F-4E Phantom II (Yoav macht's möglich)

  • Hallo alle miteinander,


    auch wenn es vielleicht etwas langweilig wird: Nach dem Bau der Geli-Phantom habe ich mir die F-4E von Yoav Hozmi einmal näher angeschaut, die mir schon beim Download als zumindest bemerkenswert aufgefallen war.


    Bedingt durch die aktuellen Umstände bleibt am Abend tatsächlich mal etwas mehr Zeit, die man mit Modellbau verbringen kann, so dass ich das Modell zunächst auf Maßstab 1:33 skaliert und dann (noch digital am Computer) den Zusammenbau überprüft habe. Mein relativ schnelles Fazit war:

    • Teilweise deutlich besser detailliert, vor allem im Bereich des Cockpits
    • eine wunderschöne Textur
    • Erster Eindruck: Im Gesamtaufbau ähnlich zur Geli-Phantom - na ja, jeder kann sich mal irren ... ;)

    Begonnen habe ich damit, die in JPEG-Dateien gelieferten Bauteile (ziemlich genau DIN-A4 bei 300 dpi) auf DIN-A3 Bogen neu anzuordnen, ein paar Änderungen mit einzubringen und dann alles mit einer Skalierung von 330 dpi auszudrucken. Dadurch habe ich das Modell vom ursprünglichen Maßstab 1:30 auf 1:33 verkleinert.



  • Jeder, der ein Modell konstruiert, kennt das Gefühl: Es macht Spass, das Modell zu entwickeln und den oder die Prototypen zu bauen; langweilig wird es aber, wenn es dann an die Bauanleitung geht. Und hier geht Yoav einen eigenwilligen und etwas gewöhnungsbedürftigen Weg, indem Bauabschnitte zu einer Art "Diashow von Modellfotos im Toilettenpapierformt" zusammengesetzt sind, teilweise mit Kommentaren und Skizzen ergänzt. An sich keine schlechte Idee, aber schon beim Studium sind mir leichte Unstimmigkeiten aufgefallen.


    Beispiel 1: Fahrwerk und Fahrwerksschächte

    Yoav‘s Modelle scheinen primär für die Darstellung im Flugzusatnd, also mit eingezogenen Fahrwerk vorgesehen zu sein.Dennoch gibt es eine recht schöne Darstellung des Fahrwerks, wobei die Bauanleitung hier nicht konsistent ist:


       



    Tatsächlich ist zumindest bei dem Download von mir KEINE der hier dargestellten Versionen baubar, da weder der angedeutete "gedruckte" noch der "echte" Fahrwerksschacht verfügbar waren.

  • Ein weiterer Fehler in der Anleitung ist hier zu sehen: Der Spant A reicht von der Flügelwurzel bis zu den nach oben geknickten Flügelenden - ist aber in Teilen der Bauanleitung nicht vorhanden. Ich tippe mal, dass hier verschiedene Prototypen fotografiert wurden:


         


    Klar, das ist nicht wirklich schlimm, macht aber die Interpretation der Anleitung manchmal schwierig, einfach weil man sich nicht immer darauf verlassen kann, sondern stets mit den Bauteilen abchecken muss.

  • Ganz krass wurde es dann am hinteren Teil des Rumpfs: Die Anleitung schlägt ernsthaft vor, dem fertig gestellten Rumpf "den Ar... aufzureissen", Papp-Versteifungen einzusetzen und dann wieder zu beplanken ... ?(?(


       


     


    Echt gruselig, oder? Und dabei wirklich unnötig. Es ist gar kein Problem, bei den Segementen die Laschen der Raketenbuchten anzuritzen, die Segmente dann normal fertigzustellen, die Papp-Platten in der Größe passend einzubauen und zuletzt den Rumpf wie gewohnt zusammenzubauen. Wenn dann alles gut getrocknet ist, kann man die Laschen mit einem scharfen Skalpell auftrennen und die Laschen nach innen drücken, um die Raketenbuchten 17E einkleben zu können.

  • Wo es nochmals ganz schlimm wurde, war das Höhenleitwerk. Entweder habe ich hier die Anleitung komplett falsch verstanden, oder aber die Bauteile sind falsch konstruiert.


    Um es klar zu sagen: Wenn man die Teile so anklebt, wie es vorgesehen ist, kommt ein Leitwerk heraus, das von einer F-86 stammen könnte - aber eben nicht die typisch hängenden Flossen einer F-4!


    Das Höhenleitwerk laut Bauteilen und Anleitung ...


       


    ... und was ich daraus gemacht habe:


       


     


    Fazit: Hier waren die Nacharbeiten erheblich! Auch die Geli-Phantom war an dieser Stelle nicht perfekt, aber schon deutlich leichter zu bauen. Das Ergebnis hat mich zuletzt dann doch einigermaßen überzeugt.

