Römisches Dorf von Schreiber 1-160

  • Hallo!
    Als Fingerübung nach einer längeren modelbauerischen Pause hatte ich mir das Römische Dorf von Schreiber ausgesucht.
    Als vorgedruckter Bogen sein würde ein höheres Maß an Aufmerksamkeit und Genauigkeit notwendig werden,
    da ein vergeigter Teil ja nicht wie bei einem Download mal eben neu ausgedruckt werden kann.

    Zusätzlich nahm ich mir vor, diesen Bau zu fotodokumentieren und einen Baubericht darüber zu erstellen,
    beides eine Premiere für mich und angesichts meiner Eigenheit, gelegentlich in einen „Baurausch“ zu verfallen, nicht so einfach.
    Eine weitere Premiere sollte das konsequente Einfärben von Schnitt- und Knickkanten werden.
    Nach intensivem Studium der Vorliegenden Quellen fiel meine Wahl auf Honsell 49424 - Jaxon Aquarell Wachspastellkreide, 24er Set.

    Um es nicht zu übertreiben, sollte der Bau genau nach Anleitung verlaufen, also ohne Aufdoppelungen, Hinterlegungen oder sonstige Abänderungen.


    Während des Baus wollte ich neue Methoden des Papierschnitts austesten.
    Bislang kam meine altbewährtes Stanleymesser aus Metall zum Einsatz, das mir dank seines Gewichtes gut in der Hand liegt,
    dessen klassische in einem ziemlich stumpfen Winkel gehaltene Abbrechklinge beim Ausarbeiten kleiner Details aber oft im Weg war.
    Ich legte ich mir ein klassisches Skalpell mit der Klinge Nummer 11 zu, eine Kombination, auf die ich durch einige andere Bauberichte neugierig geworden war.
    Die Klinge durch ihre spitze Form eröffnete mir sowohl in Punkto Übersichtlichkeit als auch im Ausschneiden- und -sticheln ganz neue Horizonte.
    Als ganz dicker Minuspunkt erwies sich aber der unangenehm schmale Griff, der ständig höchst unerfreulich
    beim Schneiden meine Fingerspitze eindrückte.
    Also nahm ich ein weitaus fingerfreundlicheres Billigsdorfer-Skalpell mit einer Schraubbefestigung, in dem ich die 11er-Klinge jedoch nur
    in einem gewissen Winkel festklemmen konnte.
    Das Druckproblem war damit behoben, nun konnte ich so zügig damit arbeiten, daß ich schnell auf das nächste Problem stieß -
    - Skalpellklingen werden weitaus schneller stumpf als Abbrechklingen, sie sind schließlich nur für relativ kurze und einmalige Einsätze gedacht..


    Und dann stieß ich auf folgendes Produkt:


    OLFA Ersatzklingen SAB-10 für SAC-1 30°, eine Abbrechklinge im Winkel eines Skalpells, die in mein altgewohntes Metall-Stanley eingelegt werden kann.

    Der letzte Schritt der Bauvorbereitungen bestand nun darin, die Landschaft auf einem geeigneten Untergrund aufzubringen,
    was in meinem Fall aus zwei mit UHU-Hart verklebten Lagen Graukarton (auch wenn meiner braun ist!) besteht.
    Der Bau konnte beginnen!


    Robert

  • Hallo Robert,


    da setze ich mich glatt mal in die erste Reihe.
    Das gehört zwar nicht zur grauen Dampferkompanie, der mein Herz gehört, aber bei einer römischen Stadt werde ich trotzdem schwach!!
    In diesem Sinne viel Spaß beim Basteln wünscht


    Thomas

  • Gebäude A: Ein Tempel


    Da mir beim Erstellen des Sockels gewisse Stabilitätsbedenken in Bezug auf die Standfestigkeit der Säulen kamen,
    verstärkte ich den Bereich der Treppe.

    Wie schon andere vor mir festgestellt haben bringt das Blitzlicht die eingefärbten Kanten gnadenlos zum Aufleuchten,
    bei normale Beleuchtung sieht das natürlich ganz anders aus!

  • Leider sind die vier freistehenden Säulen des Tempels die einzigen tatsächlich runden Säulen des Dorfes.



    Etwas OT: So sieht beim Arbeiten meistens der Blick über meine rechte Schulter aus...



    Darf ich vorstellen, Flecki.



    Bei den Säulen ist Geduld gefragt, um sie von Anfang an in senkrechte Position zu bringen.

  • Gebäude B
    Ab jetzt gibt es keine runden Formen mehr, alle Bauelemente stellen geschlossenen Schachteln dar.
    Das Kantenfärben im Innenhof stellte übrigens einen reinen Liebesdienst dar, da die opulent verzierten Wände
    nach Fertigstellung nur noch von Stubenfliegen und allfälligen Endoskopkameras bewundert werden können.



    Um bei der Dachverklebung nicht alles gleichzeitig machen zu müssen , habe ichdie unteren Enden der hier flachen Säulen erst danach festgeklebt.


    Beim zweiten Hof empfiehlt es sich Klebelaschen anzubringen, um einen geraden Mauerverlauf zu erhalten.

  • Gebäude C


    Und hier bin ich meinem Vorhaben, an den Gebäuden nichts zu verbessen, untreu geworden.Ich hab´s einfach nicht ausgehalten!


    Was war der Grund dafür?


    Gebäude C stellt eine 3-Seit-Hof mit einer ledigen Abschlußmauer an der vierten Seite dar. Und diese Mauer hatte zwar außen Fenster im Obergeschoß, aber innen nicht!



    Also habe ich einen hölzernen Laufgang und zwei Türen improvisiert, sowie die fehlenden Fenster auch an der Innenseite der Abschlußmauer eingezeichnet.Viel Aufwand für etwas, das man jetzt gezielt suchen muß.





    Aber mir hätte da etwas gefehlt....

  • Gebäude D
    Hier haben wir zwei Gebäudetrakte, deren Hof mit einer L-förmigen Mauer umschlossen wird.


    Und hier jetzt ein Fehlersuchbild: was habe ich falsch gemacht?



    Richtig, ich habe die flachen Säulen nicht verklebt, was jetzt eine Art von Pinzettenigel nachsich zog.


  • Zu meiner Verteidigung: die Bauaufsicht hat den Lapsus auch völlig verschlafen...



    Die Dächer der Gebäude habe ich desshalb nicht verklebt, um bei der Anbringung der Hofdächer von innen dagegenhalten zu können.





    Und ab jetzt kommen die Säulen vor der Endmontage dran.




    Ohne weitere Problem folgte die Endmontage der Dächer.

  • Obwohl baugleich verursachte die Verklebung der Innenhofdächer hier einen Spalt zwischen den Gebäudetrakten,
    wo ich offenbar etwas zu sparsam mit dem Klebstoff war.


    Die dankenswerterweise einfache Reparatur lief parallel mit der Fertigstellung des Daches.

  • Gebäude F


    Die letzte verbliebene Baulücke ist für ein sehr kasernenhaftes Gebäude vorgesehen,
    bei dem ich wieder dem Drang zur Verbesserung nachgab.
    Zum Öffnen der Toreinfahrt mußte zuerst ein fehlendes Stück Pflasterung ergänzt werden.




    Ich habe da mit den Aquarellstiften eher intuitiv denn als geplant gearbeitet....Die Pflasterprägung habe ich dann mit einem ganz weichen Bleistift graviert.

  • Jetzt kam die Toröffnung dran, die im Originalzustand mit ihren großen schwarzen Flächen
    wie mit Trauervorhängen zugehängt gewirkt hätte.



    Sowohl das Innenleben der Toröffnung als auch die Türflügel selbst habe ich wieder sehr nach Gefühl gestaltet.

  • Sehr schön geworden deine Nach-Pflasterung; und auch der Tor-Bogen-Durchgang wirkt sehr gut.


    Wobei - es ist schon lustig wie viel Gedanken man sich manchmal macht über z.B. die "Innereien" eines Durchgangs, sogar eine Holzverkleidung der Decke nachahmt - von der später niemand mehr was sehen wird. :huh:

    Gruß aus Ostfriesland, Ralf

  • Der Weiterbau blieb trotz der Größe einzelner Teile unproblematisch.
    Lediglich drei am Dach vorgesehene Klebelaschen wurden am Turm angebracht,
    um die Dachmontage zu vereinfachen.


  • Durch das Versetzen der Klebelaschen kann das Dach jetzt in einem Zug von Oben paßgenau aufgesetzt werden.




    Der Turmspitze wurde eine eingefärbte hinterklebte Klebelasche spendiert.




    Und den Abschluß machte dann die Statue vor dem Tempel.



  • Zum Schluß nun ein paar Impressionen.




    Recht eigenwillig die Idee des Architekten, die Ausgänge der Kaserne genau hinter die Säulen des Arkadengangs zu legen...




    Und zum Abschied scheint die Sonne durch das Tor.





    Mein Resumee:



    Schreibers Römisches Dorf ist ein netter Bogen ohne Fiese Fallen,
    der angegebene Schwierigkeitsgrad ist voll und ganz zutreffend.
    Die Möglichkeiten zu Verbesserungen habe ich bestenfalls angekratzt,
    durch konsequentes Aufdoppeln (z.B. Gehsteige) bzw. Hinterkleben (Türen/Fenster etc.)
    läßt sich in Punkto plastische Wirkung sicher noch Vieles erreichen.
    Vielleicht lohnt sich da die Verwendung eines zweiten Bogens...
    Und wenn man sich in die Herstellung einer größeren Anzahl Mini-Römern stürzt,
    kann man auch diese seltsame „Sonntag-Morgen-Leere“ von den Straßen vertreiben.


    A Propos Straßen: ich bin mir sicher, daß die hier vorliegenden Zick-Zack-Führung der Straßen
    der Notwendigkeit geschuldet ist, alle Gebäude auf einer rechteckigen Bodenplatte unterbringen zu müssen.
    Die Römer als Planungsfanatiker haben ja immer zuerst ein gerades und rechtwinkeliges Straßennetz angelegt,
    und erst dann ihre Häuser gebaut, wie man unweit von Wien in Carnuntum gut sehen kann.


    Nun, es war für mich durchaus lehrreich, und ich hoffe, es hat gefallen.



    Grüße aus Wien,Robert

  • n' Abend Robert...
    Dein Baubericht war sehr anschaulich geschrieben und auch Deine Bildauswahl hat überzeugt. :thumbsup:
    Es ist ein schönes, sauberes Modell geworden :thumbup:, auch wenn Du das "Supern" nicht voll ausgereizt hast.
    Gruß, Renee

    Im Wald boten sich mir zwei Wege dar.

    Ich nahm den, der weniger betreten war!