Hamburger Hafen / HMV / 1:250

  • So, ein kleines Update... und die lange Geschichte dazu.

    Wie der eine oder andere weiss, stammt meine Familie aus Bergamo (I). Ja, die Gegend, die es wegen Corona in ziemlich viele Schlagzeilen geschafft hat. Und auch meine Eltern waren leider davon betroffen. Anfangs März bekam zuerst der Vater Fieber, und als es schlimmer wurde, musste er ins Spital, voll auf dem Höhepunkt der Epidemie. Die Wartezeit für den Krankenwagen betrug über 5 Stunden...

    Ein paar Tage später hatte es meine Mutter erwischt, da sie auch vermutlich durch die Pflege des Vaters belastet und geschwächt war. Auch sie musste ins Spital. Nach einigen Tagen verschlimmerte sich ihre Lage, und wir rechneten mit dem Schlimmsten. Aber nach ein paar Tagen mit Sauerstoff verbesserte sich ihre Gesundheit doch langsam, trotz einigen Rückschlägen. Dafür ging es dem Vater relativ schnell besser.

    Ende März dann die Nachricht: der Vater ist an sich gesund, und wird noch in dieser Woche aus dem Spital entlassen. Da er Corona-negativ war, kam er auch nicht in eine Quarantäne/Auffangstation, wo er sich etwas hätte erholen können. Also Entlassung nach Hause, die Wohnung seit zwei Wochen verlassen, alle Verwandten zu Hause blockiert wegen der Ausgangssperre oder ebenfalls im Spital. Und die Mama, die halt in Italien den Haushalt schmeisst, im Spital. Also die sieben Sachen gepackt, und nach Italien gefahren, wo ja eben eine Ausgangssperre herrscht. Ich hatte keine Ahnung, ob ich überhaupt über den Zoll kommen würde, trotz Italienischer ID (Ich bin Doppelbürger CH/I). Der Zöllner war so nett, und liess mich in dieser Situation einreisen. Ach ja, als "Rückkehrer" aus dem Ausland hätte ich mich in Italien in eine 14-Tägige Quarantäne begeben müssen. Viele Papiere, Selbstdeklarationen zum Unterschreiben etc. - Aber schlussendlich habe ich es in die elterliche Wohnung geschafft, nachdem ich bei der Mutter im Spital den Hausschlüssel geholt hatte. Besuchen durfte ich sie aber nicht, wegen des Risikos.

    Und so habe ich dann die Wohnung für die Rückkehr vom Vater vorbereitet - Essen entsorgen und neues beschaffen, putzen, waschen etc. Am nächsten Tag habe ich dann meinen Vater aus dem Spital geholt, und ihn die ersten Tage nach der Rückkehr unterstützt und diverse Hilfen organisiert (tägliche Haushaltshilfe für die Zeit, wenn ich wieder weg bin, Essenslieferungen etc). Und weil die Eltern zu Hause kein Internet haben, wusste ich, dass ich in diesen Tagen ziemlich viel Zeit totschlagen werden müsste - man durfte ja nirgends hin, was bei dem Traumwetter schwer fiel. Also nahm ich den Bogen und diverses kleineres Material mit, um mich zu beschäftigen. Und der Output von eineinhalb Wochen "Zwangsferien" in Italien ist in der Box - viele Kleinteile (vor allem Fracht), die beiden Kräne und die ersten Teile der Lokomotive plus ein paar weitere Kleinteile.


    Und ein kleiner Rückblick - die Einschränkungen des Lebens wurden anfänglich nördlich der Alpen nicht oder nicht vollständig verstanden. Als jemand, der seine Verwandtschaft mitten im Krisengebiet hat, war ich aber überzeugt, dass nur harte Massnahmen - und zwar möglichst früh! - das Virus in Schach halten können. Jetzt sind in Italien die Fallzahlen rückläufig, der grosse Peak, der anderen Staaten noch vermutlich bevorsteht, ist vorbei, und alle schauen bange in die Zukunft, ob und wie man wieder zu einem "Normalbetrieb" gehen kann, oder ob eine zweite Welle zuschlägt. Das, was ich persönlich erleben musste, wünscht man seinem ärgsten Feind nicht. Und doch sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Die Mutter wurde diese Woche aus dem Spital entlassen und befindet sich jetzt in einer Reha. Ich bin seit eineinhalb Wochen wieder zurück in der Schweiz (gespenstisch leere Autobahnen und Grosskontrollen, ob der Lockdown auch eingehalten wird), der Vater kommt gut klar. Die nächste Herausforderung wird dann sein, wenn die Mutter wieder nach Hause zurückkehren kann, und auch wieder eine Zeitlang auf Hilfe angewiesen sein wird (Vater ist 82 Jahre, Mutter 77). Dann wird hoffentlich wieder etwas mehr "Normalbetrieb" sein, um die Hilfe zu organisieren.


    Also, bleibt mir alle Gesund und haltet Abstand, das ist definitiv keine "Grippe"!


    Alex

  • Hallo Alex,

    herzlichen Dank für die Schilderung. Es ist etwas anderes, wenn man einen solchen persönlichen Bericht liest, anstatt sich mit Zahlen und Kurven der Krise zu beschäftigen!

    Ich freue mich, dass Deine Eltern die Infektion überstanden haben!

    Bis die Tage...


    Helmut



    "Dem Angriff auf die Menschlichkeit folgt der Angriff auf den Menschen!"

    (Claudia Roth)



    Fertig: CAP SAN DIEGO (roko)

  • Hallo Alex


    Schön, von dir zu hören. Ich bin erleichtert, dass alles gut gegangen ist.


    Liebe Grüsse über das Wasserschloss

    Andi

  • Hallo Alex,

    gut zu hören, dass es bei Euch wieder bergauf geht. Da werden langsam die Gedanken wieder freier. Weiterhin alles Gute für Dich undd Deine Familie. Ich denke, es war gut, dass Du etwas zur Ablenkung zum Basteln mitgenommen hattest.

    Ulrich

  • Ein kleines Update, die Dampflok kommt ihrer Endform immer näher. Zwar langsam (da ich immer an mehreren Modellen gleichzeitig baue), aber stetig. Und irgendwann, hoffentlich in diesem Jahr noch, können die vielen kleinen Teile zum grossen Ganzen zusammengesetzt werden. Womit das "Diorama" seinen Namen dann zu Recht tragen wird.



    Alex