Passat 1/250 Baubericht

  • Moin zusammen,


    nach einer etwas längeren Berichtspause wird es Zeit, dass ich mich wieder einmal melde.

    Obwohl bei mir im Sommer die Kartonbau-Motivation etwas nachläßt, war ich nicht ganz faul und habe hin und wieder an meiner Passat gearbeitet.

    Entgegen meiner Ankündigung mit der Takelung des Kreuztops fortzufahren, habe ich mich allerdings entschlossen, zunächst erst einmal alle Masten zu bauen.

    Das hat den Vorteil, dass ich gewonnenes Knowhow bei der Fertigung bestimmter Teile gleich weiter bei allen Masten anwenden kann :) .

    Mir ist es nämlich schon passiert, dass ich bei einer sequenziellen Vorgehensweise, bei der nacheinander komplette Bauabschnitte, wie Masten incl. deren Takelung, fertiggestellt werden, beim nächsten Abschnitt nicht mehr genau wußte, wie ich bestimmte Teile eigentlich hergestellt hatte ?( .

    Deswegen habe ich mich nun für ein mehr paralleles Vorgehen entschieden und alle Rahen und Masten quasi am "Fließband hergestellt". Da die drei großen Masten der Passat nahezu identisch sind, bot sich dieses Vorgehen an.

    Das Modell mit den Masten im Rohbau sieht nun wie folgt aus:

    So langsam wird es ein echter Veermaster :)


    Herzliche Grüße an alle

    Heinrich

  • Moin zusammen,

    kurz vor der Sommerpause noch ein Update zu meiner PASSAT:

    6. Deckswinschen

    Nachdem nun die Masten im Rohbau fertiggestellt waren und auf deren Komplettierung und Takelung warten, habe ich mich der Anfertigung der restlichen Deckswinschen angenommen. Da hier ja vor deren Montage Brassen und Fallen aufgewickelt werden, ist es gut, an den Masten Maß nehmen zu können, damit später genügend Garn für die Befestigung an den Rahen zur Verfügung steht.

    Die Trommeln der Brasswinden habe ich - wie bei der Winde des Besamnasts - aus Rundholz gedreht und grün und schwarz angemalt. Auf die steuerbordseitigen Trommeln kommen dann nur 3 Windungen Garn während auf den backbordseitigen komplett umwickelt wird, da ja die Rahen scharf angebrasst dargestellt werden.

    Das Ganze sieht im rohbau nun so aus:

    Die Querstreben, Kurbeln und Antriebswellen habe ich aus Messingdraht hergestellt. Die losen Enden werden zunächst auf kleinen Pappröllchen aufgewickelt, damit es bei der Montage nicht zur Wuling kommt.

    Nach den Brasswinschen kamen die 6 Fallwinden an die Reihe. Hier ist zu beachten, dass es etwas größere für die Obermarsfallen und etwas kleinere für die Oberbramfallen gibt. Das ist auf dem Baubogen genau dargestellt. Bei der Literaturrecherche und dem Betrachten eigener Fotos vom Original stellte ich allerdings fest, das die Mars- und Bramfallwinden abwechselnd Back- und Steuerbord aufgestellt sind. Also bei Kreuz- und Vormast stehen die Marsfallwinden auf der Backbordseite und die Bramfallwinden auf der Steuerbordseite, wohingegen es beim Großmast umgekehrt ist. Dieses wechselseitige "Belegen" der Fallen habe ich schon beim Bau eines Modells aus dem 18ten Jahrhundert festgestellt ;) .

