Schubboot Thyssen II mit zwei Schubleichtern Typ Europa II - KvJ - 1:250

  • Ja, das mit den 2 Blauen Tafeln scheint in diesem Fall tatsächlich so zu sein ( ich konnte mir aber auch nicht vorstellen, dass sich Andreas da vertan haben könnte).

    Das ist jedenfalls grundsätzlich außergewöhnlich und war für mich neu! Wahrscheinlich erklärt sich das aus dem besonderen Einsatzgebiet der THYSSEN II:

    Das Schiff verschiebt Leichter, die vorher von den ganz schweren Schubbooten von Rotterdam nach Schwelgern gebracht wurden ( gewöhnlich im 4er oder 6er Verband). Diese Leichter werden vor dem Hafen in Duisburg auseinandergekoppelt und in der Regel dort im Strom vor Anker gelegt, bis ihre Ladung gebraucht wird. Die THYSSEN II verschiebt dann den oder die entsprechenden Leichter an die Pier zum Entladen.

    Umgekehrt bringt das Boot auch die leeren Leichter wieder vor den Hafen sozusagen „auf Reede“, wo sie dann wieder zu „Päckchen“ für die Talfahrt (wiederum mit den großen Schubern) nach Rotterdam zusammengestellt werden.

    Hierbei dürfte es immer wieder mal vorkommen, dass die THYSSEN II den Leichter zu Berg, also stromauf, zieht. Und dann käme die Blaue Tafel an der linken Schiffsseite zum Einsatz, wenn Talfahrer im durchgehenden Verkehr passieren.


    Hier der Hafen Schwelgern mit im Strom ankernden Leichtern:


    (imagebroker)


    Die Leichter liegen hier in Strommitte, der Rhein fließt von rechts nach links "durch das Bild".


    Ein Blick in das Hafenbecken; das Stahlwerk von ThyssenKruppSteel links im Hintergrund:


    (Bundesarchiv)

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Moin,


    Andreas hat die Diskussion offenbar mitgekriegt und hat in seinem Blog eine kurze Erklärung verfasst. Inklusive zweier schöner Fotos:

    https://jabietz.de/kartonmodellbau/?p=15037


    mfg

    Johannes

  • Moin,


    Es ist vollbracht! Die Thyssen II ist fertig :)


    Aber alles der Reihe nach: Zuerst habe Ich nämlich das Rettungsboot gebaut und wie angekündigt etwas gesupert. Irgendwie wirkte das auf mich optisch etwas langweilig. Auf den Originalbildern im Bogen sind 3 Dinge gut zu erkennen, die Ich versucht habe nachzubilden:

    • Die Sitzflächen sind etwas niedriger als der Rand und die hintere ist kein "Brett" sondern ein Kasten
    • Im Boot liegen 2 Ruder
    • Das Boot hängt mit vier Seilen am Davit

    Um die Sitzflächen abzusenken habe Ich die Sitzflächen zunächst ausgeschnitten und an den entsprechenden Stellen kleine Klötze unter den Rand geklebt, an die Ich die Sitzflächen wieder angeklebt habe. Ich habe auch am Heck ein bisschen Material rausgenommen, da sitzt der Rand nämlich etwas tiefer. Leider hab Ich dabei ein bisschen zu viel abgetragen, aber Ich habe es noch halbwegs gerettet bekommen. Um aus der hinteren Sitzfläche den Kasten zu machen, habe Ich einfach die Heckform nochmal ausgeschnitten und oben ein wenig gekürzt, damit das Teil unter den Rand passt.

    Die Ruder stammen aus dem Lasercutsatz der Børøysund. "Aber da sind doch gar keine Ruder drin" höre Ich Euch schon sagen. Stimmt auch, Ich habe sie mir aus etwas übrig gebliebenen Tonkarton geschnitzt und anschließend mit der selben Mixtur eingefärbt, die Ich für die restlichen (orangen) LC Teile der Børøysund auch benutzt hatte.

    Die Seile sind wieder aus den in Weißleim getränkten Fäden gemacht. Davon habe Ich 4 Stück vorsichtig in 45° Winkeln zusammengeklebt, anschließend ins Boot geklebt und mit einem kurzen Stück mit dem Davit verbunden.

