Logger STADTHAGEN/ 1:250/ Eigenkonstruktion

  • Hallo Modellbaufreunde !


    Die Fischerei ruft schon wieder ! Dieses mal hat ein Bastelfreund angeregt, dass man sich doch einmal mit dem Thema Heringslogger befassen möge. Ich habe nach Unterlagen gekramt und bin fündig geworden mit einem Plan des Loggers STADTHAGEN (BV 100), der 1996 in der Modellwerft veröffentlicht wurde. Leider habe ich im Netz nur zwei Fotos von diesem Logger gefunden, aber ich hoffe, dass das nicht das letzte Wort war.


    Die STADTHAGEN ist aus den 50-er Jahren und dürfte damit einer der letzten deutschen Logger gewesen sein. Sie war ein sog. kombinierter Logger. Die einfachen Logger hatten Treibnetze, die kombinierten Logger konnten auch mit Schleppnetzen fischen, wie es die Kurrleinenwinde und die Fischgalgen zeigen.


    Ich habe mal das auch 1996 gebaute WHV-Modell von Logger JADE daneben gestellt. Die beiden sind ungefähr gleich groß.


    Eine dringende Frage habe ich, weil ich morgen die Bordwände machen will. Die STADTHAGEN war in Vegesack beheimatet (deshalb BV, Bremen-Vegesack). Auf Fotos aus den 30-er Jahren stand bei anderen Loggern auch "Vegesack" am Heck. Soviel ich weiß, gehört Vegesack aber erst seit den Nachkriegsjahren zum Land Bremen und ist ein Stadtteil Bremens. Also, welcher Heimathafen stand am Heck von Logger STADTHAGEN ?


    Henning


         

  • Moin Helmut,


    wenn ich die verschiedenen Netzbeiträge richtig interpretiere, gehörte Vegesack schon vor 1939 zu Bremen. 1939 wurden mehrere preußische Gemeinden nach Bremen eingemeindet und dem bestehenden Ortsteil Vegesack zugeordnet. Die Fischereikennung BV stand ja auch bereits vor 1939 für Bremen-Vegesack. Allerdings stand dennoch vor dem Krieg am Heck die Kennung Vegesack, siehe bspw. hier. Insofern lässt sich aus der Zugehörigkeit zur Stadtgemeinde anscheinend nicht einfach der Heimathafen bestimmen...


    @ Henning: Vielleicht versuchst Du es mal hier?

  • Moin, moin zusammen,


    Vegesack gehörte seit dem Mittelalter zum Gericht Blumenthal. Bremen konnte im 15. Jh. die Vogtei als Pfand erwerben und sicherte sich damit weitgehende Rechte.

    1619 wurde der Hafen angelegt.


    Im 1. Stader Vergleich 1654 (zwischen Bremen und Schweden) musste Bremen auf die Landeshoheit und das Patronatsrecht der Kirchen verzichten, lediglich einige Grundherrnrechte und die niedere Gerichtsbarkeit verblieben der Stadt. Im 2. Stader Vergleich 1741 (zwischen Bremen und dem Großherzogtum Braunschweig-Lüneburg) verlor Bremen, mit Ausnahme des Hafens, auch die Kontrolle über Vegesack.


    1804 kam Vegesack dann wieder unter bremische Landeshoheit, hatte aber eigenes Stadtrecht (daher am Heck der Heimathafen VEGESACK). 1939 wurde es in die Stadt Bremen eingemeindet. Ab da stand dann wohl BREMEN als Heimathafen am Heck.


    Meine Mutter war Ende der 30er Jahre Direktionssekretärin auf der Bremen-Vegesacker Fischereigesellschaft, bis sie zur Mitte des Krieges anderweitig dienstverpflichtet wurde.


    Gruß von der Ostsee

    HaJo

  • Moin Henning,

    ich habe mal in dem von Nils erwähnten Buch "Logger-Jantjes" nachgesehen und dort auf S.46 ein Foto der Stadthagen BV 100 beim Abwracken 1970 gefunden. Das Foto ist von achtern aufgenommen und zeigt eindeutig den Heimathafen VEGESACK. Nun kann es mit den Bordwänden weitergehen, ich bin sehr gespannt.Tolle Idee einen der letzten Logger

    zu konstruieren ! Ich hoffe ich konnte ein wenig helfen.


