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Glue me!

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Mittwoch, 12. August 2015, 22:01

Der ABC-Veitsdom von Vyskovsky (Im Vergleich zum Betexa-Dom)

Klebis!

Ich bin also seit kurzem stolzer Besitzer des Veitsdoms von Vyskovsky, wie er in der tschechischen Jugendzeitschrift ABC veröffentlicht wurde. Er war als Teil der gesamten Prager Burg gedacht, wobei davon insgesamt nur vier Teile abgedruckt wurden: Der Dom, Der alte Königspalast, der Burggrafenpalast und die St.Georgs-Basilika.

Sollte die Burg eines fernen Tages veröffentlicht werden, würde sie einen gänzlich anderen Eindruck machen als die - nach wie vor beeindruckende - Version von Betexa: Vyskovskys grafisches Genie stellt vieles in den Schatten, was auf den ersten Blick authentischer erscheint.
Vielleicht ist das der Königsweg bei Architekturmodellen: Der künstlerischen Gestaltung den Vorzug zu geben gebenüber dem realistischen, nüchternen Abbild. Aber genug davon.
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:05

Der Bogen

Das Modell im Masstab 1:500 ist auf neun A4-Seiten verteilt, der Karton ist - wie bei den ABC-Heften halt so üblich - extrem dünn. Die Bauanleitung liegt als Kopie bei.
Schon bei der ersten Durchsicht fällt auf, wie fein die Zeichnung ist und wie liebevoll die Kolorierung ausgeführt wurde.
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:13

Der Betexa-Dom

Wie gesagt, möchte ich hier Vyskovskys Arbeit mit der von Navratil und Bestr vergleichen, die den Bau für Betexa gezeichnet hatten.

Betexas Modell in 1:350 ist einer meiner Lieblingsbögen im Kathedralen-Fach. Dies vor allem wegen der Farbgebung, die eine Fülle von Schattierungen und aquarellartigen Übergängen aufweist. Wer mehrere Exemplare besitzt, wird feststellen, dass sich die Farben teils stark unterscheiden; nachlässiger Druck scheint hier also zum gelungenen Gesamtbild beizutragen. :D

Ich habe den Dom vor Jahren begonnen zu bauen und bin nur schon vom Fragment nach wie vor begeistert:
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:37

Die Vergleichs-Analysen

Vyskovskys Arbeit ist von ganz anderer Art; er mag in der Farbe nicht so gewagt sein wie Betexa, dafür besticht sein Modell durch eine ungemein präzisere Darstellung der Ornamentik.

Das erste Beispiel zeigt die grossen Fenster an den Enden des Querschiffs: Betexa glänzt zwar durch die Andeutung der Glasmalerei, was insgesamt eine umwerfende Wirkung hat. Vyskovskys flaches, wenig inspiriertes Hellblau zieht da klar den Kürzeren.

ABER: Wie nachlässig ist Betexa in der Zeichnung!
Angefangen bei der "Copy-Paste" - Sünde: Die Fenster sind identisch, dürften es aber nicht sein! Vyskovsky gibt das unterschiedliche Masswerk akkurat wieder.
Im unteren Bilderpaar ein Weiteres: Man beachte das Blendmasswerk oberhalb des Fensters - Bei Betexa ist es regelrecht skizzenhaft angebracht und erinnert eher an eine Blumentapete. Vyskovsky lässt wesentlich besser erkennen, dass hier Steinmetze am Werk waren und keine Batikmaler.
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:46

Mein zweites Beispiel zeigt die Fenster im Obergaden, also am Hauptschiff.
Hier zeigt sich prinzipiell das Gleiche: Die Glasmalerei exquisit, aber ein Fenster wie das andere. Vyskovsky gibt sich hier grosse Mühe, jedes einzelne Masswerk individuell zu zeichnen.
Ein weiterer Eindruck wird hier deutlich: Betexas "Gläser" dominieren die Fassade derart, dass die Spitzbogenkonstruktion fast völlig untergeht. Einer der Gründe ist natürlich die blassbraune Linienführung, die im Grunde viel vom Reiz des Modells ausmacht, hier aber an Wirkung verliert.
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:52

Die Hauptrosette des Westportals. Hier muss man Vyskovsky eindeutig den Vorzug geben. Betexa war schlicht nachlässig, anders lässt es sich nicht sagen. Ein derart repräsentatives Element MUSS einfach sorgfältiger gezeichnet werden. Man beachte die Halb-und Viertelkreise unterhalb des Giebels bei Vyskovsky und schwenke dann zum "Konkurrenten": Wie unmotiviert und verloren hängen da diese - wie soll man sie bloss nennen? - Girlanden in der Luft, autsch!
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Mittwoch, 12. August 2015, 22:56