    Und so sieht mein Rettungsboot dann aus:



    Beim Zusammenbau hatte Ich im Bugbereich leider einen recht großen Spalt. Den habe Ich mit Weißleim verfüllt und in den noch flüssigen Kleber etwas Aquarellfarbe eingebracht. Hat gut funktioniert und man erkennt den Spalt eigentlich überhaupt nicht mehr.

    Danach kamen noch die zwei blauen Tafeln, die Flaggen und die Poller. Ich musste dann auch wie erwartet das Brückendach festkleben, da die Halterungen für die blauen Tafeln nur an zwei Punkten verklebt werden - und einer davon ist das Dach. Das wurde mir doch zu wackelig.


    Und das ist dann meine fertige Thyssen II:




    Und hier nochmal in meiner Vitrine, Ihrem neuen Zuhause:



    Gute Fotos sowie mein Fazit zum Bogen gibt es aber erst, wenn Ich die Leichter fertig habe.


    mfg

    Johannes

  • Moin,


    1 Monat später sind dann auch die beiden Leichter fertig. Hoffentlich braucht die Ladung jetzt nicht auch wieder einen Monat :S

    Großmodelle sind für mein iPad aber offenbar zu viel und entsprechend sind viele Fotos (selbst für meine Verhältnisse) echt schlecht geworden. Naja, da müsst Ihr jetzt durch :whistling:


    Zunächst wurde das Spantengerüst gebaut. Das ist durch den Laderaum etwas ungewöhnlich, aber am Ende überraschend stabil. Da Ich aber von vornherein Angst hatte, dass sich die Leichter verziehen, habe Ich von Anfang an mehrere Vorsichtsmaßnahmen getroffen:

    • Die zu verdoppelnden Teile habe Ich schon zu Baubeginn im Februar verdoppelt und bis zum ausschneiden beschwert trocknen lassen.
    • Alle Teile des Spantengerüsts sind ausschließlich mit lösungsmittelhaltigem UHU geklebt (Gibt es echt Leute, die Ihre gesamten Modelle damit bauen? Der Gestank und die Fäden sind doch unfassbar nervig...)
    • Im Bug und Heck habe Ich zusätzlich einige Unterlegscheiben eingeklebt

    Hier einmal die Teile der Spantengerüste vor und nach dem Zusammenbau. So wurden die Teile auch nochmal eine Woche lang getrocknet. In den Dosen sind ~3kg Schotter.



    Dann kam der Deckel drauf:



    Für Nachbauer hier einmal ein wichtiger Hinweis: Spätestens jetzt sollte der obere Rand von 102 vorne in Decksfarbe angemalt werden, Ich hab das zu spät gemerkt und dann war es entsprechend schwieriger.


    Anschließend ging es an den äußeren Rand des Laderaums. Hier war mir aufgefallen, dass meine beiden Leichter die selbe Nummer hatten. Wie sich dann herausstellte war das nur einer Unachtsamkeit beim verschicken der Zweitbögen geschuldet. Ich hatte allerdings gleich einen Vorschlag gemacht, wie man 2 Nummern auf den Bogen kriegen könnte: Es können einfach die 2 kleinen Segmente mit der Nummer ausgeschnitten werden und durch ein kleines Alternativteil ersetzt werden. Durch die Stützen wird dieser Schnitt dann verdeckt. Praktischerweise war unterhalb von 104b/c sogar noch der nötige Platz. Andreas hat diesen Vorschlag dann auch direkt umgesetzt und so gibt es jetzt die Möglichkeit 4 Leichter mit unterschiedlichen Nummern zu bauen. Erwartet aber bitte nicht die hier gezeigten Nummern, Andreas war so nett die für mich anzupassen :thumbup:



    Danach kam eine wirklich spaßige Aufgabe: 150 Süllrandstützen :wacko: Hier mal die 120 identischen von den Seiten:




    Fortsetzung folgt..

