Haltbarkeit von großen Kartonmodellen

  • Hallo Kartonbauer,


    nachdem ich vor mehr als einem Jahr vom Holzwurm zum Kartonfetischisten konvertiert war bastele ich an dem Victory Modell von Shipyard. Wenn ich Zeit habe setze ich dazu meinen Thread auch wieder fort. Bis dahin siehe hier:
    Victory
    Der Bau wird immer aufwändiger und ich verbeiße mich immer mehr in die vielen Technologien des Kartonbaues. Vermutlich werde ich wohl noch zwei Jahre an dem Modell basteln.


    Nun erhebt sich für mich die Frage nach der Haltbarkeit von Kartonmodellen mit den Abmaßen einer Victory. Viele Kartonspanten im inneren, viele Öffnungen in das Innere hinein, Wirkung von Feuchtigkeit und Wärme und UV usw.


    Bei Holz habe ich schon gesehen, dass es nach Jahren immer zu verschiedenen Zerfallserscheinungen kommt.


    Wie ist das aber bei so großen Kartonmodellen? Was kann ich tun, um nun noch die Innereien zu konservieren? Wie sind die Zerfallsraten?
    Holz hält ja vermutlich viel länger, aber ich will es jetzt nun mal in Karton!
    Außerdem faszinieren mich die Möglichkeiten in Karton immer mehr.


    Was sagt Ihr dazu?


    Lorei

  • Hallo Lore,
    meine ältesten Kartonmodelle sind jetzt rund 55 Jahrte alt und ich habe noch keine Zerfallserscheinungen festgestellt. Ich habe die Imperator von Schreiber gebaut. Der Bogen stammte aus der Zeit vor dem 1. WK. Und die alten Teile sind immer noch gut. Über die Behandlung mit Lacken, UVÜberzügen gibt es hier im Forum genügend Artikel.


    Mit freundlichen Grüßen


    modellschiff

  • Quote

    Original von modellschiff
    Hallo Lore,
    meine ältesten Kartonmodelle sind jetzt rund 55 Jahrte alt und ich habe noch keine Zerfallserscheinungen festgestellt. Ich habe die Imperator von Schreiber gebaut. Der Bogen stammte aus der Zeit vor dem 1. WK. Und die alten Teile sind immer noch gut. Über die Behandlung mit Lacken, UVÜberzügen gibt es hier im Forum genügend Artikel.


    Mit freundlichen Grüßen


    modellschiff



    Hallo Modellschiff!


    Du meinst die Zeit vor dem II. WK ?


    Gruß,
    Otto.

  • Hallo, Lorei!


    Das kann auch ich bestätigen. Ohne irgendwelche besonderen Konservierungsmaßnahmen hält ein Kartonmodell auf jeden Fall länger als ein Mensch - vorausgesetzt es bekommt
    1. keinen Staub und
    2. keine Feuchtigkeit sowie
    3. keine direkte Sonneneinstrahlung.
    Natürliche Feinde des Kartonmodelles sind
    - putzwütige Frauen,
    - neugierige Krabbelkinder,
    - verspielte Katzen,
    - freifliegende Stubenvögel,
    - obdachlose Nagetiere,
    - gefräßige Silberfischchen,
    - inkontinente Schmeißfliegen.
    Ideale Lagerbedingung wäre also in einer dichten Vitrine bei 18°C Temperatur und 50% Luftfeuchtigkeit.


    @Otto:
    Nein, das 1. Schreiber-Modell vom "Imperator" erschien tatsächlich im Maßstab 1:200 zeitgleich mit dem Vorbild noch im Jahre 1913, also vor dem 1. Weltkriege. Es würde heute mit mittleren dreistelligen Summen im Antiquariatshandel bezahlt werden müssen.


    Kleben Sie wohl!
    Kartonkapitän

    Ich schnipsel mit Schere, ich klebe und falz';
    das is zwar nur Schimäre, doch mich unterhalt's! :P(frei nach Johann Nestroy)

    Edited 5 times, last by Kartonkapitän ().