  • Bevor Ihr jetzt denkt "der nörgelt ja nur noch": Das war es dann an Kritikpunkten im Großen und Ganzen! Es bleibt noch jede Menge Gutes zu sagen:

    • Die Passgenauigkeit ist insgesamt gut bis sehr gut. Z.B. sind die Lufteinlässe der Phantom immer wieder mein "Angstgegner"; hier war die Geli-Phantom sehr knapp bemessen, die Lufteinlässe der Yoav-Phantom dagegen saßen nach gründlichem Vorformen mit einem "schmatzenden Saugen" sofort perfekt.
    • Bug und Rumpf: keine nennenswerten Probleme
    • Im Heckbereich konnten leichte Ungenauigkeiten mit anzubauenden Platten und Anbauteilen sehr gut kaschiert werden
    • Auch die Tragflachenansätze haben ganz gut gepasst; leichte Ungenauigkeiten konnte mit Anbauteilen ausgeglichen werden. In diesem Bereich fand ich allerdings die Konstruktion der Geli-Phantom etwas besser.
    • Die nach oben gewinkelten Außenflügel: mit ein paar einfachen Details werden die zu einer echten Augenweide;
    • Jede Menge Außenlasten in Form von Tanks und Raketen, die man in verschiedenen Konfigurationen anbringen kann
    • Und immer wieder die geniale Textur, die fast an die von der GPM-Phantom herankommt. Die hat mich schon am ausgedruckten Bogen fasziniert und sieht am fertigen Modell einfach nur gut aus.
  • Daneben habe ich dann noch einige Anpassungen und Verbesserungen vorgenommen, die sich gut in die Gesamtkonstruktion integrieren ließen - was bleibt also zu tun?


    Etwas, was mir an der Geli-Phantom sehr gefallen hat, waren die für Geli-Verhältnisse gut modellierten Fahrwerksschächte. Ich wollte auch die Yoav-Phantom mit Fahrwerk bauen, aber es muss bei der Qualität des Modells dann schon mit echten Schächten sein.


    Mein erster Gedanke war: Mal sehen, wie die Geli- und die Yoav-Bauteile zusammenpassen; vielleicht kann man die Geli-Schächte "recyclen". Und schon der erste Versuch im Gimp sah gar nicht schlecht aus:



    Aber dann waren die Geli-Schächte angesichts der Yoav-Textur doch sehr schlicht, daneben waren auch noch kleinere Anpassungen notwendig. Also wieder mal die bewährte Kombination aus Blender und Gimp angeworfen und die Schächte für die Yoav-Phantom neu konstruiert. Die Texturen stammen von der GPM-Phantom F-4F (GPM-155), wobei ich die an die etwas einfachere Konstruktion angepasst habe. Das Ergebnis sieht dann in 2D so aus:


  • Und so in 3-dimensionaler Form:


       


     


    Ich denke, das ist ein ganz brauchbarer Kompromiss: Nicht ganz so aufwändig wie bei GPM, aber passend und insgesamt stimmig für die Yoav-Phantom.


    Auch die Räder habe ich Geli-getuned: Hier habe ich die Reifenwände und die Laufflächen der Geli-Phantom mit den Radscheiben der Yoav-Phantom kombiniert - mir haben die Geli-Reifen einfach besser gefallen und das hat erstaunlich gut gepasst.

  • Ein weiteres Experiment war die die Cockpit-Haube: Auch wenn die Abwicklung von Yoav besser ist, hat mir die Geli-Haube insgesamt gut gefallen und war sauberer zu bauen. Daher habe ich im ersten Schritt die Konstruktionvon Yoav mit der von Geli gekreuzt ... und das ist dabei herausgekommen:


       


    Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht noch ganz gut aussieht - es hat einfach nicht richtig gepasst! Und dann war der Zug der Plastikfolie auch noch zu stark, so dass ich zum ersten Mal eine gekaufte, tiefgezogene Kanzel genommen habe. Herhalten musste dafür das Cockpitdach der F-4J von Halinsky, die man sehr gut an die Yoav-Phantom anpassen konnte:


  • Last but not least: Die beiden "Halbschwestern" im direkten Vergleich:


       


       


    Fazit zuletzt: Die Yoav-Phantom ist ein tolles Modell. Vielleicht nicht perfekt, aber mit seinem kostenlosen Download-Modell spielt Yoav definitiv in der Oberliga mit. Wer den Aufwand leichter Verbesserungen nicht scheut und in in der Lage ist, kleinere Probleme zu lösen, wird so richtig belohnt werden. So a la Churchill: Man kann gewinnen, aber erst nach Blut, Schweiss und Tränen ;)


    Ich schätze mal, dass das nicht mein letztes Yoav-Modell gewesen ist.


