knicken von Ätzteilen ?

  • guten Abend liebe Kollegen/innen,

    ich bin der Verzweiflung nahe, für mein Moddell der MS Bleichen habe ich

    von einem netten Modellbaukollegen den Ätzteilsatz bekommen.

    Um weiterbauen zu können, war der erste Niedergang fällig, das Ergebnis niederschmetternd.

    Das Zeug ist dermassen widerspänstig das ich mit meinem üblichen Werkzeug Pinzette, kleine

    Flachzange einfach nicht in der Lage bin z.B. die Seitenteile der Stufen an einem Stück

    rechtwinklig abzuknicken.

    Was mache ich falsch, bzw. wo liegt der Trick bei diesem Material, möchte nur ungern

    auf die sehr feinen Einzelheiten der Ätzteile verzichten

    Bin für jeden Rat dankbar.


    Gruß


    Jürgen

  • Du brauchst eine sogenannte "Biegehilfe". Unter diesem Schlagwort für ca. 30 EUR in Modellbauläden oder auch Online in den diversen Marktportalen zu finden.


    LG
    René

    Der Dieb hat das Herz eines Hasen.

  • Moin Jürgen,

    bei Niedergängen nehme ich eine Pinzette als Biegekante mit den Stufen innerhalb der Pinzette. Dann biege ich den Holm der einen Seite an der Kante um und mache es mit der anderen genauso, ruhig mit Kraft, so dass die Holme parallel stehen, dann biege ich aus einer Richtung die Stufen in die gewünschte Position!

    Ich hoffe, du kannst dir etwas darunter vorstellen!

    Viel Erfolg und Grüße

    Matthias

  • Hallo Jürgen,

    Du wirst sicherlich gleich viel Antworten bekommen und auch Empfehlungen.

    Da ich auch vor dem gleichen Problem stand, habe ich mich bei den „Kunststoffmodellbauern“ ;) schlau gemacht.

    Nach deren Erfahrungen benutze ich ein Teil von „Trumpeter 759931“. So etwas gibt es auch von Mastertools bei Amazon. Mit etwas Übung und unter Beachtung der Biegekante funktioniert es bei mir ganz gut.


    Viel Erfolg und Grüße


    Andi


    Link bitte löschen, wenn nicht gewünscht:
    https://www.ebay.de/i/40238525…bcUhaZNWufCEaAqZYEALw_wcB

  • Moin,


    Das Geheimnis lautet: "Ätzteilbiegehilfe". Die gibt es ab ~30€, je nach Größe können die aber auch ziemlich teuer werden.

    Für den Anfang reicht da eine kleine vollkommen, Ich kann dir da zB diese hier empfehlen. (Danke nochmal, Robert ^^)


    Da kann man die Seitenwange des Niedergangs einspannen und anschließend den Rest mit Hilfe eines harten, flachen Gegenstands (beigelegt ist eine Rasierklinge, ein Stahlmaßstab oder ein Japanspachtel funktionieren aber auch) umbiegen. Das geht wirklich wunderbar.


    Und falls du eher ein visueller Lerner bist, hier ein kurzes Video, das den Einsatz einer solchen Bieghilfe zeigt:



    mfg

    Johannes

  • Ui, das könnte ein Aufsatz werden:


    Also, ich lass mal die Bemalung hier weg, können wir später erörtern. Fangen wir mal beim heraustrennen der Teile an. KEINE weiche Unterlage, auch nicht die Schneidmatte, denn die gibt nach und beim Versuch die Teile auszulösen hast du unweigerlich schon verbogene Teile. Als Unterlage zum Beispiel eine feste Acrylglasplatte oder Glasplatte! Zum Heraustrennen der Teile kann man Skalpelle nutzen, die Klingen sind nach dem Einsatz bei Ätzteilen oppe, nicht mehr zum Schneiden nutzbar.Ich halte von Scheren beim Auslösen nix. Mit dem Skalpell kannst du sehr knapp an den Teilen ausschneiden, so kannst du dir das entgraten fast sparen. Eine Diamantfeile oder ein Glasfaserradierer helfen hier sehr gut weiter. Wichtig auf alle Fälle die herauszutrennenden Teile fixieren, z-b- Hölzchen, Acrylglasstempel etc.

