Flugdeckkreuzer "Kiew", 1:200, Oriel

  • Ein Märchen!

    Zu meiner eigenen grossen Überraschung habe ich mich entschieden, die Kiew von Oriel zu bauen. Vorgestellt wurde der Bogen hier.


    Wie üblich beginnt es mit dem Spantengerüst, denkt man. So habe ich auch gedacht und begonnen, den LC-Spantensatz, ebenfalls von Oriel, zu bearbeiten. Dass der zweite Spant fehlerhaft gelasert war und der dritte fehlte, hat mich nicht wesentlich beunruhigt. Die kann man ja selber schneiden. Aber dann waren viele Spanten zu schmal, andere zu breit, nur ca. 1/4 richtig, kurzum: ein leider unbrauchbarer Satz. Bevor ich mich selber überreden konnte, die ca. 130 Spanten auf über 2 m2 Karton selber zu schnitzen, habe ich spät abends ein Mail an Michail Oriel geschrieben. Und dann wurde es märchenhaft. Am Morgen darauf bereits eine Antwort, nach der Lieferung einiger Details durch mich wieder umgehend eine Entschuldigung und die Information, dass es seit einiger Zeit unmöglich ist, in der Ukraine den Karton für die LC-Spanten zu beschaffen. Wenn die Geschichte hier enden würde, wäre das kein Märchen und ich würde diesen Bericht nicht schreiben können. Michail hat aber nicht aufgegeben, sondern einen Verlag in Polen dazu gebracht, mir einen Spantensatz zu lasern und zu senden. Nicht ganz zwei Wochen nach meinem ersten Mail brachte mir die Post einen perfekten Satz. Die Antwortzeiten von Michail auf meine Mails waren immer unter 12 Stunden.


    Ich habe mich in anderen Bauberichten nicht zurückgehalten, Verlage zu kritisieren, die fehlerhaft Modelle verkaufen. Daher ist es mir ein Anliegen, auch laut und deutlich zu sagen, wenn ein Verlag bzw. sein Chef sich so kundenorientiert zeigt wie hier. Also:


    Herzlichen Dank, Michail Oriel!


    für diesen hervorragenden Service. (Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass ich dies erlebe. Auch bei einem Problem mit dem Druck bei der Pallada hat Michail umgehend reagiert und für Ersatz gesorgt.)


    Und hier nun der neue Satz:


    1. Mittelspant und Längsstringer
    2. Querspanten
    3. weitere Teile des Rumpfes
    4. Spanten des Aufbaus
    5. Spanten für diverse kleinere Teile

    Nicht im Bild ist die Seite mit den Spanten für alle Hubschrauber und Flugzeuge.


    Andi

  • Moin zusammen,



    danke für die lobende Worte für Herrn Oriel! Es ist immer erfrischend, wenn auch positive Rückmeldungen kommen.


    Und viel Erfolg für das gewaltige Dickschiff!


    Gruß

    Hadu

    Vielleicht kommt der Tag, an dem mehr Leute checken, dass Idiotie nicht links oder rechts ist, sondern in erster Linie daher rührt, dass jemand ein Idiot ist! (M. Tegge)




    www.modell-und-geschichte.jimdo.com


    Mitglied der Luft'46-Gang

  • Danke, Hadu! Das mache ich auch lieber als schimpfen.


    Die Wartezeit habe ich verwendet, um einen Hubschrauber zu bauen. Je nach Quelle hatte die Kiew bis 36 Hubis und Flugzeuge an Bord. Im Bogen sind total 46 Luftfahrzeuge vorhanden. Man hat also Auswahl genug. Und alle tragen eigene Nummern!


    Mir ging es aber v.a darum, mich wieder an den Karton von Oriel zu gewöhnen und zu testen, wie gut man die kleinen Teile damit bauen kann. Der Karton ist aussergewöhnlich dick, nämlich 21 Hunderstel Millimeter statt der üblichen ca. 13 Hunderstel. Zudem ist er sehr weich, was die Arbeit mit Weissleim schwierig macht. Ich verwende fast nur unverdünntes Kittifix. Dafür lässt er sich nach dem Anfeuchten bis zu einem gewissen Grad auch dreidimensional verformen, was auch seinen Reiz hat und Möglichkeiten bietet, die man sonst nicht hat. Leider spaltet sich die oberste Schicht sehr leicht ab, was bei den kleinen Teilen fatal ist. Ich werde also Knickkanten eher zerschneiden und wieder zusammenkleben müssen.