  • Dann kamen diverse Kleinteile dran. Bei den Winden gab es dann einen kurzen Schreckmoment: Auf einmal war eins der Handräder weg. Ich hab bestimmt 10 Minuten gesucht wie blöde und mich entsprechend beschwert (Sorry nochmal, dass Ihr Euch das anhören musstet :D). Als Ich dann mein Schicksal gerade akzeptiert habe und meine Niederlage verkünden wollte, hab Ich es dann gefunden:


    :cursing:


    (Und ja, mittlerweile hab ich sie sauber gemacht)

    Das war dann aber auch der Punkt, an dem Ich nach fast 11 Stunden Bauzeit beim Bastelmarathon Schluss gemacht habe.


    Viele Kleinteile hatten nicht mehr gefehlt, hier einmal die Teile der 40 Poller:



    Und dann war es irgendwann geschafft: 2 fast voll beladene Leichter lagen am Ausrüstungskai:



    Und fertig:



    Jetzt fehlt nur noch die Beladung, dafür habe Ich mir schon ein paar Gedanken gemacht. Die wird aber 100% Eigenbau.


    Daher kann Ich jetzt schonmal mein Fazit verfassen:

    Die Thyssen II von KvJ ist ein wirklich tolles Modell. Die Teile sind absolut passgenau und sinnvoll auf den Bögen platziert, so dass man eigentlich nie suchen muss. Der Druck ist toll und die gewählten Papiersorten lassen sich hervorragend verarbeiten. Besonders angenehm: Viele der zu rundenden Bauteile sind auf dünnerem Papier gedruckt. Die Anleitung ist bis auf 1-2 Stellen auch immer klar gewesen.


    Die optionale Ätzteilplatine kann Ich auch jedem nur ans Herz legen. Ich habe keine Teile vermisst und lediglich beim Gerüst 38 kann man sich vielleicht darüber streiten, ob das wirklich auf die Platine gemusst hätte. Durch die wesentlich höhere Stabilität hab ich mich aber dafür entschieden. Auch schön finde Ich, dass die Platine genug Teile für 2 Leichter enthält. Wer nur einen baut muss sich dabei auch nicht ärgern einen Haufen Teile wegschmeißen zu müssen: Lediglich Teil 113b lässt sich wohl eher nicht für andere Modelle verwenden. Ansonsten bleiben nur 4 schöne große Handräder übrig.

    Einziges Manko: die zu kurzen Relingsstücke 22l/i.


    Ich hatte viel Spaß (und hab auch ein bisschen was gelernt) und das Modell ist wirklich hübsch. Daher spreche Ich hier eine klare Kaufempfehlung aus :thumbup:


    mfg

    Johannes

  • Moin,

    Hoffentlich braucht die Ladung jetzt nicht auch wieder einen Monat :S

    Zum Glück war es dann nichtmal eine Woche :D


    Wie schon gesagt, die Ladung ist komplett im Eigenbau entstanden. Ursprünglich hatte Ich vor die im Bogen enthaltenen Kohlehaufen einfach mit Kleber einzustreichen und dann mit Kohleimitat zu bestreuen. Mir wurde dann aber nahegelegt, dass das eigentlich nicht besonders realistisch ist und besser geht. Und so habe Ich mich dann doch dazu entschlossen erheblich mehr Aufwand zu betreiben, was sich am Ende aber als korrekte Wahl herausgestellt hat.


    Als Hauptinspirationsquelle habe Ich dabei ein Bild vom Hafen Schwelgern genutzt:

    https://www.thyssenkrupp-steel…gen/hafen-schwelgern.html

    Hier sind drei Dinge zu erkennen:

    1. Anstatt von einzelnen Pyramiden sieht die Beladung eher aus wie eine Packung Toblerone. Die Form hat bestimmt auch einen echten Namen, der will mir aber partout nicht einfallen :D
    2. Neben Kohle sind viele Leichter auch mit Eisenerz beladen
    3. Eisenerz ist erheblich schwerer als Kohle

    Da es keine gute Idee ist mit viel verdünntem Weißleim innerhalb vom fertig gebauten Leichter zu arbeiten, habe Ich ein wasserfestes Unterbaumaterial gesucht und bin bei Polystryol hängen geblieben. Ich habe mir also 2 passende 1mm Polystryol Platten zugeschnitten. Außerdem habe Ich eine Form gebaut, die aber absoluter Schrott war und eigentlich überhaupt nicht funktioniert hat :thumbdown:

