Wie schneide ich Draht?

  • Blöde Frage eigentlich, ich weiss, aber sie beschäftigt mich in letzter Zeit doch ziemlich. Zur Verarbeitung kommt Steckdraht/Blumendraht in den Stärken 0,2 / 0,4 / 0,6 mm für diverse Streben, Stützen und Kleinteile. Leider schaffe ich es nicht, zB einer Reihe von Reelingstützen die gleiche Länge zu verpassen; sie sind immer so lange zu lang, bis ich zu viel abgeschnitten habe... :cursing: :cursing: Außerdem drückt die Zange das Material in der Mitte zusammen, so dass ein Grat stehen bleibt, was auch nicht schön ist. Am liebsten würde ich den Draht mit einer Art Messer oder Schere sauber abschneiden oder abscheren, statt ihn "abzudrücken", aber ich habe bisher nichts gesehen, was mir geeignet erscheint. Wie macht Ihr das so? Was würde etwa ein Goldschmied empfehlen?


    Danke für jeden Tip!

  • Hey Heiner


    Damit die Stücke gleich lang werden kannst Du sie mit der Schieblehre (Messschieber) anreissen (s. Skizze)
    Trennen würde ich sie mit einer Laubsäge, dazu kannst Du im Baumarkt Metallsägeblätter kaufen. Die Enden kannst Du mit Schmirgellatten (auch aus dem Baumarkt) oder mit einer Nagelschleif-Feile aus dem Maniküre-Etui der besseren Hälfte :D verschmirgeln.


    Freundliche Grüsse
    Peter

  • Hallo,
    Vorschlag: als erstes ein Stück Draht etwas länger als gewünscht abschneiden und mit Schlüsselfeilen auf Länge bringen und dabei die Enden begradigen.
    Dies ist nun das Referenzstück, entsprechend kennzeichnen.
    Am Drahtrest Ende begradigen, dann mit Referenzstück Länge anzeichnen, etwas länger abschneiden und das Ende geradefeilen. So lange wiederholen, bis genügend Drahtstücke gewünschter Länge vorhanden sind. Nach Möglichkeit das Referenzstück mit Hilfe von Klebeband beschriften und aufbewahren, falls doch Ersatzteile benötigt werden.


    Viele Grüße


    Markus Schweizer

  • Hallo Heiner,


    wenn es viele Stücke anzufertigen gilt dann nehme ich dafür gerne die Proxxon und eine Trennscheibe.
    Jedes einzelne Stück ist dann mit der Schieblehre zu prüfen und ggf. nachzuschleifen.


    Einzelne Stücke hingegen würde ich wie schon oben von Masw beschrieben mit der Feile auf Maß bringen.


    NeTTe Grüße
    Martin

    Im Probebau: PU29 ( M 1:25)
    Abgeschlossen: Altona V23(als TT-Komplettmodell)
    In Vorbereitung: Altona V23(M 1:200)
    In der Entwicklung: BR 41 DB/DR/DRG


    Link zu meinem OnlineShop Lasermodelle.de

  • Hi Heiner,


    You can cut most wires like copper, floral wire, soldier and the like with your blade and fixture or jig. Measure the length of wire you want and using 1mm cardboard cut out a strip about 1cm wide. Cut another strip about the same size and butt the two together 90 degrees. Then glue the resulting angle on a another piece of scrape cardboard and soak the whole with CA. Now, lay your wire on the inside the fixture and cut even with the end.


    Its also much easier to cut other varying lengths of wire using dividers instead of calipers or a scale to measure.


    Nail files will knock the burr off of any pieces and even out the cut.


    Additionally, consider using paint or broom bristles for very fine items as they are easier to cut.


    Kind Regards,


    Cris

  • Hallo Heiner


    versuche es mal mit einer Zange für Äzteile. Die haben den angenehmen Vorteil einen absolut glatten Schnitt zu machen ohne den lästigen Grat in der Mitte des Schnittes übrig zu lassen. Vorsicht ist allerdings ab ca. 1mm Draht geboten, da es sonst passieren kann das die Zange leidet.


    Grüße
    Michi

  • Moin Heiner,


    ich nehme grundsätzlich nur Kupferdraht, und zwar lackierten aus allen möglichen Wicklungen. Oder blanken Kupferdraht aus Unterputzleitungen. Die werden etwas gereckt, damit sie schön gerade sind. Abkneifen geht gut und sauber mit einem Nagelknipser, da gibt's verschiedene Größen und sie sind billig. Ganz was Feines ist auch ein Elektronik-Seitenschneider, aber leider teuer. Mit Stahldraht wird aber auch der der schnell beschädigt. Alternativ bleiben die arbeitsintensiven Verfahren wie oben beschrieben.


    Beste Grüße,
    Manfred

    Es muss nicht alles perfekt sein, was gut tut.