    Aus den folgenden rund 100 Teilen (inkl. Schablonenteilen) galt es also, einen Hubschrauber Ka-27PL zu bauen.



    Die Bauanleitung dazu besteht im Wesentlichen aus zwei Schrägansichten von oben und unten. Es sind jedoch keine auf der Konstruktion basierenden Skizzen, sondern z.T. idealisierte Formen, die nicht den vorhandenen Bauteilen entsprechen. Sie sind aber klar und vollständig.


    Das Spantengerüst oben links ist auf 0.5 mm dicken Karton zu kleben. Nach mehreren Versuchen mit unterschiedlichen Dicken und leichten Verkleinerungen habe ich kein befriedigend passendes Ergebnis erzielen können. Daher habe ich die Spanten nur als Hilfe zum Formen verwendet, jedoch nicht eingebaut. Das hat ganz gut funktioniert.


    Hier die ersten Teile:


      


      



    Andi

  • Moin Andi;


    es freut mich das Du das Dickschiff angeschnitten hast.

    Auch aus dem hohen Norden wünscht man Dir Erfolg und ein gutes Gelingen.


    Sie liegt auch bei mir in der Kiste und wartet ... .

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut

  • Moin, moin Andi,


    da hast du jetzt aber wieder einen richtigen "Kartonbau-Hardcore" gestartet :thumbup:! Bei der Dicke des Kartons, müssten die kleinen Hubis ohne Spanten genügend Stabilität aufweisen...tun sie auch. Da ist deine Werft ja ersteinmal gut ausgelastet für 2021/22.....


    Gruß von der sonnigen aber kalten Ostsee

    HaJo

    Exercitatio artem parat!

  • Serfaus


    um ein halbwegs ansehnliches Ergebnis bei den "Drehflüglern & Flugies" in dieser Skalierung zu erhalten könnte man die Teile ja einscannen und auf 160 bzw 120g/qm Karton ausdrucken. Farbabweichungen zum Originalbogen spielen ja hier keine Rolle da es "stand-alone" Minimodelle sind und nicht in die Struktur des Trägers eingefügt werden.

    Im übrigen finde ich es gut das sich endlich mal jemand an diesem Modell abarbeitet. Persönlich habe ich vom Kauf des Modells Abstand genommen da mich Projekt 1143M "Baku" wesentlich mehr interessiert hätte.


    KaEm

  • Danke, Kollegen!


    @HaJo: ja, in den nächsten zwei Jahren muss ich nicht überlegen, was ich anschneiden soll :D.


    KaEm: Einige Teile sind sicher einfacher aus dünnerem Papier zu bauen. Bei der Ka-27PL habe ich z.B. die Ummantelung der Auspuffrohre aus 80 g/m2-Papier gemacht.


    Bei mir war das Mittelteil marginal grösser als die Anschlussteile vorne und hinten. Das kann aber daran liegen, dass meine Nähte am Mittelteil zu breit sind. Gleiches gilt für die Schwanzspitze.


      


    Gemäss Bauskizze hat das vordere Ende die typische abgerundete Form wie die meisten Hubschrauber. Bei mir hat sich eine Kante ergeben und auf Grund der Konstruktion kann ich mir nicht vorstellen, wie das anders sein könnte. Das Gleiche gilt für das Radom unter der Nase. Die Form in der Anleitung entspricht den Bildern des Originals, ist aber m.E. aus den gegebenen Teilen nicht zu bauen. Entsprechend passt das Radom auch nicht auf die Markierungen. Da ich jetzt aber im Grossmodellmodus bin, und noch deutlich über 10'000 Teile auf mich warten, kann ich damit leben und sehe von einer Korrektur ab.