    Ich habe mich auch entschlossen je einen Leichter mit Kohle und Eisenerz zu beladen. Dabei galt es vor allem den Gewichtsunterschied zu beachten: Die Kohleleichter sind quasi randvoll, während die Kante zwischen Eisenerz und Laderaumwand sogar noch unterhalb der Wasserlinie liegt. Ganz so extrem konnte Ich den Unterschied natürlich nicht darstellen. Ich habe dann eine der Platten mit 4mm hohen Füßen versehen, das entspricht immerhin 1m Unterschied im Original. Die Oberseite habe Ich angeschliffen, damit die Kohle/das Eisenerz auch hält:


    UHU: Gibt es echt Leute, die Ihre gesamten Modelle damit bauen? Der Gestank ist doch unfassbar nervig...

    Die Aussage möchte Ich übrigens gerne zurücknehmen, Ich hatte vergessen wie schlimm Plastikkleber ist...


    Für die Kohle habe Ich Kohleimitat für Spur Z genutzt, das lässt sich wunderbar verarbeiten, einfach aufschütten und mit verdünnten Weißleim + Spüli einweichen.

    Das Eisenerz war da schon schwieriger. Das Erz ist nämlich feinstes Eisen(III)oxid - auch bekannt als Rost. Und zwar in Laborqualität und entsprechend fein. Das Problem dabei war es, dass das Leimgemisch da einfach abperlt...

    Darum habe Ich erst eine Paste aus Leim, Wasser und Rost erstellt. Diese habe Ich dann in einer dünnen Schicht auf der Platte verteilt und anschließend mittig Hügel modeliert. Darauf wurde dann noch mehr Rost gestreut, das Klebergemisch ist dann nach oben gezogen und hat das ganze """fixiert""". Es fliegt jetzt zwar nicht mehr sofort weg, wenn man es einmal schief anguckt, aber Transportsicher ist das ganz sicher nicht :S



    Falls das jemand nachmachen will: Nur draußen auf einer alten Plastiktischdecke, das Zeug wird nicht umsonst auch als Farbstoff verwendet. Und einmal pusten reicht um das Zeug in einem 2m² großem Bereich gleichmäßig zu verteilen...

    Apropo Farbstoff: Es gibt auch Pigmentfarben aus/mit Eisenoxid, eigentlich wäre mir hier ein braunerer Farbton lieber gewesen. Aber Ich hatte das Zeug halt schon.


    Dann wurde die Ladung eingesetzt und noch ein bisschen nachretuschiert:




    Damit ist die Thyssen II mit Ihren 2 Leichtern nach fast genau 90 Stunden jetzt endlich fertig.



    Weitere Bilder gibt es in der Galerie: Schubboot Thyssen II - KvJ - 1:250


    Vielen Dank auch nochmal an alle Leser, Kommentatoren und "Gefällt mir"-Drücker. Auch für die Tipps möchte Ich mich natürlich bedanken.

    Und nu?

    Als nächstes habe Ich gleich 2 Projekte (Hatte Ich mir als guten Vorsatz nicht vorgenommen endlich mal ein paar offene Baustellen abzuschließen? ;():

    • Mein nächster BB wird die Theodor Storm vom Passat Verlag (20m SRK; Minibogen 17) für die Ich natürlich wieder probieren will eine Einrichtung zu zeichnen. Wird diesmal spannend, da das Brückendeck ja zur Hälfte im Aufbau steckt, Ich das Spantengerüst also teilweise neu machen muss.
    • Das zweite Projekt muss leider noch geheim bleiben, nur soviel: Wenn es klappt, dürfte es ein paar von Euch wirklich freuen :D

    Bis dann!


    mfg

    Johannes

  • Der Informatiker

    Changed the title of the thread from “Schubboot Thyssen II - KvJ - 1:250” to “Schubboot Thyssen II mit zwei Schubleichtern Typ Europa II - KvJ - 1:250”.
  • Moin Johannes,


    gratuliere zu dem gelungenen Modell! Binnenschiffe sind ja nicht ganz so mein Beuteschema, aber was Du aus dem Bogen gemacht hast, alle Achtung!


    Beste Grüße

    Fiete