  • Hallo,
    im Uhrmacherfachbedarf gibt es Seitenschneider mit und ohne Watenschnitt. Wate, das ist das zusammgequetschte Teil des Drahts. Damit kann man gerade Flächen schneiden. Ich habe einen Schneider, der watenfrei schneidet.
    Ich habe dazu noch kleinen Klammern, die klammere ich auf dem Stahllineal bei der entsprechenden Läng. lege den Draht auf und dann schneide ich am Ende des Lieneals den Draht ab. Damit werden die Stücke immer gleich lang oder kurz. Es ist praktische eine Schneidlehre.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrih

  • Uff - so viele Tips ausprobieren, das wird dauern. Vielen Dank erstmal Euch allen für die Hilfe! :thumbsup: :thumbsup: :thumbsup:




    @ Peter: wie fixierst Du den Draht beim sägen? Reicht da die Krokodilklemme von der dritten Hand, oder spannst Du die Stücke richtig in einen Schraubstock? Weil - auf der Schneidmatte sägen, da finde ich höchstens jedes 3. Stück nachher wieder, oder ich suche gleich im Staubsaugerbeutel:pinch: ...


    @ Markus und Martin: so hatte ich mir das auch schon gedacht, nur wollte ich versuchen, etwas Zeit zu sparen. An meiner "Cerberus" fallen (geschätzt) so um die 50 Reelingstützen an, zusammen mit anderen Streben und Kram, da geht es sicher noch. Aber wenn ich mir einen Kreuzfahrer oder die "Seatrout" vorstelle, wo man schnell auf 2 m und mehr Reeling kommen dürfte, da jedes Stück nachfeilen stelle ich mir vor wie einen Ausbruch aus Alcatraz. Oder wenigstens Santa Fu... ;) Obwohl - 8| ich habe da doch noch eine Proxxon, die hatte ich jetzt wirklich total vergessen... @ Chris: I will certainly build such a template, that You described here :thumbup: , - but honestly, I can not cut floral wires with the blades I use. Sooner or later (rather late) I would certainly succeed (hopefully...), but each cut means a fresh blade, as I tried just after reading Your tip. What kind of blade do You use? (And what kind of exercises?) I will keep in mind, anyway, to use bristles, where not much stability is needed.
    @ Michi, Manfred und Ulrich: Danke, "Seitenschneider ohne Watenschnitt", das hätte ich so nicht gefunden. Meinen Favoriten habe ich hier gegogelt, der hält das abgeschnittene Stück gleich fest. Wenn ich das richtig sehe, wird das abgeschnittene Stück am Ende aber auch wieder zusammengepresst, man spart sich also "nur" das säubern der einen Seite, entlang der die Schneide läuft oder? Die Hälfte weniger feilen ist sicher nicht zu verachten, und den Schnitt wirklich an der Stelle zu haben, die man treffen will, wäre genial - aber etwas mit zwei glatten Kanten, das den Draht auf beiden Seiten glatt abschert - hat jemand schon mal so etwas erfunden?
    Der Nagelknipser wird am Wochenende ausprobiert. Und Elektrokabel für Kupferdrähte hatte ich auch schon mal geschlachtet, aber die bestanden aus vielen dünnen Adern statt einem Draht, damit war kein gutes Arbeiten. Mal sehen, was der Baumarkt bietet.

  • Hey Heiner


    Hier im Geschäft habe ich spezielle Halter dafür, wo man das in ein Futter einspannen kann. Zu Hause würde ich sie in den Dremel einspannen, wie ein Bohrer. Somit hast Du den perfekten Halt.
    Die Zange sieht gut aus, nur bezweifle ich offen gestanden, dass das einen absolut gratfreine Schnitt gibt, da auch diese Zange den Draht abklemmt und nicht abschneidet. Somit schätze ich, wird es auch hier in der Mitte einen abzufelienden Grat geben. Aber wenn Du das Ding kaufst und testest, dann würde ich mich sehr für das Ergebnis interessieren. Man lern ja schliesslich nie aus ;)


    LG
    Peter

  • Hm, jedes Drahtstück einzeln abzumessen und anzureißen ist bei 50 Stück schon aufwendig; da würde es sich schon lohnen, eine Art "Anschlag" zu bauen, z. b. ein Kunststoffdöschen auf die Länge des Drahtstücks zu kürzen, den Draht immer wieder dort einzuführen und am Dosenende bündig abzuschneiden und dann das Drahtende wieder glattzufeilen.

