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1

Donnerstag, 15. September 2016, 22:53

Technik zur individuellen Herstellung von Reling, Leitern etc. aus Serafil Garn (Fadenreling)

Angeregt durch Henning möchte ich hier mal meine Herstellungsmethode für
Reling und Leitern etc. zeigen. Ich stelle damit alle individuellen Relingsteile
selbst her. Dazu benötige ich natürlich die gezeichnete Reling aus dem Bogen.
Sollten mehrere Teile zu einer Reling zusammengehören, dann füge ich diese
vorher am Computer zusammen. Das ist oft der Fall, wenn eine Reling z.B. um
eine Ecke verläuft. Dann ist der "Bretterzaun" auf dem Bogen an zwei Teilen
zu finden. Diese füge ich dann vorher zusammen um eine Reling zu erhalten.

Ich werde hier mal alle Arbeitsschritte aufführen, die ich ausführe, um eine
fertige Reling aus Serafil zu erhalten. Da dieser Faden in verschiedenen Farben
zu erhalten ist, braucht man danach die Reling nicht mehr einzufärben.
Ich habe allerdings nur Schwarz und Weiß zuhause. Das einfärben funktionier
jedoch auch später mit einem Aquarellstift.

Im ersten Teil werde ich zuerst zeigen, wie ich mir eine Web- Schablone herstelle.

Falls fragen zur Technik auftauchen, scheut bitte nicht, nachzufragen.
Ich weiß, das diese Technik einer Ätzteilreling oder eine Laserreling von der
Genauigkeit nicht das Wasser reichen kann, aber für mich ist es eine günstige
Alternative, vor allem für Schiffe, für die es keine Ätzsätze ober Lasersätze
zu bekommen gibt.
Wenn man allerdings nicht überhastet und genau arbeitet, dann sind die
Ergebnisse meiner Meinung nach gar nicht so schlecht und es wertet die
Modelle um einiges auf.
Auf jedenfall ist die Reling besser als jeder "Bretterzaun" an einem Modell.

Aber jetzt mal zum ersten Arbeitsschritt, dem Herstellen der Schablone!

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Donnerstag, 15. September 2016, 23:14

Herstellung des "Web-Rahmens"

Im ersten Arbeitsschritt stelle ich erst einmal einen Web-Rahmen zur Herstellung der Reling
her. Dazu nehme ich zuerst den Bogen zur Hand und schneide mir die Reling aus,
die ich herstellen möchte. Diese klebe ich dann auf ein Stück Graupappe.



Als nächstes nehme ich ein Lineal und lege es genau an die Linien der Reling an
und steche mit einer Nadel in einigem Abstand links und rechts neben der Linie
in die Graupappe ein Loch.



Das mache ich mit jeder Linie der Reling so. Wenn die Löcher zu nah bzw. eng
nebeneinander stehen, dann mache ich sie etwas versetzt daneben.



Wenn ich dann alle Löcher gestochen habe, dann wird in der Mitte die
"Bretterreling" herausgetrennt.



In der Mitte entsteht also ein Loch. Am äußeren Rand mache ich dann
noch ein bis zwei Schlitze, die als Fixierschlitze dienen und das Serafil
festhalten.



Nun geht es dann im nächsten Arbeitsschritt weiter mit dem eigentlichen Herstellen der Reling.

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3

Freitag, 16. September 2016, 05:06

Nächster Arbeitsschritt, das "weben" oder "nähen" der Reling

Zunächst nehme ich die Nadel und ein Stück Serafil.
Das wird dann logischerweise eingefädelt und an der Nadel verknotet.
An dem anderen Ende des Fadens wird ebenfalls ein Konten gemacht. Dieser sollte schon
etwas dicker sein, damit er nicht durch den Fixierungsschlitz druchrutscht.

Das Ende mit dem Knoten wird nun, mit dem Konten zur Vorderseite zeigend, in
einen Fixierschlitz befestigt.



Danach beginnt man mit dem Nähen. Dazu fängt man auf der Rückseite an und
sticht in einem Loch Richtung Vorderseite.
Vorne angekommen nimmt man das gegenüberliegende Loch und so weiter,
bis man eine Seite fertig hat.



Bei der Querseite verfährt man natürlich genauso. Und es ergibt sie dann
die "genähte" Reling.
Zum Schluß führt man den Faden dann wieder durch einen Fixierschlitz und schneidet ihn dann ab.



Nächster Arbeitsschritt ist auf der Rückseite das nochmalige Straffen der Reling.

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Freitag, 16. September 2016, 05:29

Das Straffen der Reling und anschließende verkleben

Der nun folgende Arbeitsschritt ist recht wichtig, um ein genaues Ergebnis zu bekommen.
Denn für das Verkleben ist es wichtig, das die Reling auch überall gerade und Straff im
Rahmen sitzt.
Das kontrolliere ich nochmals, in dem ich den Rahmen drehe und auf der Rückseite nun
alle Fäden der Reihe nach nochmals nachspanne.
Beginnen tue ich auch an dem Fixierschlitz, wo auf der Vorderseite der Konten ist.



dann immer weiter in logischer Reihenfolge des Fadens immer wieder mit leichten
Druck spannen. Meist merkt man von Loch zu Loch, das man weiter ziehen kann



Ist alles durchgespannt, sollten nun alle Fäden im gleichen Abstand zueinander stehen etc.
bzw. die Fäden an der Stelle sein, wie es auf der Zeichnung (dem kleinen Ausschnitt der Rahmens)
vorgesehen ist.



Anschließend wird nun die Reling mit Sekundenkleber getränkt.



Den überschüssigen Kleber nehme ich mit nem Saugenden Krepppapier auf.
Das Papier sollte schon etwas saugend sein.



Dann lasse ich das ganze etwas ruhen und wiederhole den Vorgang nochmals
u.a. auch auf der Rückseite.

Nach ca. 3 Durchgängen des Klebens und überschüssigen Kleber entfernen,
lasse ich die Reling nun ein wenig durchhärten.

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Freitag, 16. September 2016, 05:43

Ausschneiden und Nachbearbeitung der Reling

Ist alles schön durchgehärtet, so kann man mit dem Ausschneiden der Reling beginnen.

Dazu wird der Rahmen auf die Vorderseite gelegt, sodaß die Reling Kontakt mit der Schneidematte hat.
Nun wird die Reling großzügig ausgestochen.



Ist das geschehen haben wir unsere Roh - Reling fertig



Nun müssen noch vorsichtig die Überstände entfernt werden.
Dazu lege ich die Reling immer auf die Seite mit den überschüssigen Fäden nach unten.
Nun kann ich an der darüberliegenden Querverbindung mit dem Skalpell vorsichtig ansetzten
und so schön bündig den überstand abschneiden.



Ist auch dies geschafft, hat man die fertige Reling vor sich liegen.



Soweit meine Art der Herstellung von individuellen Relingsteilen und auch Leitern.
Diese Beispiel hat nun mal eine einfache Reling gezeigt.
Es gibt auch weitaus schwierigere Reling, die dann auch etwas aufwändiger in der
Herstellung sind.

Hier mal ein Beispiel, bei dem ich aber nicht gut genug nachgespannt habe.
Trotzdem ist sie recht gut geworden.



Das war es dann erst mal zu meiner Technik zur Herstellung einer Fadenreling aus Serafil.
Ich hoffe ich habe nicht gelangweilt und es hat euch gefallen.

Chris

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Freitag, 16. September 2016, 08:19

Vielen herzlichen Dank für dieses Tutorial, Chris!
Bis die Tage...

Helmut

"Einmal sah jemand die Häftlingsnummer 78651, die auf meinem Arm eintätowiert ist, und sagte: "Das ist wohl Ihre Garderobennummer?" Danach trug ich jahrelang nur langärmelige Pullover."
In Erinnerung an Simone Veil, † 30. Juni 2017



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7

Freitag, 16. September 2016, 10:11

Auch von mir vielen Dank ! Der Sekundenkleber ist mir allerdings sehr unsympathisch. Hat jemand schon einmal eine Alternative ausprobiert ? Als wir bei der PASSAT mit den Spannrahmen anfingen, hatte mir Gerhard Neubert gesagt, man könne die Fäden mit Haarspray versteifen. In Kombination mit einem faserigen Faden führt das allerdings zu einem sehr skurrilen Gebilde.

Henning

r.polli

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8

Freitag, 16. September 2016, 11:08

Hallo Chris

schönes Ergebniss mit Deiner Methode.

Ich habe dennoch zwei Fragen.
- was ist das besondere an diesem speziellen Faden?
- klappt das Kleben auch mit einem anderen Kleber, vielleicht Leim?

Gruß
Roland
-- Roll Yer Own If You Can´t Get Ready Made --

9

Freitag, 16. September 2016, 11:48

Hallo Chris,

vielen Dank für deinen informativen Beitrag. Im Prinzip gehe ich genauso vor, mit allerdings zwei Abweichungen:

- statt Serafil verwende ich geglättetes Baumwollgarn in zwei unterschiedlichen Stärken. Das dünnere nehme ich für die waagrechten Durchzüge. Diese Garne tränke ich vorher in stark verdünntem Weißleim und hänge sie unter Spannung zum trocknen einige Stunden auf. Den verdünnten Weißleim verwende ich auch für das Verkleben der Knotenpunkte.
Gruß

Willi


Wenn Unrecht Recht wird, ist Widerstand Pflicht!
(Alain Caparross)

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10

Freitag, 16. September 2016, 13:31

Serafil

Hi zusammen,

danke für's Lob. Freut mich, wenn's gefällt.

Zum Serafil Garn kann ich noch folgendes sagen.
Es ist ein recht glattes Garn, was Anhaftungen von Staub quasi nicht zulässt.
D.h. die Reling wird nicht mit der Zeit durch Staub dicker.
Dieser Effekt hält sich halt bei diesem Garn in Grenzen.

Das mit den verschiedenen dicken des Garnes ist schon was schönes.
Auch Serafil gibt es in verschiedenen Stärken. Ich habe das mit den
verschiedenen Stärken auch schon gemacht.
Auch verschiedene Farben sind bei der Herstellung kein Problem.
So habe ich z.B. bei der Reling der "Perfect" der Handlauf oben
in schwarzem Serafil gestaltet.

Zum Kleben:
Das mit dem Haarspray habe ich noch nicht ausprobiert, glaube
auch nicht, daß das Garn dadurch ganau so steif wird,
aber: Versuch macht Klug. Ich werde es mal probieren und
dann hier das Ergebnis zeigen bzw. darüber berichten.

Zum verkleben der Reling am Deck benutze ich auch
Weißleim bzw. Kittifix, weil der dann länger korregierbar
bleibt. Da diese Kombi auch hält, ist es bestimmt auch
möglich, die "genähte" Reling im Rahmen mit verdünntem
Weißleim zu härten.
Allerdings ist dann der Vorgang des Aushärtens um ein vielfaches
länger. Auch ich stehe Sekundenkleber kritisch gegenüber und
mag ihn eigentlich nicht, aber hier geht es halt viel schneller und
die Reling wird schön fest. Deshalb verwende ich ihn.
Vielleicht geht ja auch Sprühkleber. Auch hier gilt:
Versuch mach Klug.

Gruß
Chris

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Dienstag, 20. September 2016, 19:31

Noch ein kleiner Hinweis, der die Arbeit erleichtert:

Das ausgeschnittene Viereck mit der gezeichneten Reling nach dem Durchtrocknen wieder einsetzen und die Fäden entsprechend der gedruckten/gezeichneten Reling schneiden. So hat man ohne weitere Probleme gleich das richtige Maß.

Ansonsten mach ich es fast genauso, allerdings mit unterschiedlichen Materialien je nach Maßstab.

Frohes Basteln

Michael K.
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Mittwoch, 21. September 2016, 19:18

Moin Chris,

feiner Beitrag, werde ich bei nächster Gelegenheit mal versuchen, bisher begnüge ich mich ja mit auf Folie kopierter Reling.
Zur Serafil-Reling: Meine Takelage stelle ich ebenfalls aus serafil-Fäden her, die ich mit Fixativ versteife, wie es zur Fixierung von Bleistift- oder Kohlezeichnungen verwendet wird. Dazu spanne ich mit mässiger Spannung die Fäden auf einen Rahmen und trenne die benötigten Längen mit dem Messer ab.
Die Fäden sind durch die Fixierung ziemlich steif und dieses Vorgehen müsste auch für die Reling zu guten Ergebnissen führen.
Vielleicht probiert auch einer der Mitleser dieses Verfahren mal aus...

Beste Grüße,

Manfred

modellschiff

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Freitag, 23. September 2016, 11:57

Hallo,
anstatt Sekundenkleber nehme ich verdünnten Weißleim. Die Prozedur wie oben beschrieben. Nur darauf achten, dass der Leim keine Felder ausfüllt. Überflüssiger Leim l#sst sich gut mit einem Pinsel abnehmen. Da der Weißleim einen längere Öffnungszeit als sekundenkleben besitzt, kann man noch etwas korrigeren,falls nötig.
Ulrich

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Fadenreling, Reling, Serafil, Webtechnik

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