      


    Für die Turbinenverkleidung gibt es ebenfalls ein Spantengerüst, das ich ebenfalls weggelassen habe. Auch so passen die Teile gut und das Ganze ist stabil.


      


    Bis hierhin musste ich ziemlich viel am Rumpf herumfummeln, bis die Form stimmte und die Nähte geschlossen waren. Das sieht man aus der Nähe, aber bei den folgenden Exemplaren sollte sich dann der Lerneffekt auszahlen.


    Dann gilt es einiges an Kleinteilen zu verarbeiten. Das ging recht gut, da der Rumpf jetzt stabil ist und sich erstaunlich gut handhaben lässt.


      


      


    Andi

  • Hallo Andi,

    hast Du Dir auch den Ätzteilsatz gegönnt?


    Ich habe den Kit auch liegen, mit Ätzteilsatz. Sagenhaft!!!


    Viele Grüße und gutes Gelingen

    Thomas

  • Danke an die vielen Daumenheber!


    Nein, Thomas, den Ätzsatz habe ich mir geschenkt. Ich habe vor langer Zeit den Plastikmodellbau aufgegeben, weil mir das Bemalen keinen Spass machte. Heute habe ich zwar eine vollständige Airbrush-Ausrüstung inkl. Spritzbox mit Drehteller, aber das alles liegt originalverpackt herum. Dafür habe ich mir einen Lasercutter geleistet, und bei allem, was ich an Kosten für Detailsätze gespart habe, ist der längst amortisiert.


    Mit den Schwanzflossen sieht es schon beinahe wie ein Hubschrauber aus.



    Zuerst war ich verunsichert, weil die senkrechten Flossen so stark schräg stehen. Die Bilder im Internet deuten aber darauf hin, dass es so stimmt.


    Beim Doppelrotor sind die eigentlichen Flügel nur stumpf am inneren Drehkreuz befestigt. Ich habe das mit Weissleim gemacht und es ist schön stabil. (100 Jahre muss es bei mir ja nicht mehr halten ;).) Die Mitnehmer habe ich je aus einem Stück gelasert. Vorgesehen ist, dass die senkrechten Stangen aus Draht gefertigt werden, aber in den Dimensionen gelingt es mir nicht, sie alle auf den 10-tel Millimeter exakt abzulängen. Damit die Achse (ein Polystyrolstäbchen) besser hält, habe ich noch einen Ring spendiert (Pfeil).


      


    Auch bei den Rädern ist die Stabilität ein Thema (meine Flugzeuge der Forrestal sind mit der Zeit alle in die Knie gegangen). Hilfreich ist sicher, dass schon mal das Gewicht der Spanten fehlt. Die vorderen Räder sind jetzt an Polystyrolstäbchen befestigt. Die komplizierteren Beine der hinteren Räder habe ich wieder je aus einem Stück gelasert. Will man sie aus Einzelteilen bauen, ist Sekundenkleber angesagt, aber mit dem Zeugs habe ich es noch nie geschafft. Die lange obere Strebe dieser Beine kann man nicht am vorgesehenen Ort befestigen, da die weisse Box zu weit vorsteht. Auf Bildern habe ich sie so nirgends gefunden, aber wieder wegoperieren wollte ich sie auch nicht. Also steht die Strebe etwas verschoben.



    Das Ergebnis:


      


      


    Ufff... Einer von mehr als Dreissig.


    Andi

  • Halo Andi,


    ganz tiefe Verneigung vor dieser Präzision, dieser Schrauber sieht so richtig gut aus.


    Liebe Grüße

    Robi

    Jean Luc Picard ( USS Enterprise): Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten bleibt immer gleich, nur die Bevölkerung wächst.


    Andere haben Flugzeugträger, wir haben die Gorch Fock.


    I´m a Billiever, #17, Go Buffalo

  • Serfaus Mr Rüegg


    die Radomkonstruktion ist "eher suboptimal" und erinnert mich stark an die Konstruktion des Hubies auf Projekt 956, FLY Modell 122 aus dem Jahre 2000 :

    (Hubi in 1:250)

    Eigentlich hätte man von Hrn. Popow eine bessere Konstruktion in Jahr 2019/20 erwarten können - naja egal.

