Wer kennt sich mit LaserCuttern aus? Fragen zu Mr. Beam & Co

  • Moin!

    In der Ludwigshafener Stadt-Bibliothek gibt es die segensreiche Einrichtung einer "Bibliothek der Dinge". Man kann sich verschiedene Werkzeuge ausleihen oder vor Ort benutzen. Eines der vorhandenen (aber wenig wertgeschätzten) Werkzeuge ist ein LaserCutter "Mr. Beam". Das gute Stück hat samt Luftfilter einen Marktpreis von immerhin 3600€.

    Meine Erwartungen waren also entsprechend hoch.

    In der Stadtbibliothek gab es eine 90 minütige Einweisung in die zugegebenermaßen sehr einfache Software. Eigentlich wid der Cutter dort aber nur zum Gravieren eingesetzt (geschmacklich bedenkliche Motive auf Bierdeckel).

    Da fiel ich mit meinen Ideen natürlich eher unangenehm auf.

    Also wollte ich selber noch ein wenig probieren. Den gestrigen Tag hatte ich den Cutter zur Verfügung und hatte verschiedene SVGs vorbereitet, die das Gerät direkt verarbeiten kann. Konturen werden geschnitten, Flächen graviert. Man kann eine Zeichnung in unterschiedliche Aufträge zerlegen, indem man unterschiedliche Farben verwendet. Nach Auswahl von Material und Dicke kann man die vorgeschlagenen Parameter (eben in Abhängigkeit vom Material und Stärke) der einzelnen Aufträge noch verändern:

    Intensität in Prozent (bezogen auf 5 Watt Laser)

    Geschwindigkeit (mm/Minute)

    Anzahl der Durchläufe (mit oder ohne Progressivität)

    Einstich


    Vor dem eigentlichen Lasern wird man noch gefragt, ob man den Läser korrekt fokussiert hätte. Hier meine erste Ernüchterung: Zur Einstellung des Fokus' dient eine primitive Kartonkonstruktion! Für einen Preis von 3,6 K€ hätte ich da etwas mehr erwartet. Um die Höhe der Lasereinheit über dem Werkstück zu verändern, ist eine Schraube vorhanden, mit der die Lasereinheit gelöst bzw. wieder befestigt wird. Zieht man jetzt diese lustige Fokussiereinrichtung wieder unter der Lasereinheit hervor, sackt dieser erstmal wieder ein bis zwei Millimeter ab. Merkwürdig, aber offenbar noch im Rahmen der Spezifikation. Angeblich beträgt der Bereich, in dem der Laser noch fokussiert ist, etwa einen cm!?!


    Nach dem Lasern war ich doch ein wenig überrascht, denn die Ergebnisse waren entweder kaum durchgeschnitten oder verbrannt.


    Ich habe mir den Sammel-Thread zum Emblaser aus 2015 durchgelesen und die dortige Excel-Tabelle als Grundlage meiner eigenen Parameter verwendet. Dort waren für den kleinen Laser (3Watt) für Photokarton (300g/m2) 38% und 350mm/Minute angegeben. Leider habe ich keine Anzhl der Durchgänge gefunden (bin ich blind?). Für Mr. Beam brachte nur 80% bei 800mm/Minute bei zwei Durchgängen ein halbwegs brauchbares Ergebnis.


    Darüberhinaus ist mir aufgefallen, daß ich mit einer viel zu schmalen Schnittbreite des Lasers kalkuliert hatte. Zugegebenermaßen sind 0,05mm sehr optimistisch. Meine Tests haben aber ergeben, daß ich mit 0,3mm rechnen muß. Das scheint mir aber wiederum sehr reichlich zu sein.


    Mein Fragen an die Spezialisten:


    Sind 0,3mm Schnittbreite tatsächlich korrekt? Ist das der Wert, den man in den Zeichnungen Berücksichtigen muß?

    Wie kann man sicherstellen, daß der Laser wirklich optimal fokussiert?

    Wer kennt den Mr. Beam und kann mir ggfs weiterhelfen?


    Wie kaum anders zu erwarten, möchte ich am Ende des Tages versuchen, mal einen Satz Relinge und Niedergänge aus 160gr-Papier zu schneiden.

    Vielen Dank für Eure Hilfe im voraus!!!!

    Immerhin habt Ihr das lange Posting bis hierhin durchgelesen ;)


    Gruß

    Eberhard

    KLASSENERHALT!


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Seenotkreuzer ERNST MEIER-HEDDE und HERMANN RUDOLF MEYER-Klasse der DGzRS (Passat-Verlag)

    Edited once, last by Eberhard H. ().

  • Ich wollte mir diesen Laser kaufen, doch von der Firma selbst freundlicher Weise in München gemachte Probeteile von meinen Vorlagen waren alles andere als zufriedenstellend -> zu breite Schnittlinie, zu schwache Auflösung. Mir hätte die Lösung von Mr.Beam eigentlich sehr gut gefallen, auch wegen des Rauchabzugs, doch auf Grund der Ergebnisse habe ich auf einen Kauf verzichtet. Ich hoffe dass die Software zukünftig verbessert und die Schnittbreite verringert wird.