    @Yoav Hozmi:

    Yoav, I don‘t know if you will ever read these lines, but if so: In spite of some smaller issues this model was a pleasure to build and looks simply awesome. Thanks a lot for sharing your great model with us.

  • Also, ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich bekomme bei dem Anblick echt Lust, wieder mal eine F-4 zu bauen ... ;)


    Auswahl wäre ja noch genug da:



    Aber mal ernsthaft: 2 mal möchte ich sie schon noch bauen:

    • ein Mal die GPM F-4E - ich liebe einfach Haifischmäulchen als "Nose Art". Und diese Phantom scheint die Beste zu sein, die man derzeit bekommen kann

    • Und die von Wilhelmshavener, einfach aus purer Nostalgie. Diese Modell habe ich jetzt seit ca. meinem 16. Lebensjahr, und die wird noch angeschnitten! Allerdings wahrscheinlich eingescannt, auf 1:33 vergrößert, veilleicht mit Texturanleihen der Yoav-Phantom versehen (das wird eine üble Arbeit) und gesupert (Düsen und Cockpit der Yoav-Phantom; Fahrwerksschächte wie hier beschrieben usw). Und dann gefällt mir die Bemalung der "Jolly Rogers" auch noch recht gut.


    Mal sehen ...


    Servus, Woody

  • faszinierend, wie Du hier die verschiedenen Konatruktionen gekreuzt hast! Zwar ist die F-4 ein Trumm, welches mich überhaupt nicht anspricht (als Ö hat man dazu einfach weniger Verbindung als ein D), aber die Maschinen sind echt gut gelungen!

    Gründungsmitglied der HobbyModel-Gang und Luft46-Gang

  • Hallo Rutz,


    mei, die Neuburger JG-74 sind so knapp 30 km von uns weg, und die F-4 ist immer über uns druber gebraust. Wenn Du das als Kind erlebst, das prägt ... ;)


    Aber die F-4 gefällt mir wirklich gut, neben der Ostarichi Draken, der F-14, der F-18, fast der ganzen Century-Serie usw. Da bleibt noch was zu tun.

    Quote

    faszinierend, wie Du hier die verschiedenen Konatruktionen gekreuzt hast! Z

    Das hat mich einfach mal gereizt, und es hat erstaunlich gut gepasst.


    Servus, Woody

  • Ist noch immer mein Wunsch, eine Phantom II von Pawel Mistewicz wäre fein. Die GPM Konstruktion macht nicht wirklich Spaß und ich führte das Papier wieder dem Wertstoffkreislauf zu.

    Das sind aber wirklich nur meine persönlichen Erfahrungen. In die Rumpfsegmente der Oberseite werden von unten die Spanten eingesetzt und das wurde bei mir einfach nicht gerade.


    LG
    René

    Ein leerer Kopf nickt leichter.

  • Hallo René,


    da ich wie gesagt die GPM-Phantom schon noch auf der Liste habeRené, wären ein paar Erfahrungswerte von Dir nicht schlecht. Hast Du da noch was zum Zeigen, oder erzähl doch mal genau, wo die Probleme liegen. Im Nachbarforum war mal eine Verkleinerung auf 1:50, die recht erfolgreich verlaufen ist, wenn ich mich recht erinnere.


    Bitte mehr Input und vielen Dank schon einmal.


    Servus, Woody

  • Hallo Woody


    ja, du erinnerst dich richtig. Das Modell ist gut konstruiert und der Bau, selbst bei einer Verkleinerung auf 1:50, stellt für einen geübten Fliegerbauer kein Problem dar (einen abgeschlossenen Baubericht gibt es im Nachbarforum).

    LG KaEm

  • Interessantes Thema - Phantom! :love:


    Hatte die Tage die Halinski Phantom in den Händen - von den Teilen erträglich und nicht so Schockerdinger, wie heute!


    Gibt es die GPM Haifisch Phantom noch? Im "Slavomir" Shop war nichts zu finden!


    Gibt es von beiden Modellen irgendwo ein Baubericht!? In der Suche hatte ich nichts gefunden - oder bei den polnischen Kollegen?


    Schönen Abend!


    LG Gordon

  • Hallo Gordon,


    ob es die GPM-155 Phantom noch gibt, weiß ich nicht, aber einen Baubericht findest Du im Nachbarforum - dort beschreibt SY 190 den Bau, nachdem er das Modell auf 1:50 herunterskaliert hat. Schaut gut aus!


    Servus, Woody