    Die Konstruktion des Hubies für Projekt 20380 ist da durchaus besser gelungen.

    KaEm

  • Hallo Klaus,


    klär mal nen Doofen auf, wo denn die Unterschiede sind. Außer, dass Deiner blasser ist und der andere einen kräftigeren Teint hat, mag ich nicht viel Unterschied entdecken. Ja die Front hat bei Kiew-Hubi eine Knicklinie, aber ist das so schlimm?

    Herzliche Grüße
    Gerald

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    I'm walking! @fats_domino

  • Hallo Gerald


    bei dem Heli der Kiew und Projekt 956 sieht das Radom eher aus wie ein Stück aus einem Käselaib - wirkt auf mich jedenfalls so.

    Bei Projekt 20380 (in Arbeit) ist der Heli an diesem Detail durchaus besser konstruiert und kommt dem Original optisch wesentlich näher.

    LG Klaus (sorry für die verspätete response)

    PS : lieber Herr Rüegg, wie ist denn der derzeitige Bauzustand ? Hoffentlich sind die Rubelchen nicht ausgegangen (Scherz) .

  • Hoffentlich sind die Rubelchen nicht ausgegangen (Scherz) .

    Nein, aber aktuell läuft es eher harzig. Es ist die interessante Zeit, in der man jeden Tag entscheiden kann, ob man nochmals die Schneeschuhe anzieht oder durch die Frühlingslandschaft wandert. Und das alles innerhalb ca. einer Stunde Fahrzeit. Das muss ausgenutzt werden.


      


    Ein bisschen weiter ging es trotzdem. Das Spantengerüst besteht aus 4 Hauptteilen. Bevor man die zusammenbaut empfiehlt es sich, die Einbauten am Heck zu machen, bevor man sich mit dem ganzen Ungetüm herumschlagen muss.


      


      


    Beim Anbringen der Verstärkungen der Seitenwände ist Vorsicht geboten. Ich habe den Eindruck, dass einige Teile falsch beschriftet sind (L und R vertauscht). Aber weil ich zuerst einen dummen Fehler gemacht habe, kann ich das nicht mehr mit Sicherheit sagen.


    Die Ständer für die Seilrollen habe ich aus Tonkarton gelasert und verdoppelt. Damit erreiche ich ziemlich gut die geforderte Dicke. Auf das Aufwickeln von "Seilen" habe ich verzichtet, da man die Rollen in Kürze eh nicht mehr sieht.


    Für die Achsen für die kleinen Handräder gibt es Kartonteile, die aufzurollen sind. Da die Kartondicke aber schon ungefähr dem Achsdurchmesser entspricht, habe ich nur einen ganz dünnen Streifen abgeschnitten, rundum bemalt und als Achse aufgestellt.


    An den Decken und den Seitenwänden gibt es Markierungen für Träger, die aber im Bogen nicht vorhanden sind. Damit es nicht so kahl aussieht, habe ich die selber hergestellt. Die äusseren Enden werde ich wahrscheinlich später noch stutzen, wenn ich sicher bin, wie dort die Bordwand ausschaut.



    Dann wird das Sandwich geschlossen. Ich habe Ober- und Unterteil nicht verklebt, damit beide auf jeden Fall hinten sauber am Querspant anliegen. Um das Einschieben zu erleichtern, habe ich die Schlitze am Längspant leicht angeschrägt.



    Damit ist die ganze Pracht weitgehend verschwunden und die Baugruppe fertig.



    Andi

  • Moin Zusammen;


    hier ein Auszug aus Wikipedia:


    Die Kiew (russisch Киев) (1143.1) wurde am 21. Juli 1970 auf Kiel gelegt und lief am 26. Dezember 1972 vom Stapel. Zwischen 1975 und 1991 stand sie im Dienst der sowjetischen Marine, wurde 1993 entwaffnet und an die Volksrepublik China verkauft. Seit dem 1. Mai 2004 ist sie als Exponat eines Vergnügungsparks in Tianjin ausgestellt.

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut