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Lore

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Montag, 13. Oktober 2008, 20:52

Shipyard Victory 1:96 Baubericht

Baubericht
Shipyard „Victory“ 1:96 Kartonmodell

Ursprünglich wollte ich nur einen Ergänzungsbericht zu den schon vorhandenen Bauberichten zur Victory aus Karton erstellen, hatte damit auch angefangen, mich aber jetzt entschlossen noch einmal von vorn anzufangen und unnötige Lyrik weg zu lassen.
Bislang habe ich Holz- Schiffsmodellbau betrieben und bin zum Kartonbau konvertiert, da mich die Bauberichte in den Kartonforen dazu animierten.
Den Schritt habe ich nicht bereut. Kartonbau ist anders, genauer, aber auch schwieriger, weil die Baubögen voller Fehler stecken und kaum eine Bauanleitung enthalten. Ohne Zusatzliteratur geht es also hier auch nicht.
Den Baubogen zur Victory habe ich in Foren auch schon vorgestellt. Darin fehlte sogar die Bauzeichnung – da ich aber zwei Baubögen gekauft hatte – im zweiten war sie drin.
Schon bei der Planung habe ich darauf gesetzt, einen Mix aus Holzbauweise und Karton zu gestalten und gründlich recherchiert, was ich als Zurüstung und zusätzliches Werkzeug benötige. Die Liste der Dinge, die zu beschaffen waren ist beachtlich – der Preis auch. Für die rund 1200 Euro hätte ich den allerbesten englischen Holzbausatz bekommen. Allerdings habe ich auch einiges Werkzeug angeschafft, dass in den Foren sehr gelobt wurde – und mit dem ich dann aber überhaupt nicht klar kam. So das japanische Messer mit 90 Grad Schliff, das viel zu grob war und durch ein scharfes Skalpell mehr als verdrängt wurde. Oder das angeblich ganz exakte Schneidelineal mit angefügtem Messer.
Ich halte den Baubogen der Victory für extrem schwierig und nur mit viel Erfahrung im Modellbau realisierbar. Das muss man wissen. Es sind ungewöhnlich viele Fehler im Plan enthalten, nicht mal die Nummerierung stimmt und selbst die Teile sind teilweise einfach falsch. Aus dem Holzmodellbau mit italienischen Baumustern war ich ja einiges gewöhnt, aber hier muss man noch mehr aufpassen.
Als Umsteiger machte ich schrittweise folgende Kartonerfahrungen
• Kartonkanten müssen immer gefärbt werden, am besten gleich mit der Umgebung zusammen
• Kartonbau ist filigraner als Holzbau und gestattet durch bedrucktes Papier wesentlich feinere Details
• Als Kleber ist verdünnter Holzleim bestens geeignet (1:10)
• Sekundenkleber ergibt zusammen mit dem Karton ein ideales Modellmaterial, das wesentlich besser als Holz zu bearbeiten ist. Dieses Zusammenspiel betreibe ich immer intensiver und die Modellteile sind dadurch extrem stabil und auch gut bearbeitbar, unter anderem eben auch thermisch mit einem Lötkolben z.B. zum exakten Gestalten von Schlitzen und kleinsten Öffnungen wie in Laternen.
• Oberflächen des Kartons lassen sich durch Schnitte bzw. „Kratzungen“ so gestalten, als wäre z.B. Holz verwendet, man muss dann aber anschließend übermalen
• Bemalen des Kartons ist eigentlich auch Pflicht – ausgenommen die filigran bedruckten Teile
• Karton und Holz lassen sich ideal kombinieren und ergeben eine sehr stabile Konstruktion
• Zum Schneiden sollte man die besten Skalpelle verwenden, die man kriegen kann (OLF…) und die in allen Formen
• Das Einscannen von Teilen oder des ganzen Baubogens hatte ich von Anbeginn mit Skepsis gesehen, da mir die Verzerrungen durch Scanner bekannt sind. Daher hatte ich einfach zwei Baubögen gekauft, was sich sehr schnell bezahlt machte, da ich ja an vielen Stellen übte und manches wiederholte
• Schärfen kann man Skalpelle ideal mit den Nagelfeilenunserer Frauen aus Plastik
• Als Feilen verwende ich übrigens wie schon immer Uhrmacherfeilen mit Diamant belegt

Alle aktuellen Baufortschritte sind unter

Fotos zum Baubericht:

fotografisch dokumentiert, so dass ich mir hier das Einbinden von Fotos erspare.

Der Rumpf war aus 1,5 mm Karton zu schneiden, auf die man die Vorlagen mit Sprühkleber aufbringt. Längsteile im Rumpf müssen unbedingt zuvor verklebt werden, um die nötige Stabilität zu erreichen. Zusätzlich hatte ich den Längssteg mit 5mm Leisten im Verbund verstärkt um ein Verziehen zu verhindern. Durch die gesperrt geklebten Leisten war es auch möglich, einen Rumpfhalter wie bei Holzmodellen zu verwenden, der zusätzlich für Stabilität sorgte und die Arbeit erheblich erleichtert. Die exakten Schlitze für die Spanten schneidet man mit einem Schlitzmesser, das auf 1mm, 1,5mm oder 2mm eingestellt werden kann.
Zur Verstärkung der Spantenklebungen und der Außenklebeflächen setzt man zusätzliche Papp- oder Papierstreifen auf.
Die im Modell eigentlich vorgesehenen Kanonen im Mittel- und Unterdeck sollten aufwändig als Lafetten eingesetzt werden, die dann nach Fertigstellung des Rumpfes durch die Luken das Auflegen der Kanonenrohre ermöglichen sollten. Dies habe ich umgangen, indem ich 2mm starke Kartonstücke so einklebte, dass dann später Kanonenhalbrohre darauf gesetzt werden können. Die Kartonstücke werden geschwärzt und sind 2cm hinter der Bordwandung eingebracht.
Ebenfalls habe ich in Erwartung stabiler Befestigungen für das Tauwerk in Höhe der Rüsten bzw. der entsprechenden Halterungen 5mm breite Holzleisten hinter der Rumpfbeplankung angebracht, damit ich hier später Nägel einbringen kann und ein stabiles Tauwerk erhalte mit gespannten Seilen.
Kanonenkugelhalterungen waren im Modell weggelassen, ich habe diese aus Holzleisten mit 2mm Bohrungen und 2mm Kugeln gefertigt, nachdem ich es vergeblich mit Karton versucht hatte. Vielleicht wäre es gegangen, wenn ich zuvor den Karton mit Sekundenkleber getränkt hätte.
Bei allen Modellergänzungen ging ich von dem entsprechenden Buch „Anatomy oft Victory“aus, dessen mehr als 50 Euro sehr gut angelegt sind, weil exakte Zeichnungen in 1:192 enthalten sind, die man nur verdoppelt ausdrucken muss und schon einen richtigen Bauplan hat.
Die Kanonen sind aus brüniertem Messing. Das Broktau habe ich um die Nabe geschlungen, ein Anlöten des Broktauringes ist bei 1:96 einfach zu schwierig. Das Broktau besteht aus „Seil“ mit 0,6mm und hat Schlaufen an den Enden, die dann in Haken und Ringe in der Bordwand kommen. Die Haken und Ringe sind aus 0,3mm Stahldraht. Die Kanonenstöcke sind aus brüniertem Messingdraht und Stücken von Zahnstochern.
Die Lafetten sind aus den originalen bemalten Karton 1mm geschnitten und die Räder mit Rundlocheisen gestanzt. Es sind immer zwei Kartonscheiben als Rad geklebt mit Sekundenkleber, daher sehr stabil. Das Tauwerk für die Kanonen ist je 6mm lang und darin müssen sich zwei 2mm Blöcke mit Haken unterbringen lassen und dann noch mit 0,2mm Seil gespannt werden können. Das war schon eine Herausforderung. Jedes Tauwerk (an jeder Kanone zweimal) ist echt gezurrt und dann in eine Taurolle übergehend.
Anstelle der vorgedruckten Decksplanken habe ich dünne 3mm breite und 0,5 mm dicke Holzleisten von Modulor eingesetzt, die auf die vorgedruckten Plankenlagen aufgeklebt eine sehr genaue Nachbildung gestatteten.
Trennwände auf Deck und die Fenster im Heck habe ich mit dünnen Glasscheiben statt Plastik versehen, das Bild ist dadurch einfach besser. Die Glasscheiben kann man nicht schneiden, nur über eine Kante brechen.
Im Modellbogen sind die vorne im Rumpf enthaltenen Fenster nicht enthalten. Diese habe ich mir nachgebildet und auch entsprechende Öffnungen geschnitten.
Für die Kanonenluken ist ein kompliziertes Nutzen von genau geschnittenen Innenkanten vorgesehen gewesen. Da ich den Rumpf aber ohnehin in Gänze bemalt habe, habe ich an deren Stelle 0,5 mm Kartonstücken eingeklebt und dann rot bemalt. Was überstand wurde beschnitten und befeilt.
Die Grätings habe ich nach den in Foren beschriebenen und sehr bewundernswerten Kartontechniken versucht herzustellen, war aber nicht zufrieden damit und habe sie dann aus Holz gefertigt.
Das Formen der Rumpfteile, das sehr sorgfältige Ausschneiden und auch das Anbringen dieser Teile hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mein Kielhalter hat dabei gute Dienste geleistet.
Bei den Heckfenstern hatte ich mich im ersten Wurf versucht, die Fensterstreben aus Stahldraht zu gestalten, dann aber verworfen, doch ausgeschnitten, mit Sekundenkleber getränkt und die Innenräume mit einem befeilten Lötkolben thermisch exakt in Form gebracht.
Die Profilleisten am Bug habe ich nach den Empfehlungen aus den Foren mit 1mm bzw. 0,5mm Lötdraht und aufgefüllter Kehle gestaltet, aufgeklebt und übermalt. Im Holzmodellbau „zieht“ man diese Leisten, das erschien mir aber bei 1:96 als zu aufwändig. Obwohl es auch hier Experten gibt, die selbst bei 1:150 solche Leistung noch ziehen – übrigens mit einem befeilten Sägeblatt.
Den gesamten Rumpf habe ich dann gespachtelt und mehr als 4x geschliffen und jeweils wieder gespachtelt. Das ist immer die Arbeitsphase an einem Schiffsmodell, wo ich mir viele Freunde durch den feinen Staub mache.
Für die Nachbildung der Planken am Rumpf habe ich mir eine „Kratzbürste“ gefertigt, mit dem exakten Abstand der Planken und dann mit den drei Nägeln darin immer in der Spur bleibend die „Planen“ eingekratzt. Durch das Übermalen entsteht tatsächlich der Eindruck von Holzplanken. Auch die Innenplanken habe ich an Deck so abgebildet.
Zur Bemalung habe ich eine Weile experimentiert, um die richtige Farbe herauszufinden. Schwarz matt ist ja kein Problem, aber das safrangelb schon. Die gefundene Farbe stimmt exakt mit der reellen Farbe überein.
Die Pforte im Rumpf habe ich durch Nutzung von Originalfotos gestaltet, indem ich auch das winzige farbige Innenteil der Pforte mit einem ausgeschnittenen Teil des Originalfotos maßstabsgerecht einfügte. Den Rahmen der Pforte gestaltete ich aus Mahagonifurnierstücken und die Pforte selbst aus getränktem Karton, der sich super bearbeiten ließ und filigranste Kanten und Formen gestattete..
Am Ruderblatt probierte ich die Technik des Aufklebens von Tiffany- Kupferfolienstreifen aus, indem ich 4,5mm breite selbstklebende Kupferfolie auf zuvor lackierten Karton klebte – das hielt. Somit habe ich auch den gesamten Unterwasserteil des Rumpfes nicht mit den an sich sehr sorgfältig gedruckten Kartonstreifen, sondern eben mit Kupfer beklebt und die Kupferstücken dann eingeritzt. Fehlstellen habe ich mit Kupferfarbe ausgebessert.
Um die Rüsten zu fertigen habe ich als erstes die Befestigungswinkel aus getränktem Karton gefertigt, mit 0,6mm Bohrer gebohrt und dann zusammen mit extra gefertigten Schenkeln verklebt und unter die Rüsten geklebt. Die Rüsten selbst sind ebenfalls aus getränktem Karton mit umlaufendem 1mm Lötdraht und mehren Messingstiften zur stabilen Halterung angebracht worden. Dies ist auch wichtig, weil hier später erheblicher Zug durch die Wanten entstehen wird.
Die Nagelbänke werden auch stark belastet werden, so dass ich zwar die gedruckten Maße übernahm, diese aber aus Holz fertigte und auch später mit Messingstiften verstärkt einbringen will. Hier hilft auch, dass die Decksplanken aus Holz und damit deutlich stabiler sind.
Die Bugroste entstanden aus Karton, wurden getränkt, dann gebohrt und dann mit dem Lötkolben zu den kleinen quadratischen Löchern bzw. den Schlitzen geformt – einfach genial dieser Karton, mit Holz wäre das viel schwerer .
Auch bei der Fertigung der Poller hat sich Karton besser gemacht, als meine Versuche mit Holz. Die Stabilität ist enorm. Verstärkt durch kleine Messingstifte.
Die Glocke mit Kupferdach und den beidseitigen Tauhalterungen hat mich einige Tage gekostet. Auch hier hat sich getränkter Karton bewährt, da Holz so filigran nicht zu gestalten war. Das Dach habe ich aber dann doch aus Holz geschnitzt, da der Karton einfach nicht die Formen annehmen wollte. Angemalt habe ich das Dach mit grüner „Kupferfärbung“ , überlege aber schon, hierzu wirklich Kupfer zu verwenden.
Fortsetzung folgt.
Basteln ist für alte Knaben eine von den besten Gaben!

Zur Zeit in Arbeit:
Funkpanzerwagen


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Dampflok S3
Victory,
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Kübelwagen
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Reinhard Fabisch

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Beruf: Werkzeugmacher, Ausbilder

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2

Dienstag, 14. Oktober 2008, 19:09

Hi Lore "alter Knabe"...
Na das finde ich aber prima! =D> =D> =D> Das man mal wieder etwas von der VICTORY vernimmt hab ich ja kaum noch zu hoffen gewagt. ?( Erst ging es ganz groß los und plötzlich kam dann überhaupt nichts mehr. ;( Ich selbst bin ja auch in die "Historischen" vernarrt. Zwar um Längen nicht so gut wie Du zum Beispiel, aber mir fehlt ja auch Deine langjährige Erfahrung vom Holzmodellbau. :genau: Immerin hab ich am Wochenend mein zweites Boot fertiggestellt und bin recht stolz darauf. :] Für mich zumindest wäre es schade, wenn sich die ohnehin kleine Gruppe der Segelschiffkapitäne weiter veringern würde. :( Also bitte weiter machen! Deine Bilder bzw. die Bauteile darauf sind wirklich ganz hervorragend gelungen! :super: Da kann ich nur bewundernd die Augen aufreißen @) und staunen! Aber wer weiß, vieleicht komm ich ja auch noch mal soweit. :engel:
Gruß aus Iserlohn,
Renee
Schwierigkeiten bringen Talente ans Licht,

die bei günstigeren Bedingungen schlummern würden! ;)

Lore

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3

Dienstag, 14. Oktober 2008, 20:52

Hallo Renee,

Du gibst Dir selbst die Antwort:


Zitat:
"Da kann ich nur bewundernd die Augen aufreißen...! __________________
Wer seine Augen offen hält, dem kann im Leben manches glücken."
Zitatende

Da Du mich als alten Knaben erkannt hast, hast Du ja sicher auch noch Zeit - denn eines machst Du ganz bestimmt noch nicht - dieses Hobby so intensiv, geradezu als Onanie zu betreiben. Mir macht das inzwischen so einen tierischen Spaß, dass ich meine Weiterbildung am PC und zu IT Problemen vernachlässige (obwohl ich damit mein Geld verdiene).
Außerdem ist das Hobby gesundheitsschädlich! Ich komme kaum noch dazu zu Joggen, weil ich am Sonntagvormittag immer dieses Kribbeln in den Fingern habe - statt zu rennen.

Gruß
Lothar Reinhold aus Berlin
Basteln ist für alte Knaben eine von den besten Gaben!

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