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DocHoliday

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Thursday, October 15th 2015, 1:45pm

Mein Werkzeugkasten

Moin allerseits,

auch auf die Gefahr hin, Eulen nach Athen zu tragen - ich wollte mal meine "Werkzeugkiste" vorstellen. Ein Satz von Dingen und Geräten, die sich über die letzten acht Jahre Kartonmodellbau so als "Grundausstattung" bewährt hat.

Bild 1: Schneiden. Ohne Schneidematte geht es nicht. Ich habe am liebsten die von Ecobra. Dann ein normales 11er Skalpell, ein Olfa Messer mit 45° Klinge und dann noch eins mit etwas kleineren 45° Klingen. Letztere waren eine Empfehlung von Benjamin auf der Intermodell, es sind die Klingen, die es bei HMV gibt. Bin sehr zufrieden damit. Für's Grobe gibt's dann noch ein Stanley-Messer mit Abbrechklinge, und Scheren. Eine schöne Victorinox-Silhouettenschere habe ich mir dann noch für feinere Arbeiten gegönnt. Und wenn es eine runde Sache werden soll, hilft der Olfa Kreisschneider.

Bild 2: Messen und Markieren. Stahllineal für lange, gerade Schnitte. Meist nehme ich aber einen Japanspachtel als Schneidlineal. Beide sind auf der Unterseite mit ganz feinem Schmirgelpapier gegen wegrutschen gesichert. Dann ein Messschieber, gerade bei Skalierungen unerlässlich. Dann noch eine Graviernadel und eine Stahlnadel im Stiftkloben für Durchstechen, Rillen usw. Der Stechzirkel wird oft gebraucht, um Längen am Modell oder aus dem Bauplan abzugreifen. Insbesondere beim Zuschneiden von gereckten Drähten für die Takelage unerlässlich.

Bild 3: Verformen. Hier ist zuallererst ein Falzbein aus Knochen zu nennen (Buchbinderbedarf). Für Rundungen habe ich zylindrische Stahlstifte in verschiedenen Durchmessern und Längen. Wichtig: Stahl. Muss schon hart sein.... Als Untergrund dient das relativ solide Stück Moosgummi im Hintergrund. Der Teelöffel und die Holzkugel am Stiel dienen ebenso zur Erzeugung von Rundungen wie die beiden Kugelstopfer aus dem Zahnarztbedarf. Vergessen habe ich noch ein Radiergummi, welches für kleinere Radien beim Runden als Unterlage dient (statt des Moosgummis, für kleine Rundungen ist das zu weich). Ach ja- und ein Pinsel, um die zu rundenden Teile von der Rückseite ganz leicht anzufeuchten. Dann rundet sich's besser.

Bild 4: Greifen. Von Links nach rechts: Schneidpinzette (gehört eigentlich zu Schneiden), Flachpinzette (auch als Hilfe beim Abkanten kleiner Bauteile nützlich), gekröpfte Pinzette (um auch in Ecken zu kommen), zwei verschieden feine nadelspitze Pinzetten. Und ein Zahnstocher, der angefeuchtet zum Handhaben der ganz kleinen Teile dient.

Bild 5: Kleben. Für große Flächen / Verdoppeln etc nehme ich Kontaktkleber (Pattex o.ä.). Standardmäßig für die größeren Teile nehme ich mittlerweile UHU extra, welches ich mit Hilfe eines Zahnstochers auftrage. Für die feinen Teile nehme ich meist Holzleim, von dem ich mir eine gewisse Menge leicht verdünnt auf einer selbstgebastelten Nasspalette bereithalte und mit der Stahlnadel (mit Korkengriff) auftrage. Die "Nasspallette" besteht aus zwei alten Quarkbechern. Auf dem Unteren ist ein nasses Küchentuch, darüber Backpapier. Dies wird mit dem zweiten, durchlöcherten Quarkbecher festgehalten. Man kann Holzleim darauf leicht verdünnen, und er bleibt dann auch verdünnt und trocknet nicht ein. Es entfällt mithin der ständige Griff zur Holzleimflasche. Für besondere Fälle habe ich dann noch Sekundenkleber Gel und flüssig. Letzteren nur, wenn irgendwelche Kleinteile durch Tränken gehärtet werden sollen. Sonst nehme ich den Gel-Kleber. Ja und der normale UHU Alleskleber? Nehme ich wegen der Fädenzieherei nur noch selten. Deswegen ist die Tube auch so voll.

Bild 6: Ausrichten und Begradigen: ein paar Glasscherben und ein Winkel sind immer gut, um Ausrichtungen zu überprüfen oder irgendwelche Teile, die eigentlich winklig werden sollen, zwischen zwei Scheiben trocknen zu lassen. Vermeidet Verziehen. Ansonsten sind die Glasplättchen auch ein viel benutztes Werkzeug zum Halten, in Kombination mit etwas Gummikleber/Montagekleber.

Bild 7: Kleine runde Löcher und kleine Scheibchen: Hier kommen wir zu einem Highlight: ein Luxusteil, welches etwa 70 EUR gekostet hat. Habe die Ausgabe aber nicht bereut. Ein sog. japanischer Book-Drill, der hier im Forum ja auch schon vorgestellt wurde. Im Prinzip eine Mischung aus Drillbohrer und Locher. Es gibt auswechselbare Bits mit scharfer Schneide mit Durchmessern von 1, 1.2, 1.5, 1.8, 2, 2.5 und 3 mm. Muß man aber vorsichtig mit umgehen...Für größere Löcher / Scheiben habe ich noch normale Rundlocheisen, für noch größere den Kreisschneider (s.o.). Das Ding ist aber genial, z.B. auch zum Ausstechen von Bullaugen.
Aber Vorsicht: nicht auf der Schneidmatte verwenden. Die geht kaputt. Reststück Grau- oder Finnpappe schont die Schneiden ebenso, wird dann nach einiger Zeit eben weggeschmissen. Aber die Schneidmatte verträgt das nicht gut.

Mit besten Grüßen

DocHoliday
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:thumbup: Alles hinterfragen und niemals aufgeben! (James Dyson)

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Thursday, October 15th 2015, 3:04pm

Hallo DocHoliday

Vielen Dank! Schon wieder etwas gelernt (Nasspalette) :thumbsup: .

Andi

"Wer seine Grenzen kennt, hat sie." (Jonathan Livingston Seagull)


im Bau:IJN Mogami vor (answer) und nach (Model Hobby) dem Umbau zum Flugzeugtender als Parallelbau , USS Maine (HMV)
in letzter Zeit fertig gestellt:
Kosmonawt Juriy Gagarin (Oriel) / Steam Boat Sabino (MB-Kartonmodell) / IJN Kaga (Dom Bumagi)

fretsche

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Thursday, October 15th 2015, 6:41pm

Hallo DocHoliday,

das ist doch mal eine schöne Übersicht. Den Bookdrill kannte ich noch nicht - nur die Marzipandose :D

Bei mir halten die Schneidematten den Kreisschneider tadellos aus, man darf nur nicht zu stark drücken. :rolleyes:

Ich habe mir übrigens zum Fixieren der Klebestellen, zusätzlich zu Wäsche- und Serviettenklammern, noch Langklammern gebastelt:
Beim Chinesen Deines Vertrauens Eßstäbchen besorgen, die Feder einer Wäscheklammer einsetzen. Innen werden mit einer Rundfeile
in gewünschten Abständen die Dellen gefeilt, außen mit einer Puksäge die entsprechenden Steghalter (oder wie heißen die?).

Gruß
Klaus
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Wir bleiben immer Kinder, und,
so klug wir auch sein mögen, wir behalten immer die Lust,
mit scharfen Messern und spitzen Scheren zu spielen.

Wilhelm Raabe (1831 - 1910)

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4

Thursday, October 15th 2015, 8:44pm

Moin Klaus,

Langklammern - die Idee hat mir noch gefehlt; damit kommt man endlich mal in tiefere Ecken. :thumbup:
Gruß, Ralf

Fertiges seht ihr hier: Galerie

Helmut B.

Hennings Dino

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5

Thursday, October 15th 2015, 9:32pm

Hallo Doc,

mit der Nasspalette hast Du bei mir keine Eulen nach Athen getragen.
So etwas kannte ich noch nicht, wird aber umgehend ausprobiert.

Vielen Dank für die sehr instruktive Vorstellung Deiner Gerätschaften!
Bis die Tage...

Helmut


Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.

Alexander Freiherr von Humboldt



Im Bau: CAP SAN DIEGO (roko)

DocHoliday

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Thursday, October 15th 2015, 10:15pm

Moin Männers,

vielen Dank für Euer Feedback.

@fretsche: Danke für den Tip mit den Langklammern, DEN Trick kannte ich noch nicht!

Schöne Grüße

Mathias
:thumbup: Alles hinterfragen und niemals aufgeben! (James Dyson)

DocHoliday

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Friday, October 16th 2015, 9:10am

Moin allerseits,

vielleicht noch eine Ergänzung zur "Nasspalette" für den Holzleim:

Ich nehme drei alte Quarkbecher (o.ä.), in einen wird ein Loch geschnitten.

Auf den Untersten wird Küchenpapier gelegt und mit Wasser getränkt.

Darauf kommt Backpapier.

Darauf der Becher mit dem Loch. Gut andrücken.

Das Backpapier lässt gerade so viel Wasser durch, dass der Holzleim feucht bleibt. Trotzdem ab und zu umrühren, damit sich nicht oben drauf eine "Haut" bildet.
Im Sommer muss man öfter rühren als im Winter (Logisch...).

Mit dem Dritten kann man das ganze abdecken. Bleibt bis einige Tage lang benutzbar.

Den Kleber appliziere ich mit einer entomologischen Nadel (für Insektensammler), je nach dem mit dem Spitzen oder dem runden Ende. So lassen sich mit einem Tropfen Kleber viele Kleinteile montieren, ohne dass der Kleber antrocknet. Mit der Nadel kann man einerseits punktuell den Kleber gut positionieren, andererseits kann man aber auch flächig verstreichen (mit der Seite) oder, wenn man genug Kleber an der Nadel hängen hat, sozusagen "Schweißnähte" ziehen, d.h. Spalte mit verdünntem Weißleim verschließen.

Mittlerweile habe ich ans jeweils "andere" Ende der Nadeln einen Korken angebracht. Fasst sich besser an. Und damit er nicht immer vom Schreibtisch rollt - einfach eine Seite des Korkens abgeflacht.

Die Anregung habe ich von modellversium.de, dort war der "Trick" als Nasspalette für Acrylfarben verwendet worden. Aber für Kleber geht's auch.

Schöne Grüße

DocHoliday
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Helmut B.

Hennings Dino

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8

Friday, October 16th 2015, 9:16am

Danke für die gut nachvollziehbare Anleitung! :)

Ich seh schon, ich muss in Zukunft mehr Quark essen... :pinch:
Bis die Tage...

Helmut


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Alexander Freiherr von Humboldt



Im Bau: CAP SAN DIEGO (roko)

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  • "Hans Jörg Müller" is male

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Friday, October 16th 2015, 12:10pm

Einfach genial - genial einfach.

Danke für diesen Tipp.

@Helmut: Ob's unbedingt Quark sein muss? Ich denke mit Frischkäsebechern funktioniert's genauso gut... ;)

Viele Grüße

Hans Jörg
"Mental Hospitals are full of people who believe Alternate Facts." (irgendwo im Internet gelesen...)

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10

Saturday, October 17th 2015, 6:24pm

Quoted

Ich seh schon, ich muss in Zukunft mehr Quark essen...

Denn mal los, Helmut. Ich mach' mit. Am besten Magerquark, der geht nicht so auf die Hüfte.

Matthias

René Pinos

3,1415926535....

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11

Sunday, October 18th 2015, 12:57pm

Danke Mathias,

Du hast viele interessante Tipps vorgestellt, die zur Nachahmung anregen.

Da ich missionierter Weißleimverkleber bin, habe ich die Nasspalette aus Eisbechern - muss nicht Topfen sein - nachgebaut.

Das funktioniert hervorragend. Der Leimtropfen bleibt schon seit einer halben Stunde flüssig. Mit einen Tropfen Wasser dazu und umrühren, bleibt der Leim noch länger gebrauchsfähig.


LG
René
Wer Bier nicht liebt und Weib und Knödel der bleibt ein Leben lang ein Blödel

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Helmut B. (18.10.2015)

DocHoliday

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Sunday, October 18th 2015, 4:47pm

Hallo René, hallo Helmut, hallo Hans-Jörg,

freut mich sehr, dass die "Leimpalette" gut ankommt. Ich finde das Ding nach wie vor extrem hilfreich. Wüsste gar nicht, wie ich meinen Fitzelkram ohne dieses Hilfsmittel hätte kleben sollen.

Das Verfahren funktioniert in der Tat aber auch für Acrylfarbe: dass diese verdammt schnell trocknet, ist ja Fluch und Segen zugleich. Einerseits kann man schnell weitermachen, andererseits ist dann insbesondere selbstangemischte Farbe schnell eingetrocknet. Da ist so eine (etwas größere) Nasspalette in der Tat auch von Vorteil.

Schöne Grüße

Mathias
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13

Monday, October 19th 2015, 12:31am

Ach neee!
Heisst das jetzt allen Ernstes, dass ich meinen über die Jahre gewachsenen, stets sorgsam gehegten Leimblob entsorgen muss, ein Gebilde, das mir schon viele an und für sich wohlgesinnte Besucher dauerhaft vertrieben hat? ("Was zum Teufel ist denn DAS???")

Die bessere Idee ist immer der Tod der guten, seufz....

(Ich darf gar nicht dran denken, wieviel Tausende von Malen ich folglich überflüssigerweise die Leimtube bemüht habe. Schande, Schande, Schande...)
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Dauerbaustelle: Prinz Eugen
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Mit guter Chance auf Fertigstellung: Die Prager Burg

René Pinos

3,1415926535....

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Monday, October 19th 2015, 12:34am

Dein Leomblob erinnert mich an Wilson. :love:

René
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Monday, October 19th 2015, 1:05am

Ach, DARUM rede ich täglich mit dem Teil... :pinch:
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DocHoliday

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Monday, October 19th 2015, 9:30am

Iiiiiiiih! Was ist das denn? Vielleicht sollte man die Geschichte von der Entstehung des (K)Lebens doch noch mal überdenken.... :)

Mathias
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Sunday, November 22nd 2015, 11:21pm

Nasspalette

Ich habe heute die Nasspalette für den Weißleim ausprobiert. Ich muss sagen, das ist eine ganz feine Sache. Man kann viel bequemer und entspannter die Klebearbeiten durchführen.

Vielen Dank an DocHoliday :thumbup:

Herzliche Grüße

Matthias

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