Ehemaliger Haltepunkt Waren/Müritz - Papenbergstraße 1:160

  • Hallo zusammen,


    ich möchte hiermit einen Baubericht des abgerissenen Haltepunktes Waren/Müritz-Papenbergstraße beginnen.


    Wie ich bereits im Baubericht über den Bahnhof Klockow geschrieben habe, bin ich in der Schulzeit öfter von Waren nach Klockow gefahren. Mein Abfahrtsbahnhof war nicht der "Hauptbahnhof" in Waren, sondern der Haltepunkt Papenbergstraße. Im Bereich Waren bis Kargow teilen sich die Lloyd-Bahn und die Mecklenburgische Südbahn das Gleisbett.


    Diese Version des Haltepunktes Papenbergstraße wurde ebenfalls in den 60er Jahren errichtet und ist vom Aussehen sowas wie der kleine Bruder vom Bahnhof Klockow. Der Haltepunkt lag an einem Bahnübergang mit Schranke. Der Bahnsteig war einmal am Gebäude und der andere auf der anderen Seite der Straße. In meiner Erinnerung bestand der Bahnsteig aus einer Bahnsteigkante mit einer Schüttung aus schwarzem Material. Mit der in den 70er Jahren durchgeführten "Komplexen Verkehrslösung, bei der die Bahntrasse und die F192 (B192) verlegt wurden, lag der Haltepunkt nicht mehr an der Bahntrasse und wurde aufgegeben. Gedanken, einen Haltepunkt unter die neu entstandene Brücke zu legen, wurden wahrscheinlich wegen des auch damals wohl schon geringen Verkehrsaufkommens an dieser Station verworfen.


    Die neue Verkehrstrasse wurde jetzt direkt durch die Stadt verlegt, was den Abriss eines Teils der Altstadt zur Folge hatte. Die zweite Variante hätte die Verlegung des Bahnhofes weit vor die Stadt bedeutet. Die Verkehrslage war damals nicht mehr zumutbar. Da auf der Bahnstrecke der Gütertransport vom Überseehafen Rostock in die Republik und auch noch weiter durchgeführt wurde, war das Verkehrsaufkommen Tag und Nacht sehr hoch und die Bahngeräusche über das Wasser auch weit hörbar. Übrigens erinnerte mich bei einem Biergartenbesuch in Koblenz das Geräusch der ständig fahrenden Züge auf der gegenüberliegenden Rheintrasse sehr stark an meine Kindheit.


    Nach einem der schwersten Bahnunfälle in der DDR in Langenweddingen, bei dem auch viele Kinder ihr Leben verloren, wurden die Schließzeiten der Schranken deutlich verlängert, was dazu führte, dass die Schranken mehr als 45 Minuten in der Stunde geschlossen waren. Es gab 7 Schranken im Ort. Eine dieser Schranken lag auf meinem Schulweg. Als Schüler bedeutete das, wenn ich nicht die kurze Lücke 10 vor 7 schaffte (oder die Bahn mal anders fuhr), dann ging die Schranke erst 5 nach 7 wieder auf und ich verpasste den Schulbeginn 7:10 Uhr. Es bildeten sich lange Staus, auch auf der durch Einbahnstraßen durch die Innenstadt geführten Fernverkehrsstraße F192.


    Also wurde die Bahnstrecke, die sich in enger Kurve am Ufer der Müritz entlang zwischen weiteren Seen hindurch zum Bahnhof schlängelte in langjähriger Arbeit auf die neue Verkehrs-Trasse gelegt. Die bestand aus vierspuriger Straße und zweigleisiger Bahn und wurde zwischen den Seen und über sumpfiges Gebiet auf eine damals "Moorbrücke" genannte feste Fahrbahn gebracht. Das bedeutete das teilweise Verfestigen des Baugrundes mit Spundwänden und aufgetürmten hohen Kiesbergen, die nach einem Jahr wieder abgetragen wurden, sowie das Einbringen von bis zu 22 m langen Stahlbetonpfählen. Die Rammen arbeiteten unablässig. Obendrauf kam dann die Stahlbetondecke. Dass sich das Verfahren bewährt hat, zeigt sich daran, dass das im Torf von Tribsees versunkene Teilstück der A20 jetzt auch wieder in einer ähnlichen Bauweise errichtet wird. Dieses Stück der A20 war 2017 über eine Länge von mehreren hundert Metern mit bis zu 6 m tiefen Löchern abgesackt. Dort wurde das für große Verkehrsbauten nicht erprobte CSV-Verfahren verwendet.