    Da die Trommeln der Fallwinden im Gegensatz zu denen der Brasswinden aus massiven Kegelstümpfen bestehen, wollte ich das auch so bauen (der Baubogen sieht hier jeweils 3 kleine Trapeze vor). Um nun die Fertigung aus Holz zu umgehen - wir sind ja schließlich beim Kartonbau :) - habe ich meine ersten Schritte mit dem CAD-Programm INKDRAW gewagt. Nach einigen Versuchen ging das Zeichnen der abgwickelten Kegelstüpfe ganz gut. Unter Ausnutzung von Symmetrien habe ich immer gleich 4 Abwicklungen bekommen. Am PC sieht das so aus:

    Ich war mit dem Ergebnis so zufrieden, dass ich schon bedauerte die Trommeln der Brasswinden nicht auch nach diesem Verfahren hergestellt zu haben. Na ja - beim nächsten Modell :) .

    Im Rohbau sehen die Fallwinden nun so aus:

    Auch hier habe ich die Fallenden wieder fein säuberlich auf Pappröllchen aufgewickelt. Die schönen Handräder stammen aus dem Fotoätzteilesatz der PREUSSEN.

    Alle Winden wurden nun noch grün angemalt und dann an ihren Stellen auf dem Deck positioniert:

    Winden am Kreuzmast

    Winden am Großmast

    Winden am Fockmast


    Fortsetzung folgt!

    Heinrich

  • Moin!

    Echt Wahnsinn! Beim Anblick der Bilder "Winden am [Kreuz|Groß|Fock]mast" (mal wieder was für die Informatiker) fiel mir auch ganz spontan wieder ein, warum ich mich an sowas nie trauen werde. Zuviele Strippen. Seufz!

    Frohes Gelingen!

    Gruß

    Eberhard

    KLASSENERHALT!


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Seenotkreuzer ERNST MEIER-HEDDE und HERMANN RUDOLF MEYER-Klasse der DGzRS (Passat-Verlag)

  • Hallo Heinrich,


    jeder neue Beitrag in diesem Thema ist auf allen Ebenen gelungen: Erstklassiger Modellbau und fundierte sowie klar verständliche Erklärungen zu den Originalausrüstungen, deren Funktionen und den angewandten Techniken beim Nachbau. Die verschiedenen Austellungsorte für die Fallwinden sind mir noch nie aufgafallen. Beim nächsten Besuch von PASSAT oder PEKING werde ich mal darauf acht geben.


    Ich freue mich schon wieder auf Deinen nächsten Bauschritt! :thumbsup:


    Viele Grüße,

    Klaus

    »Das muss das Boot ab können!»

  • Many years ago I had the pleasure of exploring the "Peking" when she was moored in New York. I am familiar with the beauty of these ships. Your model is of the highest quality and captures the true elegance of this vessel. A pleasure to look at and behold!


    Very much appreciated


    Conrad

  • Moin zusammen,


    nach einer kleinen Sommerpause möchte ich den Baufortschritt meiner PASSAT wie folgt zusammenfassen:


    Nach den Deckswinschen habe ich mir wieder die 3 Hauptmasten vorgenommen. Hier ist ja noch jede Menge Detailierungsarbeit zur Aufnahme der Takelung erforderlich.

    Zunächst einmal stellte ich fest, dass die Mastbacken an den Mars- und Bramsallingen etwas detaillierter dargestellt werden können, als das im Baubogen der Fall ist.

    Hierzu habe ich Fotos der entsprechenden Zeichnungen aus "Gondesen - Die letzten Flying P-Liner" ins CAD-Programm Inkscape übertragen. Länge und Höhe der Backen habe ich dann an den bereits gebauten Masten abgenommen und kleine Rechtecke mit diesen Maßen ins Inkscape gezeichnet. Anschließend mußte ich nur noch die Fotos soweit verkleinern, dass die abgebildeten Backen in die Rechtecke passen und ie fehlenden gekrümmten Linien an Vorder- und Rückkante nachzeichen.

    Das sah dann wie folgt aus:

    Dann noch den Innenraum mit Farbe gefüllt und so oft kopiert, wie ich es brauchte. Im folgen den Bild sind meine ersten selbst konstruierten Kartonbauteile zu sehen:

    Ein bisschen stolz bin ich schon ^^ .