  • Hallo Drahtschneider,
    hier ein Foto des Watenlosen Schneiders. Ich habe einen Bindedraht 1,5mm durchgeschnitten.Links die Wate( der spitze Keil) am Abfallstück. Rechts sieht man einen ganz kleinen Keil, der vielleicht 1/10 mm hoch ist. Den könnte man abschleifen oder so vorgehen: Die Röhrchen haben ihre vorgegebene Länge und werden in aller Regel mit einer Scheibe an den Enden verschlossen. Deshalb kann ich den um einen Hauch verkürzten Draht in das Röhrchen einschieben und dann die Scheiben aufkleben. alles ist sauber abgedeckt und das Röhrchen hat sicheren Halt.
    Man sollte aber keinen Stahltdraht nehmen, weil der Seitenschneider auf Weichmetall ausgelegt ist, so z. b. für Kupfer, Messing, Bindedraht, Gold und Silber usw.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrich

  • Moin Ulrich!
    Danke für das Photo. Wenn es der Drahtschneider wird, sind also zwei Schnitte pro Reelingstütze Pflicht, immer mit einem Stück Abfall dazwischen, an dem die Waten sind. Wenn nicht das Entgraten noch furchtbar mühsam wird, ist das wahrscheinlich die schnellste Methode. Ansonsten neige ich zur Proxxon, wobei man da sicher je nach Größe des Stücks und Härte des Materials noch unterschiedliche Lösung finden kann, mit und ohne Spannfutter usw. Dein Tip mit den Röhrchen ist auch nicht schlecht, ich hatte nur gar nicht an Verstärkungen von Masten, Rahen usw. gedacht, sondern an Teile, die ich direkt nach dem Anmalen einklebe, weshalb ich am abfeilen wohl nicht vorbeikomme.
    Jetzt müßte man nur noch zum Bauen kommen... und den Photoapperat zurückerobern ;( !

  • Moin Heiner,
    ich bin etwas spät dran, was richtig Neues habe ich auch nicht, möchte aber gern die Erfahrungen meines heutigen Mastbaus loswerden. Geschnitten habe ich einen 1 mm-Mesingdraht, einmal mit einem Seitenschneider, einmal mit einer kleinen Metallsäge. Der Seitenschneider gibt einen keilförmigen Abschluss, die Säge ein glattes Ende, allerdings mit etwas Grat, der sich leicht abschleifen lässt ( Bild 1, linke Drahtseite Säge, rechte Seite Seitenschneider). Auf dem zweiten Bild sind beide Enden glatt geschliffen bzw. entgratet. Das Sägen geht bis zu einem Durchmesser von 0,5 mm, darunter dürfter ein Schneidkeil aber kaum noch auffallen. Für eine Serienfertigung empfiehlt sich eine Schneidlehre aus einen kleinen U-Profil mit Anschlag, sägen sollte man nur mit ziehendem Schnitt.


    Gruß Gustav

  • Ich mache es bei diesen geringen Drahtstärken und bei so weichem Draht so:


    - Erforderliches Maß mit der Schieblehre einstellen.
    - Drahtende bündig an der einen Schieblehrenbacke parallel zum Läufer anlegen.
    - Bastelmesser (mit langer Klinge) am anderen Schieblehrebacken auf dem Draht ansetzen.
    - Schieblehre entfernen.
    - vorsichtig mit leichtem Druck auf das Messer mit der Klinge so über den Draht rollen, dass das Messer nicht aus der Spur läuft.
    - nach einigen "Rolldurchgängen" ist der Draht maßgenau abgeschnitten.


    Gruß Norbert

  • Herzlichen Dank für die vielen Tips! In dem Laden, wo all die Leute kaufen, habe ich verbilligt ein Feinmechaniker-Set mit Seitenschneider ohne Wate erstanden und bin erstmal begeistert, die Schnitte sitzen wirklich genau dort, wo ich sie haben will. Drahtstärken von mehr als 1 mm habe ich noch gar nicht in meiner Schublade, und darunter nur Blumen- und Steckdraht, der weich und fein genug ist, um die Schneiden nicht zu beschädigen. Zwischen 2 Drahtstücken, die ich verwenden will, kommt ein Abfallstück, das die Keile abbekommt; was dann noch an Grat stehen bleibt, stört nicht. Für das Ablängen mache ich mir aus Karton eine Schablone, wie Chris sie beschrieben hat und schneide sauber alles weg, was nach oben herausragt; der Serienproduktion steht damit nichts mehr entgegen.
    Alternativ habe ich die kleine Trennscheibe an meiner Proxxon probiert; der Schnitt ist sauberer, weil man im selben Arbeitsgang Reste gleich mit abschleift, aber ich bin mit dem Seitenschneider etwas schneller und verbrenne mir nicht an heißen Drahtenden die Finger... :cursing: Außerdem schneide ich viel direkt am Modell, weil schon beim tapezieren mein zweiter Vorname "Meßfehler" war, und dafür ist mir die Scheibe zu heikel.
    Die Technik, Draht mit dem Messer abzutrennen, probiere ich mir aus, wenn ich an Stellen komme, die ich mit dem Seitenschneider nicht erreiche und wo es auf die Präzision ankommt, die diese Technik verspricht.
    Bilder kommen (hoffentlich) am Montag.