BMW R75 Bauj. 1939 Eigenkonstruktion M=1:8

  • Liebe Klebegemeinde,


    nun möchte ich mein Verprechen einlösen und den Baubericht meiner Eigenkontruktion eines Motorrades BMW R75 Baujahr 1939 vorstellen .


    Durch eine Bemerkung meines Bruders " gibt es keine Motorräder aus Papier ?" bin ich auf die Idee gekommen mal etwas nachzuforschen, und es kam ein schwaches Ergebnis zu Tage. Außer den Japanern , habe ich nur ein Motorrad noch bei Moduni gefunden, eine Rennmaschine , aber sehr einfach gehalten.
    Also habe ich mir die BMW R75 Baujahr 1939 ausgesucht.
    Bin ein Fan alter Motorräder so um ca. 1935 bis 1950, habe selber eine BMW Baujahr 1951 besessen, bis zu meinem Unfall .


    Erste Überlegung war, geht das überhaupt ?, nach einigem Rechnen, es müßte möglich sein.


    Also nach Zeichnungen, Skizzen und Maßen im Internet geschaut, da wo was zu holen war, hielten sich alle sehr bedeckt . Also musste eine andere Quelle her. Zu meinem großen Glück haben wir bei uns eine Firma die alte Motorräder repariert und restauriert. Die Besitzer waren so nett und ich ich Einblick in alte Orginalzeichnungen nehmen, und durfte so oft zum messen und skizzieren kommen wie ich wollte !
    Das war die Rettung, Nachdem ich die Maße zusammengetragen hatte, ging es an die Umrechnung, dabei musste ich feststellen, das einige Teile sehr klein wurden bei 1:8, aber ich blieb bei dem Maßstab.



    Bilder der BMW R75 gibt es hier : Motorrad BMW R75



    Für diejenigen unter Euch denen die Geschichte der BMW R75 interssiert, hier eine kleine Zusammenstellung .




    Die Entwicklung der BMW R75


    In vielen europäischen Armeen ging man bereits anfangs der 30er Jahre dazu über, mit Beiwagenkrädern Teile der Infanterie beweglicher zu machen. Mit Einführung der all-gemeinen Wehrpflicht wurde 1935 eine Kradschützentruppe aufgestellt. Ihre Aufgabe sollte darin bestehen, mit jedem Beiwagenkrad drei vollausgerüstete Soldaten in kürzester Zeit in vorderster Front in Stellung zu bringen.
    Die bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges für das Militär verfügbaren Motorräder und Beiwagenkräder waren Konstruktionen für den zivilen Straßenverkehr, die militärgrau lackiert und militärisch ausgerüstet wurden. Bedingt durch die große Typenvielfalt fielen viele Fahrzeuge mangels ausreichender Ersatzteilversorgung nach kurzer Einsatzzeit aus. Ein Einsatz abseits befestigter Wege unter erschwerten geographischen und klimatischen Verhältnissen war nur sehr beschränkt möglich.
    Bereits im November 1937 fanden beim OKH (Oberkommando Heer) Besprechungen mit der Industrie (BMW und Zündapp) zum Themastatt.
    Schweres geländegängiges Motorrad mit Seitenwagen im Heeresbetrieb´



    Folgende Bedingungen für das neu zu konstruierende Krad mit Seitenwagen wurden dabei festgeschrieben:


    1. Die Bereifung des Volkswagens (Reifendimension 4,50 x 16) sollte Verwendung finden .
    2. Die Schutzbleche müssen so dimensioniert werden, dass auf Vorder- und Hinterrad Gleit-schutzketten aufgelegt werden können.
    3. Der Tankinhalt ist für eine Fahrstrecke von 350 km auszulegen.
    4. Die Höchstgeschwindigkeit bei voller Belastung wird mit 95 km/h, die Dauer-Geschwindigkeit auf Autobahnen mit 80 km/h festgelegt.
    5. Eine Bodenfreiheit von mindestens 150 mm ist einzuhalten.
    6. Das Gespann muss mit 500 kg Zuladung belastbar sein, von denen 250 kg (Fahrer mit Beifahrer und Packtaschen) für das Krad und die restlichen 250 kg für den Beiwagen berechnet waren
    Als im Jahre 1939 die Deutsche Heeresverwaltung die Entwicklung eines schweren gelände-gängigen Gespannes fordert, kann BMW schon mit praktischen Vorschlägen aufwarten. Ein bereits 1934 anlässlich einer Winterfahrt eingesetztes Gespann mit angetriebenem Seiten-Wagenrad rief in Fachkreisen große Beachtung hervor. Jahrelange Vorarbeiten haben dieses Antriebssystem ´fahrreif´ gemacht.





