2015, da war doch was? Ein kartonaler Rückblick

  • Moin Gemeinde,
    das Jahr neigt sich nun rasant dem Ende zu und es ist Zeit für einen
    Jahresrückblick aus kartonaler Sicht.
    Es ist wahrlich viel passiert in diesem Jahr und ich werde
    versuchen, das Ganze mal etwas zu unterteilen.


    Beginnen wir einmal mit den Treffen und Messen des vergangenen
    Jahres.
    Jedes Jahr startet mit der Zamma in Oberhausen, ein Treffen, wo
    Kartonmodellbauer auf Einladung des SMC Oberhausen ihre Künste
    zeigen dürfen. In den letzten Jahren hat die Fraktion der
    Kartonmodellbaues kontinuierlich zugenommen und wir sprengen dort
    bald schon die Grenze der möglichen Ausstellungsfläche. Diese kleine
    feine Ausstellung ist jedem zu empfehlen, der nah bei wohnt. Guter,
    intensiver Austausch und Basteln, macht einfach Spaß.


    Im Februar folgte dann die Erstauflage der Stolberger Interscale,
    eine Ausstellung für alle Formen des Modellbaus in den Räumen eines
    Gewerbemuseums. Viel Platz und eine gewogene Museumsleitung, wie
    auch engagierte Modellbauer aus allen Sparten machten diese
    Interscale zu einem Erfolg. Konsequenz: es folgt die 2.Auflage im
    Februar 2016; Anmeldungen über Kartonbau.de möglich und erwünscht.


    Anfang März kam dann die GoMo in Wien, ausgerichtet vom IPMS in den
    Räumen des Heeresgeschichtlichen Museums Wien. Eine tolle Location
    in diesen ehrwürdigen Räumen und immer wieder klasse organisiert vom
    IPMS. Noch besser aber die Balkantreffen am Vorabend, ohoh. Ein
    genialer Nebeneffekt der GoMo ist immer die Veröffentlichung eines
    Kartonfliegers von Walter Schweiger. Er bringt diese Modelle in
    Kooperation mit dem IPMS und Walter Selisko heraus. Auch hier hatte
    eine kleine Fraktion von Kartonbau.de ausgestellt, und auch die
    Steirer Truppe ist immer mit einem großen Stand vertreten.
    Wermutstropfen bei dieser Ausstellung ist der fast vollständige
    Rückzug von Kartonmodellhändlern.


    In kurzem Abstand folgte dann im April die wohl größte Messe für uns
    interessierte Kartonmodellbauer: die Intermodellbau in Dortmund. Ca
    90.000 Besucher über 5 Tage stellen erhebliche Ansprüche an
    Aussteller und Verkäufer. Trotzdem macht es immer wieder Spaß an
    dieser Messe mit Internationaler Beteiligung teilzunehmen. Auch der
    Freund des Kartonmodellbaus sollte bei dieser Ausstellung sein
    Portemonnaie in Sicherheit bringen. Die wohl größte Anzahl an
    Händlern mit dem wohl größten Angebot an Kartonmodellen. HMV,
    Möwe,Shipyard,GPM und Betexa, um nur einige Namen zu nennen.


    Im Anschluß an Dortmund: Bremerhaven. Dieses Jahr zum 27. Mal das
    internationale Kartonmodellbauertreffen in den ehrwürdigen Hallen
    des DSM. In diesem Jahr war eine räumliche Änderung vorgenommen
    worden, wir wanderten mit der Ausstellung in die Zwischenetage für
    Sonderausstellungen. Eine große, zusammenhängende Fläche nur für
    uns! Die Teilnehmerzahl pendelt sich weiterhin bei 150 angemeldeten
    Teilnehmern und mindestens weiteren 50-60 unangemeldeten Teilnehmern
    ein. Das Konzept der Tischbestellung und des Aufbaus hatte sich
    bewährt und wird im kommenden Jahr erneut so erfolgen. Für uns immer
    ein Highlight ist das abendliche Treffen der Betreiber mit den
    Mitgliedern und Freunden von Kartonbau.de zum traditionellen
    Fischessen. Jungs, alleine dafür fahre ich gerne nach BHV, soviel
    Spaß gibt es selten. Auch die Ehrung der längsten Anreise lasse ich
    mir ungern entgehen, Michael Kessler / Hanseatic war da nicht zu
    toppen. Und natürlich wurde der Geldbeutel erheblich durch den
    Einkauf neuer Modelle strapaziert. Insbesondere auf das Thema
    Kleinverlage gehe ich aber später nochmal ein.


