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Tomwilberg

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Mittwoch, 10. Juli 2013, 13:48

Buchtipp: Das Eisbrechwesen im Deutschen Reich (1900)

Hallo Freunde, ich habe hier einen Buchtipp für die Freunde der Kohlefresser.
Diesmal geht es nicht um Kriegsschiffe, sondern um Dampfeisbrecher:

Viele Grüße
Thomas



M. Görz und M. Buchheister
Das Eisbrechwesen im Deutschen Reich
Reprint der Ausgabe von 1900


Dieses Buch ist eine umfassende Darstellung des Eisbrechwesens in Deutschland zur Jahrhundertwende (19./20. Jahrhundert). Geschrieben wurde es von M. Görz (Weichsel-Strombaudirektor aus Danzig) und M. Buchheister (Wasserbaudirektor in Hamburg, beide von Berufs wegen ausgewiesene Fachleute für das Thema Eisbrechwesen.

Eisbrecher waren noch eine vergleichsweise junge Disziplin: Erst seit rund 25 Jahren gab es diese spezialisierten Schiffe. Das Deutsche Reich, in dieser Form selbst ein junger Staat, entwickelte sich zur mächtigen Industrienation. Die Dampfmaschine und die Industrialisierung haben die Struktur der Wirtschaft nachhaltig verändert und der Güterverkehr auf den Flüssen nahm gewaltig zu. Eisgang, der den Schiffsverkehr auf Wasserstrassen und in Häfen behindert, wirkte sich zunehmend störend aus, denn die Produktion lief nun Sommers wie Winters, die Rohstoffe mussten herangeschafft und die Produkte ausgeliefert werden. Ein weiterer Aspekt ist der Hochwasserschutz der Anlieger der Wasserstrassen: Regelmässig kam es zu verheerenden Überflutungen, verursacht durch zu Barrieren aufgestautes Eis auf dem Fluss. In dem man regelmässig das Eis auf der Wasserstrasse brach, konnte es keine Barrieren mehr bilden und die Überflutungen wurden künftig vermieden. Das ist bis heute so geblieben.
Deutschland war seit 1871/72 zum Reich geeint. So zentralisiert ging man viele Entwicklungsprojekte an, unter Anderem auch die Schaffung oder Verbesserung von Infrastruktur. Das Ziel, die deutschen Wasserwege ganzjährig schiffbar zu halten, konnte man mit dem Mittel des Eisernen Schiffes mit einem zuverlässigen Dampfantrieb und besonderen Konstruktionsprinzipien angehen. Es wurde die optimale Form und Bauweise erforscht, umgesetzt und im Laufe der Zeit weiter verbessert.

Das Buch geht zunächst auf die örtlichen Gegebenheiten der einführenden Flüsse in Deutschland und die Geschichte und Technik des Eisbrechwesens ein, um dann die Besonderheiten und die technischen Details der Eisbrecher auf den verschiedenen Flüssen darzustellen.

In Deutschland gab es doch sehr verschiedene Verhältnisse, von der Lage, Größe und Schiffbarkeit des Flusses, den klimatischen Bedingungen, dem Schiffsverkehr mit seinen Häfen und schliesslich der Vereisungsbedingungen her gesehen: Im Osten mit harten Wintern liegen die Weichsel und der Nogat, die Memel, der Pregel, der Danziger Hafen und die Oder. Im Norden die Trave, der Kieler Hafen mit dem Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute: Nord-Ostsee-Kanal), der Flensburger Hafen. Im Westen die Elbe, die Weser und der Rhein. In diesem eher geographisch orientierten ersten Kapitel wird auch immer wieder auf Gerät und Techniken des Eisbrechens eingegangen, das ja nicht nur vom Schiff aus erfolgte. Vor allem Sprengtechniken werden eingehend erläutert, man kommt aber zu dem Schluss, das nachhaltiges Eisbrechwesen sinnvoll nur durch Schiffe (Eisbrecher) erfolgen kann.

Im zweiten Kapitel gehen die Autoren auf die einzelnen Eisbrecher für die genannten Regionen ein. Informationen über Beschaffung, Konstruktion, Besonderheiten, Masse und technische Daten der einzelnen Schiffe, insbesondere über die folgenden Eisbrechdampfer:
„Eisbrecher I“ (Hamburg 1871),
„Eisbrecher II“ (Hamburg 1877),
„Hofe“ (Hamburg 1877),
„Trave“ (Stettin 1879),
„Weichsel“ (Danzig 1880),
„Montau“ (Danzig 1882),
„Simson“ (Hamburg 1883),
„Ossa“ (Danzig 1884),
„Ferse“ (Danzig 1884),
„Königsberg“ (Elbing 1885),
„Stettin“ und „Swinemünde“ (Stettin 1888),
„Siegfried“ (Kiel 1888),
„Berlin“ (Stettin 1889),
„Nogat“ (Danzig 1889),
„Möwe“ (Hamburg 1889),
„Wal“ (Uebigau b. Dresden, 1889),
„Delphin“ und „Robbe“ (Uebigau b. Dresden 1889),
„Wodan“ (Bremen 1889),
„Lüneburg“ (Hamburg 1890),
„Steknitz“ (Lübeck 1891),
„Eisbrecher III“ (Hamburg 1892),
„Elbe“ (Hamburg 1892),
„Eisbär“ und „Walross“ (Stettin, 1892),
„Widder“ (Stettin 1892),
„Molch“ und „Salamander“ (Uebigau b. Dresden 1892),
„Donar“ (Bremen 1892),
„Schwarzwasser“ (Danzig 1894),
„Brahe“ (Elbing 1894),
„Prussina“ (Danzig 1894),
„Scorpion“ (Uebigau b. Dresden 1895),
„Drewenz“ (Schichau 1896),
„Welle“ (Danzig 1896),
„Schlange“, „Eidechse“ und „Drache“ (Uebigau b. Dresden 1892),
„Fribbe“ (Danzig 1898),
„Wakenitz“ (Lübeck 1899)