    Deshalb gehört dieses Antriebssystem für BMW zum absoluten Muss. Des Weiteren soll die einige Jahre vorher entwickelte Teleskopgabel verwendet werden. Der Vorteil gegenüber der Vorderrad-Blattfederung ist ein sehr schnelles und weiches Ansprechen im Gelände. Als Rahmen soll ein zerlegbares Rohrgestell zum Einsatz kommen.Im Frühjahr 1941 kommt ein kraftvoll aussehendes ´Arbeitspferd´ an die Front. Dieses verfügt neben leichtester Lenkfähigkeit über alle bekannt guten BMW-Fahreigenschaften. Infolge der völligen Kapselung aller beweglichen Teile, einschließlich Teleskopgabel und Kardanwellenantriebes, bleibt die Maschine unter allen Fahrbedingungen unempfindlich und von größter Zuverlässigkeit. Selbst stundenlanges Kolonnenfahren im Schritt-Tempo, Wasserdurch-fahrten, das Befahren von Steilhängen oder auch Schnellfahrten auf der Autobahn haben keinen Einfluss auf die Betriebssicherheit.
    Auf den ersten Blick stechen technische Besonderheiten hervor, die bei der Konstruktion im Hinblick auf den Einsatz beim Heeres-, Kolonial- und Behördendienst sowie der Forst-wirtschaft verwirklicht wurden.



    Der Motor


    Als Kraftquelle dient ein obengesteuerter Zweizylinder-Boxermotor mit 750 ccm Hubraum. Die Ventilsteuerung, die Nockenwelle und der halbkugelförmige Brennraum wurden nicht auf Spitzenleistung, sondern auf hohe Dauerleistung (26 PS bei 4400 U/min) ausgelegt. Das maximale Drehmoment von 5 mkg wird bei 3600 U/min erreicht. Der Zylinderkopf aus Aluminium ist stark und großflächig verrippt, so daß die Kühlwirkung selbst bei Marsch-geschwindigkeit in großer Hitze ausreichend ist. Alle Lager sind als Wälzlager ausgelegt. Vorteil: kleiner Reibungwiderstand bei erhöhter Lebensdauer. Der Antrieb der Nockenwelle und der Ölpumpe erfolgt über Zahnräder von der Kurbelwelle. Die Kupplung ist eine Einscheiben-Trockenkupplung, die in ihren Abmessungen der eines mittelstarken Kraft-wagens entspricht. Die beiden Vergaser Typ Graetzin 24/1 und 24/2 haben einen gemeinsamen Ölbadluftfilter auf dem Getriebegehäuse. Damit ein Batteriedefekt das Krad nicht lahm legen konnte, wurde ein Zündmagnet eingebaut. Als Zündmagneten kamen wahlweise der Noris Typ ZG 2 a oder der Bosch FJ 2R 134 zum Einsatz.


    Das Getriebe


    Das Zahnradgetriebe hat vier Straßengänge und einen Rückwärtsgang. Beim Fahren in schwerem Gelände können die ersten drei Straßengänge durch ein Vorgelege untersetzt werden. Wird versucht, den vierten Geländegang einzulegen, rückt ein Mitnehmer am Gang-hebel den Vorgelegehebel in eine Neutralstellung. Der Kraftfluss vom Getriebe zum Achs-antrieb ist dann unterbrochen. Die Straßengänge werden mit dem Fuß oder der Hand geschaltet. Bei Betätigung mit dem Fuß dient der Handschalthebel gleichzeitig als Gang-anzeige. Rückwärtsgang und Vorgelege können nur von Hand geschaltet werden. Um harte Schläge vom Getriebe zum Achsantrieb bei Lastwechselreaktionen zu mindern, wurde am Getriebeausgang ein Kreuzgelenk mit Gummipuffern eingebaut.


    Der Hinterrad - Seitenwagenantrieb


    Beide Räder werden über ein kraftverteilendes ( 70 % Hinterrad, 30 % Seitenwagenrad ) und sperrbares Ausgleichsgetriebe angetrieben


    Die Bremsen


    Erstmalig kommen an den schweren Gespannen mit Seitenwagen hydraulische Bremsen zum Einsatz (Seitenwagen-Hinterrad). Das Vorderrad hat eine mechanische Innenbackenbremse, die mit einem Handhebel über Seilzug betätigt wird. Der Bremstrommeldurchmesser entspricht mit 250 mm denen eines mittelgroßen Personenwagens. Wird der Seitenwagen abgebaut, schließt ein Doppelventil selbsttätig die Bremsleitungen.


    Das Fahrgestell


    Das Fahrgestell ist eine leicht zerlegbare, in sich geschlossene Fachwerkskonstruktion von besonderer Stabilität. Bei auftretenden Schäden muss nicht mehr der ganze Rahmen getauscht werden, es können Einzelteile ersetzt werden. Eine motorisierte Einheit mit 10 bis 12 Krädern brauchte für Ersatzzwecke nur drei Rahmen. Es war unwahrscheinlich, dass bei allen Krädern das gleiche Rahmenteil defekt wurde. Die Teleskopgabel entsprach der bewährten Ausführung der Solokräder, sie wurde nur der höheren Belastung entsprechend (hohes Leergewicht des Krades und Geländebetrieb) stärker ausgeführt. Durch Verwendung doppeltwirkender Öldruckstoßdämpfer hat diese Gabel ein sehr weiches Ansprechverhalten. Sie wurde nur mit normalem Motoröl befüllt, was die Versorgung an der Front wesentlich vereinfachte.


    Der Seitenwagen


    Kräftige, zu einem Rechteck verschweißte Rohre bilden den Seitenwagenrahmen. Das Seiten-wagenrad ist an einem Schwingarm aufgehängt, in dem sich der Antrieb befindet. Die Federung erfolgt durch eine Rohrfeder, die sich zusammen mit der Antriebswelle im hinteren Seitenwagenrahmen-Querrohr befindet. Das Seitenwagenboot hängt hinten in zwei Blattfedern und ist vorne in Gummi gelagert.


    Der Tank


    Bei den frühen Ausführungen hat der Tank obenauf ein Werkzeugfach. Sein Fassungsvermögen beträgt 24 l , davon sind 3 l Reserve. Der Verbrauch auf der Straße liegt zwischen 6 und 7 l/100 km. Im Gelände können bis zu 10 l/100 km verbraucht werden. Dies sind Erfahrungswerte von heute.


    Die Laufräder


    Die untereinander austauschbaren Räder haben eine Tiefbettfelge und Dickendspeichen. Die Lebensdauer der Reifen 4,50 x 16 ist gegenüber den üblichen Reifengrößen 3 5 mal länger, da die spezifische Belastung trotz hoher Nutzlast geringer und die Antriebsreibung auf zwei Reifen verteilt ist.




    So fing alles an, und nun habe ich das Schwierigste Teil den kompletten Motor fast fertig .


    Mein Handwerkszeug besteht aus:


    Autodesk Autosketch
    Siatki in der Registrierten Version
    Scalpell , Schere
    Schieblehre und meinem Kopf .



    Teil 1 der Motor


    Die Form der beiden Zylinder machten mir die größten Probleme !
    Nach vielen, vielen Versuchen die Erleuchtung . Habe den Zylinder in Scheiben zerlegt !. Damit habe ich auch der hohen Datailierung Genüge getan .
    Also hingesetzt umgerechnet, eine Scheibe hat 0,5 mm - Gedruckt auf 80g Papier, aufgeklebt auf Postkarton ergibt eine Dicke von 0,5 mm.
    So kamen dann 76 Teile pro Zylinderkopf herhaus.
    Eine ganze Menge, aber das Ergebnis hat die Mühe wettgemacht.
    Auch beim Aufbau des Motors habe ich so weiterverfahren, - es ist kein Modell für Ungeduldige .
    Die Entwicklung des Motors beläuft sich bis jetzt so ca. bei 85 Stunden .
    Im Nächsten Teil werde ich euch dem Motor noch detaillierter vorstellen.


    Liebe Grüße


    Bernd

  • Liebe Gemeinde,


    es ist fast vollbracht, die fehlenden Motorteile sind komplett, und ich kann meinen Motor komplettieren.
    Der eigentliche Antrieb war mit das schwierigste Teil vom Motor.
    Es hat 25 Einzelteile, auf dem Foto seht ihr auch die beiden fertigen Vergaser.
    Viele Teile bewegen sich im Millimeterbereich, nur was für schlanke Finger .


    Es geht bald weiter -



    Liebe Grüße


    Bernd

  • Hallo Bernd,


    Also das ist so zeimlich das genialste was ich seit langem gesehen habe. =D> =D> =D> ( mit ausnahme vielleicht des Ostarrichi Draken :D)
    WOW perfekter geht´s nimmer.