    Im Mai war dann noch das Treffen in Radolfzell, eine Teilnahme war
    mir bislang auch aufgrund der Weite der Anfahrt nicht möglich.
    Einige Mitglieder haben aber mit Bildberichten entschädigt.


    Es folgte dann die Sommerpause, und der kartonale Kalender begann im
    Herbst mit der Ausstellung in Mainz. Diese war in diesem Jahr durch
    einige erschwerende Umstände weiter in die Kritik geraten. Keine
    festen Hallen ( nur Zelte) und eine zusätzliche Planenabdeckung,
    welche zur Verdunklung in den Hallen führten, machten das Event
    leider nicht zu einem großen Spaß. Hoffentlich ändert sich diese
    Situation bald, aber die Hoffnung stirbt ja zuletzt. Es wäre schade
    für die Kartonbauer im Südwesten.


    Im späten Herbst knubbelte sich dann das Angebot ganz erheblich, so
    mit der Messe in Friedrichshafen, die Spiel und Hobby in Leipzig,
    die Euromodell in Bremen und die eintägige IPMS Veranstaltung in
    Nieuwegein/ NL , organisiert vom IPMS NL. Eine tolle Veranstaltung
    mit einer wahnsinnig großen Ausstellungsfläche für Verkauf von
    Modellen und Zubehör aller Sparten, insbesondere der Sammler und
    Jäger von Antiquitäten kam voll auf seine Kosten.


    Kurz vor Weihnachten hat sich nun auch das Abdventsbasteln der
    Bremer IG Kartonmodellbau etabliert. Eine kleine, feine
    Veranstaltung, wo 48 h Powerbasteln angesagt ist. Eine besinnliche
    Einstimmung auf Weihnachten.


    Nach Weihnachten folgte als traditioneller Abschluss noch die
    Veranstaltung der Mannheimer Kartonbaugruppe. Die
    Kartonmodellbautage im LTA Mannheim ( besser bekannt unter dem neuen
    Namen Technoseum) zwischen den Feiertagen bot nochmal allen
    Interessierten einen großen Einblick in den Kartonbau. Auch Kinder
    wurden beim betreuten Basteln an die Materie mit viel Hingabe
    herangeführt.



    Verlassen wir nun die Ausstellungen und Messen und werfen einen
    Blick auf die ganzen Interessengruppen und Vereinigungen. Vielleicht
    gelingt mir ja eine komplette Auflistung.
    Beginnen wir im hohen Norden: die IG Kartonmodellbau zwischen den
    Meeren aus Flensburg ist mehr als rührig beim Ausrichten von Treffen
    und Ausstellungen, so auch die Teilnahme beim Flensburger Dampf
    rundum und eigenen Ausstellungen im Schifffahrtsmuseum Flensburg.
    Die Gruppe trifft sich regelmäßig in den dortigen Räumen zum
    Fachsimpeln und Basteln.
    Ein wenig weiter südlich finden wir die IG Nordlichter, welche sich
    unregelmäßig im Umland von Hamburg treffen. Die Gruppe ist in der
    letzten Zeit auf gut 20 Personen angewachsen. Die Ausstellung des
    Lübecker PMC wird durch die Gruppe kartonal unterstützt.
    Auch die IG Kartonbaufreunde „Bremen und umzu“ erfreut sich stetig
    steigenden Interesses, die Treffen finden regelmäßig in Bremen
    Arsten statt, Termine werden bei uns veröffentlicht. Auch das
    Adventsbasteln wird von Ihnen organisiert.


    Im Ruhrpott und Umgebung haben wir 2 große Gruppen, welche
    regelmäßig Treffen zum Wissensaustausch und Tausch von Bögen
    anbieten. Zum einen die Duisburger Truppe um Hans und Marion Klimpel
    und Axel Huppers, die in diesem Jahr neue Räumlichkeiten beziehen
    mussten, da die Duisburger Stadtwerke leider kein weiteres Interesse
    hatten. Diese Treffen werden regelmäßig bei uns annonciert.
    Die 2., größere Gruppe ist im westlichen Rheinland angesiedelt, das
    Euregiotreffen. Auch hier hatte man sich nun schon zum 20. Mal
    getroffen und die Teilnehmerzahl steigt immer noch.
    Im Frankfurter Raum hat sich eine neue Gruppe zusammengefunden;
    hoffen wir, dass auch hier mehr Personen zu den einzelnen Treffen
    kommen.