Ein reizvolles Detail in der Vyskovsky-Version: Jeder Stein ist da!!! Selbst unterhalb ausschweifenden Blendmasswerks erkennt man die einzelnen Blöcke (siehe auch alle vorhergehenden Beispiele). Betexa gibt sich da zufrieden mit einer Andeutung hie und da. Nicht, dass dies dem Gesamteindruck Abbruch tun würde. Bemerkenswert ist es dennoch.
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Mittwoch, 12. August 2015, 23:07

Zu meinem letzten Beispiel, den Turmdächern. Hier gehört den Konstrukteuren bei Betexa tüchtig auf die Finger geklopft: Was da als schwammige Rauchsignale aufsteigt, macht Vyskovsky meisterhaft vor.
Ich weiss, dass ich natürlich recht "päpstlich" urteile, aber dass sich die insgesamt hochwertige Konstruktion Betexas solche Schnitzer erlaubt, löst bei mir Kopfschütteln aus.

Was bleibt, ist, dass beide Versionen hervorragend sind. Vyskovsky ist akkurater und gewissenhafter, Betexa künstlerischer und freier. Spannend sind beide, und jedes wird zu einem Modell, das die Augen wässern lässt.

Ich hoffe, ihr hattet Spass!

Euer Gloomy
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Freitag, 14. August 2015, 08:33

Hach Glue me
Was für eine Pracht! Ich habe mir diese Bögen nie richtig angesehen, (Asche auf mein Haupt) Nun kann ich deine Begeisterung erst richtig verstehen. Ich bin nicht so der Architektur Fan. Du mögest mir verzeihen! Was ich aber bemerkt habe, ist, du bist eigentlich der Wissenschaftliche Kartonmodellbauer, der mir Banausen die Schönheiten und die verwinkelten Gassen unseres Hobbys erklären kann, so dass auch in mir der Haben will, und bauen will Reflex entsteht. Bemerkenswert ist auch , dass deine Begeisterung so weit geht, dass das Modell schon beinahe fertig gestellt ist. Meine Hochachtung!
Bitte Weiter so!
Nik
N.K.

Derzeit im Bau: IJN Nagato 1:200 von Dom Bumagi,
Fertig: Mellum, Indianapolis,TAKAO Digital Navy 1:250,Korvette Agassiz 1:250, NJL TOGO CFM 1:250 .
Petrojarl Cidade de Rio das Ostras JSC skaliert auf 1:250
Hellcat, Halinski

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Freitag, 14. August 2015, 11:53

Hallo Gloomy,
oben in Posting 5 schreibst Du, dass bei einem Modell die Glasfenster sehr stark in den Vordergrund treten. Genau das war die Absicht der Gotik. Man wollte mit dem neuen Material Buntglas im Mittelalter zeigen, was man draus machen kann. Das Mauerwerk war da nur noch der Rahmen.
Ulrich

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Freitag, 14. August 2015, 13:36

Nik

Ich bin natürlich hocherfreut, dass ich Dir diesen Stachel ins Fleisch stecken konnte! :D
Aber gell, manchmal braucht es einen kleinen Schubser, bis man ein Auge für gewisse Dinge entwickelt.
Ich selbst habe mich in diesem Forum beispielsweise für Panzer erwärmen können, obwohl ich diese Apparate zuvor mit eiserner Nichtbeachtung gestraft hatte.


Ulrich

Danke für den Hinweis.
Du hast prinzipiell selbstredend recht, vor allem, was die Wirkung im kirchlichen Innenraum betrifft. Dort zumindest ist der Eindruck regelrecht atemberaubend!
Von aussen hingegen sind die Fenster ja etwas unspektakulär, meistens hebt sich das Glas dunkel gegen das Mauerwerk ab oder reflektiert den Himmel. Nur wenn man sehr genau hinsieht, kann man die Farben überhaupt erkennen. Diesbezüglich hat Betexa meisterliche Arbeit geleistet.
Was ich meinte, war, dass in der Regel die Spitzbögen der Fassade dennoch sehr deutlich zu erkennen sind, meist durch Schattenwurf von oben (wobei es zugegebenermassen Lichtverhältnisse gibt, die den Bogen beinahe zum Verschwinden bringen). Mir persönlich hätte es zugesagt, wenn der Spitzbogen etwas deutlicher gezeichnet worden wäre. Aber das sind Feinheiten, und - ehrlich gesagt - ohne Vyskovskys Version wären sie mir gar nicht aufgefallen...
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