    Diesen kleinen Haltepunkt, der 1977 seine Bestimmung verlor und 2004 abgerissen wurde, möchte ich als 1:160-Modell bauen. Die Informationslage war gering. Auf der Seite der Warener Eisenbahnfreunde gibt es zwei Bilder. Auf Anfrage konnte mir die sehr nette Frau des Warener Stadtarchives leider keine Bauzeichnung zur Verfügung stellen, jedoch ein weiteres Bild aus der Stadtchronik. Auf dem Geo-Portalvon MV gibt es historische Luftbilder, die auch eine Messfunktion bieten. Trotz der geringen Auflösung konnte ich dort die ungefähre Abmessung der Dachfläche ermitteln. Also fing ich an, aus dem vorhandenen wenigen Material mit etwas Mathematik Längen und Höhen zu ermitteln, was ganz gut klappte. Nachmessen hätte es ja sowieso keiner mehr können. Am nächsten Tag gab es jedoch eine plötzliche Wendung. Die nette Frau vom Stadtarchiv hatte Kontakt mit dem Kollegen vom Museum und dort gab es ebenfalls eine Anfrage zum Haltepunkt Papenbergstraße. Die mir jetzt zur Verfügung gestellte Zeichnung stammt aus einem Beitrag von W. Hammer/Ludwigsfelde aus dem Modelleisenbahner 7/1980 und zeigt den Haltepunkt als H0-Modell. Nochmals vielen Dank an das Stadtarchiv und Museum.


    Ich habe für das Modell jetzt alle Maße dort abgenommen und übertrage das Modell wieder in die reale Größe in SketchUp. Dann skaliere ich auf 1:160 herunter, wie bei Klockow erprobt. Als ich fast fertig war mit dem Übertragen des Gebäudes ins SketchUp, bemerkte ich erst einen Fehler in der Zeichnung, denn die Tür des Stationsvorstehers passte nicht richtig.



    Ich hatte das Maß an der einen Seitenansicht abgenommen und mich bei der Wand des Stationsvorstehers auf den Rest verlassen und nicht nachgemessen. Es fehlten aber ca. 30 cm. Nach dem Grundriss ist die kurze Seitenansicht wohl die richtige, ich musste also eine Wand versetzen. Die Rückansicht fehlt, da nehme ich die eher quadratischen Fenster, wie sie bei Klockow verwendet wurden.


    Genug der Vorrede zu diesem eher unscheinbaren Gebäude. Hier ein paar Bilder aus Sketchup.



    Schöne Grüße Micha

  • Ich habe die Wände entfaltet, ins CorelDraw gebracht, ausgedruckt und ausgeschnitten. Da Fenster und Türen nicht so tief liegen wie beim Bahnhof Klockow, werde ich hier mal aufgeklebte Rahmen versuchen und dahinter dann Fenster und Türen kleben. Die Innenwand zu den Toiletten beim Stationsleiter werde ich wohl weglassen.



    Viele Grüße Micha.

  • Der Probebau ist fertig. Um Fenster- und Türdurchbrüche habe ich einen Rahmen geklebt und dann die Fenster und Türen dahinter. Erst wurde nur die hintere Wand auf den Boden geklebt. Dann Front-/Zwischenwand des Stationsvorstehers. Jetzt kann die Außenwand mit dem kleinen Überstand geklebt werden. Dann kommt der Warteraum mit den beiden Schuppen.


           


    An den erstmal nur skizzierten Falzen mussten einige Änderungen vorgenommen werden. Den Dachträger habe ich mit nur den drei Seiten stumpf auf die Dachunterseite geklebt.

       


    Jetzt geht es dann an die Texturierung.


    Gruß Micha

  • Die Wände stehen. Die Reihenfolge war wie oben. Beim Kleben habe ich nicht immer die Falze mit Klebstoff eingepinselt, sondern an vielen Stellen die Gegenseite, damit ich nicht Klebstoff an ungewollte Stellen bekomme. Die Zwischenwände lasse ich wieder weg und der Schornstein wird auch nicht in die hinterste Ecke des Warteraums kommen, wo er in der Zeichnung ist, sondern wird an eine mir sinnvollere Stelle im Dienstraum kommen. Ich denke nicht, dass der Aufenthaltsraum geheizt wurde. Auf den Luftbildern ist er auch nicht an der hinteren Kante des Daches zu erahnen.




    Gruß Micha

  • Danke, dass Ihr meine Arbeit so lobt. Es ist ein Zeugnis der 60er Jahre. Ich denke, dass dieser Bauzeit aktuell zu wenig Beachtung geschenkt wird. Viele Gebäude werden geschliffen. Teilweise trotz Denkmalschutz.


    Für den Bau ist mir noch einTipp eingefallen. Ich wollte möglichst wenige Klebestellen an den Außenkanten haben, woraus sich die Faltungen ergeben haben. Ich habe ja angemerkt, dass ich zuerst nur die hintere Mauer klebe und die Seite noch angeklappt lasse. Man könnte das Teil auch abtrennen und einen Klebefalz an der Ecke anbringen. Dann kann man die Seite unabhängig kleben.


    Ich freue mich, dass Euch das Gebäude gefällt. Ich habe ab morgen erstmal 2 Wochen Urlaub. So lange muss die Leiter zum Dach, die ja wohl bis zum Abriss da war, noch auf die Fertigstellung warten.


    Gruß Micha