Barockschloss von Saarbrücken (Renovierung)

  • Hallo Freunde!


    Nachdem ich zig Jahre lang hier nicht mehr aktiv war und unter wenig erfreulichen Umständen aus den anderen Kartonmodell-Forum rausgeworfen wurde (wegen Nichtpostens!), versuche ich es gerne noch einmal hier.


    Mein aktuelles, corona-langeweile-bedingtes Projekt stellt die Renovierung eines sehr alten Modells dar, das ich vor mehr als 30 Jahren gemacht hatte: Das Saarbrücker Barockschloss (also nicht das heutige, mit modernem Mittelteil, von dem es mittlerweile einen Kaufbogen gibt).


    Der Bogen ist /war so ziemlich einmalig und wird sicherlich nie wieder zu bekommen sein.


    Anfang der 1970er Jahre hatte man im Zuge der Begeisterung für den Wiederaufbau der kriegszerstörten Saarbrücker Ludwigskirche geplant, auch gleich das 1793 (!) abgebrannte und dananch sehr verändert und nur reduziert wiederhergestellte Saarbrücker Schloss (es diente dann als Mietskaserne!) nach den Originalplänen des Architekten F. J. Stengel zu rekonstruieren. Am 1.1.1980 entschloss sich aber der damalige Saarbrücker OB, Oskar Lafontaine, dagegen (der Bau ist in städtischem Besitz) und es blieb bei der (immerhin ja auch recht gelungenen) Renovierung des Ist-Bestandes mit Einfügung des modernen Mittelteils von Gottfried Böhm.


    Noch 1977 gab man aber einen sehr schönen, komplett handgezeichneten (!), aber nicht farbigen Bastelbogen zur Unterstützung des Wiederaufbaus des Barockschlosses heraus, den ich damals als Kind in einem Schaufenster sah und der mich total faszinierte (dort u. a. in verschiedenen Farben, Blau, Rot, Lila ausgrdruckt). Erst 10 Jahre später erstand ich dann auf Nachfrage in einem traditionellen Schreibwarengeschäft in Saarbrücken in total verstaubtem Zustand einen der letzten damals noch existierenden Bögen. alles andere wird wohl in den Reißwolf gewandert sein.....


    Um 1989 bastelte ich das Modell zusammen und das Bauprojekt wurde größer und größer.....

    (Fortsetzung folgt)


    So sah das Modell jedenfalls nach 12 Jahren im (trockenen!) Keller bis vor 6 Wochen noch aus .

    Alles vergilbt und verstaubt (was das geringste Problem ist) und das Dach des Mittelrisalits nebst dem Belvedere trotz (oder gerade wegen) der Schutzhülle aus Pappe eingedrückt:



    Nächste Projekte (insofern ich das noch erlebe :(): Limburger Dom, Hamburger Michel, Kolosseum Rom, Bremer Rathaus, Notre Dame de Paris (alle von Schreiber)

    Edited 2 times, last by Oktavian ().

  • Hallo Oktavian

    Willkommen hier. Bei deiner Vorliebe für Architekturmodelle empfehle ich dir den Baubericht von Pitje über das Ulmer Münster.

    Ich glaube auch du wirst staunen was alles möglich ist.

    Liebe Grüße Peter

    Papier ist geduldig, ich werde es auch noch lernen

  • Hallo Oktavian,

    das alte Schloss in Sarrbrücken sieht sehr gut aus. Aber im Innenhof fehlt ein unabdingbares Utensil aller saarländer Hausbesitzer:


    DER SCHWENKER

    samt Auflage.:D

    Ulrich

  • Nix mit Schwenker in einer hochfürstlichen Residenz!!!


    Und weiter gehts:


    Hier ein Zeitungsartikel von damals, das ist das einzige Zeugnis das ich vom Bogen im Urzustand habe: Ganz in weiß und mit vielen nicht-historischen Ungenauigkeiten. Ich hoffe, dass das nach 44 Jahren keine Urheberrechtsverletzung vorliegt (Quelle ist ja genannt):



    Das ist das, was ich damals, 1987/88, zuerst daraus bastelte: Die Fenster sind schon geschwärzt und die Dächer (im Original schwarz-grauer Schiefer) in schwarzer Pappe:



    Da sich die sehr dünnen Kartonwände schon damals unschön zu wölben begannen, setzte ich erstmals das ein, was ich mittlerweile bei allen meinen Bögen (v. a. auch bei Schreiber) mache, nämlich dass ich sie und alle Balustraden mit stärkerem Karton hinterklebe.


