter beim 0,15 mm Kupferdraht bleiben. Der ist schön steif (relativ) und ich kann die Blöcke immer gleich mit anformen. Eine andere Idee das zu machen, hatte ich bisher nicht.

    Ein Beispiel sieht man auf dem folgenden Bild:

    Zu sehen ist eine der beiden Besanschot-Taljen. Sie hängt zum Trocknen an einer Lampe. Trocknen müssen die beiden Sekundenklebertröpfchen, die die Blöcke darstellen. Diese werden später braun angemalt.

    Die entsprechende Belegklampe sieht man nun hier im Rohbau:

    Und hier die beiden Klampen auf ihrer Grundplatte, die allerdings noch nicht "zugeschnitten" ist:

    Hier nun ein paar Fotos, die die montierten Besanschoten am Modell zeigen:

    Die beiden Klampen sind zwar auch schon an Ort und Stelle aber die Schoten müssen noch belegt werden.

    Und zum vorläufigen Abschluß noch zwei Nahaufnahmen der Besanwanten:


    Fortsetzung folgt!

    Heinrich

  • Moin Heinrich,


    die Taljen sind sehr, sehr schön und in ihrer Wirkung unschlagbar :thumbsup: . Wie färbst Du den Draht ein? (oder steht das schon irgendwo im Bericht... :love: ). Toll sind auch die vorbildgerechten weißen Absätze der Zurrings der Wantenende. Und die Besanunterwanten sind nun auch komplett :thumbsup:.


    Die Rahen und Bäume baust Du selbst und bemalst sich auch selbst (wenn ich das richtig gelesen habe). Die weißen Nocken hatten die Schiffe zu Laeisz Zeiten leider noch nicht. Auch wenn PASSAT und PEKING heute diesen chicen Akzente zeigen, war es in den später 1920-ern in der »Laeisz-CI« nicht vorgesehen. Es gibt die Annekdote, dass die Crew auf einem Laeisz-Segler in einem englichen Hafen die Nocken eigenmächtig weiß gemalt hatten. Der Kapitän soll darauf gesagt haben »Dat gifft dat nich bei Laeisz« und machte alles rückgängig (das hat mir Andreas Gondesen erzählt). Schau' Dir alte Aufnahmen aus den Zeiten an: keine weiße Nocken bei Laeisz.


    Die Drahtmethode will ich auch mal ausprobieren. Gerade bei Taljen scheint mir die Technik kontrollierbarer und optisch überzeugender als meien Serafilmethode. Danke für die Anregung!


    Viele Grüße aus Hamburg,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Moin Klaus,


    schaaade - do muß ick die Baumenden wohl widder mit gelb überpöhnen :) - wie das der Hamburger wohl ausdrücken würde.

    Dieser Fierlefanz sieht allerdings recht pfiffig aus und in Hennings Bogen ist das ja auch so.

    Da muß ich nochmal drüber nachdenken - aber danke für den Hinweis - man lernt jeden Tag dazu.


    Ja, die "Rundhölzer" baue ich selbst und male sie dann an.

    Den Kupferdraht gibt es hier

    BENECREAT 0.15mm(34Gauge) Anlaufbeständiger Kupferdraht 200m Antiker Bronzeschmuck Perlendraht für die Herstellung von Perlenschmuck
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    www.amazon.de

    Er ist schon bronzefarben eingefärbt. Das ist eigentlich ein wenig dunkel, aber so sieht man ihn am Modell wenigstens.


    beste Grüße

    Heinrich

  • Ach guck: solchen Draht kannte ich noch nicht. Ich arbeite meist mit normalem Klingeldraht der dann eben gefärbt werden muss. Ich werde demnächst mal in der Schmuckabteilung meines Bastel-Kreativ-Kaufhauses gucken gehen.


    Siehste: da habe ich auch wieder was lernen dürfen :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Moin zusammen!


    Nachdem mir die politischen Ereignisse in Europa zunächst die Bastellaune ein wenig eingetrübt haben, habe ich mich doch aufgerafft und ein wenig an meiner PASSAT weitergebaut. Man muß ja nach vorne schauen.

