Wie schwer sind Modelik-Bausätze?

  • Hallo,


    eine Frage als Wiedereinsteiger: Ich kenne noch nicht die ganzen Verlage. Nun habe ich einige schöne Modelle von Modelik entdeckt. Wie kann man die einschätzen? Sind die sehr schwer zu bauen, oder auch für einen relativen Anfänger machbar. Natürlich nicht gleich einer mit 1500 Teilen oder so, sondern einer der „kleineren“.

    Und wie sind die Modelle in der Qualität?


    Danke im Voraus für eure Meinungen


    Lg, Manuel

  • Ich denke die Modelik Modelle sind doch recht schwierig. Am besten hier im Forum mal die Bauberichte studieren oder bei Fentens mal nachschauen. Da sind immer recht gute Bwertungen der Bögen.


    https://www.kartonmodellbau.de/

    Das Gehirn ist übrigens keine Seife. Es wird also nicht weniger, wenn man es benutzt!

  • Das hängt auch immer vom Konstrukteur ab. Ein Renault von Modelik war mein erstes Formel 1-Modell. Konstrukteur: Rado Radevicz aus Tschechien. Eine Fokker Dr. 1 war auch sehr einfach gestrickt, aber fehlerbehaftet. Konstrukteur: Weiß ich nicht mehr. Die Hawker Hurricane von Modelik mit den Invasionsstreifen gibt es nahezu baugleich von Orlik und Answer. Konstrukteur: Lukasz Fuczek. Ist aber trotzdem die schlechteste der drei, allesamt insgesamt gut gemachten, zeitgenössischen Hurricane-Kontruktionen. Generell ist Modelik eher mit Vorsicht zu genießen, da es oft weder Bilder von fertigen Modellen noch ein Weißmodell gibt. In solchen Fällen wird es dann manchmal richtig schwierig:cursing: Auch die Lokomotiven dürften vom Schwierigkeitsgrad ziemlich beeindruckend daherkommen. Ist halt von Modell zu Modell unterschiedlich. Am Besten googelst du nach Bildern vom fertigen Modell oder einem Baubericht, bevor du Bausätze kaufst. Das gilt aber nicht nur für Modelik.


    Gruß,


    Daniel.

  • Moin,


    Wie von Daniel schon gesagt: Das lässt sich pauschal nicht sagen, weil es immer vom Modell und Konstrukteur abhängt.

    Ein gut konstruiertes Modell mit vielen Teilen lässt sich oft einfacher bauen, als ein vermeintlich einfaches bei dem der Konstrukteur geschlampt hat. Darum würde Ich auch den Bewertungen in Shops nicht unbedingt viel Beachtung schenken, die übernehmen üblicherweise einfach die Einschätzung vom Hersteller. Und in die ist "Lässt sich schlecht bauen, weil jedes dritte Teil fehlerhaft ist" natürlich nicht mit eingeflossen. Wenn du einen Baubericht findest ist das eigentlich immer besser.


    An welchen Modellen bist du denn interessiert?


    mfg

    Johannes

  • Habe nur die USS Oakland von Modelik gebaut. Also keine repräsentative Erfahrung... Das Schiff ist von der Stabilität und Konstruktionsweise In etwa wie GPM. Der Detailgrad war hoch! Es gab nur ein einziges Problem mit der Passgenauigkeit, aber das konnte ich umschiffen😉

  • Hallo zusammen,


    Danke schon mal für die vielen Antworten.


    An welchen Modellen bist du denn interessiert?


    Ich bin bin immer zivil unterwegs. Im speziellen interessieren mich im Moment die Schmalspurlokomotiven (z.B. die Dampflokomotive Orenstein & Koppel Cn2t von 1916) oder beispielsweise die beiden Fiat´s 621 (einmal als Bus, einmal als Feuerwehrauto). Hat mir alle (und einiges mehr an Modellen von verschiedenen Herstellern) meine Frau ausgesucht, und ich darf jetzt entscheiden, was ich mir zuerst bestelle ... :thumbsup:.


    lg, Manuel

  • Moin,


    Also die O&K Cn2t wurde von Jan Kołodziej konstruiert, von dem habe Ich schon die Cn2t "Las" gebaut - allerdings die große Version in 1:25. Die war echt ziemlich gut: Passgenau, kaum Fehler und die meisten Teile waren auch recht einfach zu bauen. Nur das Gestänge und die Rohrleitungen waren echt viel Gefummel. Mein Fazit war damals folgendes:

    Quote

    Für Anfänger ist das Modell eher nicht geeignet, aber solange es nicht das erste oder zweite Modell ist und man ein gewisses Durchhaltevermögen besitzt ist es sicherlich kein Problem. Es gibt ein paar Geduldsproben bei denen man sehr gut aufpassen muss (Vor allem Treibstangen und Rohrleitungen) aber durch die hohe Passgenauigkeit der Teile geht es eigentlich immer gut vor an.

    (War damals mein drittes/viertes Modell und wenn es nicht durch den Wettbewerb eine Deadline gegeben hätte, wäre sie potentiell nie fertig geworden *schielt auf die Tw29, die seit Monaten angefangen im Regal verstaubt*) Ich vermute daher, dass die O&K Cn2t auch gut konstruiert ist, weiß aber nicht was die Skalierung auf 1:45 ausmacht. (Die Bilder im Shop scheinen übrigens von der 1:25er Version zu sein, was Ich ein wenig daneben finde...). Es gibt hier auch noch einen Baubericht der 1:25er O&K Cn2t: [FERTIG] MODELIK Nr17/07 Orenstein & Koppel Cn2t 1:25


    Zum Druck gibt es allerdings noch etwas zu sagen. Modelik hat lange Jahre ein Zwei-Klassen System gehabt:

    Die großen Loks (1:25) wurden im Offsetverfahren gedruckt (Und der Druck ist wirklich Klasse!), die kleinen in 1:45 wurden allerdings anders gedruckt (Erkennbar am "Digital Print" auf dem Cover). Und dieses Druckverfahren gefällt vielen Modellbauern nicht: Die Farbe hält nicht so gut, reagiert schlecht auf manche Klebstoffe und der Druck ist glänzend statt Seidenmatt.

    Irgendwann haben sie dann auch angefangen alles so zu drucken, mittlerweile haben sie aber wieder eine neue Technik die wohl Offset sehr nahe kommt.


    mfg

    Johannes

  • Hallo nochmal,


    Danke Johannes für deine Mühe, mir meine Frage so ausführlich zu beantworten.


    Also: Ich hab mir die Lok jetzt mal bestellt, zusammen mit dem Fracht- und Passagierdampfer "Albatros" vom HMV. Beides sogar mit Lasercut-Set.


    Quote

    aber solange es nicht das erste oder zweite Modell ist und man ein gewisses Durchhaltevermögen besitzt ist es sicherlich kein Problem

    Ich werd´ wahrscheinlich erst die "Albatros" machen und dann erst die Lok (obwohl sie mich schon ordentlich reizt, ich war immer schon ein Dampflok-Fan).

    Ich hab mir den Baubericht mal kurz angesehen (übrigens Danke, ich hab ihn aus irgendeinem Grund bei meiner Suche im Forum nicht gefunden ...). Ich glaub, ich trau mich drüber.


    Ev. kann ich ja dazwischen noch ein oder zwei freie Downloadmodelle machen (hab da in den letzten Tagen ein paar nette Sachen gefunden), und so Erfahrung sammeln.


    Quote

    mittlerweile haben sie aber wieder eine neue Technik die wohl Offset sehr nahe kommt.

    Danke für die Einschätzung. Zum Thema "Druck" werde ich dann einfach mal meinen Eindruck im Baubericht teilen, wenn euch die Meinung eines relativen Anfängers interessiert 8|


    lg, Manuel

  • Das klingt doch nach einem guten Plan!


    Ich hatte damals auch erst 2 kleine HMV Schiffe fertig gebaut (ZENIT und WAPPEN VON BORKUM), sowie eins teilweise (MELLUM) bevor Ich mich an die Cn2t gewagt hatte. Wenn du also die ALBATROS und vielleicht 1-2 Downloadmodelle baust, sollte das eigentlich klappen, dein Mercedes sieht ja schon ganz ordentlich aus. Musst dann eben nur genug Durchhaltevermögen mitbringen ;)

  • bei polnischen Modellen immer mal im polnischen Forum vorbeischauen. Die mit R gekennzeichneten Beiträge sind Bauberichte und mit G sind Galerien


    Fiat Bus: http://www.konradus.com/forum/…2&t=147922&filtr=0&page=1

    Fiat Feuerwehr: http://www.konradus.com/forum/…4&t=341004&filtr=0&page=1

    O&K Cnt2: http://www.konradus.com/forum/…3&t=337533&filtr=0&page=1


    Viel Spaß

    Jean Luc Picard ( USS Enterprise): Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten bleibt immer gleich, nur die Bevölkerung wächst.


    Andere haben Flugzeugträger, wir haben die Gorch Fock.

  • Hallo,


    Ich hab mal ein wenig reingeschnuppert, und noch ein paar andere (polnische und ein offensichtlich tschechisches) Foren gesucht - Tolle Arbeiten darin, mit sehr detailierten Bildern... da ist mir was aufgefallen:

    Arbeitet Modelik fast ohne Klebelaschen? Ich finde irgendwie bei den Bildern keine Laschen oder so. Sieht aus als müsste vieles stumpf zusammengeklebt werden (Bsp. hier oder hier). Sehe ich das richtig? Ist das bei diesem Verlag so die Konstruktionsweise?


    lg, Manuel

  • Jupp, wie Henryk sagte:

    Klebelaschen sind bei den Modellen oftmals gar nicht nötig, weil viele der großen Teile mit 0,5-1mm Karton verstärkt werden (Nimm Finnpappe, nicht Graupappe). Dadurch hat man automatisch eine sehr große Klebefläche. Oft sind die Bogenteile auch etwas größer als die Verstärkungsteile, so dass man die Teile perfekt ausrichten kann.

    Und für die kleinen Teile braucht man oftmals keine Klebelaschen, die werden stumpf verklebt. Das braucht ein bisschen mehr Geschick/Geduld, ist aber auch nicht wirklich schwierig.

  • Danke, dann hab ich das schon richtig interpretiert...


    Bleibt dabei für mich nur noch eine Frage: was ist Finnpappe (Graupappe soll wahrscheinlich Graukarton sein😉), und was ist an der Finnpappe besser?

  • Der größte Vorteil von Finnpappe (eigentlich finnische Maschinenholzpappe) ist, dass sie sich erheblich leichter schneiden lässt als Graupappe. Und das ist eigentlich auch schon alles, was man als Modellbauer dazu wissen muss :D


    p.s.:

    (Graupappe soll wahrscheinlich Graukarton sein😉)

    Also wenn du es genau nehmen willst, ist es bei 0,5mm Stärke noch Graukarton, bei 1mm aber schon Graupappe - Das hängt von der Grammatur ab, der Wechsel liegt üblicherweise irgendwo dazwischen. Der Einfachkeit halber nenne Ich es aber alles Graupappe ;)

  • Super. Riesigen Dank für die ganzen Informationen!


    Jetzt muss ich nur noch schauen, wo ich Finnpappe herbekomme... Hab heute Mal im Internet geschaut, hab aber nicht wirklich was gefunden. Nur in Richtung Buchbinderpappe.


    Wenn ich dann mit dem Bauen anfange, kommen sicher noch ein paar Fragen, ich mach dann ein eigenes Thema auf, bzw. sowieso einen Baubericht.


    Lg, Manuel

  • Noch einmal kurz;

    ich schließe mich meinen „Vorredner“ an. „Pappe“ ist „Pappe“ – es sollte stabil sein, damit „versteift“ man die Teile, die konstruktionsbedient, was aushalten müssen. Finnpappe ist etwas weicher, also (für viele) dadurch leichter in Bearbeitung, dafür aber neigt sie zum Fetzen. Graupappe ist etwas härter und stabiler, aber schwerer in Bearbeitung – ich wiederhole – für mich!


    Jeder sollte es selbst ausprobieren. Jede Rückseite von einem (Wand)Kalender oder sogar eine Schuhschachtel kann (für mich) „das Richtige“ sein…

  • Henryk hat schon Recht, am Ende ist vieles auch persönliche Präferenz. Für mich ist Finnpappe dabei der klare Gewinner, das Problem mit dem "Fetzen" (die einzelnen Lagen teilen sich, die Pappe zerfällt dadurch quasi) tritt damit zwar leider wirklich ab und an mal auf, lässt sich aber meistens mit einem kleinen Klecks Kleber auch wieder reparieren. Graupappe schneiden mögen meine Finger hingegen nicht.

    (Habe Ich eigentlich schonmal erzählt, dass Ich in meiner kindlichen Modellbauphase die Graupappe mit so einer billigen Kinder- Bastelschere geschnitten habe? Das war vielleicht ein Spaß :D)


    Von Architekturbedarf.de kann Ich nur abraten!

    Man möchte sich nur 2 Bögen Finnpappe kaufen und bevor man sich versieht hat man 10 Sorten Pappe, 3 Lineale, mehrere Sorten Kleber, ein paar Plastikprofile und 12.000 maßstabsgerechte Ziegelsteine für H0 gekauft.


    Ne Spaß beiseite, die sind super, kaufe da auch immer :rolleyes: