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Michael Urban

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Mittwoch, 14. Juni 2006, 18:38

DSM-Info Nr. 17/06 - Gefangen im arktischen Eis

Info Nr. 17/06 vom 13.06.2006

Gefangen im arktischen Eis

Das DSM gibt eine neue Publikation über die letzte deutsche Arktisstation des Zweiten Weltkrieges heraus

Unter strengster Geheimhaltung wurde im Winter 1944/45 in der Abgeschiedenheit Spitzbergens nördlich des 80. Breitengrades eine deutsche Wetterstation eingerichtet. Das Projekt erhielt den Codenamen „Haudegen“. Aufgabe der Station war es, das für die deutschen Militäroperationen in Nordwesteuropa bedeutsame Wettergeschehen zu überwachen, Wetterdaten zu sammeln und weiterzuleiten.

Leiter dieser Wetterdienst-Station war der Geograph und Geologe Wilhelm Dege. Seine Aufzeichnungen über die Arbeit der Gruppe „Haudegen“ in der Zeit vom September 1944 bis September 1945 sind nun vom DSM veröffentlicht worden.

Sie dokumentieren die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse Deges und der Handvoll Männer, die mit ihm in der Einsamkeit und Trostlosigkeit Spitzbergens zurückblieben, als das „Dritte Reich“ zerschlagen wurde und der Zweite Weltkrieg im Mai 1945 in Europa endete.

Erst Monate später entsandten die Alliierten ein Schiff in den hohen Norden, um Dege und die übrigen Mitglieder der Mannschaft aus ihrer ungewollten Gefangenschaft im Eis zu befreien. Der Wettertrupp „Haudegen“ war somit die letzte deutsche Einheit, die sich den Alliierten ergab.

In Verbindung mit einer ausführlichen und erläuternden Einleitung des kanadischen Historikers William Barr geben die Aufzeichnungen Wilhelm Deges – in unkommentierter und leicht gekürzter Form erstmals 1954 erschienen - einen seltenen Einblick in die Aktivitäten der Wetterdienst-Station und verdeutlichen in eindringlicher Form die Bedeutung dieses isolierten Außenpostens. Dabei treten – neben Schilderungen der diversen Arbeiten –auch die Herausforderungen des Alltags inmitten einer lebensfeindlichen Umwelt vor Augen, sei es die Eisbärenjagd, ein einsames Weihnachtsfest oder eine unumgängliche Zahnoperation, die vor Ort mit „Bordmitteln“ durchgeführt werden muss.

Wilhelm Dege, der am 9. Oktober 1910 in Bochum geboren wurde und von Haus aus eigentlich Pädagoge war, bevor er sich sehr erfolgreich der Naturwissenschaft zuwandte, hatte bereits in den 1930er Jahren diverse Forschungsreisen nach Spitzbergen unternommen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er zunächst in den Lehrerberuf zurück, blieb jedoch weiterhin der geographischen Forschung verbunden und wurde 1962 zum Professor für Heimat- und Volkskunde und Didaktik der Erdkunde an die Pädagogische Akademie Dortmund berufen. Dege starb am 21. Dezember 1979.

Bereits im Jahre 1985 hatte Wilhelm Deges Sohn Eckart Gelegenheit, den Ort des Basislagers auf Spitzbergen aufzusuchen. Dort gelang es ihm, das Tagebuch und andere Dokumente seines Vaters zu bergen. Für die nun erschienene Publikation hat Eckart Dege, basierend auf diesen Originalunterlagen, einen umfangreichen Anhang erstellt, der nicht nur die Aufzeichnungen seines Vaters in neuer Weise erschließt, sondern auch die Nachkriegsschicksale der Mannschaft und die Expedition 40 Jahre nach Ende des Krieges thematisiert. Das Buch ist im Convent-Verlag erschienen und kostet € 29,90.


Wilhelm Dege
Gefangen im arktischen Eis
Wettertrupp »Haudegen« – die letzte deutsche Arktisstation des Zweiten Weltkrieges
Eingeleitet und mit Anhängen versehen von William Barr und Eckart Dege
Convent Verlag, Hamburg
2006, 424 + XXIV S., mit 52 Abb., gebunden, mit farbigem Schutzumschlag
EUR 29,90 ISBN 3-934613-94-2






Abbildung: Expeditionsmitglied Arthur Baumann verfolgt mit dem Theodoliten einen Radiosonden-Ballon. Foto: Wilhelm Dege
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