  • Herzlichen Dank für die Antwort, Herr Lachmann!

    Das war meine heimliche Befürchtung.

    Für welchen Laser haben Sie sich denn letztendlich entschieden? Gerne auch per pn, um hier keine Werbeveranstaltung loszutreten.

    Ich hätte eigentlich gedacht, daß man für über 3k€ ein Gerät hat, das den EmbLaser schlägt.

    KLASSENERHALT!


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Seenotkreuzer ERNST MEIER-HEDDE und HERMANN RUDOLF MEYER-Klasse der DGzRS (Passat-Verlag)

  • Moin Eberhard!

    Ohne mich als Experte zu sehen (ich habe allerdings mal sehr mit Mr. Beam geliebäugelt) folgende Anmerkungen:

    • Die Schnittbreite von 0,3 mm ist in meinen Augen okay, das Gerät bei meiner Frau in der Firma hat 0,2 mm Offset, aber ungefähr den sechsfachen Preis gehabt. Von weniger als 0,2 mm habe ich bei Lasern noch nichts gehört, ich war aber seit mindestens 6 Jahren auch auf keiner Messe mehr, wo ich mich umhören konnte.
    • Was Du über die Fokussierung schreibst, ist sicher nicht beeindruckend, aber auch nicht völlig daneben. Ob Karton oder Metall, der Abstandhalter als Fokussiereinrichtung ist erstmal normal - in der Firma hängt da so ein Metallschniepel vom Schlitten, an dem der letzte Umlenkspiegel angebracht ist. Doof natürlich, wenn die Diode nach dem Einstellen gleich wieder absackt, aber der Arbeitsbereich ist normalerweise schon größer als eine Kartonstärke. "1 cm" kann ich nicht beurteilen, aber +/- 2 mm sollten drin sein, und um mehr sackt die Diode ja offenbar nicht ab. Und - hey, Du kennst Dich mit Kartonknicken aus und hast einen Lasercutter! Mach´ doch selber ein paar Abstandhalter, die in 0,2 mm Schritten größer werden und behalte den, der die besten Ergebnisse bringt!:D Wenn Du immer dasselbe machst - Karton schneiden - musst Du auch nicht bei jedem Job neu fokussieren, das würde ich gelassen sehen. Allerdings ist der Offset natürlich bei optimaler Fokussierung am geringsten - wenn Du also die 0,3 mm drücken willst, ist das tatsächlich die Schraube, an der Du vielleicht noch drehen kannst.
    • Bleibt, was Du über Leistung, Geschwindigkeit und Wiederholungen geschrieben hast (und Rainer über die Auflösung): die Lasercutter, die ich kenne, werden nicht wie eine Glühlampe "gedimmt", sondern arbeiten wie ein Mikrowellenofen mit immer derselben Leistung in unterschiedlichen langen Pulsen - genau genommen blinken sie also. Wenn Du eine geringe Leistung wählst und eine hohe Schneidgeschwindigkeit, werden die "Punkte" weiter auseinander gesetzt, was eine unsaubere oder "pixelige" Kante entstehen lassen kann, aber vom Material am Rand nicht mehr als nötig verbrennt. Mehr Leistung heißt mehr Brennpunkte, aber auch mehr Temperatur - die schwarzen Kanten können sich also möglicherweise weiter einfressen - oder den Karton gleich ganz in Brand setzen. 2 oder mehr Schneiddurchgänge sind wahrscheinlich normal, wenn die 5 Watt Deinen Karton wirklich nicht geschnitten bekommen, das kenne ich aber nicht - war mit den 30 Watt in der Firma nie ein Thema. Ich würde aber statt mehrerer Durchläufe immer erst dünneren Karton versuchen.
    • Wenn Du mit dem Schnittbild oder der Auflösung nicht zufrieden bist, kannst Du vielleicht noch etwas anderes versuchen: während beim Schneiden der Strahl dem Vektor folgt und sich durch das Papier brennt, wird beim Gravieren jeder Pixel der Arbeitsfläche überstrichen und die Gravierpunkte mit geringerer Leistung "angeschossen". Die Gravur wird nur oberflächlich abgetragen, abgesprengt gewissermaßen. Der Karton wird an diesen Stellen deshalb nicht schwarz, sondern vergilbt nur oberflächlich. Wenn die Mechanik an Deiner Maschine präzise genug arbeitet und nicht zu weit auslenkt (was ich bei dem Preis allerdings tatsächlich erwarten würde), kann es lohnen, statt zweimal zu schneiden in 3 oder 4 Durchgängen "durchzugravieren".

