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  • »Thomas  Eichmann« ist männlich
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1

Dienstag, 15. Mai 2012, 12:33

Kathedralen und Kirchen mit Mischstilen (Dom zu Augsburg (1:250, Schreiber))

Dieser Bogen ist im Dommuseum Augsburg erhältlich. Er kostet ca. 12€ (Stand 2010)
Herausgebracht wurde er vom Verlag J.F. Schreiber, ein Jahr steht nicht dabei. Das Modell war auch nie Bestandteil des offiziellen Schreiberprogramms.

Es handelt sich um 8 Bögen im Format Din A 3 geheftet.
Eine Bauanleitung existiert im Sinne der Bauteilbenennung auf Bauzeichnungen.
Die Geschichte des Doms ist auf Deutsch beigefügt.
Teileanzahl und Konstrukteur werden leider nicht erwähnt.

Die Maße des fertigen Modells betragen ca.: 23* 46* 25cm (B*L*H)

Einige Bögen (Auswahl) habe ich mal beigefügt
»Thomas Eichmann« hat folgende Bilder angehängt:
  • P1100676.JPG
  • P1100677.JPG
  • P1100678.JPG
  • P1100679.JPG
  • P1100680.JPG
  • P1100682.JPG
  • P1100683.JPG
  • P1100681.JPG
meine Fotos:
http://500px.com/tae

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Wiesel

Hennings Dino

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2

Dienstag, 15. Mai 2012, 14:02

Dankr für die Vorstellung, Thomas.

Das Bauwerk - viieel zu weit von hier weg - wirkt auf mich, als sei der hochgotische Chor vermeintlich auf der "falschen" Seite, wie an das Westwerk angebaut...

Ohnehin fast eine Art kurioser Fremdkörper, der Chor.
Bis die Tage...

Helmut

"Einmal sah jemand die Häftlingsnummer 78651, die auf meinem Arm eintätowiert ist, und sagte: "Das ist wohl Ihre Garderobennummer?" Danach trug ich jahrelang nur langärmelige Pullover."
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modellschiff

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3

Dienstag, 15. Mai 2012, 14:15

Hallo Freunde,
das "komische" Aussehen hat etwas mit der Baugeschichte zu tun. Oft wurden an schon bestehenden Kirchen bauliche Veränderung vorgenommen. Das nach kath. Ritus der Chor samt Hochaltar das wichtigste Baulement ist, musste bei einem Umbau zuerst der Chor5 errichtet werden. Wenn dann das Geld für das Langschiff ausging, war wenigsten der Chor funktionsfähig. Das alte Gemäuer blieb dann stehen und so kommt es dann oft zu solchen Aussehen.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich

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4

Freitag, 18. Mai 2012, 15:15

Update Dom Augsburg

Moin!
Ein kleines Update zur Vorstellung des Bogens:
Der Bogen kann per Mail (museum.st.afra<at>bistum-augsburg.de/bitte das <at> enstprechend ersetzen. Ich will nur verhindern, daß die Mail-Adresse maschinell gelesen werden kann (Stichwort "spam")) beim Bistum Augsburg zum Stückpreis von EUR 3,90 bestellt werden. Als Versandkosten fallen weitere EUR 2,-- an. Der Versand erfolgt gegen Rechnung. Fand ich ausgesprochen fair und habe gleich zwei Stück bestellt.

Gruß

Nävchen


Noch ein kleines Update: Anzahl Teile: 176 wenn ich mich nicht verzählt habe. Von der Art der Colorierung würde ich auf Herrn Fehling als Konstrukteur tippen. Der Bogen trägt bereits eine fünfstellige Postleitzahl, kann also noch nicht so wahnsinnig alt sein.
In der Werft: Kombifrachter Schwan (HMV/Piet/1. Auflage), Kanonenboot Panther (HMV/Wiekowski/1. Auflage), SdKfz 222 (GPM), HSwMS Stockholm (ecardmodels.com), RV Celtic Voyager (papershipwright)

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »nävchen« (18. Mai 2012, 15:35)


Wiesel

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5

Freitag, 18. Mai 2012, 19:54

... Wenn dann das Geld für das Langschiff ausging, war wenigsten der Chor funktionsfähig. Das alte Gemäuer blieb dann stehen und so kommt es dann oft zu solchen Aussehen.



Ja, schon, Ulrich.

Aber die Türme standen schon beim romanischen Bau in diesem Fall direkt am alten Chor, das Querschiff im Westen des Kirchenschiffs, so dass der alte kreuzförmige Grundriss genau anders herum lag als sonst damals durchweg üblich.

Das meinte ich mit "vermeintlich auf der falschen Seite".
Bis die Tage...

Helmut

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6

Samstag, 19. Mai 2012, 15:45

"De' Dom", diesmal in Augsburg

Hallo Nävchen,
ich habe 2 Modelle besorgt und dabei an dich gedacht. Ich ahnte, daß du daran nicht vorbei gehen kannst. :-))
Aber du hast das Modell ja schon. Die Damen und Herren in Augsburg liefern sehr schnell. Und den Herrn Fehling fragen wir in Mainz!

Hallo Wiesel,
auch andere Kirchen wurden Stück für Stück gebaut und sahen dann kurios aus. So stand der Kölner Dom über 300 Jahre am Rhein.

Aber du hast Recht. Das Kreuzschiff und der Chor sind in Augsburg ungewöhnlich angeordnet.

Grüße
Roman

PS: Preisfrage: Warum ist der Kölner Dom die einzige Großkirche der Hochgotik mit spitzen Türmen.
Vergleiche: Cathedrale von Reims, Chartres, Amien, Notre Dames in Paris u.s.w.
LG Roman

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7

Samstag, 19. Mai 2012, 19:33

Hallo Domfreunde,
das mit den spitzen Türmen ist ganz einfach. Bei den langen Bauteiten hat man in Frankreich z. B. die
Türme einfach nicht weitergebaut. So war es auch bei dem Kölner Dom oder in Regensburg. In Zeichen des Historismus in Deutschland hat man dann in Köln oder Regensburg die Türme spitz gebaut. Die Pläne des Kölner Domes waren ja vorhanden. Diese Kirche wurde erst Mitte 19. Jahrhundert fertiggestellt. So auch Regensburg oder die Schwibbbög (Blöde neue Rechtschreibung!) in Ulm.
Die Franzosen ließen ihre Kirchen so wie sie aus dem Mittelalter kamen.

Mit freundlichen Grüßen
Ulrich

Felix

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8

Samstag, 19. Mai 2012, 19:53

Wenn ich zu der Osten-Westen-Querschiff-falschrum-Frage mal ein paar erhellende Worte anbringen darf:
Die großen konstantinischen Basiliken, vor allem natürlich St. Peter, sind gewestet, also aus heutiger Sicht „falschrum“. Bis ungefähr zur Jahrtausendwende war es üblich, bei Kirchenneu- oder Umbauten die Peterskirche zu imitieren: also ausladendes Westquerschiff, dahinter die Apsis; Eingang im Osten. Im 11. und 12. Jh. waren dann Doppelchoranlagen verbreitet (z.B. Mainzer Dom; warum gibt’s von dem eigentlich kein Modell?) bis sich die Ostchörgkeit endgültig durchsetzte.
Viele spätere Kirchenneubauten bauen auf ihren Vorgängern auf und benutzen teilweise dieselben Fundamente. „Falschrum“ sind also auch der neue Petersdom oder auch der Dom in Fulda (18. Jh.!), der einen Vorgänger aus der Karolingerzeit ersetzt.
Nun war auch der Augsburger Dom eine Doppelchoranlage, bis man ihm im späten Mittelalter durch einen Neubau ersetzen wollte. Außer dem neuen Chor ist daraus aber nichts geworden.
Ihr seht, das ist garnicht so besonders, sondern Zeugnis einer weit verbreiteten Praxis.

morewings, die Sache mit den Türmen:
Es gibt doch gotische Kathedralen mit spitzen Helmen (Freiburg, Straßburg, Chartres (sic!), Wien etc.). Aber du hast natürlich Recht, in Paris, Reims und Amiens hören die Türme alle bei Firsthöhe auf. In Reims (die älteste der drei) lassen sich auch Ansätze eines spitzen Turmhelmes erkennen.
In der Forschung wird heiß diskutiert, ob solche Helme überhaupt geplant waren: die Türme in Amiens haben nichtmal einen quadratischen Grundriss, das wäre also ohnehin nichts geworden. Und sie hören ja alle auf gleicher Höhe auf. Möglich, dass man in Frankreich das Ideal des spitzen Turmes damals nicht verfolgte, sondern gerade Abschlüsse einfach schöner fand. Und auch in England sind spitze Türme deutlich in der Unterzahl.

Liebe Grüße
Felix
„Einer acht’s,
ein andrer betracht’s,
der dritte verlacht’s,
was macht’s.“

Inschrift am Wernigeröder Rathaus

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9

Sonntag, 20. Mai 2012, 10:37

Hallo Freunde,
so macht das Modellbauen auch Freude. Anhand von Modellen sich tief in die Geschichte der Architektur einzuarbeiten.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich

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10

Sonntag, 20. Mai 2012, 11:14

Spitze Türme

Hallo Felix, @all,

bei einer Führung im Kölner Dom erklärte die Historikerin, daß die Cathedralen von Reims, Chartres, Amien, Notre Dames in Paris die Spitztürme zwar geplant waren, aber später (nach einer Bauzeit von ca. 200 Jahren) nicht mehr als modern angesehen wurden.
Der Kölner Dom wurde ja erst durch die Preussen feriggestellt und dann eben nach den alten Originalplänen.

Bei der Inspiration Modellbau, Mainz 2011 war eine an die ursprüngliche Gestaltung angenäherte Form der Cathedrale von Reims sogar als Modell umgesetzt.


Grüße
Roman
LG Roman

Felix

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Sonntag, 20. Mai 2012, 16:42

… was in etwa dem entspricht, was ich meine.
Die Zeichnung von Eugène Viollet-le-Duc kenne ich natürlich; wer gute Französisch-Kenntnisse aufzuweisen hat und sich für Gotik interessiert, dem sei dies empfohlen: http://fr.wikisource.org/wiki/Dictionnai…_au_XVIe_siècle


Der Mann gilt ja als Vater der modernen Denkmalpflege: er hat die Bauten genau dokumentiert und den Bestand gesichert, aber sonst weitgehend in Ruhe gelassen.
Er hat zwar zu rekonstruieren versucht, was die Architekten damals im Sinn hatten, das aber nur in Schrift und Bild umgesetzt.
In Deutschland hätte man zu der Zeit einfach drauflosgebaut, ohne Rücksicht auf Verluste.
So hat Viollet-le-Duc zum Beispiel in Amiens gegen den Willen der Bürgerschaft die ungleich hohen Türme der Kathedrale nicht ausgeglichen.


@Ulrich, ja! Eigentlich liegt es ja am Modellbau, dass ich jetzt hier an der Uni sitze und Kunstgeschichte studiere. Denn ohne z.B. die Modelle von L’Instant Durable wäre mein Interesse für Architekturgeschichte wohl bei weitem nicht so groß.


Liebe Grüße
Felix
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Wiesel

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Sonntag, 20. Mai 2012, 18:35

Freunde,

ich bin begeistert! Dieser Thread ist fast schon ein Highlight wegen der Ausführungen zum Thema Romanik/Gotik beziehungsweise der Lage der Chöre.

Danke vor allem Dir, Felix, für Deine fundierten Erläuterungen. :) Das war mir so fast komplett neu!
Bis die Tage...

Helmut

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13

Sonntag, 20. Mai 2012, 20:22

Hallo Freunde,
Das Gebiet des Kartonmodellbaus reicht weit. Und so ist es immer wieder gut, einmal über den Tellerrand des eigenen Fachgebietes hinauszusehen.
Dieser Bericht zeigt wie lohnennswert es ist, sich mit der Geschichte der Vorbilder zu befassen. Man erweitert dabei seinen Horizont.
Mit freundlichen Grüßen

  • »Thomas  Eichmann« ist männlich
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14

Sonntag, 20. Mai 2012, 21:30

Kirchen und Kathedralen

Sehr gut erklärt, Felix und hilfreiches Hintergrundwissen! :thumbup:

Ich habe mal google earth angeworfen und die Ausrichtung der Kirchen angeschaut.
(alle Fotos sind genordet!)

Unten abgebildet sind:
- Augsburg (Romanik/Gotik)
- Köln (Gotik)
- Mainz (Romanik)
- Speyer (Romanik)

Sowohl Augsburg als auch Mainz haben 2 Chöre, Ost- und Westchor.
Auch die Ausrichtung ist ziemlich identisch.

Die Tatsache, dass in Augsburg im Gegensatz zu Speyer und Mainz nur 2 Türme vorhanden sind, könnte daran liegen, dass das Augsburger Westwerk einmal eingestürzt ist, oder die Türme beim Umbau abgerissen wurden, vielleicht weiß aber jemand mehr darüber, warum sie so untypisch an der Ostseite stehen (2türmige romanische Kreuzbasiliken haben die türme meist im Westen)


Felix. Vom Mainzer Dom gibt es ein Modell! Es handelt sich dabei um einen reprint aus dem frühen 20ten Jahrhundert....Josef Merrick hat den sogar mal gebastelt...
»Thomas Eichmann« hat folgende Bilder angehängt:
  • Augsburg.jpg
  • Mainz.jpg
  • Speyer.jpg
  • Köln.jpg
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Felix

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Sonntag, 20. Mai 2012, 23:37

Zusätzlich noch St. Peter in Rom und St. Salvator in Fulda; beide mit dem Chor im Westen.
Zu den Türmen: In der Romanik verfolgte man in der Hinsicht eigentlich keine grundlegenden Programme, Türme baute man dahin wo gerade Platz war oder Treppentürme gebraucht wurden. Häufig dienten Türme zur Betonung liturgisch wichtiger Bauteile, deshalb sind Chorflankentürme wie in Augsburg ein verbreitetes Phänomen (z.B. Maria Laach, Speyer). Ich vermute, dass es im Westquerschiff Emporen gab oder gibt, die über mittlerweile abgerissene Treppentürme erreichbar waren.


Thomas, von dem Bogen habe ich selbst ein halbes Dutzend Exemplare in meiner Sammlung; nein, ich meinte ein modernes Modell das heutigen Ansprüchen genügt. Der Bogen von 1900 ist höchstens vorbildähnlich, also für mich nicht direkt als Modell zu bezeichnen.
»Felix« hat folgende Bilder angehängt:
  • Bildschirmfoto 2012-05-20 um 23.19.03.png
  • Bildschirmfoto 2012-05-20 um 23.36.52.png
„Einer acht’s,
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16

Montag, 21. Mai 2012, 13:13

Hallo Felix,

sorry, manchmal dauerts!
Chartres hat natürlich spitze Türme!
Ganz herzlichen Dank für die vielen interessanten Erläuterungen.

Grüße
Roman
LG Roman

Uwe Kaden

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Montag, 21. Mai 2012, 20:37

Es ist schon bemerkenswert, welch Blüten der gotische Größenwahn getrieben hat. Geld und Statik setzten dem babyl. Turmbau seine Grenzen. Der Augsburger Dom ist auch ein schönes Beispiel dafür. Bin gespannt auf das fertige Modell.
Als ich Notre Dame de Paris von L'Instant Durable baute, recherchierte ich auch ein wenig. Bin dabei auch auf die Cathédrale Saint-Pierre de Beauvais gestoßen. Ein beeindruckendes Beispiel - das Bild (Foto 1) habe ich bei Wikipedia gefunden. Eine eingefrorene Momentaufnahme, so könnte man meinen. Der Rest des romanischen Vorgängerbaus und der nur in Querschiff und Apsis fertiggewordene Riesen-Neubau mit dem höchsten Innengewölbe, das die Gotik je sah: 48,5 m. Als dann der Stahlbeton aufkam - gab's kein Halten mehr. Hier eine Kathedrale aus Argentinien, geweiht 1930 (Foto 2). Der französischen Gotik nachempfunden, zeigt die Basílica de Nuestra Señora de Luján (Notre Dame in Lujan) anschaulich, wie bspw. die Türme von Notre Dame de Paris ausgesehen haben könnten. Der Größenwahn auf die buchstäbliche Spitze getrieben...
»Uwe Kaden« hat folgende Bilder angehängt:
  • Cathédrale_Saint-Pierre_de_Beauvais1.JPG
  • nov-14-022.jpg

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Montag, 21. Mai 2012, 22:14

Da habe ich aber auch noch ein paar:
1.) Siena (Italien): Ein Erweiterungsbau , der die kirche um das Doppelte vergrößert hätte, wurde wegen der Pest und damals schon offensichtlichen Baufehlern 1348 eingestellt. Einige Seitenwände sind noch heute zu erkennen.
2-3.) Valladolid (Spanien): Die Kathedrale, hier ausnahmsweise mal im Langschiff begonnen wurde nie vollendet, weil der König (Phillip II) nach Madrid zog und den Geldhahn zudrehte
4-5.) Leiden: Die Hooglandse Kerk wurde im Langschiff wegen Geldmangel um 1500 eingestellt
6-8)) Narbonne: Der Chor wurde fertig gestellt, der Rest wegen Wirtschaftsschwierigkeiten, der ungewöhnlichen Größe und problemen mit der Stadtmauer ab 1332 eingestellt.


Alle Luftphotos sind aus Google Earth.
Die Photos der Ansichten der Bauruinen sind von mir
»Thomas Eichmann« hat folgende Bilder angehängt:
  • Siena.jpg
  • Valladolid.jpg
  • P1130282 (Kopie).JPG
  • Leiden.jpg
  • Holbel-0596 (Kopie).JPG
  • Narbonne.jpg
  • Frankreich0409-0453a (Kopie).jpg
  • Frankreich0409-0449 (Kopie).JPG
meine Fotos:
http://500px.com/tae

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19

Montag, 21. Mai 2012, 22:25

Alba De Tormes

Und dann gibt es noch Alba de Tormes (Spanien, bei Salamanca). Die Basilica Santa Theresa wurde 1898 im neugotischen Stil begonnen, wegen Geldmangels eingestellt. 2010 wurden die Arbeiten wieder aufgenommen, aber mittlerweile sind sie aus Budgetgründen (ja, die Begriffe ändern sich auch) erneut ins Stocken geratent. Ein Dach aus Holz ist aber mittlerweile vorhanden.
Der aktuelle Baufortschritt wird gebloggt (auf Spanisch):
http://www.basilicadesantateresa.blogspot.de/

Auch hier. Das Photo der Basilica ist von mir (2007) , die Luftaufnahme von Google.


P.S.: Habe mal den Threadtitel angepasst, es geht ja nicht mehr nur um Augsburg. Fällt jemandem was griffigereres ein?

PPS: Und dann gibt es ja noch die "Nuestra senora del Pilar" in Mejorada del Campo des Don Justo. Die ist aber ein Thema für sich. :D
»Thomas Eichmann« hat folgende Bilder angehängt:
  • P1130149 (Kopie).JPG
  • Alba de Tormes.jpg
  • P1130156 (Kopie).JPG
meine Fotos:
http://500px.com/tae

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Uwe Kaden

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Dienstag, 22. Mai 2012, 00:55

Du zeigst schöne Beispiele. Ich stelle fest : diese Brüche ziehen sich also durch ganz Europa. Ist eigentlich je einmal eine von diesen Super-Kirchen der Gotik vollendet worden? Der Kölner Dom scheidet da wohl aus - er wurde ja fertig lange nach der Gotik. Entweder wurde das Schiff nie vollendet oder ein Turm oder Turmhelm fehlt. Das eigentlich fast überall. Habe zwei von meinen alten Modellen fotogafiert. Mont Saint-Michel und Veitsdom auf der Prager Burg. Mont Saint-Michel ist wohl der Klassiker: gerademal die gotische Chor-Apsis ist vorhanden. Beim Veitsdom wurde der Hauptturm nie fertig, der Stumpf bekam einen Renaissance-Hut. Habt Ihr gewußt, dass der Wiener Steffl Zwillingstürme haben sollte? Das dritte Foto (Wikipedia) zeigt den verkümmerten Zwilling des Steffl auf seiner 'Rückseite'. Das europäische Mittelalter hat sich an seiner fanatischen Frömmelei ganz schon verschluckt - auf eigentlich fast allen Wegen und Kreuzzügen - intern wie auch extern.
»Uwe Kaden« hat folgende Bilder angehängt:
  • PICT0259.JPG
  • PICT0302.JPG
  • Wien.Stephansdom21.jpg

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Dienstag, 22. Mai 2012, 14:32

Britain and Brick

Außer wien auch noch Straßburg, Uwe! :cool:


Du meinst: außer Chartres (Bauzeit: 66 Jahre!) und Freiburg?
Da fallen mir auf Anhieb auf jeden Fall die britischen Kathedralen des Decorated und Perpendicular Style ein (Zeit:1250-1370 und 1350-1520).
- Bristol, Wells, Ely, Glasgow, Lincoln
- Peterborough, Westminster, Canterbury, York, Gloucester, Slaisbury,

Einige davon (wie etwa Lincoln) hatten Turmspitzen aus Holz (Lincoln war bis 1549 mit 160m das höchste Gebäude der Welt), die aber meist durch Sturm, Feuer oder Sicherheitsbedenken wieder entfernt wurden.

und natürlich die vielen Kathedralen der Backsteingotik (Münchner Frauenkirche, Danziger Marienkirche, Lübeck...)

ein!

Bei Zeist Bouwplaten gibt es seit kurzem übrigends eine neuedition einiger der Englischen KAthedralen von Eduprint.
meine Fotos:
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Uwe Kaden

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22

Mittwoch, 23. Mai 2012, 01:27

Bist Du Dir mit Chartres sicher, Thomas? Ich glaube, mal etwas über ein geplantes, aber nicht ausgeführtes, Turmprogramm - ähnlich dem von Reims - gelesen zu haben. Weiß leider nicht mehr wo es war. Auf Fotos sieht es für mich so aus, als ob nicht nur die West-Türme geplant waren. Auf diesem Wiki-Foto der Südseite kann ich drei große Turmstümpfe(?) erkennen. Reims bspw. soll ja von Chartres vieles übernommen haben. Und die 'Welschen Hauben' der Münchner Frauenkirchen sehen für mich nach einem Kompromiss aus - oder?? Also, Straßburg sieht für mich wie eine mahnende Aufforderung nach Weiterbau aus. So interessant ich diese historischen Brüche (auch wegen der Reformationszeit) auch finde, architektonisch gesehen bekommt Straßburgs Münster einfach kein Gleichgewicht. Als Betrachter fühle ich Unbehagen und das dringende Bedürfnis, mich abzuwenden - von Gott? Nein! Natürlich nur vom 'kippenden' Stein.

Danke für die Schnell-Infos auch zum höchsten Gebäude der 1549-Welt!
»Uwe Kaden« hat folgendes Bild angehängt:
  • Chartres_cathedral.jpg

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23

Mittwoch, 23. Mai 2012, 15:57

Hallo Freunde,
wie gut, dass es wiki gibt. dort steht unter Augsburger Dom, dass die romanischen Türme 1075 fertig gerstellt wurden und beim Umbau in gotischer Zeit stehen blieben.
Alos ein Stilmix wie so oft bei Kirchen oder Schlössern.
Mit freundlichen Grüßen
Ulrich

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »modellschiff« (24. Mai 2012, 11:58)


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Mittwoch, 23. Mai 2012, 19:02

Uwe: Was ist "fertig"? :rolleyes:
Je nach Definition wird der Kölner Dom NIE fertig, auch wenn er so aussieht. :pinch:
Was hätst Du von folgender Unterscheidung:
- Eine Kirche/ Kathedrale ist fertig auch wenn man vom ursprünglichen Bauplan abgewichen ist weil man gesehen hat, dass er aus statischen Gründen nicht aufgeht (Chartres, Reims, Paris) --> geplanter Baustopp; Bedingung. Kirchenschiff und Chor sind vollständig
- Eine Kathedrale ist nicht fertig wenn man sich beim Bau wegen der Finanzen überschätzt hat und in der Bauruine stecken blieb (Beauvais, Narbonne, ....) -->ungeplanter Baustopp

Oder: "fertig ist, wenn der Plan vollendet wurde"?