    Nun zum Biegen, das ist auch so eine Philosophie. Viele Wege führen nach Rom. Wenn du etwas Knicken willst, lass die Finger von den altbekannten Flachzangen, die sind erstens im Maul zu kurz und leider Trapezoid in der Fläche. Nimm 2 gute Pinzetten mit langen Branchen, dann kannst du die Teile recht gut abwinkeln. auch die Version, mit einem Lineal das zu knickende Teil im Knickpunkt fixieren und mit einer Rasierklinge von unten unterfahren und an der Linealkante Hochknicken. Am elegantesten sind natürlich Biegehilfen z.b. von RP Tools, bitte selber googeln, bei allen einschlägigen Modellhändlern ( MBK, Sockelshop, Berliner Zinnfiguren ) erhältlich. Dazu gibt es auch gute Videos bei Youtube.

    Nun zu den Niedergängen/ Treppen. Zuerst die Seitenwangen hochbiegen, möglichst im rechten Winkel, und danach mit einer spitzen Pinzette von hinten die Stufen herausbiegen. Die Pinzette sollte wirklich schmal und spitz sein.


    Die alten HMV Ätzteile sind leider etwas dick, die neueren Ätzsätze sind deutlich dünner und daher leichter zu verarbeiten. Aber auch leichter zu vermurksen.


    Weiterhin viel Erfolg, besorg dir doch einfach mal ein, zwei Platinen von z.b. Passatverlag ( Niedergänge und Reling) und übe. Dann kannst du deine Bleichen-Ätzteile schonen.


    Gruß

    Robi

    Jean Luc Picard ( USS Enterprise): Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten bleibt immer gleich, nur die Bevölkerung wächst.


    Andere haben Flugzeugträger, wir haben die Gorch Fock.

  • Eigentlich ist alles gesagt! Vielleicht noch eine Anmerkung: Ich verwende die gleiche Biegehilfe wie Hajo (hat damals ca. 20€ gekostet), aber keine Zange. Ich würde von der Benutzung von Rasierklingen als Biegehilfe abraten, denn die Gefahr, daß man sich die Bemalung wieder abkratzt ist nicht zu vernachlässigen. Bei meiner Biegehilfe waren drei Plastikteile dabei die seitlich flach ausliefen. Damit klappt die Biegerei ganz ausgezeichnet.

    Stichwort "Heraustrennen": Ich hebe meine alten Klingen immer auf. Wenn sie für Papier zu stumpf sind, eignen sie sich zum herausknipsen (Achtung erst Flucht- und dann Fluchgefahr) immer noch.

    Gruß

    Eberhard

    Glückwunsch zum Klassenerhalt an den KSC und den HSV! Beiden blieb die Relegation erspart.


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), Kanonenboot Panther (HMV/Wiekowski/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Räumboot R49 (GK-Verlag) - wieso wird diese Liste nicht endlich kürzer?

  • Hallo und einen schönen Nachmittag,

    zunächst vielen Dank für Eure Meldungen zu meiner Anfrage.

    Das Problem hat mich allerdings weiterbeschäftigtund so habe ich mich

    im Netz weiter umgesehen.

    Das Problem sehe ich jetzt allerdings im Material, da es sich bei der

    Platine um Neusilber mit einer Materialstärke von 0,7 mm handelt, ist

    ein Kaltumformen ( um nichts anderes handelt es sich hier ja) solch kleiner Teile

    mit Haushaltsüblichen Werkzeugen wohl nicht mehr möglich.

    Ich möchte hier jetzt auf keinen Fall den Ätzsatz schlecht machen, bin froh das ich

    ihn bekomme habe, denn die filigranen Teile wie z. b. die Sonnensegelstützen oder die Antenne auf

    dem Peildeck würde ich in Karton sicher nicht mehr hinbekommen.

    Noch eine Frage an Robert:

    der Passat-Verlag ist auf seiner Seite ja etwas dürftig mit den Informatioen,

    aus welchem Material bestehen denn da die Ätzsätze und haben die Niedergänge

    z.b. Handläufe?

    Noch einmal meinen herzlichsten Dank an Euch und mal sehen wie es weitergeht.


    Gruß


    Jürgen

  • hallo Jürgen.

    Ich bin zwar nicht Robert, kann dir aber vielleicht trotzdem weiterhelfen.