    Nach dem Schneiden sprühe ich meine Teile mit Grundierung ein - Dinge, die völlig verkohlt aussehen, sind dann plötzlich doch gar nicht mal mehr schlecht. Bleibt als letztes noch die Frage, wieviele Stunden das Gerät in der Bibliothek schon gelaufen ist, irgendwann "is´fertich...".

    Und bis dahin geht probieren über studieren.


    Viel Erfolg

    Heiner

  • Moin Eberhard,
    Andi und ich haben auf der Messe in Friedrichshafen ähnliche Erfahrungen gemacht.
    Mit Hilfe der anwesenden Profis haben die es zwar hinbekommen - aber es war doch sehr aufwändig.
    Uns war der Laser dann auch zu teuer.
    Wir haben auch nur "vorbeugend" eine Alternative zu unserem "Känguru" Laser (Emblaser) gesucht. Darkly Labs – Home of the Emblaser
    Fazit: Wir beten täglich dass uns das Gerät lange erhalten bleibt - und falls das doch passiert - es gibt Nachfolgemodelle, inkl Verkleidung und Laserschutzabdeckung.

    Noch n Hinweis: der Chefkonstrukteur im Mannheimer kreis hat auch nen Laser - die Teile der Gneisenau sind damit erstellt.- Made in China glaub ich.

    Gruß
    Peter

  • Reinhard Lachmann

    Heiner

    Ulli+Peter

    Herzlichen Dank für die bisherigen Antworten. Ich scheine also nicht alles falsch gemacht zu haben. Der offenbar nicht ganz so dollen Auflösung bei der Positionierung des Laser-Kopfes scheint es dann auch geschuldet zu sein, daß die Ergebnisse immer ein wenig unterschiedlich ausfallen.

    Ich versuche, einige Geländer von Imogens Kap-Arkona-Leuchtturm für Martina zu lasern. 1:100 sollte natürlich nicht die ganz große Herausforderung sein. Witzigerweise stellt es einen massiven Unterschied dar, ob man das Geländer waagerecht oder senkrecht auf der Arbeitsfläche anordnet.

    Ich probiere weiter!

    Gruß

    Eberhard

    KLASSENERHALT!


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Seenotkreuzer ERNST MEIER-HEDDE und HERMANN RUDOLF MEYER-Klasse der DGzRS (Passat-Verlag)

  • Hallo Eberhard,


    ich habe einen der 200,-€-Laser aus China am Start.


    Und seit ich damit arbeite, geht es nur über probieren, testen und versuchen. Dabei nicht zu viele und zu große Schritte machen bei den Änderungen. Das bringt entweder nur Asche oder Teile, die man nicht verwenden kann. Mit viel Geduld und Spucke werden die Ergebnisse aber besser. Ich staune selbst immer wieder, wie präzise diese Billigheimer arbeiten.


    Auf alle Fälle ist es Essig mit einschalten, arbeiten lassen und gut ist! Aber wer sich die Zeit nimmt - der hat auch saubere Ergebnisse.


    Ich habe auch festgestellt, das ein sehr wichtiger Faktor das Brennprogramm ist. Ich arbeite mit "Lichtbrenner". Sehr empfehlenswert!

    Beste Grüße von Andy, dem Railgoon

  • Hallo Eberhard


    Obwohl eigentlich alles schon gesagt ist, will ich meinen Senf auch noch dazu geben. Die Entwickler bei Mr. Beam verstehen sehr viel von Lasern, aber offenbar wenig von Mechanik. Reinhard Lachmann hat mehrfach Dateien zum Lasern gegeben und was zurück kam, war für unsere Ansprüche unbrauchbar. Schiefe Kanten wiesen deutliche Treppenstufen auf, was beim Laser von Peter+Ulli und bei mir nie der Fall ist. Wir haben übrigens bei 160g/m2 Papier eine Schnittbreite von ca. 0.12 mm, bei 300g/m2 Karton von ca. 0.16 mm.


    M.E. ist der Laser von Mr. Beam gut für das, wofür er gemacht wurde, nämlich Leder und Sperrholz zu gravieren, um "Kunstwerke" herzustellen. Für unsere Zwecke scheint er mir nicht geeignet. und ich erwarte auch nicht, dass sich das ändern wird, weil wir als Markt vernachlässigbar sind.


    Andi

    Alles, was wir heute aufbrauchen oder zerstören können, sollten wir keinesfalls unseren Nachkommen überlassen.

  • Bei mir läuft die aktuelle Version vom Emblaser (mit Einhausung) ohne Probleme. Mit etwas Zeit schneidet der 1mm Architekturkarton in weiss problemlos und mit einer Schnittbreite von 0,05mm. Ich kann gerne eine Probedatei lasern.


    Gruss

    Jan

  • Kostet im Moment 2500€.


    Übrigens habe ich hier noch einen Emblaser 1, der ursprüngliche Bausatz, stehen. Wenn den einer gebrauchen kann, wäre ich bereit den zu verkaufen.