Laser Cut statt Ausschneiden

  • Hallo,

    kürzlich erfuhr ich von ggf. erschwinglichen LaserCutGeräten (z.B. Laser Cutter für Papier), mit denen man heutzutage Schneiden oder Gravuren in verschiedenen Materialien herstellt, aber auch "PaperArt". wie z.B. hier: Laser-Templates.

    Ich konnte jedoch bisher bei der Suche nach lasergeschnittenen 3D Modellen nur SVG Files finden, die man ausdrucken soll bzw. in dem Programm Pepakura laden kann, um Modifikationen herzustellen.

    Idee ist, sich das lästige Ausschneiden zu ersparen und stattdessen den LaserCutter diesen Job machen zu lassen. Dazu muss der Bogen in einem SVG-Format ("vektorisiert") vorliegen und die Schneidelinien von allen anderen unterscheidbar ("ausgezeichnet") sein. Bogen, die als Pixelgrafik vorliegen, müssen also vektorisiert werden. Ich habe das Programm "Inkscape" für diesen Job ausfindig gemacht, kann jedoch damit (noch) nicht umgehen, damit das gewünschte Ergebnis aus einem Scan gewonnen wird.


    Das Thema scheint bei "Profi-Modellbauern" bekannt zu sein, jedoch ist das hier: Laser Cutter für den Modellbau sicher nicht in meinem Sinne "erschwinglich".


    Welche Erkenntnisse hat die werte Kartonbauergemeinschaft zu diesem Thema?

    Gruss

    Stephan

  • Moin Stephan,


    Erstmal vorneweg:

    • Das was du verlinkt hast ist kein Lasercutter, sondern ein Plotter. Bei den ganzen chinesischen Marktplätzen wie alibaba wird gerne alles ansatzweise passende in den Titel/die Beschreibung geschrieben. Einer der Gründe, warum Ich persönlich davon abraten würde da (teure) Dinge zu kaufen.
    • Lasercutter schneiden mit einem Laser und können dadurch sehr feine Strukturen ausschneiden. Plotter arbeiten hingegen mit einem Messer, was für sehr feine Strukturen wahrscheinlich nicht so gut geeignet ist.

    Lasercutter haben bereits seit einigen Jahren einen festen Platz im Kartonmodellbau. Viele Hersteller (wie zB. Der Mannheimer Modellbaubogen Verlag) bieten für Ihre Modelle Zurüstsätze an, die per Laser gefertigt wurden. Da sind dann die feinen Teile enthalten, die man per Hand nicht mehr gut ausschneiden kann. (Reling, Leitern, etc). Und für solche Teile lohnt sich auch ggF ein eigener Laser. Es gibt auch einige Nutzer hier im Forum, die dafür einen LC angeschafft haben und damit auch regelmäßig Teile anfertigen.


    Für ganze Modelle dürfte der Aufwand allerdings zu groß sein.

    Denn man braucht zwangsläufig eine Vektorgrafik. Gedruckte Bögen müsste man dafür komplett nachzeichnen. Und selbst wenn man eine Vektorgrafik hat, kann man die nicht einfach an den LC übergeben, weil die nur die Schnitt-/Gravurlinien wollen. Man muss also auch da zwangsläufig sehr viel abändern/nachzeichnen, bis der LC damit auch wirklich arbeiten kann. Und das ist, je nach Modell, eine gewaltige Menge Arbeit.

    Ich würde dir also eher davon abraten.


    Mfg

    Johannes

  • Hallo Stephan


    Bis jetzt kenne ich noch niemanden, der mit einem Billiglaser aus China wirklich glücklich ist. Es scheint mehrere bis viele Versuche und auch Glück zu benötigen, bis man ein brauchbares Teil hat. Aber auch mit teuren Geräten kann man seine Überraschungen erleben. Ein Kollege hat bei einer Firma in Deutschland auf einem Gerät Versuche fahren lassen, das immerhin je nach Ausstattung zwischen 2'500 und 3'500 EUR kostet und das Resultat war unbrauchbar (Zackenlinien statt glatte Kanten).


    Zudem kenne ich bis jetzt kein Gerät, mit dem man mit der für uns nötigen Genauigkeit gedruckte Bögen direkt ausschneiden kann. Meistens fehlt schon die Möglichkeit zur genauen Positionierung. Geräte mit exakter Ausrichtung an Passmarken sind da nochmals eine Grössenordnung teuerer.


    Ich selber benutze einen Laser der australischen Firma DarklyLabs und bin damit sehr zufrieden. Ich muss die Teile zwar (nach)zeichnen, aber dann kann ich Strukturen bis unter 0.2 mm Breite lasern und im Normalfall funktioniert das im ersten Anlauf. Nur ganz weisses Papier/Karton macht Probleme wegen der Reflexion. Ich habe das Gerät aber noch in der Phase des crowd funding für ca. 700 EUR gekauft. Heute kostet er in der gekapselten Form (Laser Klasse 1), wie sie in der EU Vorschrift ist, auch um die 3'500 EUR.


    Ob es unterdessen oder in absehbarer Zukunft gute Geräte zu einem akzeptablen Preis gibt, kann ich nicht sagen. Nach meiner Erfahrung ist das Problem nicht die Elektronik oder der Laser, das ist heute billige Dutzendware. Der Knackpunkt ist die Mechanik, die einerseit sehr exakt und stabil sein muss, um die Auflösung und Reproduzierbarkeit zu bringen, und andererseits so leicht sein muss, dass schnelle Geschwindigkeits- und Richtungswechsel möglich sind. Beliebig langsames Fahren würde das Problem entschärfen, ist aber nicht möglich, da die Schnittqualität aus der Kombination von Laserintensität und Geschwindigkeit entsteht.


    Andi

  • Hallo Stefan,

    ich habe so ein Projekt einmal gemacht, ich denke der Aufwand ist größer als das selbst ausschneiden. Ich hatte den Bogen eingescannt und dann mit CorelDraw in einer neuen Ebene um das Ganze einen Rahmen gezogen, den ich gelasert habe. Damit hatte ich dann das Problem der Nullpunktfindung gelöst, wenn ich dann den Rahmen inkl. des Scans in Corel auf 0 geschoben habe und den ausgeschnitten Bogen an den Anschlag geschoben hatte.


    Dann habe ich die auszuschneidenden Kanten und Durchbrüche nachgezeichnet und dann gelasert. Es war ein Versuch der Machbarkeit. Bei meinen System besteht der Vorteil, dass ich den Laser direkt aus CorelDraw ansteuern kann und damit immer den passenden Nullpunkt habe.


    Bei meinen selbst konstruierten Bauten verwende ich das aktuell nur für die Verstärkungsteile. Ansonsten schneide ich konventionell. Für Fenster, Gitter u.ä. ist es sehr gut verwendbar, aber fertige Bögen zu digitalisieren macht einen immensen Aufwand, und das dann nur für das eine Mal.


    Mit den Vektorisieren ist das auch so eine Sache. Meist klappt die Vektorisierung nicht optimal und man muss viel nacharbeiten. Bei sowas wie Weihnachtssternen, die man ja mehrfach lasern und dann anhängen oder verschenken will, lohnt der Aufwand schon eher. Im angehängten Beispiel habe ich mal Fenster und Türgitter für einen Kartonbauer gemacht, das hätte ich per Hand nicht machen wollen. Man muss dann Spaß an der Umsetzung haben. Zeitersparnis bring es meines Erachtens nicht, wenn man es nicht selbst konstruiert hat, oder eben für ganz filigrane Arbeiten.


    Ich habe einen etwas betagten CO2-Laser aus einer Firmenauflösung mit einer robusten maßhaltigen Mechanik und einstellbaren Geschwindigkeiten, Leistungen, Raster und Vektor-Fahrten. Aber da kostet das Refill des Lasers, was nach mehreren Jahren ansteht, wenns günstig ist bereits ca. 900,-€. Aber auch die preiswerten meist blauen Dioden-Laser halten ja nicht ewig. Und von einem Bekannten weiß ich, dass bei seinem preiswerten Laser das Finden des Fokus mühsam ist, wenn nicht immer die gleiche Stärke verarbeitet wird, auch der exakte Nullpunkt ist so eine Sache, ebenso das Finden der zum Material passenden Geschwindigkeit.


    Gruß Micha

  • Vielen Dank soweit für die ausführlichen Auskünfte und Erfahrungen. Da werde ich von diesem Projekt (noch) Abstand nehmen. Ich habe verstanden: Eure Erfahrungen zeigen in die Richtung, dass erst nach automatischer und nachbearbeitungsfreier Vektorisierung sowie automatischer oder zumindest einfach manueller Nullpunktfixierung "Laser auf Bogen" der Cut generell ein Zeitgewinn wäre. Und bei vierstelligen Preisen für einen Schneidplotter will man auch als Karton-Enthusiast ein wenig überlegen....

    Gruss

    Stephan

  • Hallo Stephan!

    Grundsätzlich wurde eh schon soweit alles hier geschrieben. Schneidplotter ist eher für große Teile und Laser für kleine Teile.

    Bei Amazon gibts diverse günstige CO2-Laser, die mit Glück gleich halbwegs gut funktionieren.

    Ich kann von meiner Seite nur soviel sagen, das ich kleine Teile die oft Verwendung finden mit einem Laser ausschneide. Diese konstruiere ich auf einem CAD-Programm und über eine DXF-Datei gehe ich dann auf den Laser. In meinem Fall ist es ein Faserlaser, den ich bei mir in der Firma benötige.
    Hier noch Fotos von eine Seilwinde für die Altmark von HMV