Übrigends ein ganz ähnliches Beispiel zu Augsburg ist noch Tournai in Belgien.

Romanische Kathedrale mit gotischem Chor. Fertig? Unvollendet? Absicht?

(Bild 1. Google Earth, Bild2 und 3 von mir)
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  • tournai.jpg
  • Holbel-3068 (Kopie).jpg
  • Holbel-3073 (Kopie).jpg
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25

Mittwoch, 23. Mai 2012, 23:19

Das ist 'ne gute Frage, Thomas. Wie definiert man 'fertig'? Dein Vorschlag klingt logisch. Beauvais bspw. ist mit Sicherheit und für alle deutlich sichtbar 'unvollendet'. Reims bspw. kann man als 'vollendet' ansehen, auch wenn ein ursrünglich geplantes Turmprogramm nicht zur Ausführung kam. Aus der Sicht der ersten Architekten und Bauleiter, die einen Bau begonnen haben, wird, so denke ich, jede Abweichung und jede Nichtausführung eine 'Unvollendung' (des ursprünglich Geplanten) darstellen. Für diejenigen, die das Dach eingewölbt und gedeckt sowie das Haus geweiht haben, wird es 'fertig' sein - auch wenn man sich irgendwann dazu entschlossen hat, den großen Glockenturm nicht zu bauen oder einen vorhandenen Stumpf mit einem Flachdach zu versehen. Soweit möchte ich Dir beipflichten. Nur wie wäre es, wenn der Bauherr in Barcelona alle Arbeiten an Gaudis Kathedrale - aus vielleicht Geld- oder Ästhetik-Gründen - plötzlich einstellen würde? Das Dach ist gedeckt und geweiht ist sie auch (2010). Man würde es bei den vorhanden 8 Glockentürmen belassen und das Haus als fertig erklären. In 100 oder 200 Jahren kommt vielleicht auch niemand mehr auf die Idee, das Haus als 'unvollendet' anzusehen, weil die ganze Welt die Kathedrale so kennt, wie sie schon lange so dasteht. Und dabei fehlen heute (aus der Sicht der Gaudi-Kenner und vieler Zeitgenossen - mich eingeschlossen) noch 10 Türme, diverse Nebengebäude und der Kreuzgang - die alle aber bis 2026 (Gaudis 100. Todesjahr) fertig sein sollen. Ein Idealbild für Jugendstil-Kathedralen gibt es ebenso wenig wie für Gotik-Kathedralen. Ich befürchte fast, eine alle überzeugende Definition zu 'fertig' wird sich nicht so leicht finden lassen. Wiki-Foto vom aktuellen Bauzustand und ein Foto von meiner 'Vollendung':
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  • Sagrada_Familia_01.jpg
  • PICT1192.jpg

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26

Sonntag, 24. Juni 2012, 22:01

Augsburger Dom, 1:357

So, hat ein bisschen gedauert, aber hier sind noch einige Fotos vom gebauten Modell vom Augsburger Dom.
Wegen Platzmangels hatte ich das Modell verkleinert
Bild 1: Ansicht von oben
Bild 2: Blick von Süden
Bild 3. Der Westchor
Bild 4: Detail des Südeingangs
Bild 5 und 8: Der Ostchor
Bild 6: Blick auf einen der romanischen Türme
Bild 7: Blick von Norden. Die kahlen Flächen werden beim Original von einem Kreuzgang abgeschlossen
Bild 8: Der Nordeingang
»Thomas Eichmann« hat folgende Bilder angehängt:
  • P1120361.JPG
  • P1120364.JPG
  • P1120367.JPG
  • P1120370.JPG
  • P1120372.JPG
  • P1120374.JPG
  • P1120376.JPG
  • P1120377.JPG
  • P1120381.JPG
meine Fotos:
http://500px.com/tae

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Augsburg, Dom, Schreiber

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