    Tief im Osten der Republik in Dresden fanden sich im Herbst zum ersten Mal Mitglieder
    und Interessierte zu einem Treffen zusammen, hoffentlich
    wächst und gedeiht das zarte Pflänzchen, unsere Unterstützung
    habt ihr.


    Altbekannte sind dann die Monnemer ( Mannheimer Kreis), eine mehr
    als rührige Truppe um Werner Winkler, die in sehr enger
    Zusammenarbeit mit der örtlichen Museumsleitung des Technoseums
    Ausstellungen und Treffen organisieren. Die Treffen werden ebenfalls
    hier bekannt gegeben.
    Ein kleiner Schwer südostwärts, und wir treffen auf die Ulmer Truppe.
    Immerhin schon 21 Treffen und ein geniales Gemeinschaftsprojekt
    ( Prager Burg) stehen hier zu Buche.


    Ganz im Süden folgen dann noch unsere Münchener Freunde. Monatliche
    Treffen immer am ersten Donnerstag des Monats zum Gedankenaustausch
    und einfach zum geselligen Beisammensein werden durchgeführt, auch
    die Ausstellung in Fürstenfeldbruck wurde von ihnen bestückt. Ein
    Besuch lohnt sich immer.


    Und ein Blick über die Landesgrenze Richtung Schweiz zeigt dann
    die Perfekte Kombination zwischen Kartonmodellbau und lukullischen
    Köstlichkeiten. Die Treffen werden immer mit der Zubereitung Schweizer
    Köstlichkeiten begleitet.


    Wenn man jetzt so die einzelnen Treffen zusammen addiert, kommt man
    schon auf eine erkleckliche Anzahl von aktiven Kartonmodellbauern,
    welche ihr Hobby nicht nur in der berühmten dunklen Kammer
    durchführen.



    Richten wir unseren Blick aber nun auf eine ganz andere Seite: Die
    Verlage.
    Und hier beginnen auch schon die Probleme.
    Ein sehr großes und ärgerliches Thema waren die Abmahnungen fast
    sämtlicher Kleinverleger. Die Urheber der Abmahnungen machten
    geltend, dass Änderungen des Widerrufsrechtes der einzelnen
    Onlineshops nicht fristgerecht erfolgten. Möge das Recht auf der
    Seite der Abmahnenden stehen, so ist die Aktion jedoch mehr als
    unnötig gewesen. Hätte man einfach mal den Telefonhörer in die Hand
    genommen und den Sachverhalt mit den einzelnen Betroffenen geklärt,
    es wäre nicht zu diesem einschneidenden Ereignis gekommen. Das
    Resultat ist nämlich das fast vollständige Verschwinden dieser
    Anbieter . Ein herber Verlust für die Szene, denn gerade die
    Kleinverleger machen durch ihre Nischenprodukte das Salz in der
    Suppe der Kartonmodellverlage aus. Wenn das die Absicht der
    Abmahnenden war, kann man nur annehmen, dass sie keine Freunde des
    Kartonmodellbaus sind.
    Die Urheber der Abmahnungen sind weiterhin aktiv und für unangenehme
    Überraschungen gut.
    Die Kleinverlage haben in Bremerhaven versucht, eine Lösung zu
    finden. Eine gemeinsame Richtung ist klar, aber entscheidende
    Personen sind zwischenzeitlich aus der Gemeinschaft ausgetreten.
    Auch die Hinweise des HMV ( so geschrieben in der Clubausgabe #16)
    sind da meiner Meinung nach nicht hilfreich. Auch wenn der HMV sich
    schon länger mit den besagten Abmahnern gerichtlich auseinander
    setzt, so wollen die Kleinverleger davon nicht vereinnahmt werden
    und sich ihre Eigenständigkeit erhalten. Ob es entsprechend anders
    enden würde, sei dahingestellt.