    Und dann setzte, es war 1989, mein Bauwahn erst recht ein, denn ich wollte dem Schloss auch möglichst originalgetreu einen Teil seiner Umgebung, v. a. den ebenfalls verlorenen Barockgarten (wenigstens ein kleines Stück davon) wiedergeben.

    Nach Beseitigung der unhistorischen Dachfiguren (s.o.) landete das Ganze erst mal auf einer 1,5 cm starken Holzplatte. Mit Styropor wurde das unterschiedlich hohe Gelände nachgebaut. Ich war damals erst 22 und wundere mich über meinen Erfindungsreichtum:




    Die beschnittene Baumallee, die das Schloss auf der obersten Terrasse von zwei Seiten umgab (von ihr wird später nochmals die Rede sein), bestand aus Wattebällchen mit Laubstreu auf Schaschlikstäben. 114 Stück entsprechend den Stengelschen Originalplänen. Und im Hof wurde historisches Pflaster (mit Bleistift in, ich glaube, zweiwöchiger Arbeit, selbst aufgezeichnet verlegt und die historisch verbürgten Außentreppen und Pollersteine versetzt:



    An der Nordseite (die damals wie heute sehr beeindruckend hoch über der Saar liegt) sollte ein ganz kleiner Teil des barocken Parterregartens mit Broderien wiedererstehen:



    Fortsetzung folg!

    Nächste Projekte (insofern ich das noch erlebe :(): Limburger Dom, Hamburger Michel, Kolosseum Rom, Bremer Rathaus, Notre Dame de Paris (alle von Schreiber)

  • @ alle: Danke für alle die sehr lieben Likes (nennt man das heute so?)

    Ich freu mich aber auch über geschriebene Kommentare/Fragen/Kritikpunkte.

    Aber wie gesagt, die eigentliche Geschichte hat ja noch gar nicht angefangen.


    Das hier also war dann am Ende das Endergebnis:


    Ein sehr schönes und detailliertes Kartonmodell (übrigens M 1:150) des untergegangenen Barockschlosses. Die Fensterkreuze, die schon geschwärzt waren, habe ich dann nochmals mit schwarzen Kartom beklebt (die Fassaden standen ja schon aufrecht) und mit von Hand aufgemalten Sprossen verfeinert, da die vorhandene Sprossung des Bogens viel zu grob und unbarock war. Ich weiß heute nicht mehr, wieviele, aber mind. 200 Fenster von Hand aufgemalt.... irre. Wie gesagt: Das war 1990, da gabs noch kein Photoshop.


    Besonders schön der sonnendurchflutene obere Parterregarten mit den Broderien:


    Es sah fast wie echt aus, oder?


    Oder hier die hintere Baumallee, von der aus man rechts über ein System von Rampen und Treppen ursprünglich in den sehr viel größeren unteren Schlossgarten ging (nicht gebaut):


    An der oberen Baumallee vorbeigelaufen gelangte man am Südflügel zu einer weiteren geometrischen Baumpflanzung, gegenüber des kleines Marstalles:


    Oder man konnte auch hochgehen und vom sog. Belvdere des Mittelpavillons aus einen tollen Blick über die Gesamtanlage und den Innenhof genießen. Besonders hübsch war die von Stengel entworfene geschwungene Ehrenhofbalustrade, mit der dieser Hof von dem (ebenfalls nicht gebauten) unteren Schlosshof abgetrennt wurde:


    Das war also um 1992 der erreichte Stand des Schlosses.

    Leider kam das Modell dann bis heute ganz schrecklich ins Alter (wie wir alle)


    Fortsetzung folgt!

    Nächste Projekte (insofern ich das noch erlebe :(): Limburger Dom, Hamburger Michel, Kolosseum Rom, Bremer Rathaus, Notre Dame de Paris (alle von Schreiber)