    Zunächst einmal habe ich, wie man an den folgenden Bildern sieht, die beiden Besanschoten ordentlich an ihren Klampen belegt und an der Reling aufgeschossen:

    Auf Schiffsmodellen sieht man häufig, dass die losen Enden, der an Decksklampen belegten Taue, zusammengerollt und auf Deck abgelegt werden.

    Das ist z. B. auf der Dreimastbark STATSRAAD LEHMKUHL, auf der ich schon dreimal mitgefahren bin, nicht erlaubt! Liegen Tauenden auf Deck, werden sie nicht trocken und man hat auch Probleme, das Deck ordentlich zu schrubben :evil: . Deshalb wird alles fein säuberlich hochgebunden und so halte ich es bei meinen Modellen nun auch.

    Nach der Fertigstellung der Besanschot habe ich mir überlegt, dass es nun sinnvoll ist, zunächst einmal das Tauwerk vor dem Besanmast zu takeln.

    D. h. die beiden Stage (Besanstag und Besanstengestag) wurden gesetzt, was kein Problem darstellte.

    Dann aber kam eine weitere Herausforderung in Form der Kreuzmastbrasswinde auf mich zu.

    Nach vielen Überlegungen habe ich mich entschlossen, die winzigen Trommeln (6 Stück pro Winde) aus Holz ( das ist ja irgenwie auch Zellulose und damit Karton :rolleyes: ) zu drehen und farbig anzumalen. Die Grundfarbe ist schwarz mit aufgemalten grünen Leisten - was wirklich aufgrund der Größe nicht einfach war. So mußte ich bei der Anzahl der Leisten einen Kompromiß eingehen - 6 Leisten statt 9, wie beim Original.

    Die fertige Winde sieht dann so aus:

    Es ist wirklich alles sehr winzig, wobei die Lagerböcke aus dem Modellbaubogen ausgeschnitten wurden. Die Streben, Achsen und Kurbeln habe ich wieder aus meinem geliebten Kupfer- und Messingdraht gefertigt. Die Brassläufer sind aus Gütermann-Nähseide. Hier wurde dunkelgrau gewählt, da es sich ja um Drahtseile handelt. Die Backbordtrommeln sind nahezu vollständig umwickelt, da die Rahen später hart Backbord angebrasst gezeigt werden.

    Die montierte Winde sieht man auf folgenden Bildern:

    Damit die noch losen Brassläufer nicht bei der weiteren Arbeit stören, habe ich mir, wie zu sehen ist, kleine Papptrommeln gebaut, auf die das Garn aufgewickelt ist. Wenn die Brassen später ihren Weg von den Umlenkblöcken zu den Blöcken an den Rahnocken und zurück zu den Strechertaljen finden, verschwinden die kleinen Trommeln ja wieder :) .


    Mit dem Bau der Strechertaljen geht es demnächst weiter :).


    Beste Grüße

    Heinrich

  • Das Ablegen der Leinen an Deck („Schnecke legen“) ist durchweg verpönt.

    Wer das macht, outet sich damit sofort als… ( ich schreibs besser nicht! ;))

    Fertig: Patrouillenschiff POTSDAM

  • Wer das macht, outet sich damit sofort als…

    Feldmaus? :S ;)


    Moin Heinrich,


    ich staune wirklich über das tolle Modell, dass hier entsteht! Vor der Takelung von Segelschiffen habe ich gewaltigen Respekt und deshalb helfen solche Berichte sehr :thumbup: Ich träume ja heimlich von der PREUSSEN des Passat-Verlags in einem kleinen Diorama... :rolleyes:

    Wenn Du den Frieden willst, sei zum Frieden bereit!


    Viele Grüße, Nils

  • Das Ablegen der Leinen an Deck („Schnecke legen“) ist durchweg verpönt.

    Wer das macht, outet sich damit sofort als… ( ich schreibs besser nicht!

    Moin!