  • Hallo Kartonkapitän,


    die von Dr genannten "Feinde" sind vermutlich die Feinde jeden Modells!
    Insbesondere die mit der Inkontinenz.


    Habt Ihr denn überhaupt versucht, die Innereien der Modelle irgendwie zu konservieren? Ich höre hier raus, Ihr macht das eigentlich nicht?


    Äußerlich kommt bei mir ja Farbe drauf und zuvor sogar immer Zaponlack, damit sich nichts wellt. Nach dem Bemalen kommt nochmal Zaponlack drauf.


    Lothar

  • Hallo, Lorei!


    Nein, die bisher von mir gebauten Kartonmodelle sind eigentlich immer so konstruiert gewesen, daß sie innen auch ohne besondere Verstärkungen oder Konservierungsmittel auskamen.
    Etwas anderes wäre es gewesen, wenn man sie a) dauerhaft im Freien aufstellen oder b) gar schwimmfähig machen wollte oder c) sie als Spielzeug für Kinder verwendete.
    Dann allerdings müßte man Maßnahmen wie Verstärkungen des Innengerüstes, Lackieren und Imprägnieren, Ultraviolettschutz etc. ergreifen.
    Für reine Standmodelle erscheint es mir überflüssig - vom UV-Schutz mal abgesehen.


    Apropos Papierzerfall: Mein ältestes Buch stammt aus dem Jahre 1493 - das damals verwendete Papier (Bütten-Papier aus Hadern) ist auch nach über einem halben Jahrtausend immer noch in recht gutem Zustand.
    Das älteste erhaltene Kartonmodell eines Schiffsrumpfes stammt immerhin aus der Mitte des 18. Jahrhunderts in Schweden.
    Anders sieht es mit den Büchern des späteren 19. u. 20. Jahrhunderts und den holzigen Kartonbögen dieser Zeit bis hin zu den älteren Maly Modelarz- und Kranich-Modellen aus, die schon stark vergilbt und etwas bröselig sind.


    Kleben Sie wohl!
    Kartonkapitän

    Ich schnipsel mit Schere, ich klebe und falz';
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  • Hallo,
    das vergilben von Papier ist ein neuzeitliches Problem. Seit Anfang des 18 Jahrhunderts wird Papier unter Überschuß von Aluminiumsulfat hergestellt. Aluminiumsulfat zerfällt bei UV Bestrahlung und bildet mit der Luftfeuchtigkeit Schefelsäure bzw. schweflige Säure. Beide zersetzen die Zellulose im Papier, was die Gelbfärbung verursacht.


    Es gibt ein Buch über dieses Thema:


    Dauerhaftigkeit von Papier


    ISBN 3465014480, 9783465014485


    240 Seiten


    Gruß


    Michael

    SPACE MODELERS - AD ASTRA PER FORMAE


    Ein kleiner Schnitt für mich, ein weiterer Baubericht für die Menschheit


    Mein Chef kann ohne Probleme mit dem blanken Draht in eine Steckdose fassen. Er leitet so schlecht.....

    Edited once, last by Waeschens ().

  • Moin,


    Quote

    Zitat Michael: Es gibt ein Buch über dieses Thema: Dauerhaftigkeit von Papier


    Das Buch werde ich mir kaufen, mal schauen wie lange das hält... :D


    Duck und wech...


    Thomas

    In Konstruktion und Bau: Terminal Sperenberg 80'iger Jahre

  • @ Thomas,
    es gibt auch einen Scan von dem Buch, der hält sicher länger. Wobei....


    .....Festplattencrash, Viren, .....





    Gruß



    Michael

    SPACE MODELERS - AD ASTRA PER FORMAE


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    Mein Chef kann ohne Probleme mit dem blanken Draht in eine Steckdose fassen. Er leitet so schlecht.....

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