Resin meets Karton - Vortrag Bremerhaven 2013

  • Moin zusammen,


    auf Wunsch zum Nachschlagen hier meine kleine Anleitung für den Resinguss einzelner einfacher Teile als Zurüstung und vor allem die Vervielfältigung von Teilen, die in grösserer Zahl benötigt werden, und dabei die Bastelleidenschaft arg strapazieren...


    RESIN


    "Resin" ist eigentlich nur der englische Begriff für Harz.
    Das in Modellbau (und vielen anderen Sparten) genutzte "Resin" ist ein Zwei-Komponenten-Polistyrol-Kunststoff, der vor dem Aushärten
    dünnflüssig ist und in jede feinste Ritze und Textur der Form einfliesst.


    In den Serienherstellerfirmen ist man mit Reinräumen, Vakuumgussmaschinen, Formbausegmenten und vielem anderen und kostspieligen Zeugs ausgestattet.


    Doch auch wir "Kleinen" können das Material nutzen, und zwar mit verblüffend einfachen Mitteln!


    Beginnen wir mit dem URMODELL


    Hier kommt als erstes der Kartonbau ins Spiel.
    Ich fertige meine Urmodelle seit langem nur noch aus Karton an.


    Als Beispiel wähle ich mal ein Eisenbahn-Speichenrad. Eines meiner Projekte braucht 86 Stück (und das NERVT).


    Wir kennen das ja...dutzende von Rettungsbooten, Lüftern oder anderen Teilen,
    die in Serie schlichtweg die Bastellaune ein wenig einschränken...


    Nein, da bau ich mir lieber ein Muster, das ich abgiesse.
    Hier das in Bristol gebaute Rad mit der blitzeblank polierten Lauffläche.
    Das Rad formen wir als einen Guss in offener einteiliger Form.


    Im Zweifel würde ich das Kartonteil mit Sekundenkleber oder Klarlack noch versiegeln.



    Das Urmodell auf eine absolut grade Fläche mit doppelseitigem Klebeband
    bombenfest fixieren.
    Ein Reststück Regalboden, ein alter Spiegel oder eine Fliese tuns da prima.


    Auf der Platte wird das Urmodell auf einem Streifen doppelseitigem Klebeband (Teppichklebeband) ganz fest aufgeklebt.


    Wichtig ist, daß das Teil luftdicht aufliegt und nicht mehr bewegt werden kann.




    (Fortsetzung folgt..)

  • ...weiter gehts...


    Jetzt kommt der Gußkasten. Ich greife hier auf die wunderbar flexiblen und einfach einsetzbaren LEGO-Steine (also den allerersten Modellbau überhaupt für die meisten von
    uns :-) zurück und baue eine Art Becken um das Urmodell.
    Durch das Klebeband dichtet sich das Becken sauber ab und ist sehr einfach entfernbar.


    Um das Urmodell sollte in alle Richtungen mindesten ein Raum von 8mm für das Silikon sein.


    Zum Abformen wird eines der wunderbaren Zweikomponenten-Silikone genommen. Die gibts sogar Hitzefest für Zinnguss und Lebensmittelecht für Schokoladenguss ;-)


    Das Material wird nach Anleitung (meist 50:50) gemischt, ausgiebig und sorgfältig verrührt und dann in die Form gegossen.
    Eine Weile das Ganze leicht vibrieren lassen, z.B. mit einem Löffel leicht dagegen klopfen, damit sich keine Luftblasen festsetzen können.


    Nach dem Aushärten (ich lasse die Formen einfach über Nacht liegen) die Legosteine entfernen und die Silikonform vorsichtig entfernen, und eni paar Stunden auslüften lassen.


    Und dann ist alles bereit zum Giessen!





    ...Fortsetzung folgt...

  • ...auf zur letzten Runde...


    Jetzt kommt das Resin in Spiel.


    Ich nehme das G-27 von Sikla.
    Resin MUSS sauber verarbeitet werden. Messbecher, Rührlöffel und alles andere muss absolut TROCKEN sein, denn wenns feucht ist, fängt das Zeug an zu schäumen und aufzuquellen. Und schon ist das Teil versaut!


    Das G-27 hat eine Verarbeitungszeit von ca 10-15 min. je nach Raumtemperatur und wird 50:50 gemischt. Das geht in einem alten Joghurtbecher oder so prima! Ich nehme einen alten Teelöffel zum rühren und kann mit dem gleich das Resin abmessen und um kleine Portionen in die Formen zu geben.


    Giessen ist einfach!
    Die Form zu 2/3 mit dem Resin füllen, und dann mit einem Zahnstocher die Gussform innen sanft abstreichen, um Luftblasen zu vertreiben.
    Dann fertig befüllen und gut ist.


    SAUBER arbeiten - lieber zweimal giessen, dabei natürlich mit Küchenpapier alles sauber wegwischen.
    Flecken in Teppich und Kleidung gehen NIE mehr raus, also Zeitung drunterlegen.


    Tja, so nach ein-zwei Stunden ganz vorsichtig das Silikon und den Guss trennen - FERTIG.


    Jetzt muss man das Teil nur noch versäubern und los gehts...

  • So, das wars erst mal in einfacher Form.


    Ein paar Beispiele, was machbar ist hier, ansonsten stehe ich natürlich Fragen gerne zur Verfügung.


    Mein Material beziehe ich bei der TROLLFACTORY, das sind Leute, die machen Masken, Fantasymodelle usw und sind in D die preisgünstige Alternative zu den herkömmlichen Modellbaufirmen, die "andere" Preise haben.


    Gruß


    Hadu

  • Hey Hadu


    Das ist Super, dass Du Deinen Vortrag hier noch präsentierst. Leider konnte ich ihn nicht mehr besuchen, da ich abreisen musste, um noch am gleichen Tag heim zu kommen. Umso mehr bin ich froh, das hier lesen und abspeichern zu können.
    Auch im RC-Bau werde ich das verwenden können!


    Freundliche Grüsse
    Peter

  • Hallo Hadu,


    das sieht ja tatsächlich sehr einfach aus!


    Du sprichst die Reproduzierbarkeit an, mir kommt da eher die mechanische Stabilität als Argument in den Sinn.
    Karton ist ja für manches einfach nicht stabil genug, wenn man an den Funktionsmodellbau denkt.
    Wie sieht es denn mit den mechanischen Belastbarkeit dieses Materials aus, zb. für Zahnräder etc.?


    Danke für den Beitrag!
    Bernhard