    Neben den Mastbacken habe ich noch zahlreiche Beschläge aus Kupferdraht gefertigt, die zum Anschlagen der Pardunen, Stage und auch der Unterrahtopnanten benötigt werden. Wie man amfolgenden Bild sieht, habe ich das wegen der winzigen Dimensionen sehr einfach gehalten:

    Sind die beschläge erst einmal an den Masten mit Sekundenkleber befestigt, sieht das ganze aber einigermaßen befriedigend aus.

    Haltbar ist diese Konstruktion auf alle Fälle.

    Die Schienen, an denen die fierbaren Rahen laufen (Obermars, Oberbram und Royal) sind aus dünnen Pappstreifen gefertigt.

    Im Rohbau sieht das nun so aus:

    Zum vorläufigen Schluß wurden alle Masten wieder gelb angemalt, wie man auf den folgenden Bildern sieht, wobei die Gleitschienen für die beweglichen Rahen schwarz abgesetzt sind:


    Fortsetzung fogt!


    Heinrich

  • Moin zusammen,



    es ist an der Zeit, mich wieder mal zu melden und über den Baufortschritt an meiner PASSAT zu berichten.



    Nachdem die Masten komplettiert waren, ging es mit der Detaillierung der Rahen weiter.


    Zunächst wurden alle Verstärkungsringe an den Racks aus dünnen Pappstreifen gefertigt und angeklebt. Es sind an den Rahen noch weitere Verstärkungsringe zur Befestigung der Toppnanten und Brassen vorhanden. Diese werde ich aber durch mehrmaliges Umschlingen der Rahen mit den Toppnant-Enden und Brassschenkel-Enden darstellen. Das ist einfacher und gibt dem „Tauwerk“ guten Halt. Ist das Ganze gelb übermalt, sieht es wie ein Verstärkungsring aus.


    Als nächstes wurden die Jackstage oben auf den Rahen – jeweils zwei auf einer Rah – aus dünnem Kupferdraht (0,25 mm auf den unteren Rahen und ab Oberbramrah 0,15 mm) befestigt.


    Das folgende Bild zeigt einige Beispiele:



    Nachdem alle 18 Rahen so ausgerüstet waren, ging es ans Lackieren.


    Um mir die Arbeit zu erleichtern und das „Zuschmieren“ der Details mit Farbe zu vermeiden habe ich mir, wie das nächste Bild zeigt, einen Ständer für die Rahen gebaut, auf dem sie dann mit der Airbrush-Pistole eingesprüht wurden:



    Nach dem Farbauftrag kam die Montage der Fußpferde, wobei ich die Fußpferde wieder dem Ätzteilesatz der PREUSSEN entnommen habe. Diese passen auch zu den Rahen der PASSAT ganz gut. Wichtig bei dieser Arbeit ist, dass die Springpferde (vertikale Leinen) immer hinter den Rahen bis an die Jackstage herangeführt werden.

    Andernfalls hängen die Füße der Seeleute unter den Rahen und sie kämen ganz schlecht mit ihren Händen an die Segel.

    Real sieht das Arbeiten auf den Pferden dann so aus:

    Übrigens - der in der Mitte bin ich :) .


    Da die Springpferde an allen Rahen ungefähr die gleiche Länge haben (sie entsprechen ja der Beinlänge des durchschnittlichen Seemanns), hängen die Fußpferde an den unteren dicken Rahen ziemlich dicht unterhalb der Rahen, wohingegen bei den oberen dünnen Rahen der Abstand entsprechend größer ist. Zwei mit Fußpferden ausgerüstete Rahen zeigt das folgende Bild:



    Nachdem alle Rahen so ausgerüstet waren, ging es an die Fertigung der Wantenspanner aus 0,3 mm Messingdraht. Alle Spanner bekamen am oberen Ende eine kleine Öse, an denen dann später die Wanten und Pardunen befestigt werden. Die Augen der Ösen werden später noch mit Kleber verfüllt und schwarz angemalt, so dass es den Originalen nahekommt. Damit alle Spanner schön gleichmäßig schwarz-weiß angemalt werden konnten, habe ich sie – wie im nächsten Bild zu sehen- mit Tesafilm in einer Reihe fixiert.