    Die Platinen des Passat-Verlages bestehen aus 0,1 beziehungsweise 0,15 mm Neusilberblech, sind also um ein Mehrfaches dünner. Sie lassen sich problemlos mit „handelsüblichem“ Kartonmodellbau-Werkzeug in Form bringen.

  • 0,7mm? Kann ich fast nicht glauben. Normalerweise liegen die Ätzteile zwischen 0,15 (z.B. Bruno Illing vom HMV) und 0,1mm (die superfeine Passat-Reling). Bei 0,7 mm müßte man ja mindestens von einem Vierer-Pack ausgehen.

    Sollte der Ätzsatz tatsächlich 0,7mm dick sein, ist er schlecht! Oder nicht geätzt, sondern gefräst! :(

    Glückwunsch zum Klassenerhalt an den KSC und den HSV! Beiden blieb die Relegation erspart.


    In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), Kanonenboot Panther (HMV/Wiekowski/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), KNM Thor Heyerdahl (ecardmodels.com), V1102 Lützow (Mannheimer Modellbaubogen), Räumboot R49 (GK-Verlag) - wieso wird diese Liste nicht endlich kürzer?

  • Moin,


    Ich habe meine Platine grade mal hervorgekramt und nachgemessen. Die Platine ist tatsächlich etwas dicker als die vom Passat Verlag, aber Ich komme nur auf ~0,2-0,25mm



    0,7 würde selbst für LC Teile schon ziemlich dick sein...


    Und dann noch zu deiner Frage zu den Niedergängen vom Passat Verlag:



    So sehen die aus, Material hat dir Helmut ja schon beantwortet. Die obere ist Z-10 "Niedergänge mit variabler Länge" und die untere ist Z-05 "Standard-Atzplatine Niedergänge, Wangen geschlossen". Z-06 habe Ich aktuell noch nicht, dürfte aber genauso aussehen wie Z-05, nur eben mit Löchern in den Wangen.


    Mfg

    Johannes

  • Hallo Eberhard,

    hast natürlich recht, man sollte vor dem Absenden die Nachrichten von der

    "Regierung" noch mal gegenlesen lassen.

    Tippfehler sollte 0,2 mm heissen.

    Sorry Gruß


    Jürgen

  • Ätzteile lassen sich VIEL leichter knicken, wenn man sie vorher "ausglüht". Mit einem Feuerzeug erhitzen und dann langsam auskühlen lassen. Das Material an sich bleibt stabil, aber die Sollknickstellen geben dann viel leichter nach. Wichtig ist nur, dass die Erhitzung mit der Flamme möglichst gleichmäßig erfolgt.

    Gruß aus MG und "In glue we trust"
    Marco ("The Baseman")

  • @ Marco,

    auf die Idee mit dem Weichglühen hätte ich ja eigentlich auch kommen können

    aber Werkstoffkunde ist schon sooo lange her


    @ Johannes

    vielen Dank für die Bilder, wenn die Fotos nicht täuschen sind die Bleche

    leicht gelblich, was auf einen höheren Kupferanteil schließen lässt und die Sache

    ggf. etwas weicher macht.

    Werde auf jeden Fall mal die Platine Z-05 probieren, obwohl die Teile für

    einen "ollen" Frachter eigentlich schon zu edel aussehen. :D

    Hoffentlich passt dann auch noch die Länge und alles ist ok.


    Gruß


    Jürgen

  • ...auf die Idee mit dem Weichglühen hätte ich ja eigentlich auch kommen können

    Also ich würde das nicht machen, 0,2 mm Neusilber oder auch Messing mit der Flamme zu behandeln. Das wird sicher wellig und bekommst Du nie wieder sauber zum Grundieren.


    LG
    René

    Der Dieb hat das Herz eines Hasen.

  • Moin zusammen,

    also ich benutze seit vielen Jahren eine Knick- und Biegehilfe, die ich von Rai-Ro gekauft habe.
    Das Ätzteil wird einfach in einen "Schraubstock" geklemmt und dann mit einer untergeschobenen, stumpfen Rasierklinge im passenden Winkel hochgebogen.

    Bisher habe ich auch bei unterschiedlichen Metallstärken keine Probleme gehabt. Zur Materialstärke der Ätzteile für die "Bleichen" kann ich leider nichts sagen, da ich weder den Bogen noch die Ätzplatine besitze.
    Viel Erfolg beim "Biegen" :)
    Grüße

    Lars