    Laß das nicht die Seefahrernation Fryslan, NL, lesen. Da liegen die Taue auf den Hausbooten immer neben der Klampe, schön aufgerollt. Wenn ich dann mal wieder Boot fahre und sie an der Reling aufhänge, fällt das auf. :D

    Grüße

    Hanns.G


    Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein...jetzt lieber zu Hause bleiben

  • Moin zusammen,


    wie versprochen, habe ich mich nun an den Bau der Strechertaljen der Unterrahbrassen des Kreuzmastes gewagt.

    Diese Taljen sind ja an speziellen Auslegern angeschlagen, die sich beiderseits des Poopdecks befinden.

    Da das Ganze sehr klein ausfällt, habe ich wieder braunen (eigentlich Bronze-farbenen) 0,15 mm Kupferdraht verwendet.

    Mit einem kleinen Hilfswerkzeug war es möglich, wie auf dem folgenden Bild zu sehen, alle 3 Taljen nebst Ausleger und dessen Abstagung nach achtern (auf dem Bild noch nicht montiert) als ein Teil herzustellen und mit Sekundenkleber zu fixieren:

    Anschließend wurden zwei der drei Messingdraht-Stifte wieder entfernt, so dass nur noch die Taljen und der Ausleger übrig blieben.

    Es hat sich als sehr nützlich erwiesen, die losen Enden der Taljen ziemlich lang zu lassen, damit man sie am Modell gut über die Poop-Nagelbank ziehen und mit Sekundenkleber fixieren kann. An Belegnägel habe ich mich nicht herangetraut, da man sie ohnehin kaum unter den aufgeschossenen Tauenden sehen würde.

    Das Ganze sah dann so aus:

    Auf dem zweiten Bild sind die losen Enden dann nach oben gebogen, damit die vorbereiteten Tau-Coils (auf folgendem Bild zu sehen)

    dort eingefädelt an ihren Platz an der Nagelbank rutschen konnten.

    Nach der Fixierung mit Sekundenkleber wurden die nun überflüssigen langen Drahtenden abgeschnitten.

    Das ganze sieht nun so aus:

    Wobei ich damit vor dem Hintergrund der ganzen "Fummelei" ganz zufrieden bin ^^ . Mit unbewaffnetem Auge sehen die belegten Taue ganz ordentlich aus.

    Bei der Montage haben mir übrigens "Kontrollaufnahmen" mit der Handykamera wertvolle Dienste geleistet. Was auf den vergrößerten Bildern einigermassen OK aussieht, ist meines Erachtens für den Betrachter mit unbeaffnetem Auge erst recht OK.

    So sehe ich es jedenfalls ;) .

    Die fertigen Taljen warten nun noch auf die Einbindung der Brassläufer:

    Hierbei ist noch zu erwähnen, dass ich schon mal den unteren Teil des Kreuzmastes samt seiner Rahen im Rohbeu fertiggestellt habe, damit ich einigermassen den Winkel der Strechertaljen zum Deck abschätzen konnte.

    Doch zunächst geht es ja mit den Taljen der Bram- und Royalrahen des Kreuzmastes weiter, die auch an der Poopdeck-Nagelbank belegt werden.


    Bis dahin

    Heinrich

  • Taljen der Bram- und Royalrahen des Kreuzmastes


    Vor der Fertigung waren zunächst ein paar Überlegungen zur Bemessung der Länge der jeweiligen Taljen nötig. Da ja alle Masten meines Modells mit scharf nach Backbord angebrassten Rahen gezeigt werden, sind auch die Taljen auf der Backbordseite sehr dicht geholt wo hingegen ihre Gegenstücke auf der Steuerborseite maximal gefiert sind. Die Differenz zwischen beiden Längen ergibt sich aus der Länge der jeweiligen Rah.

    Das bedeutete, dass ich den Kreuzmast zunächst weiter bauen musste incl. Anbringung der oberen Rahen.