    Wie mir aufgefallen ist, hat die PASSAT an den großen Masten jeweils 14 Wanten/Pardunen-Paare, wohingegen der Modellbaubogen nur 13 Paare vorgesehen hat. Da die Löcher am Schanzkleid zur Aufnahme der Wanten/Pardunen allerdings schon gebohrt sind, werde ich es bei jeweils 13 Paaren belassen, wobei ich das vordere Wantenpaar weglassen werde.


    Nachdem die Wantenspanner, und die Rahen montiert waren, sieht meine PASSAT nun wie folgt aus:


    kartonbau.de/attachment/798587/


    Fortsetzung folg!


    Heinrich

  • Moin zusammen,


    der weitere Baufortschritt lässt sich wie folgt zusammenfassen:


    Zunächst ist mir beim Betrachten von Bildern des Originals aufgefallen, dass alle Rahen mit Ausnahme der Royalrahen mit sogenannten Nockpferden ausgerüstet sind. Ich gehe mal davon aus, dass das in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts auch der Fall war und habe die Nockpferde noch nachgerüstet (insgesamt 30 Stück :rolleyes: )


    Aus den am Besanmast gesammelten "Takelei-Erfahrungen" habe ich mich für das folgende weitere Vorgehen entschieden:

    1. Montage aller Belegstellen inklusive der Takeln an den Nagelbänken

    2. Montage der Mars- und Bramwanten an den noch nicht in den Rumpf gesetzten Masten

    3. Prinzipielle Reihenfolge der Takelung der Masten von achtern nach vorn

    4. in der Reihenfolge: Stage, Unterwanten, Püttingswanten, laufendes Gut, Pardunen


    Mal sehen, ob das so klappt :) .


    Angefangen habe ich zunächst mit der Fertigung und Installation der Strechertaljen der Unter- und Marsrahen für den Groß- und Vortopp. Die entsprechenden Taljen für den Kreuztopp wurden ja schon seitlich des Besantopps installiert.

    Wie auf dem folgenden Bild zu sehen ist, wurde als Baumaterial wieder 0,2 mm brauner Kupferdraht verwendet.



    Fertig bemalt (die Blöcke hellbraun), montiert und mit aufgeschossenem "Tauwerk" versehen, sieht das dann so aus.



    Nach den Strechertaljen kamen die Taljen der Toppnanten aller drei Unterrahen an die Reihe. Auch hier verwendete ich wieder den braunen 0,2 mm Kupferdraht.

    Wie man auf den folgenden Bildern sieht, werden die Toppnanten an den Mastgärten belegt.



    Die Toppnanten der Obermars-, Oberbram- und Royalrahen werden nicht bis zum Deck geführt. Diese sind an den Masten festgemacht und hängen bei gesetzten Segeln im eleganten Bogen nach unten durch. Bei gefierten Rahen, so wie an meiner PASSAT sind sie straff gespannt.


    Es fehlen nun noch die Brasstaljen der oberen drei Rahen an Groß- und Vortopp.

    Nach der bewährten Methode gefertigt, sieht das montiert wie folgt aus.


    Da ich die entsprechenden Toppnanten und Brassen gleich an die Taljen angeknotet habe sieht es rund um meine PASSAT momentan ein wenig "wuselig" aus (folgendes Bild)


    Aber - beginnend mit dem Setzten des Kreuztopps und der anderen Masten sollte ja jeder Tampen seinen Platz hoch oben im Rigg der PASSAT finden :) .


    Bis dahin

    Heinrich