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modellschiff

Erleuchteter

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1

Montag, 17. August 2015, 12:00

Verziehen von Schiffsrümpfen.

Hallo,
ein Schiffsrumpf sollte gleich immer wieder beschwert werden, damit er sich nicht vornen und achtern nach oben verzieht. Wieso verzieht sich ein Rumpf gerade bei größeren Modellen. Welche Mechanismen stecken dahinter?

Ulrich

Riklef G.

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2

Montag, 17. August 2015, 12:03

Moin Ulrich,

ich bin ja eigentlich nur Schreiner, aber bei Holz liegt das an der Faser- und Wuchsrichtung.
Und bei Papier könnte das auch durch die Faserrichtung beeinflusst werden. Natürlich auch durch die Luftfeutigkeit.
Hat da noch jemand eine Wissenschaftlichere Erklärung?

LG
Riklef
"Der Erfinder der Autokorrektur ist ein Armschlauch."

----------------
Projekte:
Fertig:
Iljushin IL-14 1:33
Lockheed L-1649 A 1:100 (1. Version fertig)
SIBAJAK von Scaldis 1:250

Im Bau:
Hauptfahrwerk einer Boeing B777
De Haviland Comet 4B 1:100

Geplant: so vieles... :rolleyes:

hemingway

Meister

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3

Montag, 17. August 2015, 16:20

Hallo Ulrich,

Riklef hat da ganz recht, auch Papier hat (analog zu Holz) wegen des Herstellungsprozesses eine Hauptfaserrichtung. Beim Feuchtwerden dehnen sich die Fasern in der Längsrichtung am meisten aus. Deshalb sollten keine wasserhaltigen Kleber beim Spantenbau verwendet werden. Aber auch bei anderen Lösungsmitteln kommt es zu Quell- und Dehnprozessen, wenn auch nicht so ausgeprägt wie bei Wasser.

Beim Trocknen kommt es zum gegenteiligen Effekt, zum Zusammenziehen der Fasern. Auch dies kann zum Verziehen führen. Je länger ein Blatt bzw. Werkstück/Rumpf ist, desto ausgeprägter kommt der Effekt zum Tragen.
»hemingway« hat folgendes Bild angehängt:
  • Demo.jpg

hemingway

Meister

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4

Montag, 17. August 2015, 16:21

Das Dehnen und Zusammenziehen der Papierfasern macht man sich z. B. beim
Aufspannen von Aquarellpapier zunutze, um eine glatte Malfläche zu
bekommen, die sich beim Malen mit Wasserfarbe nicht mehr wellt. Das
Malpapier wird nass auf ein Brett mit Nassklebeband am Rand aufgeklebt,
beim Trocknen spannt es sich dann wie ein Trommelfell. Die Spannung kann
so groß werden, daß das Papier beim Trocknen reißt oder daß sich das
Brett verbiegt (ist mir schon passiert).

fadda59

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5

Montag, 17. August 2015, 16:39

Hallo Ulrich,

hierhast du mal eine Erklärung zum Papierverzug allgemein.

Ich gehe davon aus, dass der Verzug durch die unterschiedlichen Faserrichtungen bei den in unterschiedlicher Faserrichtung gedruckten und dann verklebten Einzelteilen, vor allem bei komplexen Spantengerüsten entsteht.

Wenn du also Spanten mit wässrigem Leim verklebst und nicht entsprechend beschwerst, werden die Teile unterschiedlich quellen und sich ausdehnen und dann nach der Trocknung so bleiben.

Ist aber nur eine nicht fachmännische Vermutung. Mal sehen, ob es einer genauer weiß.

lg
Jürgen

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6

Montag, 17. August 2015, 18:03

Hallo Freunde!
Im Prinzip wurden alle Einflüsse genannt, mit Ausnahme Der Druckrichtung. Normalerweise sollten alle Bauteile längs zur Faserrichtung des Papiers gedruckt werden, oder zumindest alle zusammenhängenden Baugruppen in der selben Richtung. Alle Rumpfteile, und alle Aufbautenteile in der selben Laufrichtung des Papiers. bei den Kleinteilen spielt es normalerweise keine Rolle. Wichtig ist dann die Verarbeitung. Lange Teile mit Lösungsmittelhaltigem Kleber sparsam verwendet, denn auch die Lösungsmittelhaltigen Kleber Können sich ausdehnen und wieder zusammenziehen. Dann die einzelnen Klebestellen fixieren oder beschweren und minderstens 12 Std trocknen lassen. Dies minimiert das Verzugsrisiko sehr stark.
Grüsse Nik
N.K.

Derzeit im Bau: IJN Nagato 1:200 von Dom Bumagi,
Fertig: Mellum, Indianapolis,TAKAO Digital Navy 1:250,Korvette Agassiz 1:250, NJL TOGO CFM 1:250 .
Petrojarl Cidade de Rio das Ostras JSC skaliert auf 1:250
Hellcat, Halinski

Pitje

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7

Montag, 17. August 2015, 18:40

Hallöle,

um diesem Effekt vorzubeugen verwende ich ebenfalls Gewichte auf Bug und Heck während des Trocknens, aber viel wichtiger ist meiner Meinung nach die Verstärkung des Rumpfs an sich. Wie in meinen Bauberichten an den verschiedenen Stellen beschrieben, setze ich recht massiv Bristolkarton-Verstrebungen in Diagonalbauweise ein - das Ganze habe ich mir unter dem Begriff "Torionsdämpfer" von KlausMoeller abgeschaut.
Egal wie der Rumpf jeweils konstruiert ist, unabhängig vom Länge-Breite und Höhenverhältnis hat sich seit dem keiner der Modellrümpfe mehr verzogen...

Viele Grüße
Peter
Parallel im Bau:
Großlinienschiff S.M.S. Baden , HMV, 1:250
Hafenanlage Neu-Ulm , diverse Verlage, 1:250

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8

Donnerstag, 20. August 2015, 17:48

Hallo,

warum sich bei gerade größeren Schiffsmodellen die Rümpfe vorn und hinten nach oben verziehen, dafür gibt es neben der Papiereigenschaft einen weiteren konstruktiven Grund.

Ein Schiffsrumpf wird in der Regel mit einem Spantengerüst gebaut, einem oder mehrere Längsspanten und dann eine Menge Querspanten. Normalerweise werden die unten geschlitzten Querspanten von oben in den ebenfalls geschlitzten Längsspant gesteckt und dann verklebt. Diese Schlitze müssen etwas Toleranz haben (bei selbst geschnittenen Schlitzen geben Augen und Hand sogar unterschiedliche Toleranzen her).

Wenn nun der aufgetragene Kleber trocknet werden an der Klebestelle - geringe - Kräfte frei durch das Verdunsten des Lösungsmittels, durch das Aushärten des Klebstoffs, durch das Erreichen der Endfestigkeit des Klebstoffs und durch das Trocknen der vom Klebstoffs benetzten Papierflächen. Bei einem Querspant allein macht sich das nicht bemerkbar, doch je mehr Querspanten vorhanden sind, desto mehr geringfügige Kräfte addieren sich, um die oben geschlitzten Längsspanten im Schlitzbereich zusammenzuziehen (unten passiert kaum etwas, da bereits verklebt).

Das ist der mechanische Grund für das Anheben von Bug und Heck, am deutlichsten bei längeren Spantgerüsten. Abhilfe hierbei ist das Beschweren des Spantgerüsts auf absolut ebener Fläche während der Aushärtezeit des Klebers (eher länger zu bemessen). Wenn dann das Deck darauf kommt, ebenfalls beschwert ausgehärtet, und letzlich die Bordwände, ergibt sich in der Regel ein torsionssteifer Körper, bei dem nichts mehr passieren dürfte.

Ich hoffe, meine Ausführungen sind verständlich.

Viele Grüße
Friedrich

Uups - kein Kommentar? Etwa uninteressant - am Thema vorbei - kann ignoriert werden?
Fülle Deine Tage mit Leben und nicht Dein Leben mit Tagen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Papiertiger« (21. August 2015, 19:32)


Modellbauer

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9

Samstag, 22. August 2015, 10:12

Hallo,

warum sich bei gerade größeren Schiffsmodellen die Rümpfe vorn und hinten nach oben verziehen, dafür gibt es neben der Papiereigenschaft einen weiteren konstruktiven Grund.

Ein Schiffsrumpf wird in der Regel mit einem Spantengerüst gebaut, einem oder mehrere Längsspanten und dann eine Menge Querspanten. Normalerweise werden die unten geschlitzten Querspanten von oben in den ebenfalls geschlitzten Längsspant gesteckt und dann verklebt. Diese Schlitze müssen etwas Toleranz haben (bei selbst geschnittenen Schlitzen geben Augen und Hand sogar unterschiedliche Toleranzen her).

Wenn nun der aufgetragene Kleber trocknet werden an der Klebestelle - geringe - Kräfte frei durch das Verdunsten des Lösungsmittels, durch das Aushärten des Klebstoffs, durch das Erreichen der Endfestigkeit des Klebstoffs und durch das Trocknen der vom Klebstoffs benetzten Papierflächen. Bei einem Querspant allein macht sich das nicht bemerkbar, doch je mehr Querspanten vorhanden sind, desto mehr geringfügige Kräfte addieren sich, um die oben geschlitzten Längsspanten im Schlitzbereich zusammenzuziehen (unten passiert kaum etwas, da bereits verklebt).

Das ist der mechanische Grund für das Anheben von Bug und Heck, am deutlichsten bei längeren Spantgerüsten. Abhilfe hierbei ist das Beschweren des Spantgerüsts auf absolut ebener Fläche während der Aushärtezeit des Klebers (eher länger zu bemessen). Wenn dann das Deck darauf kommt, ebenfalls beschwert ausgehärtet, und letzlich die Bordwände, ergibt sich in der Regel ein torsionssteifer Körper, bei dem nichts mehr passieren dürfte.

Ich hoffe, meine Ausführungen sind verständlich.

Viele Grüße
Friedrich

Uups - kein Kommentar? Etwa uninteressant - am Thema vorbei - kann ignoriert werden?

Moin zusammen
.Ich habe diesem Bericht auch etwas beizufügen.
.Also bei meinen Grossprojekt kann ich nicht sagen das sich der Rumpf verzogen hat ..denn ich hatte ja auch nicht die Möglickkeit fertige Spanten vorzufinden ..so musste ich auf Spanten zurückgreifen die ich selbst angefertigt habe ..Das waren Spanten aus ganz normaler Kartonumverpackungen ..wo die Hohlräume in doppellter Stärke ausgeprägt sind ..diese findet man relativ schnell unter Kartonumverpackungen ..bei VP.Kartonagen aus den Supermärkten usw ..und kosten auch nichts .(.also mal Nachfragen .). . ich hatte somit das Vergnügen gehabt, das sich diese Kartonagen dem Rumpf gut angepasst haben ..Durch ihren wabenförmigen Aufbau( Umkarton )die jede einzelnen Spante Herstellerbedingt hat ,wurde das verziehen wohl verhindert,es war,(also keinerlerlei Flächenspannung ) augefkommen ..auch habe ich die einzelnen Spanten nicht mit einer Einschubkerbe versehen sondern diese direkt mit der Querspante verkebt ..l Als Kleber habe ich einen- NICHT- Lösungsmittelfreien Kleber einer NL.Grosskette genommen .. Da dieser besser als die handelsüblichen Kleber ist , und der Preis sich unterhalb der 1 Eurogrenze bewegt !!.. bei einer Grosspackung . Diese Methode hat sich bei meinen Projekten bewährt und ich kann dieses als Bastelltipp bei Grossprojekten weitergeben ...was wäre nur gewesen wenn sich dieser Flugzeugträgerräger mit seiner gesammtlänge von über 2,00 verzogen hätte ? ich mag garnicht dran Denken ..!!!!
sonst siehe Anhang :thumbup:
lg. bernd
»Modellbauer« hat folgende Bilder angehängt:
  • file_002.jpg
  • file.jpg

Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »Modellbauer« (24. August 2015, 09:35)