Das dritte Kapitel gewährt Einblicke in den Betrieb, Erfolge und Kosten eines Eisbrechers. Neben wirtschaftlichen Daten gehen die Autoren hier auf die Charakteristika der Einsätze der Eisbrecher in den verschiedenen Umgebungen (Fluss, Strom, Seehafen, Meeresbucht) ein. Gerade durch die Schilderungen im ersten und dritten Kapitel bekommt man als Aussenstehender einen Einblick in das „Geschäft“ mit dem Eis.

Im Anhang des Buches sind Reproduktionen von Karten der genannten Flüsse, graphische Darstellungen von klimatischen Daten, speziellere Daten zum Eisgang auf den Fahrtgebieten, sowie Zeichnungen zu einigen der angesprochenen Schiffe. Es handelt sich um Seitenansicht, Draufsicht, Längsschnitt, Deckschnitt, Querschnitte und Spantenriss :
„Weichsel“ (Danzig 1880),
„Ossa“ (Danzig 1884),
„Ferse“ (Danzig 1884),
„Nogat“ (Danzig 1889),
„Schwarzwasser“ (Danzig 1894),
„Welle“ (Danzig 1896),
„Fribbe“ (Danzig 1898),
„Stettin“ und „Swinemünde“ (Stettin 1888),
„Berlin“ (Stettin 1889),
„Trave“ (Stettin 1879),
„Eisbrecher III“ (Hamburg 1892),
„Elbe“ (Hamburg 1892),
„Hofe“ (Hamburg 1877),
„Möwe“ (Hamburg 1889),
„Wal“ (Uebigau b. Dresden, 1889),
„Delphin“ und „Robbe“ (Uebigau b. Dresden 1889),
„Walross“ (Stettin, 1892),
„Widder“ (Stettin 1892),
„Lüneburg“ (Hamburg 1890),
„Donar“ (Bremen 1892),

Die Karten und technischen Zeichnungen des Anhangs konnten aus technischen Gründen nicht alle in der Originalgröße wiedergegeben werden. Ursprünglich sind die Zeichnungen der Schiffe in 1:100 gehalten. Der Herausgeber des Reprints bietet gesondert Drucke in der Originalgröße der Zeichnung oder in einem Wunschmaßstab an; Modellbauer könnten sich so also die Risszeichnungen der Schiffe schon im Masstab ihres geplanten Modells zur Verfügung stellen lassen. Eine Bestellkarte liegt dem Buch bei. Super!

Fazit:
Der bekannte Autor in „Eisbrecherfragen“ Christian Ostersehlte formulierte es in einem Artikel so: „Zur Pariser Weltausstellung 1900 verfassten die beiden Wasserbaudirektoren Görz (Danzig) und Buchheister (Hamburg) ein dickleibiges Standardwerk über das deutsche Eisbrechwesen. Da viele Archive (vor allem im ehemaligen deutschen Osten) mittlerweile unrettbar verloren gegangen sind, bedeutet dieses aufwendig gestaltete Buch für heutige Historiker eine Fundgrube an Informationen über die frühe Geschichte des Eisbrechwesens in Deutschland.“
Wer sich für die Geschichte der Binnenschifffahrt, der Schlepp- und Eisbrechdampfer interessiert, insbesondere für die dampfgetriebenen Arbeitsschiffe um 1900, sollte dieses Buch kennen; Dieses Werk ist nun also in einer ordentlichen Reproduktion für das eigene Archiv wieder verfügbar.

Gebundene Ausgabe: ISBN 978-3-8495-0293-5, 308 Seiten, zahlreiche Abbildungen: 250,-€; erhältlich im wohlsortierten Buchhandel oder beim Herausgeber: Helmut Wedemeyer, Kohlmarkt 22, 25554 Wilster, Deutschland. (e-mail: info@wedemeyer.de)

Abb.: Muster der Tafel 30 - Eisbrecher „Trave“ (Veröffentlichungsgenehmigung liegt vor)

Pianisto

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2

Mittwoch, 10. Juli 2013, 15:53

Hallo Thomas,

wow! Ich hoffe diverse Kartonverlage kaufen sich die Risszeichnungen in 1:250...... :rolleyes:

Vielen Dank für die Info!

Gruß pianisto

Tomwilberg

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Mittwoch, 10. Juli 2013, 16:03

Na, ich würde mir die eher in 1:50 wünschen, reichhaltig detailliert, digital gealtert, dass die so richtig schön nach alter Väter Arbeit aussehen.

Gruß
Tom

Jochen Haut

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Mittwoch, 10. Juli 2013, 23:20

Moin Thomas,
schönes Buch - leider übersteigt es meinen Etat ein wenig ?( !
Gruß
Jochen

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 09:46

Hallo Jochen,

man muß nicht alles kaufen, man kann auch leihen!

Hallo Tom,

hast Du eventuell auch die neue ISBN-Nummer des Reprints?

Hajo
Ein Leben ohne Kartonmodellbau ist möglich, lohnt aber nicht! (Frei nach Loriot)

Tomwilberg

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Donnerstag, 11. Juli 2013, 22:11

Hi Hajo,
die ISBN steht am Ende meiner Rezension:
978-3-8495-0293-5

Viele Grüsse
Thomas

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