    Liebe Grüße Andreas

  • Moin, moin Henning,


    ich habe mal in meinen Kindheitserinnerungen gekramt, da ich die Vegesacker Loggerflotte oft beim Aus- und Einlaufen beobachtet habe. Es stand als Heimathafen immer VEGESACK achtern dran......wohl eher aus Tradition. Im Netz gibt es ein Bild der "modernen" DETMOLD, wohl einem Schwesterschiff der STADTHAGEN......auch mit Heimathafen VEGESACK. Insofern verifiziere ich meine obige Ausführung, obwohl ggf. BREMEN als Heimathafen korrekt gewesen wäre.......oder es gab in Vegesack für die Logger ein extra Schiffsregister.


    Gruß

    HaJo

  • Ich habe den Eindruck, dass das Fischereikennzeichen den Heimathafen im Sinne des Registers bereits ersetzt. Fischereifahrzeuge sind wegen der Kennung vom Führen einer IMO-Nummer befreit. Insofern hat man vermutlich auch mehr Freiheiten beim Heimathafen.

  • Moin Hennig,


    ich weiß, durch meine Recherchen in den üblichen Verdächtigen, das es was über die Logger gibt.

    Zu diesen Verdächtigen hat sich auch die " Seekiste " etabliert.


    Durch Covid 19 ist mir der Zutritt zur Zeit in das Archiv verwehrt.


    Viele Grüße

    Arne

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut

    Edited once, last by Shipbuilder ().

  • Hallo Henning,

    hallo Helmut, Nils, Hans-Joachim, Arne,


    ich bin euch dankbar, dass ihr euch diesem anscheinend lohnenden Gebiet angenommen habt.

    Henning hat sich spontan bereit erklärt, einen Logger zu entwickeln, der sich wesentlich von den alten WHV-Loggern unterscheidet und somit eine Lücke schließen kann.


    In meinem Ruhestand arbeite ich jetzt für das Heringsfänger-Museum in Heimsen/Petershagen. Denjenigen, die nicht wissen, wo Heimsen liegt, was dies mit dem Heringsfang zu tun hat und welchen Bezug dies mit Vegesack (nicht Bremen-Vegesack) zu tun hat, sei gesagt, dass sich seit weit über 100 Jahren die Mannschaften mit ihren Kapitänen für den Heringsfang in der Nordsee aus dem Raum Mittel-Weser (Schaumburg-Lippe, Hannover, Preußen) rekrutiert hatten. In unserem Museum, direkt an der Weser, wird an diese Arbeitskultur aus einer damals strukturschwachen Region erinnert.


    Es gibt hier noch zahlreiche lebendige Bezüge zu ehemaligen Heringsfängern, die z.B. als junge Menschen in den 60er-Jahren auf den Loggern zur See gefahren waren und sich heute immer noch aktiv in unsere Museums-Aktivitäten einbringen. Besondere Kontakte bestehen unter anderem zu den Seemanns-Vereinen in Glücksstadt und Vegesack. Dabei erinnere ich mich, dass mir bei einer Veranstaltung in unserem Museum eindringlich gesagt worden ist, dass man in Vegesack in Seemannkreisen stets großer Wert darauf lege, die Heringsfänger kommen aus "Vegesack" und nicht aus "Bremen-Vegesack" oder "Blumenthal", obwohl auf den Bordwänden der Logger ein "B.V. ...." stand:).


    Erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang, dass auch im Heimatmuseum Schloss Schönebeck, Bremen, an die Zeit des Heringsfangs erinnert wird.


    Ich werde mich also sofort in unserem Archiv auf die Suche nach interessanten Unterlagen machen und hoffe, dass ich erfolgreich sein werde und dass sie nützlich sein können.


    Danke Henning


    Viele Grüße


    Klaus

       

  • dass sich seit weit über 100 Jahren die Mannschaften mit ihren Kapitänen für den Heringsfang in der Nordsee aus dem Raum Mittel-Weser (Schaumburg-Lippe, Hannover, Preußen) rekrutiert hatten

    Der Logger heißt vermutlich nicht ohne Grund "STADTHAGEN" ;) Ich habe noch einen interessanten Beitrag aus dem Deutschen Schiffahrtsarchiv zum Thema hier gefunden. Es ist sogar eine Planzeichnung eines Loggers dabei. Ich lerne ja immer gerne etwas dazu.

  • Moin zusammen,


    bei der Diskussion mußte ich sofort an das Seemannsbuch meines Vaters denken.

    Hier mal ein Auszug:



    Hier wird Heimathafen Vegesack angegeben und der Stempel Seeamt Bremen und den Zusatz Vegesack beim Datum!

    Mit besten Grüßen


    Andreas Paul

  • Moin zusammen!

    Stadthagen ist in der Nähe von Petershagen an der Weser, und dort gibt es ein Heringsfängermuseum, weil früher viele der zweiten usw. Bauernsöhne zum Fischfang gefahren sind. Vielleicht hilft das weiter.

    https://www.heringsfaengermuseum.de/


    Grüße

    Hanns


    Hänschen klein ging allein in die weite Welt hinein...jetzt lieber zu Hause bleiben

  • Ich glaube auch, dass trotz der 1939 erfolgten Eingemeindung der Heimathafen „Vegesack“ angegeben war.

    Hierfür spricht für mich vor allem der Eintrag in dem von Andreas gezeigten Seemannsbuch.

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Moin, moin zusammen,


    in dem von Nils verlinkten Beitrag handelt es sich bei der Planzeichnung um eine Zeichnung der vom Bremer-Vulkan in Bremen-Vegesack für die Bremen-Vegesacker Fischereigesellschaft gebauten Logger Bau-Nr. 795 BAYERN, Bau-Nr. 796 WÜRTTEMBERG und Bau-Nr. 797 HESSEN. Die drei Logger wurden 1950 gebaut, Länge: 32,50 m, Breite: 7,10 m, 220 BRT, Maschinenleistung 220 PS und Geschwindigkeit 9 Knoten.

    (Quelle: Werftgeschichte BREMER-VULKAN, Schiffschronik, 150 Jahre Schiffbau in Vegesack, 1955)


    Helmut....ja, auf allen Loggern stand achtern der Heimathafen VEGESACK bis zum Ende der Vegesacker Loggerflotte.


    Gruß

    HaJo


    Nachtrag: Bei diesen kleinen Loggern diente der achtere Mast zugleich als Abgaspfosten für den Hilfsmotor.

  • Moin Zusammen,


    in einer Seekiste von 1950 oder 1951 war eine Übersicht der Neubauaktivitäten aufgelistet. Der Bremer Vulkan war federführend.


    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



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    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
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  • Erst einmal danke ich euch für die vielen Hinweise, die ihr mir nicht nur zum Heimathafen gegeben habt. Bei digipeer.de habe ich einen Plan von der DETMOLD gefunden, eine der sieben Schwestern der STADTHAGEN.


    Inzwischen habe ich die Bordwand konstruiert - geometrisch, damit ich es nicht verlerne. Gebaut sieht das Modell mit Scheuerleisten, Verstärkungsrippen und Schanzkleidstützen so aus:



        

  • Bauwerft Schiffbaugesellschaft Unterweser


    Moin Zusammen;

    nun bin ich fündig geworden.

    Den Artikel habe ich in der Modellwerft ist Heft 1 / 1996 gefunden.


    Die " STADTHAGEN " selber,wurde unter der Bau-Nr.: 381 auf der Bauwerft Schiffbaugesellschaft Unterweser gebaut. Im gleichen Jahr wurdennoch 2 Schwesterschiffe abgeliefert.

    Größe war 323 BRT bei 1400 tdw . Eigner war die Bremen-Vegesacker Fischereigesellschaft.


    Quelle: Seekiste Heft 01/ 1957


    So und nun kann man in den üblichen Verdächtigen suchen, ob es was über das Schiff oder die beiden Schwestern gibt.

    Das sollte nach Corona auch klappen.


    Viele Grüße

    Arne

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



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    Edited once, last by Shipbuilder ().

  • Hallo zusammen,

    es ist schön, dass diese letzten Heringslogger aus "Vegesack" bei euch einen so großen Zuspruch finden.

    Wie Henning schon sagte, gab es insgesamt 8 Schwesterschiffe, die alle 1956 und 1957 gebaut worden sind. Der Heringsfängerkönig (5 mal) Heinrich Nagel aus Rosenhagen/Petershagen ist auf mehreren dieser Logger gefahren.

    Die Namen der Schiffe waren: BV100 Stadthagen, BV101 Minden, BV102 Nienburg, BV103 Stolzenau, BV104 Windheim, BV105 Detmold, BV106 Bielefeld, BV107 Paderborn.

    Wie man unmittelbar sieht, weisen diese Schiffsnamen einen Bezug zur Region Mittelweser und Ostwestfalen aus.

    So wie es Hanns in seinem Beitrag beschreibt und wie es Andreas in seinem Beitrag mit dem Auszug aus dem Seemannsbuch seines Vaters belegt, sind sehr viele Menschen aus diesen Regionen über Vegesack (nicht zu vergessen sind auch die Häfen Glückstadt, Emden oder Leer) bis in die 1970er Jahre zum Heringsfang auf die Nordsee gefahren.


    Die Schiffe BV100,BV101,BV101,BV107 sind bei der Schiffsbau-Gesellschaft Unterweser in Bremerhaven gebaut worden, die Logger BV103,BV104,BV105,BV106 sind bei Abeking&Rasmussen in Lemwerder gebaut worden.

    In unserem Heringsfängermuseum habe ich gestern einige Bilder gefunden, die auch belegen, dass bei allen Loggern nur der Name "Vegesack" geführt worden ist. Auch ist der Logger Bielefeld zu einer Segeljacht umgebaut worden und meines Wissens nach noch heute in Fahrt.


    Viele Grüße

    Klaus

  • Vielen Dank, Arne und Klaus für eure Hinweise !


    Bei meinem Logger habe ich vorn das Backdeck aufgesetzt. Bis unter das Backdeck gibt es auf dem Hauptdeck einen Bereich an Bb., der von einem Schanzkleid umgeben ist. Was diese Einzäunung soll, ist mir unbekannt. Unter dem Backdeck befindet sich auch die Ankerwinde. Sie befindet sich etwas im Sichtschatten des kleinen Niedergangshauses. Aus den mir vorliegenden Plänen kann ich die Ankerwinde nicht konstruieren. Hier wäre es wahrscheinlich notwendig, sich den vollständigen Bauplan von Siewers einmal anzuschauen. Was mir auch nicht klar ist, das ist die Einkerbung vorn Bb. an der Deckskante des Backdecks. Normalerweise würde ich sagen, die ist für den Anker da. Auf dem ersten Foto von Klaus sieht man sie sehr gut. Aber eben oberhalb der Wasserlinie ist schon eine Ankertasche, also was soll´s ?



    Wer gehofft hat, dass mit den Aufbauten etwas Farbe ins Spiel kommt, der muss leider enttäuscht werden. Sowohl Aufbauwände als auch Decks sind okerbraun (RAL 8001), was dem Schiffchen eine sehr düstere Anmutung gibt. Dem Signaldeck habe ich ein Holzdeck gespendet, aber dessen bin ich mir auch nicht sicher. Bemerkenswert ist sicher die asymmetrische Brücke.


       


  • Moin Henning,


    ich habe das Foto der STADTHAGEN von Klaus einmal stark aufgehellt und den Bb.-Bugbereich unter die Lupe genommen, da ist m.E. keine Ankertasche.....das sind Lichtreflexe auf der frisch gepönten und glänzenden Bordwand. Stb.-Seite normale Ankerklüse in der Bordwand, Bb.-Seite Decksklüse auf dem Backdeck.....

    Gruß

    HaJo

  • Moin Henning,

    ich bin mir ziemlich sicher, dass in der „Einkerbung“ auf dem Backdeck der (vorgeschriebene) Reserveanker gelagert war.

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Moin Henning,


    ich habe das Foto der STADTHAGEN von Klaus einmal stark aufgehellt und den Bb.-Bugbereich unter die Lupe genommen, da ist m.E. keine Ankertasche.....das sind Lichtreflexe auf der frisch gepönten und glänzenden Bordwand. Stb.-Seite normale Ankerklüse in der Bordwand, Bb.-Seite Decksklüse auf dem Backdeck.....

    Gruß

    HaJo

    Moin HaJo, die Reling folgt an der Stelle aber dem Rand der „Vertiefung“ ...

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Moin Helmut,


    wir reden nicht aneinander vorbei.....die Reling auf dem Backdeck folgt der "Vertiefung" der Decksklüse (so nennt man die....). Henning vermutete aber unterhalb der Decksklüse noch eine Ankertasche in der Bordwand und konnte sich dieses vermeintliche "doppelt gemoppelt" nicht erklären.......es sind m.E. aber nur Lichtreflexe auf der Bordwand.


    Gruß

    HaJo

  • Moin Zusammen;


    ich habe ja noch mal bei mir nachgesehen und einen Logger von Rickmers für die Faröer gefunden.

    Dieser ist etwas größer wie die " STADTHAGEN ". Der Name des Schiffes war " SKÄLABERG "


    Mit Eisen - und Generalplan sowie den Haupt und Maschinenraumspant gefunden.

    Die Mannschaft war seinerzeit oberhalb vom Zwischendeck untergebracht. Unterhalb des Zwischendeck war von achtern nach vorn angeordnet Kettenkasten, Trimmtank Kollisionsschott und dann die Vorpiek.


    Es gab BB- und Stb. Seite je eine Ankertasche die sehr hoch und weit vorn angeordnet war.

    Die Decksklüsen wurde für die Festmacher genommen.


    So, das mal von mir auf die schnelle.


    Ich kann zur Zeit nicht viel machen; da ich nicht in die Bibliothek komme um dann in die üblichen Verdächtigen reinschauen zu können.

    Jetzt ist alles durcheinander, es gibt noch die alten Ausgaben der Seekiste.

    Das schaffe ich aber erst wenn ich

    den Keller soweit umgeräumt habe, dass die neue Heizung eingebaut werden kann. Die alte Dame mit einen Alter von ca. 22 Jahren hat den Geist aufgegeben.


    Viele Grüße

    Arne

    Viele Grüße vom Rande der dänischen Südsee

    Arne



    als Langläufer:

    Helgen 1 einen 299 BRT Kümo kurz vor dem Stapellauf, vom Reeder zurückgestellt
    Helgen 1a einen AHTS in Arbeit.
    Helgen 2 einen 1599 BRT Mehrzweckfrachter in Arbeit, wird auf Wunsch der Reederei umgebaut

  • Moin Henning!

    Was das von Dir angesprochene Bb.-Binnenschanzkleid anbelangt, ergibt das letzlich eine Art Kasten. In diesen Kästen wurden auf den Loggern die sogenannten Blassen gelagert. Das sind mit Luft gefüllte Schwimmkörper, zunächst aus Aluminium dann später-wie wohl auch auf der "Stadthagen"- Gummiblasen mit farbigem Leinen überzogen. Sie dienten zum Halten der Netze über Wasser. So auch in dem Buch "Logger-Jantjes" dargestellt. Diese Blassen sehen etwa so aus wie die runden Kugelfender auf Segelbooten.


    Liebe Grüße Andreas

  • Wer gehofft hat, dass mit den Aufbauten etwas Farbe ins Spiel kommt

    ... daß hat den Kaptän, den Bestmann und die Matrosen so was von gar nicht interessiert; Farbe ins Spiel. Hier ging es um Heringsfang, Fangprämien und den nächsten Hol; wenn das Fanggebiet erreicht war, dann kam es darauf an den Schwarm zu erwischen - und wenn man dann drin war - dann hieß es nur noch Netz ausbringen und anschliessend Hiev Up ... den Steert öffnen und dann klatschten die silbernen Leiber an Deck ... in guten Zeiten standen die Männer bis an die Hüften im silbernen Gold; oftmals bis zu 8 Stunden am Stück; und dann ging es mit der Plackerei weiter; kehlen, salzen und in die Tonnen .. und der Alte rief schon wieder von der Brücke - dor is he .. und wieder ging das Netz über Bord und die Gang musste weitermachen ... in den 50iger Jahren stellte die Loggerfischerei einen großen Beitrag zur Eiweissversorgung der Bevölkerung ... der Schnack auf See gekehlt und gesalzen - ich kann mich noch daran erinnnern.

    Damals wie heute - es waren immer die Menschen, die zupacken konnten - sie hielten unser Land am Laufen ... eben nicht die, die uns wissenschaftlich erklären können, wie man zupackt .. :D

    mit einem lieben Gruß

    Wilfried

  • Hallo zusammen,

    ich finde Axels Bild über die "Bayern" trotz der rostfarbenen Aufbauten (RAL 8001) sehr farbig und der Logger wirkt sehr lebendig.

    Es ist richtig, was Wilfried beschreibt.


    Das wichtigste für die Besatzung der Logger ist der Hering gewesen, denn der brachte das Geld in die Taschen der Seeleute. Die Heringsfänger folgten den Heringen auf ihren Fangreisen in der Saison von April bis Dezember von Südnorwegen/Schottland bis in den Ärmelkanal. Sie fischten damals überwiegend mit ihren Fleet-Netzen, die bis zu 5 Kilometer lang sein konnten. Auf einer Reise brachten sie fast 1.000.000 Heringe mit, verstaut in gut 1.000 Kantjes (Fässer). Die gefangenen Heringe wurden auf dem Deck gekehlt (Schnitt hinter die Kiemen mit einem Kaakmesser) und wurden dann gesalzen in den Kantjes verstaut. Mir sagte ein ehemaliger Heringsfänger, dass ein Mann durchaus gut 30 Heringe in der Minute kehlen konnte, denn es konnte vorkommen, dass nach dem Einholen der Fleete gut 30.000 Heringe auf Deck lagen. Alles musste schnell gehen. Wahrlich eine Knochenarbeit!

    Wenn alle Fässer voll waren, ging es zurück nach Vegesack. Dort wurden die Heringe weiterverarbeitet. Der Logger fuhr nach kurzer Liegezeit wieder ins Fanggebiet zurück.


    Eine nicht zu unterschätzende Nachhaltigkeit dieser damaligen Fangmethode mit den Fleets bestand darin, dass aufgrund der Maschengröße nur die Heringe gefangen wurden, die das "richtige" Mass hatten. Die kleinen konnten durch das Netz schwimmen, die großen konnten kehrtmachen und so wieder in die "Kinderstube der Heringe" begeben, die in der Straße von Dover liegt. Dort konnten sie sich optimal fortpflanzen und ein neuer Zyklus konnte im nächsten Jahr beginnen. Der Beifang bei dieser Art des Fischfangs war gering.

    Für eine Schleppnetzfischerei waren die älteren Logger noch nicht geeignet und wie sich wohl um 1960 herausgestellt hatte, führte dies dann, neben der zunehmenden Konkurrenz auf der Nordsee, zu einer Überfischung des Bestandes und schließlich zum Ende der deutschen Heringfängerflotte in Vegesack, Emden und Glückstadt.


    Wenn ich so über das damalige Leben als Heringsfänger mit all seinen Facetten nachdenke, dann finde ich die Farbgebung der Schiffe zweckmäßig und ganz in Ordnung.:)


    Hennings Darstellung der STADTHAGEN sieht klasse aus.


    Viele Grüße

    Klaus

  • Moin an alle Mitleser !

    noch ein Nachtrag zu meine Bild. Hier sieht man, wie Fässer verladen werden. Hier noch ein par Daten zum Aufnahmezeitpunkt. Es war ein Sonntag gegen 16 Uhr und auflaufendes Wasser. Der Logger sollte mit dem nächsten ablaufenden Wasser wieder auf Fangfahrt gehen. Ablaufendes Wasser war immer mit Zeitsparen und Brennstoffsparen verbunden, den man fuhr mit dem Strom.

    So, das war es für heute.


    Axel S.

  • ... daß hat den Kaptän, den Bestmann und die Matrosen so was von gar nicht interessiert; Farbe ins Spiel. Hier ging es um Heringsfang, Fangprämien und den nächsten Hol; wenn das Fanggebiet erreicht war, dann kam es darauf an den Schwarm zu erwischen - und wenn man dann drin war - dann hieß es nur noch Netz ausbringen und anschliessend Hiev Up ... den Steert öffnen und dann klatschten die silbernen Leiber an Deck ... in guten Zeiten standen die Männer bis an die Hüften im silbernen Gold; oftmals bis zu 8 Stunden am Stück; und dann ging es mit der Plackerei weiter; kehlen, salzen und in die Tonnen .. und der Alte rief schon wieder von der Brücke - dor is he .. und wieder ging das Netz über Bord und die Gang musste weitermachen ... in den 50iger Jahren stellte die Loggerfischerei einen großen Beitrag zur Eiweissversorgung der Bevölkerung ... der Schnack auf See gekehlt und gesalzen - ich kann mich noch daran erinnnern.

    Damals wie heute - es waren immer die Menschen, die zupacken konnten - sie hielten unser Land am Laufen ... eben nicht die, die uns wissenschaftlich erklären können, wie man zupackt .. :D

    mit einem lieben Gruß

    Wilfried

    Da fragt man sich wirklich wie wir die heutige Zeit überleben wollen , wo sind die Menschen die so zupacken können wie in den 50ziger und 60ziger jahren ? Heute nur noch Luschen und Schwätzer............oh Moment was schreib ich denn da. Das würde ja bedeuten das hier alles den Bach runtergeht. Das ist Mitnichten so auch heute wird angepackt , gearbeitet .

    Jeder darf Stolz auf seine Lebensleistung und das er das Land am laufen gehalten hat .Aber jetzt hält eben die jüngere Generation das Land am laufen .


    Michael (Jahrgang 1954 )

    "Die beste aller möglichen Welten ist eine Welt ohne Religion" John Adams (1735 - 1826) US-Präsident

  • Moin zusammen,


    zu den weiter oben von mir gezeigten Ausschnitt aus dem Seefahrtbuch meines Vaters noch eine kleine Anmerkung:

    Als er im Mai 1957 zum ersten mal anmusterte war er man gerade 15 Jahre alt. Muß man sich mal mal heutzutage vorstellen! Als Junge auf einen Heringsfänger wurde man sicher zu der Zeit nicht gerade sanft angefaßt......

    Mit besten Grüßen


    Andreas Paul

  • Moin !


    Ich freue mich sehr darüber, wie sehr die Kollegen sich hier mit Fachwissen und persönlichen Einschätzungen einbringen.


    Zunächst zum Thema Anker, bei dem ich mir inzwischen ziemlich sicher bin: Ich hatte mich ja an dem Bauplan von Sievers, der in der Modellwerft veröffentlicht war, orientiert. Dieser stellt zwar eine Ankertasche dar, aber keine Decksklüse. Offenbar stellt der Bauplan einen Planungszustand dar, der nicht realisiert wurde. Hajo hatte ja schon festgestellt, dass am Bug an Bb. nichts von einer Ankertasche zu sehen ist. Ich schließe mich dem jetzt an ! Die von mir vermisste Ankerwinde gibt es offenbar überhaupt nicht. Der Anker muss dann über die Kurrleinenwinde bedient worden sein, was damals wohl üblich war.


    Gebaut habe ich heute die Kurrleinenwinde, die Fischgalgen, die abnehmbaren seitlichen Ausfachungen, für die es sicher einen Fachbegriff gibt, die "Walzen", über die das Treibnetz an Bord geholt wurde und für die es sicher ebenso einen Fachbegriff gibt. Außerdem habe ich einen zweiten Versuch für das Backdeck gemacht mit Decksklüse und Wellenbrecher.



        

  • Moin Henning,


    das sieht wirklich prima aus. Der Farbton des Deckshauses gefällt mir übrigens auch sehr und er passt gut zum Gesamterscheinungsbild. Fotos aus der Zeit waren ja noch oft s/w und manchmal hat man falsche Vorstellungen, wie es wirklich ausgesehen hat.

  • Da kommen lebendige Kindheitserinnerungen hoch, Henning.


    Diese eher vergammelten, schwarz-braunen Gesellen an der Pier und der intensive Geruch der Heringsfässer...


    Ein schönes Modell entsteht da!

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Ich habe im Anhang einen Ausschnitt des Generalplans der Paderborn angefügt, der die Back zeigt und woraus die Führung des Ankers und die Lagerung der Hilfsanker ersichtlich ist. Man kann sogar erahnen, dass der Laufstall auf dem Deck überdacht ist. Der Logger Paderborn hat offensichtlich diese veränderte Back gegenüber der Stadthagen. (Ich hoffe, dass die pdf-Datei lesbar sein wird) Vielleicht gibt es ja noch Fotos, die diese Merkmale belegen.


    Etwas überrascht bin ich über Helmuts Kindheitserinnerungen. So wie mir die Seeleute auf Loggerfahrt erzählt haben, hatte es auf den Loggern nie den intensiven Geruch von Was-Auch-Immer gegeben. Die Kantjes an Bord waren für die Ausreise sauber und mit Salz randvoll gefüllt und luftdicht verschlossen. So hatte "der Hering" nicht den Hauch einer Chance mit der Luft wechselzuwirken. Dieser intensive Geruch muss wohl eher im Binnenland entstanden sein.


    Je weiter das Modell auf der Schneidematte wächst, desto interessanter wird die Gestalt und die Farbigkeit. Die uns allen lieb gewonnenen Modelle aus Wilhelmshaven (2 Modelle auf einem Bogen; 80 Pfennige) wirken da wie Operettenschönlinge. Na ja, sie sind auch fern der Küste gebaut worden und jeder wollte seine Modelle so haben wie ein jeder sie sehen wollte. Und das war damals auch gut so ....


    Viele Grüße

    Klaus