    Bei den Veröffentlichungen der einzelnen Verlage war eigentlich für
    jeden Enthusiasten etwas dabei.
    Die polnischen Verlage veröffentlichen weiterhin mit hoher
    Schlagzahl in allen Sparten, jedoch könnte die Auswahl der Vorbilder
    auch mal nicht auf Me/Bf 109 oder Spitfire etc. beschränken.
    Aufgrund der Konstrukteurs-und Verlagspolitik in Polen und Russland
    erscheinen auch weiterhin Doppelentwicklungen. Vielleicht nicht gut
    für den Markt...
    Altbekannte Größen in Deutschland sind der HMV und der Passat
    Verlag.
    Während der Passat Verlag dieses Jahr schon 2 Neuankündigungen auf
    den Markt gebracht hat und auch weiterhin eine hohe Schlagzahl an
    möglichen Neuheiten durch Konstruktion- und Kontrollbauberichte
    veröffentlicht, sieht es beim HMV eher mager aus. Bis zum Treffen in
    Bremerhaven erschienen 2 neue Modelle ( Helgoland und Dona Diana )
    und auch noch Neuauflagen älterer Modelle. Bei den weiteren
    Ankündigungen wird aber weiterhin viel geschrieben oder gesagt,
    Veröffentlichungstermine werden erst gar nicht fest genannt oder nur
    ungenau umrissen und dann im Endeffekt erneut verschoben.
    Warum diese Kritik so harsch? Ganz einfach: Wie soll ein Kunde mit
    einem Verlag rechnen können, wenn er wie eine Wundertüte agiert. Als
    Beispiel seien hier nur die Albert Ballin oder auch die TS Hamburg
    genannt. Bei der TS Hamburg wurde irgendwann im Oktober nochmals auf
    einen Kontrollbau hingewiesen und darauf hingewiesen, möglichst vor
    Weihnachten noch zu veröffentlichen. Ergebnis? Nix. Und hier möchte
    ich nochmals ansetzen: Warum solch mickrige Informationspolitik bei
    allen zur Verfügung stehenden Informationskanälen?
    Auch das Club Model des Jahres 2015 ist für mich persönlich eine
    herbe Enttäuschung, stellt es doch leider fast nur Altbekanntes in
    neuen Farben dar. Das Wort „Exklusivität“ verdient das meiner
    Meinung nach nicht. Und ich glaube nicht, dass ich mit dieser
    Meinung alleine stehe.


    Einige Verlage haben die Oberfläche leider ganz verlassen. Horst
    Mürell hat nach dem Theater mit den Abmahnungen aufgegeben, Imogen
    Stowasser konstruiert zwar weiter, ist aber online nicht mehr
    vertreten, und Manfred Krüger hat sich zunächst aus der Szene mit
    dem GK und HK Verlag zurückgezogen. Eine sehr bedauerliche
    Entscheidung und Entwicklung. Möge es im nächsten Jahr in dieser
    Beziehung besser laufen, denn einige mir bekannte Projekte durch
    neue Konstrukteure gehen der Vollendung entgegen.
    Es wird interessant werden, welche Vertriebswege sich noch weiter
    entwickeln und wo noch Potential zur Verbesserung besteht.



    Kommen wir noch mal auf das Forum und die Forenlandschaft zu
    sprechen. Der diesjährige KBW war vom Umfang her der bisher größte
    seiner Art und fand würdige Sieger. An dieser Stelle möchte ich ich
    auch bei Slawomir Woicik für die großzügige Kooperation bedanken.
    Der 11.KBW läuft noch und auch in diesem Jahr gibt es wieder
    attraktive Preise, mitmachen lohnt sich.


    Ein altbekanntes Nachbarforum hat sich nach einem Streit des
    Betreibers und einigen Mitgliedern leider vollständig aufgelöst,
    leider sind sämtliche Daten gelöscht worden. Ein großer Fundus an
    Berichten und Bildern ging verloren. Kartonbau. de bot vielen
    Personen eine neue Heimat an, zwischenzeitlich ist auch eine
    Neugründung am Start. Den Kollegen an dieser Stelle immer ein gutes
    Händchen und auf eine gute Zusammenarbeit.



    Zum guten Schluss möchte ich nochmals einen Nachruf auf ULLY KRAUT
    halten. Ully war ein Mitglied fast der ersten Stunde und
    Kartonbau.de immer freundlich gesonnen. Selbst schwere Erkrankungen
    oder Beeinträchtigungen hielten ihn nicht davon ab, das Treffen in
    Bremerhaven oder die Treffen der Nordlichter zu besuchen. Auch seine
    musikalischen Einlagen beim gemeinsamen Essen und seine immer
    fröhliche Art werden uns fehlen.



    Somit beschliesse ich meinen kartonalen Rückblick 2015 und wünsche
    uns Allen ein gutes und erfolgreiches Jahr 2016 , bleibt gesund und
    fördert unser Hobby, wo es nur geht. Geht zu Treffen oder
    organisiert Treffen, geht zu Messen und Ausstellungen und nicht
    zuletzt: kauft Bögen :D und zeigt eure Ergebnisse in den Foren oder
    Ausstellungen.
    In diesem Sinne
    Robert Hoffmann

    Jean Luc Picard ( USS Enterprise): Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten bleibt immer gleich, nur die Bevölkerung wächst.


    Andere haben Flugzeugträger, wir haben die Gorch Fock.