"Digitaler Offsetdruck" - Was steckt dahinter?

  • Hallo zusammen,


    heute kam ich an einem Copyshop ganz in der Nähe vorbei, der im Schaufenster mit "Digitaler Offsetdruck zum mitnehmen" warb.


    Ich habe danach gegoogelt, kann aber als technischer Laie wenig damit anfangen. Hier im Forum habe ich mit der Suchfunktion auch nichts gefunden bzw. sind die Begriffe vermutlich zu unspezifisch. Im Netz heißt es bspw., die Technik arbeite ähnlich einer Offsetdruck-Maschine, wobei der flüssige Toner über einen Gummizylinder zum Bedruckstoff gebracht werde, die Farben seien brilliant und selbst kleine Auflagen machbar. Auf der HP-Seite für ein entsprechendes Gerät heißt es: "Die proprietäre, flüssigkeitsbasierte elektrofotografische LEP-Technologie von HP Indigo sorgt für herausragende Druckqualität. Elektrisch aufgeladene Flüssigtinten werden in nur einem Druckwerk mithilfe eines Thermo-Drucktuchs getrocknet und auf das Substrat aufgebracht. Dank dieses einzigartigen Verfahrens sind Sie in der Lage, sich in einer standardisierten Produktwelt durch beispiellose Drucke abzuheben." :?:


    Meine Frage: Wäre das etwas, um Download-Modelle in guter Qualität auszudrucken? Bei meinem Tintenstrahldrucker bin ich bspw. mit schwarzen Bordwänden nicht so glücklich, weil sie nicht flächig schwarz werden etc. Und "zum mitnehmen" wäre genau das Richtige für jemand so ungeduldigen wie mich und der Laden gleich um die Ecke :)


    Oder ist das nur technische und werbliche Irreführung? :S


    Für eine kurze Einschätzung oder einen Hinweis, wo das Thema schon mal für Laien nachvollziehbar bearbeitet wurde, wäre ich dankbar :)

  • Hallo!


    Vor ein paar Jahren habe ich in meiner Stadt etwas ähnliches gefunden und es mit ein paar Modellbausätzen getestet.


    Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ist ähnlich, was Laserdrucker anbieten. Aber es gibt einen großen Unterschied:


    Wie ich es verstehe, verwaltet der HP Indigo die Farben auf eine etwas andere Art und Weise als andere Laser-Digitaldrucker. Und dies führt zu einer viel engeren Übereinstimmung zwischen der Farbe, die Sie auf dem Bildschirm sehen, und der Farbe, die Sie auf dem gedruckten Produkt erhalten. Das ist die Hauptstärke der Maschine.


    Denken Sie daran, dass einige Laser- und Tintendrucker CMYK verwenden, während digitale Dateien normalerweise RGB sind. Beim Drucken sieht das aus, dass einige Blau- und Grautöne grün aussehen, Rot zu Gelb und so weiter. Wenn Sie nicht darauf achten, das Farbprofil der Datei dem des Druckers entsprechend vorzubereiten, erhalten Sie einige Farben in verschiedenen Farbtönen. Das ist mir mit dem Indigo HP Offsetdrucker nie passiert. Diese Maschine produziert fast echte Farben.


    Der HP Indigo ist ein netter Drucker. Qualität hängt natürlich auch stark von der Art des verwendeten Papiers und der Qualität der Datei ab. Und es hilft auch, wenn der Bediener der Maschine das Farbprofil gut kalibrieren kann. Im Shop müssen Muster auf verschiedenen Papieren gedruckt werden, damit Sie sehen können, wie sich der Toner in verschiedenen Kartons verhält. Oder Sie können eine ähnliche Farbtabelle erstellen: https://i.stack.imgur.com/jveEU.png und nehmen Sie sie mit, um ihre Farben und Qualität zu testen. Oder nehmen Sie vielleicht ein kleines einseitiges Modell, um den Druck zu testen.


    Wenn Sie es noch nicht benutzt haben, werden Sie es wahrscheinlich mögen. Ich benutze es persönlich für meine wichtigsten Drucke, wenn ich gute Qualität brauche.



    Mit freundlichen Grüßen.


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    Hello!



    A few years ago I found something similar in my city, and tested it with a couple of model kits.


    I was very happy with the result. Is similar to what laser printers offer. But there is a big difference:


    For what I understand, the HP Indigo manages color in a slightly different way to what other laser digital printers do. And this results in a much closer match between the color that you see on the screen, and the color you get on the printed product. That's the main strength of the machine.


    Remember that some laser and ink printers use CMYK while digital files are usually RGB. When printing, that causes some blues and greys to look green, reds turn to yellow and so on. Unless you are careful preparing the color profile of the file according to that of the printer, you will get some colors in different tones. That never happened to me with the Indigo HP offset printer. That machine produces almost real colors.


    The HP Indigo is a nice printer. Of course, quality also depends a lot on the kind of paper used, and the quality of the file. And it also helps if the operator of the machine is good at calibrating the color profile. In the shop they must have samples printed on different papers, so that you can see how the toner behaves in different cardstock. Or you can prepare a color chart similar to this one: https://i.stack.imgur.com/jveEU.png and take it there to test their colors and quality. Or maybe take a small one page model just to test the print.


    If you have not used it before, I think you will probably like it. I personally use it for my most important prints when I need good quality.
    Kind regards.

    Ruben Andres Martinez
    Bogota - Colombia


    Bitte verzeihen Sie meine Sprache. Ich spreche kein Deutsch. Ich benutze einen Online-Übersetzer.

  • Danke vielmals/Thank you very much!


    Ich denke, ich werde zuerst im Shop nachfragen, was sie dort zu unterschiedlichen Papierarten etc. sagen und schließlich, wieviel es kosten soll.


    I think I will ask in the shop first and find out, what they say about different types of paper etc. and finally how much it will cost.



    Mit freundlichen Grüßen


    With kindregards

  • Moin Unterfeuer,
    das größte Problem beim Digital/Laserdruck sind nicht die Farben, sondern das Brechen der Farbschichten beim Formen der Bauteile, bzw. das Auflösen der Farben beim Verwendung von lösungsmittelhaltigen Kleber!
    Gruß
    Jochen

  • Moin Jochen,


    es soll sich ja gerade nicht um Laserdruck handeln, sondern - so wie ich es verstehe - um einen digital erzeugten Druck mit echten tintenähnlichen Farben und nicht mit Toner. Das Manko des Laserdrucks, dass die Verbindung von Toner und Papier im Kartonbau zu Problemen führt, würde durch die direkte Verbindung von Farbe und Papier behoben.

  • Auch mit der Indigo-Maschine kann das passieren. Aber es hängt auch von der Oberfläche des Papiers ab. Helles und glattes Papier macht Farben beim Falten gefällig. Matte und poröse Papiere haben ein bisschen mehr Haftung. Meine Lösung ist es, den Druck mit einem Spray von transparenter Farbe zu versiegeln. Es hilft viel, egal ob Sie helles Papier oder mattes Papier verwenden.
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    Even with the Indigo machine that can also happen. But it also depends on the surface of the paper. Bright and smooth paper makes colors brittle when it is folded. Matte and porous paper have a bit more adherence. My solution is to seal the print with a spray of transparent color. It helps a lot no matter if you use bright paper or matte paper.

    Ruben Andres Martinez
    Bogota - Colombia


    Bitte verzeihen Sie meine Sprache. Ich spreche kein Deutsch. Ich benutze einen Online-Übersetzer.

  • Hallo zusammen,


    probieren geht über studieren. Ich habe im Copy-Shop den Bogen der GOTTHILF HAGEN (Passat-Online) jeweils zweimal auf einem matten Papier ausdrucken lassen. Das Ergebnis sieht so aus:



    Der Druck ist sehr sauber und die Farben sind brilliant und deckend - Welten entfernt von meinen "besseren" Ergebnissen (siehe mittleres Bild, rechts oben). Das ist aber auch ein professioneller Shop und da sollte es auch so sein. Da es einen Korrekturbogen für die Bordwände gibt, habe ich ein Stück aus dem Bugbereich geknickt, gebogen, angeschrieen etc. Die Farbe macht das gut mit. Dann habe ich zwei Knickkanten auf der Vorderseite auf einem der neuen und einem meiner Tintenstrahlausdrucke verglichen, auch dort gibt es keinen wesentlichen Unterschied, was den Halt der Farbe angeht. Bei einer Knickkante auf der Rückseite und Dehnen der Vorderseite nach hinten, hielt der Tintenstrahl etwas besser.


    Ich habe je Blatt etwas weniger als einen Euro bezahlt. Wenn es sich damit bauen lässt, ist das eine Option für mich.

  • Ich bin selbst Indigo-Operator und Haustechniker. Meine erste Maschine bediente ich bereits 1994.


    Die Drucke eignen sich nur bedingt für den Kartonmodellbau. Ganz wichtig zu wissen: Bei einer Indigo mommt KEINERLEI flüssige Farbe auf das Papier. Vielmehr wird die Tinte auf das beheizte Gummituch aufgebracht, trocknet bereits dort und wird dann ähnlich einer Heißfolie auf das Papier "geklebt". Die Farbe liegt also nur oben auf dem Papier und zieht nicht ein wie bei einem Tintenstrahldruck oder echtem Offsetdruck.


    Wegen dieses indirekten Druckverfahrens darf sich der HP Indigo Druck "digitaler Offsetdruck" nennen, denn der Ablauf - Farbe kommt auf Druckplatte, dann auf das Gummituch und dann auch den Bedruckstoff - ist derselbe wie beim klassischen Offsetdruck.


    Außerdem mag die Farbe keinen UHU-Klebstoff. Nur sehr sparsam damit umgehen, sonst löst sie sich. Verarbeiten kann man eigentlich nur Farbflächen, die keine 100% Farbauftrag haben, weil dann das zwischen den Rasterpunkten liegende freie Papier den Klebstoff annehmen und somit verklebt werden kann. Bei einer geschlossenen "Elektroink-Flöche" wird eine dauerhafte Verklebung schwierig.

    Gruß aus MG und "In glue we trust"
    Marco ("The Baseman")

  • Vorsicht auch an Knickkanten: Da die Farbe wie erwähnt eine "aufgeklebte Folie" ist, kann man sie an Kanten regelrecht abrubbeln und dann "am Stück" abziehen. Auch hier gilt: Je geschlossener der Farbauftrag (z.B. bei einer schwarzen oder knallroten Fläche), feste leichter löst sich die Farbe wieder ab.

    Gruß aus MG und "In glue we trust"
    Marco ("The Baseman")