    Heinz Michlmair verstarb am 05.07.2007 bei einem Sportunfall in Ungarn. Mitglieder und Betreiber von kartonbau.de vermissen Heinz und seine Beiträge. Seine bisherigen Beiträge in unserem Forum sind nun Teil unser Erinnerung an "Heinz".

  • Hallo,


    ich sage nur genial, besonderst Zylinder und die beiden Versager.


    Gruß


    Michael

    SPACE MODELERS - AD ASTRA PER FORMAE


    Ein kleiner Schnitt für mich, ein weiterer Baubericht für die Menschheit


    Mein Chef kann ohne Probleme mit dem blanken Draht in eine Steckdose fassen. Er leitet so schlecht.....

  • Liebe Klebegemeinde,


    ersteinmal Danke für die vielen positiven Antworten .


    Um ganz ehrlich zu sein, konnte es mir auch nicht so richtig vorstellen was so am Ende herauskommt .


    Dieses sind nun noch die beiden Zündkabel .


    Als nächstes zeige ich euch den ganzen Motor und damit ist diese Phase " Motor "erledigt, und es geht weiter mit dem Rahmen und zugehörige Teile .




    Liebe Grüße


    Bernd

  • Liebe Klebegemeinde,


    hier ist der fertige Motor als Weiß-Modell !


    Es kam bei der Vorstellung des Modells die Frage der Details auf - Urteilt selber .
    Die Yamaha MT-1 ist als ultradetailiert angegeben, was habe ich jetzt gebaut ?


    Nun weiss ich auch warum es sowas von keinem Verlag angeboten wird, die Entwicklungskosten sind sehr hoch , bei der Entwicklung des Motors sind um die 110 Stunden draufgegangen .


    Es macht ja auch eine Menge Arbeit, Daten zusammentragen, Umrechnen, Zeichnen, Aufbauen, Änderungen .


    Ich für mich bin zufrieden, das Ergebnis macht die Mühe wett.


    Der Motor besteht aus ca. 290 Teilen !


    Das sind in der druckbaren Version 4 Bögen DIN A4 .


    Ich will hoffen Euch bis jetzt nicht gelangweilt zu haben .


    Nun wird es etwas dauern bis ich Euch den nächsten Bauabschnitt vorstellen kann, aber ich hoffe Euch auch damit überraschen zu können .



    Liebe Grüße


    Bernd

  • Man riecht förmlich den Sprit bei deinem Modell, allererste Klasse.
    Robi

    Jean Luc Picard ( USS Enterprise): Die Summe der Intelligenz auf dem Planeten bleibt immer gleich, nur die Bevölkerung wächst.


    Andere haben Flugzeugträger, wir haben die Gorch Fock.


    I´m a Billiever, #17, Go Buffalo

  • Hallo Bernd,


    das ist ja eine Bayrische Maßarbeit "Made in Bayern Gebaut in Berlin" jo de wern in Berlin gebaut dos ist eine Reine Mixtur mit den Namen "LÖWENBÄRIG" :yahoo:


    Viele Grüße
    Ernst

  • Hallo Bernd,


    Also da fällt mir nix mehr dazu ein. =D> =D> =D> :meister: :respekt:

    Heinz Michlmair verstarb am 05.07.2007 bei einem Sportunfall in Ungarn. Mitglieder und Betreiber von kartonbau.de vermissen Heinz und seine Beiträge. Seine bisherigen Beiträge in unserem Forum sind nun Teil unser Erinnerung an "Heinz".

  • Hi all,


    This is the first time i see someone creates this papermodel moto. No more words than "Respekt".
    I'm searching a long time for this model, but there aren't any result. Please tell me if it exists
    Sorry, I don't understand your language so i don't know if this model is still in construction or it was done and where to purchase it.
    I have two pictures of Ural M72, wish it could help you something.
    [Blocked Image: http://i161.photobucket.com/albums/t238/Tunnydl/49jsfet-1.jpg]
    [Blocked Image: http://i161.photobucket.com/albums/t238/Tunnydl/29m0l1j-1.jpg]
    Thanks a lot.

  • Tolle Arbeit!!!


    Gibt es das Modell irgendwann einmal käuflich zu erwerben, Bernd???


    Beste Grüße

    Realität ist die Halluzination, die aus Mangel an Whiskey auftritt
    - Alte irische Druidenweisheit -


    Never be afraid to try something new.
    Remember that amateurs built the ark.
    Professionals built the Titanic.

  • Schon wieder einen Eigenbauer gefunden ;).
    Der Motorblock sieht überwältigend aus, ganz große Klasse.
    Nur weiter so, das wird der Hammer!


    Viele Grüße
    Zotte