    Beim Vergleich der Bramsaling, wie sie im Modellbaubogen gezeichnet ist, mit einer Zeichnung in "Gondesen - Die letzten Flying P-Liner", am Beispiel der "Petschili" gezeigt, stellte ich einen erheblichen Unterschied bezüglich des Winkels der Pardunenspreizer als auch ihrer Längen fest. Da ich die Bramsalingen ohnehin wieder aus Messingdraht herstellen wollte, entschied ich mich, die Maße der Salingen der "Petschili" zu verwenden. Sowohl "Passat" wie auch "Petschili" wurden ja bei "Blohm & Voss" gebaut und da wird man keine großen Unterschiede bei Standardbauteilen gemacht haben.

    Auf dem folgenden Bild sieht man Kopien der Salingen aus dem Modellbaubogen, die von mir angefertigte Zeichnung der Pardunenspreizer nach den Maßen der "Petschili" und ein fertig gelötetes Exemplar, das lediglich aus zwei gebogenen Messingdrähten besteht.


    Dass meine Überlegungen bzgl. der Spreizung der Bramsaling wohl einigermaßen richtig sind, sieht man auf folgendem Bild.


    Die scharf angebrassten Oberrahen laufen parallel zu den Pardunenspreizern. Genau so habe ich es auf der "Statsraad Lehmkuhl" erlebt. Es war bei dieser Stellung nahezu unmöglich, beim Auslegen auf der Leeseite der Rah den eigenen Körper zwisch Rah und Pardunen hindurch zu quetschen. Man mußte hinter den Pardunen herumklettern :pinch: .

    Mit dem im Rohbau fertig gestellten Kreuzmast konnte ich nun endlich die Längendifferenzen der Obersegelbrassen ermitteln.

    Die Notiz hierzu sieht wie folgt aus:


    Die Maßangaben sind in Zentimetern und man sieht deutliche Unterschiede!

    Nach der bewährten Methode wurden nun die Taljen aus 0,15 mm Kupferdraht hergestellt und mit den Brassläufern aus grauem Serafil-Garn (es sind ja Stahldrähte im Original) versehen. Die Montage war besonders im Fall der Unterbrambrassen nicht so einfach, da diese einen Fußblock haben, der zwischen Reling und Nagelbank "hinzufummeln" war. Irgendwie ging es aber ^^ .

    Wie auf dem nächsten Bild zu sehen ist, wurden die Brassläufer nach dem Einfädeln in die am Besanmast befindlichen Umlenkblöcke wieder auf kleine Papierröllchen aufgewickelt, damit Sie beim Fortgang der Arbeiten nicht stören.


    Danach kamen die aufgeschossenen Enden der Taljen an ihren Platz an den Nagelbänken back- und steuerbords.

    Hier ist zu beachten, dass auf der Backbordseite viel mehr Tauwerk aufzuschießen ist als auf der Steuerbordseite, wo die Taljen gefiert sind.

    Im Fall der Unterbramrah ist die Differenz der aufzuschießenden Längen immerhin 21 cm (!), da die Talje ja 3-fach geschoren ist.

    Da noch eine Grundlänge zum Holen der Taljen hinzuzurechen ist, kamen auf der Backbordseite ganz schön dicke Coils zustande, so dass es auf der Nagelbank ziemlich eng wurde, wie die folgenden Bilder zeigen.


    auf der Steuerbordseite ist deutlich mehr Platz:


    Den Abschluß der Arbeiten am Besanmast bildeten die Gaffelgeeren (zwei Stück an jder Seite)-

    Diese sieht man ganz gut hier:


    Weiter geht es nun mit dem Kreuzmast und dessen Tauwerk.

    Das wird ein wenig spannend, da Pardunen, Brasstaljen und deren Belegstellen neben den beiden Booten auf dem Hauptdeck montiert werden müssen :S .


    Grüße an alle

    Heinrich


  • Moin!

    ".......so dass es auf der Nagelbank ziemlich eng wurde,"

    Nagelbank für einen 30m hohen Mast




    Grüße

    Hanns.G


    Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein...jetzt lieber zu Hause bleiben

  • Moin Heinrich,


    ich sehe, dass Du Dich von den weissen Nocken getrennt hast... :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»